Mittwoch, 26. März 2014

Du bist ein echter Terrarianer, wenn…

Hier mal eine von mir ergänzte und abgewandelte Version dieser erheiternden Liste, die durch diverse Foren und Websites geistert: Du bist ein echter Terrarianer, wenn…

… du bei jedem Spaziergang Tüten und Boxen mitnimmst und mit Ästen, Steinen, Wurzeln und Laub zurückkommst.

… du keine Tiefkühlprodukte mehr kaufen kannst, weil der Eisschrank voller Frostfutter ist

… du ständig Babynahrung kaufst, obwohl du keine Kinder hast.

… du dein Tierfutter im Bioladen kaufst und deine eigenen Bedürfnisse nur noch beim Discounter abdeckst.

... du von deinem Obst mehr als die Hälfte in kleine Plastikboxen schnibbelst.

... du nur noch schweigend lächelst wenn jemand sagt: "Iiiiih, die sind doch glitschig, oder?"

… du beim Stromversorger als "Industriekunde" geführt wirst.

... du mehrmals im Jahr kilometerlange Strecken in Kauf nimmst, um an gewissen Börsen und Tagungen teilzunehmen.

… du die Bahnverbindung nach Hamm bereits auswendig kennst.

… dein Kalender nicht von Neujahr bis Silvester geht, sondern von „Hamm“ bis „Hamm“.

... du bei einem befreundeten Paar zu Besuch bist, deren Kind gerade erkrankt ist, und dich erst mal nach Haltungsparametern wie Luftfeuchtigkeit, Temperatur und Bodenbelag im Kinderzimmer erkundigst.

... der Fernseher für dich völlig überflüssig geworden ist.

… du mitten in der Nacht mit einer Taschenlampe bewaffnet durch die Wohnung geisterst.

... das Geld auf deinem Konto immer weniger wird, sich die Bewohneranzahl in deiner Wohnung jedoch stetig erhöht.

... es in deiner Wohnung heller ist als draußen.

... du eigentlich zeitig aufgestanden bist und trotzdem wieder 15 Minuten zu spät zur Arbeit kommst, weil der morgendliche Blick in die Terrarien so fesselnd ist.

… du weder Heizung noch Licht im Wohnzimmer brauchst, weil die Terrarienlampen alles erledigen.

... du ständig mit einem Zollstock bewaffnet durch die Wohnung streifst, um zu gucken ob da denn wirklich kein Platz mehr für ein weiteres Terrarium ist.

... du ständig überlegst welche Möbel in deiner Wohnung wirklich nötig sind.

... in deiner ganzen Wohnung Kunststoffdöschen mit Insekten rumstehen.

... du deinem Mitbewohnern immerzu versichern musst: "Nein, nein… Das ist ganz bestimmt keines von meinen Insekten!"

... du nächtelang Löcher in irgendwelche Plastikboxen bohrst.

… du beim Kinobesuch die böse Giftschlange als harmlose Milchschlange entlarven kannst.

… du in deinem Bekanntenkreis nur noch „Spiderman“ genannt wirst.

... deine Urlaubsmitbringsel aus Ästen, Steinen, Wurzeln und Rindenstücken bestehen.

... sich Leute mit diesen Worten bei dir melden: "Du, ich hab von einem Freund gehört, dass du Reptilien hast. Ich möchte mir […] anschaffen. Was muss ich beachten?"

... du jedem Statiker die Panik in den Augen ansiehst, wenn er deine Wohnung betritt.

… der Brandschutzexperte beim Anblick der Kabelsalate und Mehrfachsteckdosen ähnlich reagiert.

… du deinen Vorsatz „In diesem Jahr mache ich etwas gegen den Kabelsalat!“ seit 10 Jahren vor dir herschiebst.

… du deine Bekannten dazu anstiftest ihre Eierkartons aufzuheben.

… du dich vor einem Umzug fürchtest.

… du dir selber nicht mehr glaubst bei der Aussage: „Mehr Tiere gibt es nicht!“

… du immer irgendwo noch ein Plätzchen für ein Terrarium findest.

... du jeden Stromableser, Handwerker etc. länger in der Wohnung hat, als es dir lieb ist.

… deine Besucher Eintritt zahlen müssen.

... du Worte wie „Parthenogenese“, „Dorsolateral“, „Sexualdimorphismus“, „Drosophila melanogaster“ oder „Chromatopelma cyaneopubescens“ im normalen Sprachgebrauch verwendest.

… deine Apotheke im Herbst eine Sonderbestellung für Stuhlprobenröhrchen aufgeben muss.

… du deine Apotheke auch sonst mit dubiosen Wünschen nervst.

… die Brombeersträucher im Garten dank deines wöchentlichen Rückschnitts ordentlich austreiben (Gruß an alle Phasmidenhalter)

… du nachts mit Taschenlampe und Pinzette bewaffnet dem Zirpen im Schlafzimmer auf den Grund gehst.

... du im Baumarkt nach dem mehrmaligen Kauf von einigen Zeitschaltuhren zu hören bekommst: „Wohl zu faul noch Schalter zu betätigen, was?“

... du als Frau / Homosexueller freiwillig einen Baumarkt betrittst.

... du eigentlich keinen Platz mehr in der Wohnung hat, aber trotzdem immer wieder neue Tiere ankommen.

... sich selbst deine Mutter / Freundin mit der Schabenzucht angefreundet hat.

... die Postfiliale sich über zirpende Pakete wundert.

... du die Wohnung nicht mehr in Zimmer, sondern in Klimazonen einteilst.

... du bei allen Topfblumen im Blumenladen fragst, ob diese wohl ungespritzt sind.

und natürlich:

Du bist ein echter Terrarianer, wenn du mindestens 75 % der Punkte dieser Liste mit einem Schmunzeln oder Nicken abgetan hast!


Dienstag, 25. März 2014

Der Tokeh (Gekko gecko)

Der Tokeh (im Deutschen gelegentlich auch „Panthergecko“ genannt) ist ein nachtaktiver Gecko aus Asien und stellt den größten Vertreter in der Gattung der Echten Geckos dar. Unter Terrarianer ist dieses Tier leider nicht sonderlich beliebt, daher möchte ich hiermit einmal eine Lanze für diesen missverstandenen Gecko brechen.
 
Die Unbeliebtheit des Tokehs hat mehrere Gründe. Einerseits benötigen adulte Geckos aufgrund ihrer Größe viel Platz und auch die Gruppenhaltung dieser Geckos gestaltet sich als nicht sehr vorteilhaft. Andererseits schreckt der nächtliche Ruf eines einzeln gehaltenen geschlechtsreifen Männchens so manchen Halter ab. Dieser Ruf klingt wie „eck-oh“ bzw. „ock-eh“ und bescherte dadurch nicht nur der Typusart der Echten Geckos ihren Namen „Tokeh“, sondern auch den übergeordneten Familiennamen „Gecko“. Der wohl entscheidendste Grund der Vorbehalte gegenüber Gekko gecko ist aber sicherlich, dass Tokehs nicht sonderlich zutraulich werden. Im Gegenteil: Sie bleiben auch nach Jahren in menschlicher Obhut richtige Charaktertiere, die bei Bedrängung ordentlich drohen und sich gekonnt zur Wehr setzen können. Der Kopf eines Tokehs, mit seiner markanten Wangenmuskulatur, gibt schon Aufschluss über die Beißkraft dieser Tiere. Wenn ein Tokeh zugebissen hat, lässt er auch nicht so schnell wieder los. Wer einen Gecko halten möchte, der freudig auf die Hand springt und dort Fruchtbrei schleckt, der ist mit einem anderen Gecko (z.B. einem Kronengecko oder Taggecko) besser beraten. Zwar gewöhnen sich Tokehs nach einiger Zeit irgendwann auch an den Menschen und ergreifen nicht jedes Mal die Flucht, wenn man sich dem Terrarium nähert, handzahm werden sie jedoch normalerweise nicht. Doch gerade dieses authentische Verhalten macht den Reiz an diesen Tieren aus.

Abgesehen davon sind Tokehs nämlich sehr interessante Tiere. Ich persönlich empfehle eine Paarhaltung. In einer 1.1 Gruppe bleibt das Männchen in der Regel nämlich relativ leise. Nur wenn ein Weibchen fehlt, kann es passieren, dass ein paarungswilliges Männchen mit seinen Rufen (die übrigens nicht dauerhaft, sondern lediglich phasenweise auftreten) die Nacht zum Tag werden lässt. Eine Gruppe mit mehr als einem Männchen verbietet sich aufgrund des ausgeprägten Territorialverhaltens dieses Geckos. Durch ihre Beißkraft können sich rivalisierende Tokeh-Männchen sehr schwere Verletzungen zufügen. Das vorzeitige Ableben eines der Tiere wäre in solch einer Konstellation sicher. Auch die Haltung von mehreren Weibchen ist meiner Erfahrung nach abzulehnen. Zwar entsteht dann für ein einzelnes Weibchen kein extremer Paarungsdruck durch das Männchen, dennoch wird auch hierbei eines der Weibchen immer das dominantere Individuum sein. Der Stress durch die Konkurrenz eines zweiten Weibchens ist leider oftmals stärker, als der Paarungsdruck bei einer Pärchenhaltung. Sitzt eines der Weibchen tagsüber an der Frontscheibe des Terrariums, stimmt etwas innerhalb der Gruppe nicht. In diesen Fällen wird das jeweilige Tier aus den Versteckplätzen verdrängt und würde auf lange Sicht irgendwann verkümmern und eingehen, sofern der Halter nicht eingreift. Ein harmonierendes Pärchen verhält sich hingegen sehr friedlich und teilt sich oftmals sogar denselben Versteckplatz. Die Nachzucht ist somit (bei Einhaltung der Haltungsbedingungen) auch relativ problemlos möglich.

Eine Nachzucht sollte zudem oberste Priorität bei der Haltung dieser Tiere haben. Zwar unterliegt der Tokeh momentan keinem Schutzstatus, dennoch (oder eben auch gerade deswegen) findet man in Zoofachgeschäften fast ausschließlich ausgewachsene Tokeh-Männchen. Der Grund dafür liegt auf der Hand. Durch ihr Rufen ist es leicht diese Tiere in ihrem natürlichen Lebensraum aufzuspüren und zu fangen. Weibliche Exemplare findet man somit fast nur über Züchter oder über Händler, die selber ihre Tiere bei einem Züchter kaufen (wobei Wildfänge meist günstiger und Nachzuchttiere im Handel somit relativ selten sind).

Haltungsbedingungen: 
Tokehs lassen sich in großen Regenwaldterrarien pflegen. Da diese Tiere in ihrer Heimat Kulturfolger sind und z.B. Häuser und Ruinen bewohnen, kann man das Terrarium entsprechend gestalten. Verschiedene Pflanzen und aufrechte Korkröhren bieten den Tieren Sichtschutz. Tokehs hängen gerne kopfüber an der Rückwand des Terrariums, weswegen man ihnen dort entsprechende Versteckplätze bieten sollte.

Die Mindesthaltungsrichtlinien für Reptilien des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten geben für ein Pärchen dieser Geckos ein Terrarium in der Größe von 6 x 6 x 8 (L x B x H) der Kopf-Rumpf-Länge an. Adulte Tokes haben eine KRL von ca. 18 cm. Daraus ergibt sich ein Terrarium mit den Mindestmaßen 108 x 108 cm in der Grundfläche und einer Höhe vom 144 cm. Meiner Meinung nach sind diese Mindesthaltungsrichtlinien nicht bindend und in vielen Punkten auch nicht sehr vorteilhaft. Ich richte mich stattdessen lieber nach der Fachliteratur. Darin gibt BRUINS für ein Tokeh-Pärchen ein Terrarium von gerade einmal 50 x 50 x 100 cm an, was ich jedoch als viel zu klein empfinde. DR. I. KOBER nennt hingegen ein Terrarium von 100 x 50 x 120 cm für ein Pärchen. Dies stellt auch in meinen Augen die passende Mindestgröße für ein Tokeh-Pärchen dar. Größere Terrarien sind natürlich besser, daher biete ich meinem Pärchen ein Terrarium mit den Maßen 100 x 60 x 120 cm. Diesbezüglich vertrete ich jedoch die Meinung, dass ein kleineres Terrarium mit den richtigen Haltungsbedingungen immer besser ist als ein großer Palast, der nicht vernünftig geheizt wird.


Die Temperatur im Terrarium sollte tagsüber zwischen 22 und maximal 32 °C liegen. Dies kann man z.B. durch eine Wärmelampe erreichen, welche man mit einem Schutzgitter bestückt, damit der Tokeh sich nicht verbrennen kann. Im Sommer kann man die Wärmelampe durch eine LED-Lampe ersetzen, um Überhitzung zu vermeiden. Dauerhafte Temperaturen von über 35 °C werden vom Tokeh nämlich nicht vertragen und da sie sich in der Regel nicht aktiv sonnen, reicht eine Grundbeleuchtung im Sommer normalerweise aus. Die Lampe erzeugt außerdem das nötige Licht für die Pflanzen, sofern man echte Pflanzen nutzt. Diese müssen robust sein, um den Sprung eines ausgewachsenen Tokehs mit einem Kampfgewicht von etwa 200 g auszuhalten. Auch leicht zu reinigende Kunstpflanzen sind für ein Tokeh-Terraium denkbar. Nachts kann die Temperatur auf leicht  erhöhte Zimmertemperatur (ca. 22 °C) absinken. Nachttemperaturen unter 18 °C sollten vermieden werden. UV-Licht ist nach gängiger Meinung in der Fachliteratur bei einem nachtaktiven Tier wie dem Tokeh nicht unbedingt nötig. Da ich jedoch bei dieser schnellwüchsigen bereits einen Ausfall aufgrund von Rachitis zu beklagen hatte, würde ich inzwischen die Verwendung einer geeigneten Lampe mit UV-Anteil (z.B. Lucky Reptile Bright Sun UV Jungle) empfehlen. Um Mangelerscheinungen vorzubeugen sollte man zusätzlich die Futtertiere mit einem Vitamin-Präparat (inkl. Vitamin D3) bestäuben. Hierbei ist auf die jeweilige Dosierungsanweisung des Herstellers zu achten, denn zu viele Vitamine sind ebenfalls schädlich. Da Tokehs eher große und feuchte Terrarien bewohnen und sich oftmals nicht direkt von der Pinzette füttern lassen, kann es passieren, dass die Futtertiere die Bestäubung verlieren und der Tokeh somit letztlich einen Nährstoffmangel erleidet. Ein weiterer Grund für die zusätzliche Verwendung einer UV-Lichtquelle. Möglich wäre auch, die bestäubten Futtertiere in einem Glas (bei Bedarf mit zusätzlichem Vitamin/Calcium-Pulver) anzubieten, aus dem sich der Gecko selber bedienen kann. Gefressen wird alles, was der Tokeh überwältigen kann, wie z.B. Heuschrecken, Grillen, Schaben und gelegentlich Mehlwürmer. Man sollte möglichst abwechslungsreich füttern und dies lieber öfter (alle 2 Tage) mit kleinen Portionen, anstatt lediglich einmal pro Woche eine große Ladung Futtertiere in das Terrarium zu geben. Denn zu viele Futtertiere erzeugen evtl. unnötigen Stress bei diesen sensiblen Geckos.

Die Luftfeuchtigkeit sollte tagsüber nicht unter 60 % fallen. Nachts sollte sie zwischen 70 und 80 % liegen. Dies erreicht man durch tägliches Übersprühen der Terrarieneinrichtung, bevorzugt in den Abendstunden, damit die nachtaktiven Geckos die Tropfen von der Einrichtung lecken können. Auf diesem Wege decken sie ihren Flüssigkeitsbedarf. Eine Wasserschale sollte dennoch nicht im Terrarium fehlen. Das Wasser wird alle 2-3 Tage (bei Verschmutzung sofort) gegen frisches ausgetauscht.

Die Lebenserwartung eines Tokehs liegt bei ca. 20 Jahren.


Montag, 24. März 2014

Untersuchung von Kotproben

Ein verantwortungsvoller Terrarianer lässt in regelmäßigen Abständen Kotproben seiner Pfleglinge untersuchen. Bei Neuanschaffungen in den Bestand und vor der Winterruhe ist die Untersuchung einer Kotprobe in meinen Augen Pflichtprogramm. Abgesehen davon lasse ich den Kot meiner Schützlinge nur bei Auffälligkeiten untersuchen. 

Doch wo lässt man die Proben am besten untersuchen? 
Die erste Anlaufstelle für viele Tierhalter wird wohl der Tierarzt sein. Hierbei muss man jedoch bedenken, dass die meisten Tierärzte den Kot nicht in der eigenen Praxis untersuchen, sondern entsprechende Proben von einem Fremdlabor untersuchen lassen. Der Weg zum Tierarzt ist daher für routinemäßige Kotuntersuchungen meiner Meinung nach ein vermeidbarer Umweg. Man kann die Proben auch direkt einem Untersuchungslabor zuschicken, um Zeit und meist auch Kosten zu sparen. Im Falle von Auffälligkeiten des Gesundheitszustandes eines Tieres sollte man allerdings den Weg zum Tierarzt nicht scheuen. Nicht jeder Erreger findet sich im Kot wieder. Mitunter muss eine Blutprobe genommen werden. Dies ist und bleibt das Fachgebiet des behandelnden Arztes! 

Bei der Auswahl eines solchen Untersuchungslabors für routinemäßige Kotproben hat man verschiedene Möglichkeiten. Im Handel sind vorgefertigte Kotproben-Sets erhältlich. Diese Sets enthalten in der Regel ein Kotprobenröhrchen, eine dichtverschließende Probentüte, das auszufüllende Auftragsformular (für Laien vorteilhaft, da der Untersuchungsauftrag damit schon vorgegeben ist) und sind in einem vorfrankierten Päckchen verpackt. Preislich liegen diese Sets bei ca. 25 Euro. Mit diesem Preis sind sowohl das Probenahmematerial, der Versand als auch die eigentliche Untersuchung abgedeckt. Für ca. 40 Euro gibt es von manchen Anbietern auch ein Set mit zusätzlicher Untersuchung auf Cryptosporidien. Dies sind schwer nachzuweisende* Parasiten, die einen für Reptilien und Amphibien aufgrund fehlender Medikamente tödlichen Krankheitsverlauf in Form von Durchfall, Lethargie und Gewichtsverlust verursachen. *Daher ist diese Zusatzuntersuchung entsprechend teuer. 

Diese käuflich zu erwerbenden Untersuchungskits sind zwar äußerst praktisch, jedoch habe ich (zumindest bei dem von mir getesteten Anbieter, den ich hier namentlich nicht nennen möchte) keine guten Erfahrungen gemacht. Einerseits sind die hauseigenen Labore dieser Anbieter nicht unbedingt unabhängig. Insbesondere wenn der jeweilige Anbieter auch gleich noch die passenden Medikamente für die jeweiligen Befunde im Sortiment hat. Es schwingt immer ein gewisses Misstrauen mit, ob der Befund nicht auch dazu dienen soll, die Umsätze der hauseigenen Medikamente zu steigern. Vertrauen in das Untersuchungslabor hat doch aber wohl oberste Priorität! Als mein Partner und ich bei der Neuanschaffung von drei Leopardgeckos entsprechend drei Einzelproben einschickten, erhielten wir nur Befunde von zwei Tieren zurück. Das Labor bestimmte außerdem lediglich qualitativ und nicht quantitativ. Das bedeutet, dass lediglich die Art des Erregers angegeben wurde, jedoch nicht die Stärke des Befalls. Nach der Untersuchung des Kotes meines Königspythons erhielt ich zwar einen Anruf, in dem man mir mitteilte, dass keine Erreger im Kot gefunden wurden. Auf meine Nachfrage ob ich diesen Befund auch schriftlich bekommen könnte, erhielt ich als Antwort: „Wir möchten Sie bitten davon abzusehen.“
Ich arbeite hauptberuflich selbst als Laborant in einem Untersuchungslabor und ein solches Verhalten ist ein Unding! Man zahlt schließlich gutes Geld für die Untersuchungsergebnisse. 


Zum Glück hat man noch weitere Alternativen. Wenn man sich ein wenig schlau macht, findet man unabhängige Prüflabore. Ich habe bisher nur gute Erfahrungen mit Exomed (www.exomed.de) gemacht – und nein, dies ist nicht das Labor in dem ich selber tätig bin. Der Laie ist bei diesen Laboren jedoch meist unsicher, wie das Einsendungsformular ausgefüllt werden muss und wie man mit der Probe verfahren sollte. Daher gebe ich hier einmal einen Leitfaden, wie ich es handhabe:

Zuerst einmal ist die Qualität der zu untersuchenden Kotprobe entscheidend. Eine verunreinigte Probe erschwert die Untersuchung und somit den Nachweis von Erregern. Mitunter wird eine Probe sogar unbrauchbar, wenn sie zu stark verunreinigt ist. Aus diesem Grund sollte die Einsendungsprobe tatsächlich nur das zu untersuchende Material (also in diesem Falle Kot) enthalten und keine Verunreinigungen in Form von Bodengrund oder den weißen Harnsäurekristallen, die Reptilien oftmals zusammen mit der Kotabgabe ausscheiden. Es sollte sich logischerweise um eine möglichst frische Probe handeln. Getrockneter Kot oder Kot, der lange „herumlag“ und vor sich hin reifen konnte, enthält meist eine verfälschte Zahl an Erregern, da diese mit der Zeit absterben oder sich rasant vermehren können. Dies würde zu quantitativ falschen Befunden führen (also die Stärke des Befalls in dem Kot wäre nicht mehr vergleichbar mit dem tatsächlichen Befall des Tieres).

Hat man eine frische Kotprobe, sollte man diese in ein dichtschließendes Gefäß überführen. In der Apotheke kann man für wenig Geld Stuhlprobenröhrchen kaufen. In der Apotheke meines Vertrauens bekomme ich solche Probenröhrchen für gerade einmal 0,30 Euro. Es ist ratsam sich gleich mehrere dieser Röhrchen anzuschaffen, damit man jederzeit welche zur Verfügung hat. Hat man die zu untersuchende Kotprobe in das Röhrchen überführt, sollte man sie noch ein wenig befeuchten. Ein paar Tropfen Wasser reichen aus. Die Probe soll nicht im Wasser schwimmen, sondern lediglich vor dem Austrocknen bewahrt werden. Die Befeuchtung mit Leitungswasser ist theoretisch ausreichend. Ich bevorzuge jedoch die Verwendung von „destilliertem Wasser“, welches man in der Drogerie kaufen kann. Man will schließlich nicht das womöglich verunreinigte Leitungswasser auf irgendwelche Erreger untersuchen lassen oder durch gechlortes Leitungswasser potentielle Erreger im Tierkot abtöten. Letzteres wäre zwar im Grunde nicht so tragisch, da auch die toten Erreger vom Labor festgestellt werden können. Dennoch plädiere ich als Laborant auf die Verwendung von destilliertem (bzw. demineralisiertem) Wasser. Es spricht nach der Befeuchtung an sich nichts dagegen, wenn man die Probe noch nicht direkt abschickt, sondern eine Sammelprobe erzeugt und dafür das Material noch 2-3 Tage bei sich belässt. In diesem Falle ist darauf zu achten, dass man das Probenröhrchen nicht zu warm lagert, um eine Vermehrung der Erreger im Probenmaterial zu vermeiden. Als Sammelprobe bezeichnet man einerseits eine Mischprobe aus mehreren Kotabgaben eines Tieres (da manche Erreger nicht bei jeder Darmentleerung ausgeschieden werden, bieten sich Sammelproben an) und andererseits eine Mischprobe aus Kotabgaben mehrerer Tiere. Dies bietet sich bei Tieren an, die ohnehin gemeinsam in einer Gruppe gehalten werden. Anstatt also den Kot jedes Tieres einzeln untersuchen zu lassen, bietet sich eine Sammelprobe der gesamten Gruppe an. Denn wenn ein Tier an einem Erreger leidet, sind meistens auch die anderen Tiere im Terrarium betroffen oder sollten prophylaktisch behandelt werden. 


Das Stuhlprobenröhrchen mit der befeuchteten Kotprobe wird anschließend für den Versand in einen möglichst dichtschließenden Plastikbeutel (liegt meist dem Probenröhrchen bereits bei) gesteckt, um ein Auslaufen des Materials auf dem Transportweg zu vermeiden. Dies ist schon seitens der Post so vorgeschrieben! Um eine Beschädigung zu vermeiden sollte dieser Plastikbeutel zudem in einen Luftpolsterumschlag (Briefversand an das Postfach von Exomed) oder in ein Päckchen (Versand an die Direktanschrift) gesteckt werden. Ich versende die Proben normalerweise als Brief, welchen ich als Warensendung frankiere. Nähere Informationen findet man dazu auf der Website der Deutschen Post.  
Bevor man jedoch die Proben abschickt, füllt man das Einsendungsformular aus, welches man auf der Website von Exomed herunterladen kann: www.exomed.de/Download/Einsendeformular.pdf 

Sendet man das Probenmaterial selber ein, lässt man die Daten über den Tierarzt frei, trägt seine Anschrift bei „Besitzer“ ein und kreuzt auch „Besitzer“ bei „Rechnung an“ an. Die erforderlichen Daten über das jeweilige Tier sind deutlich auszufüllen. Der Tag der Probenahme wird eingetragen und „Kotprobe“ angekreuzt. Bei „Art der Konservierung“ gibt man an, dass man die Probe mit Wasser befeuchtet hat. Unter „Anamnese / Therapie“ vermerkt man den Grund der Untersuchung. Also evtl. vorhandene Krankheitssymptome (wobei man in diesem Falle vorher einen Tierarzt konsultieren sollte!), die Vorbereitung auf die Winterruhe oder aber ganz einfach nur „Kontrolle“. 

Auf der zweiten Seite kreuzt man nun die gewünschte Untersuchung an (Preise sind der Website von Exomed zu entnehmen). Die von mir empfohlene Untersuchung zur Kontrolle vor der Winterruhe oder bei Neuaufnahme in den Bestand findet sich bei den Einzeluntersuchungen und nennt sich „parasitologische Untersuchung“. Diese Untersuchung hat im Prinzip den gleichen Umfang, wie die käuflich zu erwerbenden Kotuntersuchungs-Sets (Untersuchung auf Endoparasiten wie Würmer, Flagellaten etc.). Kreuzt man unter Erregernachweis zusätzlich „ELISA Cryptosporidien“ an, erhält man die ebenfalls von den teureren Kotproben-Sets bekannte Untersuchung auf Cryptosporidien. Dafür sollten aber mindestens drei Proben zu unterschiedlichen Zeitpunkten genommen werden, da Cryptosporidien nicht unbedingt in jeder Kotprobe nachweisbar sind. Eine solche Untersuchung ist meiner Meinung nach auch nur dann nötig, wenn ein ernster Verdacht auf einen Befall mit Cryptosporidien vorliegt. Im Grunde dient der Befund dann nur noch der Rettung des nicht infizierten Bestandes. Die infizierten Tiere sind nämlich leider nicht mehr zu retten.

Exomed ist meiner bisherigen Erfahrung nach recht schnell und schon wenige Tage nach dem Abschicken der Probe erhält man schriftlich den Befund, dem zudem auch Informationen über weitere Schritte der Behandlung beigefügt sind, sowie die Rechnung. Weitere Informationen sind der Website von Exomed zu entnehmen.

Freitag, 21. März 2014

Tagesspiegel berichtet: Tierschützer fordern strengere Regeln für Wildtierhandel


In diesem Artikel wird mal wieder suggeriert, dass es sich bei Importen von Wildtieren grundsätzlich um illegale Schmuggelware handelt. Dem ist jedoch nicht so. Man muss schon unterscheiden zwischen Wildtier und Wildfang. Nicht jedes in Deutschland gehaltene exotische Wildtier ist auch ein aus der Natur entnommenes Tier. Im Gegenteil!

Wie ich bereits in einem anderen Post erläuterte, gibt das statistische Bundesamt für das Jahr 2012 eine Anzahl von ca. 405.000 importierten Reptilien an. Überwiegend handelt es sich dabei um Nachzuchten von Züchtern aus den USA und nicht um Wildfänge. Die Züchter in den USA sind oft Vorreiter bei der Etablierung neuer Farbvarianten, die dann nach Deutschland importiert werden. Mit dem Handel oder gar Schmuggel von Wildfängen hat das absolut nichts zu tun.

Davon abgesehen sind Wildfänge für einen Erhalt des Genpools der Nachzuchttiere wichtig. Gerade bei neuen Arten, derer sich die Terraristik gerade erst annimmt. Ansonsten droht Inzucht. Auch für die Erforschung der Nachzuchtmöglichkeiten „neuer“ Arten ist der Import nötig. Diese Importe stellen aber wie gesagt nur einen kleinen Teil der Gesamtimporte dar.

Die Bevölkerung in den Gebieten wo Wildfänge stattfinden, verdient ihren Lebensunterhalt mit diesen Tieren. Aus diesem Grund schützen sie logischerweise die Lebensräume und die Bestände. Ein „Leerfangen“ würde sonst die Lebensgrundlage zerstören. Wenn der Import in der EU eingestellt wird, verliert diese Bevölkerung jedoch ebenfalls ihre Lebensgrundlage. Sie sind dann darauf angewiesen die Lebensräume der Wildfangtiere anderweitig zu nutzen – beispielsweise in Form von Landwirtschaft. Dies würde viele der natürlichen Lebensräume (die ohnehin schon gefährdet sind) zerstören.

Das somit offensichtliche Motto dieser sogenannten Tierschützer „Lieber ausgerottet, als in Gefangenschaft erhalten“ ist absolut nicht tragbar! Umso wichtiger ist, dass wir unter solche Artikel sachliche Kommentare verfassen, um den von diesen Organisationen manipulierten Lesern unseren Standpunkt zu verdeutlichen. Denn diese Leser werden sich sicherlich nicht auf einen Blog wie diesen hier verirren. Also erhebt eure Stimme!
  
Zitat aus dem Artikel: 
„Handel und Haltung sollten auf solche Arten beschränkt werden, die in Privathand dauerhaft und ihren Bedürfnissen entsprechend gehalten werden können.“
Auch die Halter von anderen Tieren, die aufgrund von Vorurteilen und der Propaganda einiger Vereine und der Medien immer auf uns Exotenhalter zeigen, sollten bei solchen Aussagen hellhörig werden. Schlangen und Vogelspinnen sind in der Regel Lauerjäger, die keine großen Gebiete in freier Wildbahn nutzen. Durch die technischen Fortschritte in der Terraristik kann man dem Großteil dieser Tiere in Gefangenschaft die Bedingungen bieten, die sie auch in Freiheit hätten (eine gewisse Sachkunde natürlich vorausgesetzt). Ganz anders sieht es bei Tieren wie Hamstern, Kaninchen oder Meerschweinchen aus. Letztere bewohnen z.B. hochgelegene Lagen mit großen Territorien. Diese Tiere werden zuhauf in Gefangenschaft (in zu kleinen Käfigen / Ställen) gehalten (vorhandene Sachkunde seitens der Halter mag ich hier einmal bezweifeln), was jedoch die meisten Tierschutzvereine nicht öffentlich anprangern. Sind doch die Halter dieser Tiere die Hauptklientel solcher Vereine.
  
Beim Schutz der Tiere wird immer wieder vermenschlicht. Es wird suggeriert, dass die Exoten in freier Wildbahn glücklich durch die Bäume klettern oder in den Teichen schwimmen. Dem ist jedoch nicht so! Engagierte Terrarianer und auch Aquarianer schauen über den Tellerrand und kümmern sich um die Belange von wildlebenden Tieren, die große Tierschutzorganisationen leider zu oft vernachlässigen. Bilder von leidenden Orang-Utans sind halt wirksamer für diese Clubs und die Medien, als der Schutz von irgendwelchen wirbellosen Tieren. Traurig, aber so ist es leider...

Dienstag, 18. März 2014

Greift das Tierschutzgesetz auch bei Insekten und anderen Wirbellosen?

Spinne im Bad! Darf ich sie töten?
Wenn man sich durch diverse Foren im Internet liest, stößt man auf so einige Missverständnisse in Bezug auf die Frage, ob das Tierschutzgesetz auch bei Wirbellosen greift oder nicht. Der Großteil der Bevölkerung ist offenbar der Meinung, dass mit dem Tierschutzgesetz lediglich Wirbeltiere (also Säugetiere, Reptilien, Amphibien, Vögel und Fische) geschützt werden. Wirbellose Tiere wie Insekten, Hundert- & Tausendfüßler, Spinnen, Krebse, Krabben aber auch Kopffüßer (Oktopus und Co.) oder Schnecken und Würmer seien vom Tierschutzgesetz nicht bedacht. Dies ist jedoch falsch!

Das Tierschutzgesetz greift sehr wohl in allen Paragraphen, die sich nicht eindeutig auf Wirbeltiere beziehen, auch bei Wirbellosen. Sowohl Wirbeltiere als auch Wirbellose werden in manchen Passagen des Gesetzes besonders betont. Ob ein Paragraph des Tierschutzgesetzes also auch für Wirbellose gültig ist, muss man schon genau herauslesen.

Beispielsweise werden Wirbeltiere und Kopffüßer für Betriebe, die mit diesen Tieren Versuche oder wissenschaftliche Forschungen im Rahmen der Medizin betreiben, mehrfach gesondert herausgestellt. In § 8 finden dann auch andere Wirbellose eine genaue Erwähnung:
§ 8 TierSchG
(4) Das Bundesministerium wird ermächtigt, im Einvernehmen mit dem Bundesministerium für Bildung und Forschung durch Rechtsverordnung mit Zustimmung des Bundesrates vorzusehen, dass Versuche an anderen wirbellosen Tieren als Kopffüßern und Zehnfußkrebsen der zuständigen Behörde anzuzeigen sind, soweit diese Tiere über eine den Wirbeltieren entsprechende artspezifische Fähigkeit verfügen, unter den Versuchseinwirkungen zu leiden, und es zu ihrem Schutz erforderlich ist.
Abgesehen von diesen Ausnahmen bzw. Alleinstellungsmerkmalen von Wirbeltieren und bestimmten Wirbellosen, gelten die restlichen Paragraphen auch für andere Wirbellose wie z.B. Gliederfüßer (Insekten, Spinnen usw.). Allen voran natürlich der ersten beiden Paragraphen:
§ 1 TierSchG
Zweck dieses Gesetzes ist es, aus der Verantwortung des Menschen für das Tier als Mitgeschöpf dessen Leben und Wohlbefinden zu schützen. Niemand darf einem Tier ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen.
§ 2 TierSchG
Wer ein Tier hält, betreut oder zu betreuen hat,  
1.     muss das Tier seiner Art und seinen Bedürfnissen entsprechend angemessen ernähren, pflegen und verhaltensgerecht unterbringen, 
2.     darf die Möglichkeit des Tieres zu artgemäßer Bewegung nicht so einschränken, dass ihm Schmerzen oder vermeidbare Leiden oder Schäden zugefügt werden, 
3.     muss über die für eine angemessene Ernährung, Pflege und verhaltensgerechte Unterbringung des Tieres erforderlichen Kenntnisse und Fähigkeiten verfügen.
Wer also beispielsweise eine Ameise nur so aus Spaß an der Freude mit einer Lupe grillt, einer Fliege mutwillig die Flügel ausreißt, eine Vogelspinne dauerhaft in einem viel zu kleinen Terrarium hält oder einen Skorpion absichtlich verhungern lässt, verstößt ebenso gegen das Tierschutzgesetz, als wenn diese Person einen Hund verhungern lassen oder eine Katze in einen engen Käfig sperren würde. Nur reagiert die Öffentlichkeit bei solchen Verstößen meist sehr unterschiedlich. "Hunde und Katzen sind schließlich süß und deswegen besonders schutzbedürftig. Das ganze Krabbelgetier ist ekelig und leidet ja eh keine Schmerzen." Außerdem ist bei "Schädlingen" und "ekelerregenden Tieren" schnell mal der im TierSchG geforderte "vernünftige Grund" zur Tötung vorhanden. Dies ist aber auch bei Wirbeltieren (z.B. Mäusen und Ratten) der Fall, da die Bekämpfung dieser Tiere mit tödlichen Fallen und Giften ansonsten ebenfalls tierschutzwidrig wäre.

Während § 17 TierSchG Freiheitsstrafen zwar nur auf das grundlose Töten oder Quälen von Wirbeltieren verhängt, geht aus § 18 TierSchG hervor, dass das Zufügen von erhebliche Schmerzen, Leiden oder Schäden ohne vernünftigen Grund bei Tieren (also auch Wirbellosen) zumindest eine Ordnungswidrigkeit darstellt.  

Ich bitte also hiermit jeden meiner Leser, das Tierschutzgesetz auch beim Umgang mit Wirbellosen zu beachten. Nicht nur bei der Haltung dieser Tiere, sondern auch beim alltäglichen Umgang mit wildlebenden Arten. Ist es ein vernünftiger Grund eine Spinne oder Wespe zu erschlagen, nur weil sie lästig ist? Oder weil man sich ekelt oder Angst davor hat? Ich habe selbst Angst vor Hunden. Erschlage ich deswegen gleich jeden Hund, der mir unangeleint im öffentlichen Raum zu nahe kommt? Und würde man mir das einfach so durchgehen lassen? Wohl eher nicht... 

Mehr zum Thema:
Terrarientiere im Internet bestellen

Diese Ausführungen beziehen sich auf das zum Zeitpunkt der Veröffentlichung gültige Tierschutzgesetz.

Montag, 17. März 2014

Nachtrag: Ohnmächtiger Exotenhalter

Ich berichtete bereits letzte Woche in diesem Blog über besagten Vorfall:

Aus Interesse an der Ursache, welche tatsächlich die Ohnmacht des Exotenhalters auslöste, kontaktierte ich die Bielefelder Polizei und die "Neue Westfälische" und fragte dort nach, ob bereits neue Ergebnisse der Ermittlungen vorliegen und ob die mutmaßlichen Täter (die Skorpione) tatsächlich die Ursache für den Rettungseinsatz waren. Von der Polizei erhielt ich bisher keine Antwort.

Aber die Zeitung meldete sich heute auf meine Anfrage. Die Redaktion fragt sich ebenfalls, ob die Skorpione wirklich Ursache für diesen Rettungseinsatz waren. Die Polizei hat die Ermittlungen wohl ohne Ergebnis eingestellt. Zitat: "Es wird für die Öffentlichkeit ein Geheimnis bleiben."

Da die Schuld der Skorpione somit nicht bewiesen wurde, gelten sie weiterhin als unschuldig. Jede Art von Panikmache während der Berichterstattung war somit (mal wieder) unnötig.

Samstag, 15. März 2014

Meldepflicht von Tieren in der Terraristik

Immer wieder stellt sich die Frage, ob das gewünschte Terrarientier meldepflichtig ist oder nicht. Bei der Beantwortung dieser Frage muss man verschiedene Dinge beachten. Einerseits die unterschiedlichen Einstufungen der jeweiligen Tiere im Rahmen der Meldepflicht, den Unterschied zwischen Meldepflicht und Nachweispflicht, die unterschiedlichen Regelungen der einzelnen Bundesländer sowie die Veränderungen der wissenschaftlichen Artnamen. Ich versuche hiermit dieses komplexe Thema ein wenig zu erläutern. 

Im ersten Schritt wird unterschieden zwischen der Meldepflicht von gefährlichen Tieren und der Meldepflicht von gefährdeten Tieren: 

Meldepflicht von gefährlichen Tieren:

Kaiserboa
(Boa imperator syn. 
Boa constrictor imperator)
Hier hat jedes Bundesland und teilweise sogar jeder Landkreis noch seine eigenen Regelungen*. Ein und dasselbe Tier kann in einem Bundesland als gefährliches Tier eingestuft sein und somit einer Meldepflicht oder sogar einem Haltungsverbot unterliegen, während es in einem anderen Bundesland ohne irgendwelche gesetzlichen Bestimmungen gehalten werden darf. Als gefährlich eingestufte
Tiere sind normalerweise nicht nur meldeflichtig, sondern unterliegen einer Genehmigungspflicht. Dies setzt gewisse Dinge in Bezug auf das Terrarium vorraus und meist ist der Besuch eines Amtstierarztes nötig, der dann seine Zusage für eine meist zeitlich befristete Genehmigung für die Haltung ausspricht. Ein jeder Halter sollte sich also, was die Frage der Meldepflicht in Bezug auf die Definition als „gefährliches Tier“ betrifft, vor der Anschaffung direkt bei der zuständigen Behörde informieren. Ich kann jedoch versprechen, dass die Behörden teilweise selbst überfragt sind und die Zuständigkeiten weiterreichen, ehe man endlich eine Antwort bekommt. Einen Überblick über die Gefahrtierregelungen der einzelnen Bundesländer findet ihr hier: Gefahrtierhaltung

*Daher bin ich eigentlich auch für eine bundeseinheitliche Anpassung der Regelungen. Die verschiedenen Gesetze und Verordnungen stiften Verwirrung. Mir ist jedoch wichtig, dass diese bundeseinheitliche Regelung nicht am runden Tisch entschieden wird, sondern die Meinung von Experten (damit meine ich sachkundige Terrarianer und keine Tierschutz-Aktivisten!) eingeholt wird. Von Python regius geht aufgrund seines Verhaltens und der zu erwartenden Größe beispielsweise nicht dieselbe Gefahr aus, wie von Python sebae, bei dem die stattliche Größe und der dünne Geduldsfaden schon ein gewisses Gefahrenpotential bergen. Diese Tiere bei bundeseinheitlichen Regelungen pauschal in einen Topf zu werfen (wie es manche Bundesländer bereits tun), wäre der falsche Weg.

Meldepflicht von gefährdeten Tieren:

Wenn der Leser denkt, die Sache mit den gefährlichen Tieren war schon verwirrend, wird es nun noch eine Nummer komplizierter. Die Grundlage ist an sich erst einmal nicht so schwer zu verstehen, da es hier immerhin eine bundeseinheitliche und sogar eine internationale Regelung gibt. Die eigentliche Grundlage bildet das „Übereinkommen über den internationalen Handel mit gefährdeten Arten freilebender Tiere und Pflanzen“ (Convention on International Trade in Endangered Species of Wild Fauna and Flora = CITES), welches auch kurz als „Washingtoner Artenschutzübereinkommen“ (WA) bezeichnet wird. Dieses findet sich wiederum in der EU-Artenschutzverordnung wieder. Die deutsche Bundesartenschutzverordnung (BArtSchV) bezieht sich im Endeffekt auf das internationale Washingtoner Artenschutzübereinkommen bzw. die EU-Artenschutzverordnung und ergänzt bzw. verschärft diese in einigen Punkten.

Das Washingtoner Artenschutzübereinkommen enthält drei Anhänge:

WA Anhang I: Hier sind bedrohte Arten aufgeführt, deren Handel grundsätzlich erst einmal verboten ist. Alle WA Anhang I Tiere sind meldepflichtig. 

WA Anhang II:  Hier sind schutzbedürftige Arten aufgeführt, für die besondere Genehmigungen für den Handel gelten und bei denen ein Nachweis darüber erbracht werden muss, dass der Handel mit ihnen keinen Schaden auf die bestehenden Bestände ausübt. Grundsätzlich sind erst einmal alle WA Anhang II Tiere ebenfalls meldepflichtig. 

WA Anhang III: Hier sind Arten aufgeführt, für die in den einzelnen Ländern des Abkommens besondere Bestimmungen gelten. Im Prinzip also Tiere, die in einem Land geschützt sind, in einem anderen jedoch keinem Schutzstatus unterliegen. 

Für Tiere des WA Anhang I gilt hier in Deutschland neben einer Kennzeichnungspflicht, dass ausschließlich der Handel mit Tieren erlaubt ist, die vor 1987 bereits in Deutschland waren bzw. die hier in Gefangenschaft nachgezüchtet wurden. Für den Hobby-Terrarianer sind in der Regel aber erst einmal nur die Regelungen des WA Anhang II bzw. EU-Artenschutzverordnung Anhang B von Bedeutung, da man die davon betroffenen Tiere regelmäßig in Zoohandlungen und auf Börsen findet. In § 7 Bundesartenschutzverordnung ist festgelegt, dass diese Tiere der zuständigen Landesbehörde gemeldet werden müssen. Die Behörde muss bei Bestandsänderungen (Nachzucht, Todesfälle, Abgaben) darüber ebenfalls informiert werden. In Anlage 1 der Bundesartenschutzverordnung findet man übrigens einheimische Arten, deren Haltung immer einer Meldepflicht unterliegt, um sicherzustellen, dass es sich tatsächlich um Nachzuchten handelt. Die Entnahme von einheimischen Tieren aus der freien Natur ist nämlich grundsätzlich verboten!  

In diesem Zusammenhang ist ein Verweis auf das Bundesnaturschutzgesetz interessant, welches nicht nur den Schutzstatus einheimsicher Arten sowie der Arten des WA festlegt, sondern auch für exotische Arten, die nicht international geschützt sind, die jedoch mit einheimischen Arten verwechselt werden können oder durch Faunenverfälschug eine Gefahr für einheimische Arten darstellen. Ein Beispiel dafür sind Chinesische Rotbauchunken (Bombina orientalis), die als besonders geschützt eingestuft werden.

Leopardgecko (Eublepharis macularius)
Exotische Tiere, die nicht in diesen Verordnungen gelistet sind, haben keinen Schutzstatus und unterliegen somit auch keiner Meldepflicht. Dazu gehören z.B. Terraristik-Evergreens wie Kornnatter, Bartagame und Leopardgecko.  

Rotknie-Vogelspinne
(Brachypelma hamorii (ex smithi))
An dieser Stelle kann man also schon einmal festhalten, dass grundsätzlich alle Tiere, die in WA Anhang II / EU-Artenschutzverordnung Anhang B gelistet sind, einer Meldepflicht als gefährdetes Tier unterliegen. Nun gibt es natürlich auch einige Ausnahmen von der Regel. Beispielsweise gibt die Bundesartenschutzverordnung in § 7 lediglich eine Meldepflicht von Wirbeltieren an. Exotische Wirbellose sind bundesweit somit nicht als gefährdete Tiere meldepflichtig. Hierunter fallen Tiere wie Pandinus imperator oder Brachypelma smithi. Diese sind zwar WA Anhang II geschützt, jedoch in Deutschland laut Bundesartenschutzverordnung wie erläutert nicht meldepflichtig.  

Weitere Ausnahmen aus dem Bereich der Wirbeltiere findet man seit der im Jahre 2005 erfolgten Revision der Bundesartenschutzverordnung in Anlage 5 der Verordnung. Die dort gelisteten Tiere sind ebenfalls von der Meldepflicht laut § 7 Bundesartenschutzverordnung befreit. Dazu gehören z.B. die folgenden für die Terraristik interessanten Tiere:

Reptilien:
Iguana iguana (Grüner Leguan) 
Python regius (Königspython) 
Boa constrictor constrictor (Abgottschlange) 
Boa constrictor imperator (Kaiserboa) 
Phelsuma madagascariensis (Madagaskar-Taggecko) 
Phelsuma laticuada (Goldstaub-Taggecko) 
Trachemys scripta elegans (Rotwangen-Schmuckschildkröte)

Amphibien: 
Ambystoma mexicanum (Axolotl) 
Bombina orientalis (Chinesische Rotbauchunke) 
Dendrobates auratus (Goldbaumsteiger) 
Dendrobates azureus (Blauer Pfeilgiftfrosch) 

Königspython (Python regius)
Hier ist der Einschub nötig, dass diese von der Meldepflicht ausgenommenen Tiere (also sowohl die nach WA Anhang II geschützten Wirbellosen, als auch die in Anlage 5 aufgeführten Wirbeltiere) weiterhin nachweispflichtig gemäß § 46 BNatSchG sind. Man muss beim Kauf vom Vorbesitzer ein Dokument erhalten, welches die Herkunft des Tieres (deutsche Nachzucht bzw. legaler Wildfang) bescheinigt. Bei importierten Exemplaren (also Wildfängen oder Nachzuchten aus dem EU-Ausland) handelt es sich dabei um offizielle CITES-Papiere. Eine deutsche Nachzucht (genauer gesagt eine EU-Nachzucht) kann auch formlos dokumentiert werden. Dieses Dokument muss Angaben über den Vorbesitzer, den neuen Besitzer und das Tier (wissenschaftlicher Artname, Schlupfdatum, Geschlecht) enthalten. Das Geschlecht kann auch als unbekannt deklariert werden. Unter Umständen ist zusätzlich der Nachweis nötig, dass die Elterntiere ebenfalls aus einer legalen Zucht stammen. Dazu ist die Angabe des Züchters normalerweise ausreichend. Manche Behörden gehen der lückenlosen Dokumentation jedoch auch genauer nach und fordern Zuchtbuchnummern der Elterntiere ein. Eine Rechnung, welche die genannten Angaben enthält, wäre ebenfalls ausreichend. Auf Nachfrage der Behörden muss der Halter diesen Herkunftsnachweis vorlegen können. Diese Nachweisplicht hat jedoch nichts mit der Meldepflicht zutun, bei der ein Halter sein Tier aktiv den Behörden melden muss.

Manche Bundesländer verzichten auch ganz auf die Nachweispflicht:
„Besonders geschützte“ Arten ohne Herkunftsnachweis aufnehmen

Blauer Pfeilgiftfrosch (Dendrobates tinctorius "Azureus")
Das Ende vom Lied ist damit aber leider noch nicht erreicht. Wenn es um die Überprüfung der Einhaltung der gesetzlichen Bestimmungen geht, nutzen die (manchmal nicht immer ganz sachkundigen) Beamten die wissenschaftlichen Artnamen aus den jeweils gültigen Gesetzen. Diese wissenschaftlichen Namen sind international gültig und bindend. Danach richten sich die Behörden. Nun wurde die Anlage 5 seit 2005 allerdings nicht mehr aktualisiert. Bei manchen aufgeführten Tieren haben sich in der Zwischenzeit jedoch die Artnamen verändert. Dendrobates azureus wurde z.B. mittlerweile der eigene Artstatus abgesprochen. Er wird nun als Lokalform des Färberfrosches Dendrobates tinctorius eingeordnet. Bei den Taggeckos hat die ehemalige Unterart Phelsuma madagascariensis grandis inzwischen einen eigenen Artstatus erhalten und wird als Phelsuma grandis geführt. Und die Kaiserboa heißt mittlerweile Boa imperator und ist somit keine Unterart mehr von Boa constrictor. Grundsätzlich ändern taxonomische Veränderungen nichts an der Meldepflichtbefreiung. Schließlich ändern taxonomische Änderungen auch nichts an der Einstufung einer Art als Gefahrtier. Rechtlich bindend ist die gültige Taxonomie zum Zeitpunkt des Inkrafttretens einer Verordnung. Leider haben Vollzugsbeamte nicht immer Ahnung von der taxonomischen Historie und richten sich strikt nach der jeweiligen Artbezeichnung im Herkunftsnachweis. Bei den genannten Tieren ist also die Angabe im Herkunftsnachweis entscheidend. Ein Kontrolleur würde sich bei einem Besuch den Herkunftsnachweis zeigen lassen und die Angabe des wissenschaftlichen Artnamens darin mit den Artnamen in der Bundesartenschutzverordnung vergleichen.

Steht also im Herkunftsnachweis Phelsuma madagascariensis grandis bzw. Dendrobates azureus, handelt es sich um Tiere, die definitiv nicht meldepflichtig sind. Steht jedoch (korrekterweise) Phelsuma grandis oder Dendrobates tinctorius „Azureus“  im Herkunftsnachweis, unterliegen die Tiere plötzlich theoretisch der Meldepflicht. So können für ein und dasselbe Tier gänzlich unterschiedliche Regelungen greifen, eben abhängig vom wissenschaftlichen Artnamen, den der Händler in die Papiere schreibt, was natürlich absurd ist.

Auf diese Problematik gehe ich hier noch mal näher ein: Phelsuma grandis - meldepflichtig?  

Eine Revision der Anlage 5 wäre jedenfalls dringend nötig, um die Artnamen der aufgeführten Tiere der aktuellen Taxonomie anzupassen und sie somit wieder eindeutig von der Meldepflicht zu befreien.  

Ein weiteres Instrument des Artenschutzvollzugs ist WISIA. In dieser Datenbank sind auch ältere wissenschaftliche Artnamen als Synonyme für die gültigen Artnamen aufgeführt. Solange dies bei den genannten Tieren der Fall ist, kann man sich immer auch darauf beziehen und auf die Meldung prinzipiell verzichten. Dennoch besteht hierbei immer auch eine gewisse Gefahr von Willkür seitens der Behörden.

Donnerstag, 13. März 2014

Was ist das beste Material für Terrarien?

Heute möchte ich einmal der Frage nachgehen, welches Material für Terrarien wohl am besten geeignet ist. Pauschal kann man diese Frage allerdings gar nicht beantworten.

Welche verschiedenen Materialien gibt es überhaupt?
Die beliebtesten und gängigsten Materialien aus denen Terrarien gefertigt sind:

- Glas
- Holz
- Kunststoff
- Aluminium
- Gaze

Jedes dieser Materialien hat Vor- und Nachteile. Die Auswahl des passenden Materials ist abhängig von der im Terrarium zu pflegenden Tierart. Ebenso spielen für manche Terrarianer auch Aspekte wie Ästhetik oder leichte Bearbeitbarkeit eine Rolle.

Das Glasterrarium:
Hierbei handelt es sich wahrscheinlich um das wohl gängigste Terrarium. In jeder Zoohandlung mit Terraristikabteilung findet man auch Terrarien aus Glas in den verschiedensten Größen. Preislich gesehen liegen Glasterrarien im Mittelfeld.

Der wohl größte Vorteil eines Glasterrariums ist die Wasserbeständigkeit und somit auch die Möglichkeit der leichten Reinigung und Desinfektion. Für den Beobachter ist auch die gute Einsehbarkeit von allen Seiten ein Vorteil. Für das darin zu pflegende Tier stellt dies jedoch unter Umständen auch einen großen Stressfaktor dar, weswegen man die Einsicht durch den Einbau von Rückwänden (z.B. aus Kork) und / oder dem Einbringen von üppiger Bepflanzung einschränken sollte, um dem Tier einen gewissen Schutz zu bieten. Ansonsten fühlt es sich wie auf dem Präsentierteller. Man könnte auch auf Tiere zurückgreifen, die nicht so anfällig auf Beobachter und vorbeiziehende Schatten reagieren, wie z.B. die meisten Wirbellose. Glasterrarien mit üppiger Bepflanzung bieten sich außerdem für diverse Regenwaldbewohner an, bei denen die Luftfeuchtigkeit entsprechend hoch sein muss.

Ein weiterer Nachteil dieser Terrarien ist die Empfindlichkeit des Glases. Durch Sand als Bodengrund wird es schnell zerkratzt. Ein kurzes Anstoßen beim Transport oder bei Pflegemaßnahmen kann zum Bruch führen. Selbst ein einzelnes Sandkorn, welches unter das Terrarium gelangt, kann den Boden bei Belastung zum Bersten bringen. Durch diese Empfindlichkeit sind meist auch Bohrungen unmöglich bzw. nur seitens eines Fachmanns machbar. Da Terrarien aber gelegentlich schon etwas länger im Laden stehen und dadurch noch empfindlicher werden, übernehmen Glaser meist keine Verantwortung für Schäden, die durch Bohrungen entstehen können.

Ich persönlich habe (insbesondere bei der Haltung von Vogelspinnen und Wandelnder Blätter) sehr gute Erfahrungen mit den Glasterrarien von „Exo Terra“ gemacht. Diese gibt es in verschiedenen Größen, der Bodensteg ist hoch genug für das Einbringen von Bodengrund, die Flügeltüren haben ein integriertes Schloss und im Deckel befinden sich vorgefertigte Löcher für die nötige Technik. Und diese ist meist tatsächlich nötig, da Glasterrarien keine gute Isolation bieten und nachts sehr schnell auskühlen. Auch dies sollte man bei der Wahl der darin zu haltenden Tiere beachten. Lediglich die Decke dieser Exo Terra – Terrarien aus Metalldraht ist leider nicht ganz rostfrei und lässt auch zu viel Feuchtigkeit aus dem Terrarium entweichen. Hier ist für die meisten Arten eine zusätzliche Abdeckung anzuraten. Für Wandelnde Blätter ist aber gerade dieses schnelle Abtrocknen sehr praktisch.

Das Holzterrarium:
Das Holzterrarium stellt meinen persönlichen Favoriten dar, wenn es um ein preisgünstiges aber zugleich praktisches Terrarium geht. Im Grunde gewinnt es gegen alle Nachteile des Glasterrariums, verliert allerdings auf Dauer bei der größten Stärke des Konkurrenten. Preislich gesehen liegen Terrarien aus OSB (also Pressholz) im niedrigen Preissegment, während Vollholzterrarien im oberen Mittelfeld anzusiedeln sind.

Manche Terrarianer finden insbesondere die preisgünstigen OSB-Terrarien optisch nicht sonderlich ansprechend. Für mich spielt das Aussehen hingegen eine untergeordnete Rolle, solange es den darin gehaltenen Tieren gut geht. Der größte Nachteil eines Holzterrariums ist meiner Meinung nach, dass Holz empfindlich auf Feuchtigkeit reagiert. Zwar kann man Holz z.B. mit Epoxidharz versiegeln, was aufgrund von möglichen Verunreinigungen durch Ausscheidungen der Tiere und auch in Bezug auf die nötige Luftfeuchtigkeit anzuraten ist, dennoch sind selbst versiegelte Holzterrarien auf Dauer ungeeignet für einige Regenwaldbewohner, wenn sie eine Luftfeuchtigkeit von um die 90 % benötigen. Auch für holzfressende Arten (wie z.B. Tausendfüßler) sind Holzterrarien denkbar ungeeignet. Für die meisten anderen Terrarientiere (z.B. Bartagame, Leopardgecko, Tokeh, Kornnatter, Königspython, Abgottschlange usw.) bieten sich Holzterrarien aber an.

Abgesehen von dem Feuchtigkeitsproblem und der schwierigen Desinfektion bieten Holzterrarien nämlich nur Vorteile. Sie sind z.B. durch Bohrungen leicht zu bearbeiten, was beim Einbringen der benötigten Technik von Vorteil ist. Durch den Rundumschutz bieten Holzterrarien den darin gepflegten Tieren einen guten Sichtschutz. Außerdem isoliert Holz sehr gut, was beim Erreichen höherer Temperaturen und dem Halten der Nachtemperatur praktisch ist. Holzterrarien sind somit wesentlich energieeffizienter, als Glasterrarien. Der Transport gestaltet sich in der Regel leicht und Anecken wird nicht sofort mit einem dramatischen Bruch bestraft. Dies ermöglicht auch den gefahrlosen Versand dieser Terrarien.

Während ich bereits mehrmals bei bestellten Standardglasterrarien (also nicht denen von Exo Terra) ein regelrechtes 3D-Puzzle im Karton vorfand, verlief der Versand von Holzterrarien-Bausätzen bisher immer reibungslos. Mein favorisierter Anbieter ist der „Terrarium-Discounter“ der K + K GmbH (Link zum Anbieter: terrarium-discounter.de), welcher im Bestellprozess auch schon eine Versiegelung des Terrariums anbietet. Ich habe bisher meine Holzterrarien aber immer erst nach der Gestaltung von Rückwänden selber mit Epoxidharz versiegelt, weswegen ich die Qualität der Versiegelung dieses Anbieters nicht beurteilen kann.

Das Kunststoffterrarium:
Terrarien aus Kunststoff gibt es in unterschiedlichen Varianten. Zu nennen wären hier z.B. die aus Zoofachgeschäften bekannten Faunaboxen. Diese bieten sich bestenfalls für Wirbellose (z.B. Tausendfüßler, Achatschnecken oder Futtertiere wie Heimchen und Co.) oder als Quarantäne-Terrarium an. Der Grund dafür ist die mangelhafte Belüftung, da diese Boxen vom Aufbau her Aquarien sehr ähnlich sind. Durch den durchsichtigen Kunstsoff wird den Tieren kein Sichtschutz geboten. Dieser Kunststoff ist außerdem sehr brüchig, was eine Bearbeitung ebenfalls ausschließt.

Eine andere Variante des Kunststoffterrariums stellt das sogenannte „Forex-Terrarium“ dar. Diese Terrarien sind aus Hartschaumplatten gefertigt und vereinen die Vorzüge von Glas- und Holzterrarien. Sie sind in meinen Augen daher das Beste, was der Markt aktuell zu bieten hat. Leider befinden sich diese Terrarien deswegen auch im obersten Preissegment. Aber Qualität hat eben auch ihren Preis.

Forex-Terrarien bieten meiner Erfahrung nach nur Vorteile. Sie sind wasserbeständig, leicht zu reinigen, stabil, leicht zu transportieren und zu bearbeiten, bieten Sichtschutz und halten die Temperaturen fast so gut wie Holzterrarien. Noch dazu sind sie feuerfest, was Sicherheit bei starken Heizquellen beschert. Was will man also mehr?


Das Aluminiumterrarium:
Diese Terrarien sind relativ selten auf dem Markt zu finden. Mir sind aktuell nur zwei Anbieter bekannt, die sie anbieten. Preislich liegen sie ebenfalls im oberen Segment. Abgesehen von der schwachen Isolation, stellen Aluminiumterrarium wohl eine gute Alternative zum Forex-Terrarium dar. Ich persönlich finde sie optisch jedoch wenig ansprechend und habe auch keines dieser Variante in meinem Bestand.

Das Netzterrarium:
Netzterrarien werden aus durchlässigem Gaze-Stoff gefertigt und können daher weder Temperatur noch Luftfeuchtigkeit halten. Deswegen sind sie lediglich für ein paar Vertreter der Gespenstschrecken oder Radnetzspinnen, welche bei Zimmertemperatur gehalten werden können, zur dauerhaften Unterbringung geeignet. Radnetzspinnen (z.B. der Gattung Nephila) bietet die Luftdurchlässigkeit dieser Terrarien eine gute Hilfestellung beim Bau ihrer Netze. In anderen Terrarien bauen Radnetzspinnen ihre Netze meist an der Frontscheibe, um den dort einströmenden Luftzug zu nutzen. Netzterrarien sind außerdem für einige Reptilien (z.B. Chamäleons) geeignet. Allerdings nicht zur dauerhaften Unterbringungen, sondern um sie ins Freie zu stellen / zu hängen. Dort können die wechselwarmen Tiere das natürliche Nicht der Sonne nutzen, ohne dass Überhitzung droht.