Dienstag, 11. März 2014

Artikel über die Terraristika Hamm in der „Bild am Sonntag“

Die Bild am Sonntag berichtete am 09.03.2014 über die Terraristika in Hamm, die am Tag zuvor stattfand und als weltgrößte Börse für Terraristik gilt. Ich war am besagten Samstag ebenfalls dort zugegen und kann somit stolz berichten, dass ich Deutschlands „tödlichste Messe“ überlebt habe. Hier der Artikel: Besuch auf Deutschlands tödlichster Messe 

Offenbar wurde dieser Bericht von der Pro Wildlife – Sprecherin Sandra Altherr stark beeinflusst. Diese Person ist (zumindest was Reptilien und Amphibien anbelangt) meiner Einschätzung nach nicht sonderlich sachkundig und versucht, wie auch einige andere Tierschutzorganisationen, aus ideologischen Gründen die Haltung von sogenannten „Exoten“ (worunter neben exotischen Reptilien, Amphibien und Wirbellosen per Definition auch diverse Zierfische, Wellensittiche, Meerschweinchen, Goldhamster etc. fallen) einzuschränken und auf lange Sicht zu verbieten. Aber: Nur weil eine solche Aktivistin etwas sagt und sich dabei auf veraltete und teils gefälschte Statistiken bezieht, ist dies noch lange nicht die Wahrheit. Der „Artenschutzverein“ Pro Wildlife e.V. ist bereits in der Vergangenheit mit erfundenen Horrorstatistiken negativ aufgefallen: „Artenschutzverein“ PRO WILDLIFE erfindet Horror-Statistik

Im Dezemberheft 2013 mahnt die Stiftung Warentest den potentiellen Spender wegen unzureichender Transparenz und Kontrolle des besagten Vereins zur Vorsicht. Ein blindes Vertrauen in diese Organisation ist also schon einmal nicht anzuraten.

Eine der Aussagen von Frau Altherr im Bild-Artikel besagt: „Reptilien sind alles andere als anspruchslos, sie sind aufgrund ihrer hohen Haltungsbedingungen und Pflege als Haustiere völlig ungeeignet.“ Dies entspricht nicht ganz der Wahrheit. Anspruchslos sind Reptilien gewiss nicht. Aber eine Vielzahl von Studien belegt, dass diese Tiere (nicht zuletzt auch Dank der technischen Fortschritte in der Terraristik und des Austauschs von Erfahrungen auf Börsen wie der Terraristika) sehr gut gehalten werden können. Die Vielzahl an Nachzuchten aus Privathand, durch welche die Entnahme von Tieren aus der Natur unterbunden wird und die den Großteil der auf der Terraristika angebotenen Tiere ausmachen, belegt dies. Im Falle des Königspythons gibt es beispielsweise diverse Forschungsergebnisse, die aufzeigen, dass diese Schlange im Zeitrahmen der Beobachtungen in ihrem natürlichen Lebensraum nur einen kleinen Aktionsradius nutzte und sich den Großteil ihres Lebens in engen Nagerbauten aufhielt. Diese Haltungsbedingungen kann man im Terrarium sehr gut nachstellen. Anders sieht es da bei Haustieren aus, die einen größeren Aktionsradius benötigen (z.B. Hunde, Katzen oder Kaninchen). Die Halter dieser Tiere sind jedoch das Klientel von radikalen Tierschutzorganisationen wie Pro Wildlife e.V., weswegen sich dort auf die Exotenhaltung eingeschossen wird.

Die einleitende Angabe des Bild-Artikels, dass bis zu 850.000 Reptilien nach Deutschland importiert werden, ist nicht aktuell. Das statistische Bundesamt gibt für das Jahr 2012 eine Anzahl von ca. 405.000 importierten Reptilien an. Überwiegend handelt es sich dabei um Nachzuchten von Züchtern aus den USA und nicht (wie suggeriert wird) um Wildfänge oder gar Wildtierschmuggel. Die höchsten Umsätze lassen sich in der Terraristik ohnehin mit sogenannten Farbmorphen (durch Mutation besonders gefärbte Tiere) erzielen, die allesamt aus Nachzuchten stammen. Ich selbst bin zwar kein Freund von solchen Zuchten rein der Ästhetik wegen und fand es bezeichnend, dass auf der Terraristika unter allen angebotenen Bartagamen, Kornnattern, Königspythons und Leopardgeckos kaum bis gar keine Tiere in ihrer natürlichen Wildfarbe angeboten wurden, denn auch diese könnte man problemlos züchten, doch sind sie eben aus Sicht vieler Kunden und Züchter „langweilig“ im Vergleich zu immer bunteren Farbvarianten. Dennoch ist dieser Markt der Beweis dafür, dass Nachzucht und somit Schutz der natürlichen Tierbestände sowohl im Inland als auch bei den Importen die Regel ist.

Auch das Gefahrenpotential von Reptilien und Amphibien wird im Artikel falsch dargestellt. Täglich passieren schwere und manchmal sogar tödliche Unfälle mit Pferden, Hunden und Katzen, bei denen häufig sogar Dritte betroffen sind. Unfälle mit den üblichen Exoten in Privathaltung sind selten, betreffen fast immer nur den direkten Halter und keine Unbeteiligten und sind in der Regel auch nicht so schwerwiegend, dass eine ärztliche Behandlung notwendig ist. Nach amerikanischen Studien liegen Hundebisse mit schätzungsweise bis zu 2 Millionen Bissen pro Jahr an erster Stelle, gefolgt von Katzenbissen mit etwa 400.000 (von denen fast die Hälfte der gemeldeten Bissverletzungen mit schweren Infektionserkrankungen einhergeht). Zwischenfälle mit Reptilien spielen im Vergleich dazu statisch nicht einmal eine Rolle. Warum werden dann also nicht auch „tödliche Messen“ wie die „Pferd und Jagd“ scharf kritisiert und mittelfristig unterbunden oder z.B. die Haltung von Katzen (die durch ihr Herumstreunen in der freien Natur zusätzlich noch unzählige geschützte Amphibien, Säugetiere und Vögel töten) nur unter Vorlage eines Sachkundenachweises gestattet? Ach ja, weil die Halter dieser Tiere radikale Clubs wie Pro Wildlife e.V. mit Spenden beglücken.

Wir bekamen von den Verkäufern auf der Terraristika am Samstag zu den von uns gekauften Wirbeltieren eine kompetente Beratung und eine schriftliche Haltungsbeschreibung. Diese wurde bereits 2013 seitens des Veranstalters vorgeschrieben, die Aushändigung an die Käufer wurde von Ordnern der Börse überprüft. Eine Beratung seitens der Verkäufer war, anders als es im Bild-Artikel vermittelt wird, somit ebenfalls vorhanden.

Die im Bild-Artikel kritisierte kurzfristige Aufbewahrung der Tiere in Plastikboxen und der Transport in Stoffbeuteln sind in den vom zuständigen Bundesministerium veröffentlichten Leitlinien für die Durchführung von Tierbörsen ebenfalls als tierschutzgerecht niedergelegt.

Somit bleibt als Fazit nur der bittere Beigeschmack von diversen Unwahrheiten (ob nun mutwillig ausgedacht oder dilettantisch recherchiert), die von sogenannten „Tierschutzvereinen“ wie Pro Wildlife e.V. über Medien wie die Bild verbreitet werden. Es bleibt abzuwarten wie stark der Einfluss dieser Lobby auf die Politik letztlich sein wird.

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