Dienstag, 11. März 2014

Nachbetrachtung: 53. Terraristika in Hamm

Am vergangenen Samstag den 08. März 2014 war es wieder soweit. Die weltweit größte Börse für Terraristik öffnete ihre Pforten in den Zentralhallen Hamm. Bereits die „Bild am Sonntag“ berichtete äußerst einseitig und reißerisch über die 53. Terraristika. Meine Meinung zu diesem Bericht habe ich bereits in einem vorherigen Beitrag auf diesem Blog verkündet:
http://terrarianer.blogspot.de/2014/03/stellungnahme-zum-artikel-uber-die.html

An dieser Stelle möchte ich nun selber einmal objektiv einige Dinge erläutern, die mir beim Besuch der Terraristika aufgefallen sind.

Wie ich es bereits in meiner Stellungnahme zum Bild-Report schrieb, fand ich es schon ziemlich betrüblich, dass auf der Terraristika unter allen angebotenen Bartagamen, Kornnattern, Königspythons und Leopardgeckos kaum bis gar keine Tiere in ihrer natürlichen Wildfarbe angeboten wurden. Besonders bei den Leopardgeckos ist mir dies aufgefallen. Einerseits finde ich es löblich, dass alle diese Tiere definitiv aus Nachzuchten stammen, da sie in freier Wildbahn mit ihren auffälligen Farben oder dem ausgeprägten Albinismus keine Überlebenschancen hätten und Wildfänge somit ausgeschlossen sind. Dennoch erinnert mich dies an diverse Qualzuchten aus dem Bereich der Hundezucht. Bei der Etablierung neuer Farbvarianten spielt auch immer Inzucht eine Rolle. Manche Farbvarianten des Königspythons reagieren besonders mit den Augen empfindlich auf UV-Licht. Irgendwie spielt der Mensch hierbei mal wieder Gott und verdrängt das natürliche Erscheinungsbild der Tiere. Dies wurde auf der Terraristika deutlich und lässt mich diese Art der Nachzucht kritisch betrachten. Leider bestimmt die Nachfrage das Angebot und solange wildfarbene Tiere als „langweilig“ gelten und für ein paar Euro verramscht werden „müssen“ (an einem Stand wechselten junge, wildfarbene Kornnattern für gerade einmal 5 Euro den Besitzer), habe ich auch ein gewisses Verständnis für die Züchter. Am Ende sind jedoch wildfarbene Tiere nicht weniger liebenswert. 

Waren auf der 51. Terraristika letztes Jahr (die ich ebenfalls besuchte) noch bunte Pfeilgiftfrösche der letzte Schrei, waren es in diesem Jahr (neben den Klassikern wie Königspython & Co.) Kronengeckos in ebenfalls verschiedenen Farbvariationen. Vom Färberfrosch Dendrobates tinctorius waren dieses Mal jedoch seltsam wenig Exemplare der „Azureus“-Lokalform zu finden. Hoffentlich kein Zeichen dafür, dass diese Variante (die in der Natur vielleicht bereits ausgestorben ist) auch von der Arche der Terraristik verschwindet. 

Ich bin neben Schlangen und Wirbellosen auch ein leidenschaftlicher Kröten-Halter. Bis auf ein paar Exemplare von Anaxyrus debilis wurden leider dieses Mal keine Kröten angeboten. Der im Vorfeld geplante Kauf einer Afrikanischen Hausschlange kam leider auch nicht zustande, da diese von keinem Verkäufer angeboten wurde. Vermutlich wieder das Problem der „langweiligen“ Farbe. Dafür konnte ich mich an einem Stand mit Strumpfbandnattern kaum sattsehen. Auch bei den Phasmiden bemerkte ich einen Rückgang der Angebote im Vergleich zur letzten von mir besuchten Terraristika. Für Vogelspinnenhalter war jedoch wieder alles dabei, was das Herz begehrt. Von Avicularia, über Brachypelma und Poecilotheria bis hin zu einigen hochpreisigen Exemplaren aus der Gattung Theraphosa

Der Austausch und die Beratung seitens der Verkäufer waren wie gewohnt freundlich und kompetent. Gerade dieser Austausch von Fachwissen macht Börsen wie die Terraristika so wichtig. Werden dadurch schließlich auch die Haltung und Nachzucht der exotischen Tiere verbessert. Die im Jahr 2013 eingeführte schriftliche Haltungsbeschreibung, die beim Kauf eines Wirbeltieres dem Käufer mitgegeben werden muss, habe ich bei meinem Wirbeltierkauf erhalten. Meiner Meinung nach sollte dies aber auch noch auf Wirbellose ausgeweitet werden, welche den Großteil meines Kaufes ausmachten. Diese bekam ich meist ohne jegliche schriftliche Information, wobei mir die Verkäufer dennoch Antworten auf meine Fragen geben konnten. Aber auch diese Tiere haben eine artgerechte Unterkunft verdient, was mit einer schriftlichen Information zwar nicht zu 100 % gesichert wäre, aber dennoch dem Käufer eine Haltungsgrundlage liefern würde. Andererseits sehe ich hierbei den Käufer in der Pflicht, sich im Vorfeld über die Tiere zu informieren, die er zu kaufen beabsichtigt. Leider war mein Eindruck von mindestens der Hälfte der Besucher, die sich teilweise mit Kindern / Kinderwagen durch die Gänge schoben, nicht gerade so, wie ich mir sachkundige Terrarianer vorstelle. Auch die Verkaufsgespräche, die ich so am Rande mitbekam, sprachen eine deutliche Sprache. Spontankäufe sind hierbei das Problem. Ich nehme die Verkäufer ebenfalls in die Pflicht, die dabei nicht die Scheine vor Augen sehen sollten, sondern primär das Wohl der Tiere und somit ein gewisses Fingerspitzengefühl bei den Verkaufsgesprächen beweisen sollten. Unter Umständen ist der ein oder andere Verkauf dann seitens des Verkäufers abzulehnen. Bei den hohen Standgebühren allerdings sicherlich ein Wunschdenken meinerseits.

Den mysteriösen Gifttierraum habe ich bei meinem Besuch nicht betreten und kann darüber somit auch nichts berichten. Für mich kommen Kobras, Taipane & Co. ohnehin nicht für die eigene Haltung in Frage. Doch auch die restlichen Verkaufsflächen brachten die ein oder andere interessante Begegnungen zustande. So wurden dort tatsächlich an zwei Ständen Gila-Krustenechsen verkauft. Mit diesen Tieren kenne ich mich zwar nicht gut genug aus, um mir ein Urteil über Verhalten und Giftwirkung zu erlauben, dennoch fand ich die Warnschilder „Giftig“ außerhalb des Gifttierraumes doch recht irritierend.

Einen großen Kritikpunkt stellt für mich das Anfassen der Tiere dar. Dies ist in der Börsenordnung aus verständlichen Gründen nur aus „triftigen Gründen“ gestattet. Leider wurden mehrmals Tiere (meist Schlangen) vor meinen Augen aus ihren Behältnissen genommen und den interessierten Kunden in die Hand gedrückt. Zählt ein potentieller Verkauf bereits zu den triftigen Gründen? Die Begutachtung eines Tieres durch den (sachkundigen) Käufer ist natürlich anzuraten. Dennoch würde ich dies erst zum Ende eines Verkaufsgespräches gestatten. Sachkundige Käufer sollten die Ausnahme sein. Denn Desinfektionsmittel suchte ich in diesen Momenten vergebens. Wenn ein Kunde die Schlange anfassen möchte, um ihren Gesundheitszustand zu überprüfen, sollte er den Verkäufer im Vorfeld nach Desinfektionsmittel fragen (auch um den Anbieter und dessen Vorstellungen von Hygiene im Umgang mit Reptilien besser einschätzen zu können). Dieses Vorwissen stellt für mich einen sachkundigen Käufer dar, der die Schlange dann auch gerne näher begutachten darf. Aber nur für den schnellen Euro dem Kunden eine Schlange direkt in die Hand zu drücken, stellt in meinen Augen keinen außreichend triftigen Grund dar. Sicherlich sind diese Verkäufer die Ausnahme, da auch einige das Anfassen der Tiere direkt ablehnten oder Desinfektionsmittel parat hatten. Dennoch wäre eine schärfere Überwachung seitens der Ordner wünschenswert. Leider wurden auch weitere Punkte der Börsenordnung bei näherer Betrachtung von einigen Anbietern nicht eingehalten, wie z.B. die Deklarationspflicht der Verkaufsbehältnisse. Dass sich das Zelt (in dem überwiegend Futtertiere und Einrichtungsgegenstände verkauft wurden) im hinteren Teil als eine Art Fressbude entpuppte, wo einige Besucher der Börse auf dem Boden hockten und aßen, fand ich ebenfalls inmitten des Getümmels etwas befremdlich. Auch hier sollten die Veranstalter den Verkauf von Lebensmitteln lediglich vor den Zentralhallen erlauben. Ansonsten werden sämtliche Hygienemaßnahmen beim Umgang mit Reptilien nicht konsequent umgesetzt.
 
Es bleibt also eine zwiespältige Angelegenheit. In Sachen Arterhalt durch Nachzucht, Austausch von Fachwissen und Knüpfen neuer Kontakte ist die Terraristika Hamm sicherlich eine der besten Anlaufstellen für Terrarianer. Dennoch gibt es einige Punkte, die man verbessern könnte. Denn nichts auf dieser Welt ist gut genug, dass es nicht noch besser werden könnte.

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