Sonntag, 24. Juni 2018

Falscher Veterinäramtmitarbeiter klaut drei Schlangen

In Halberstadt (Sachsen-Anhalt) kam es am vergangenen Donnerstag zu einem kuriosen Trickbetrug. Medienberichten zufolge hat sich ein Unbekannter gemeinsam mit einem 26-jährigen Komplizen drei Schlangen einer 18-Jährigen angeeignet, indem er sich als Mitarbeiter des Veterinäramtes ausgab.

Der bisher unbekannte Täter behauptete gegenüber einer Verwandten der Schlangenhalterin, die zum Tatzeitpunkt selbst gar nicht anwesend war, dass die drei Schlangen der Art Boa constrictor nicht artgerecht gehalten würden und deshalb beschlagnahmt werden müssten. Die Verwandte übergab die Tiere leichtgläubig mitsamt Terrarium. Polizeiberichten zufolge soll zumindest der 26-jährige Mittäter der Schlangenhalterin bekannt sein. Die Ermittlungen dauern an.

Sollte man selbst einmal in eine ähnliche Situation geraten, sollte man vor Zutrittsgewährung in die eigene Wohnung oder gar vor Herausgabe seiner Tiere prüfen, ob es sich bei den angeblichen Veterinäramtsmitarbeiten tatsächlich um solche handelt. Auf irgendwelche Dienstausweise sollte man sich dabei nicht verlassen. Sicherheit kann einem nur eine direkte Nachfrage beim zuständigen Veterinäramt geben, ob die Aktion dort bekannt ist. Eine Sicht der amtlichen Ausweisdokumente ist im Zweifelsfall ebenfalls anzuraten. Dazu hat man als Privatperson zwar keine rechtliche Handhabe, sollten sich die angeblichen Veterinäramtsmitarbeiter jedoch strikt weigern, kann und sollte man die Polizei hinzuziehen, welche die Personalien überprüfen darf. Schließlich können Trickbetrüger noch ganz andere Absichten wie den Diebstahl von Wertsachen oder Gewalttaten im Sinn haben.
 
Boa constrictor - Symbolbild
 

Hauskatzen für Reptilien noch gefährlicher als für Vögel

Im Jahr 2017 untersuchte eine groß angelegte Studie das Jagdverhalten von verwilderten Hauskatzen in Australien und kam zu dem Ergebnis, dass pro Jahr mehr als 370 Mio. Vögel von den ca. 6 Mio. verwilderten Hauskatzen getötet werden. Pro Tag werden demnach über 1 Mio. Vögel von Hauskatzen erbeutet.

Nun zeigt eine aktuelle Studie von WOINARSKI et al. von der Charles Darwin University in Casuarina, dass die Situation für australische Reptilien noch viel dramatischer ist: Den Forschungen zufolge werden jährlich fast 650 Mio. Echsen und andere keine Reptilien aus 258 verschiedenen teils bedrohten Spezies von verwilderten Hauskatzen getötet. Somit werden doppelt so viele Reptilien von Hauskatzen getötet wie Vögel - täglich fast 2 Mio. Stück!

Zum Schutz der australischen Fauna soll der Bestand an eingeschleppten exotischen Hauskatzen (u.a. mit Selbstschussanlagen) gemanagt werden.

Übertragung der Erkenntnisse auf Deutschland möglich?

Auch hierzulande wird von Naturschützern immer wieder zu Recht angemerkt, dass Hauskatzen hier ebenfalls einen immens hohen negativen Einfluss auf heimische Wildtiere haben. Einerseits als direkte Prädatoren, andererseits als Konkurrenten für heimische Beutegreifer wie z.B. Wildkatzen. Zwar gelten Hauskatzen naturschutzfachlich trotz ihrer afrikanischen Herkunft zwar nicht als Exoten, sondern als Archäozoen, allerdings werden diese Tiere vom Menschen gehegt (z.B. im Krankheitsfall behandelt oder in Zeiten knapper Nahrung gefüttert), weswegen sich das von Katzenliebhabern häufig als Rechtfertigungsgrund für Freigänge genannte „natürliche Gleichgewicht gar nicht einpendeln kann.

Die Erkenntnisse aus Down Under zeigen uns zwar Tendenzen - so ist davon auszugehen, dass auch bei uns Reptilien stärker unter dem Prädatorendruck durch Hauskatzen leiden als Vögel - dennoch lassen sich die Ergebnisse aus Australien oder die mit vergleichbaren Studien in den USA ermittelten Zahlen nicht vollständig auf Mitteleuropa übertragen. Unsere heimische Kontinentalfauna hat sich anders entwickelt als die Inselfauna Australiens. So haben sich z.B. bodenbrütende Vögel in Australien nicht an Katzen als Beutegreifer angepasst und sind daher ein leichtes Opfer für eingeschleppte Hauskatzen.

Trotzdem offenbaren sogar europäische Studien die Gefahren, die von streunenden und verwilderten Hauskatzen für heimische Wildtiere ausgehen. Nach GENOVESI et al. stellen Hauskatzen den größten negativen Einfluss für 16 bedrohte heimische Arten dar. Somit sollte auch hierzulande der Bestand an Hauskatzen in freier Natur gesteuert werden. Vielleicht nicht unbedingt mit Selbstschussanlagen, aber zumindest mit einer gesetzlichen Ausgangssperre für unbetreute Haustiere.

Literatur:
WOINARSKI et al.; How many reptiles are killed by cats in Australia?; Wildlife Research 45(3) 247-266; 2018

GENOVESI et al.; Alien mammals in Europe: updated numbers and trends, and assessment of the effects on biodiversity; 2012
 

Samstag, 26. Mai 2018

Wildlife Cybercrime – Neue IFAW-Studie veröffentlicht

Diese Woche veröffentlichte der International Fund for Animal Welfare (IFAW) die Ergebnisse einer sechswöchigen Untersuchung von mehr als 100 Online-Marktplätzen und Social Media Plattformen in Großbritannien, Frankreich, Russland und Deutschland im Jahr 2017: Disrupt: Wildlife Cybercrime, Netzwerke zerschlagen – Illegaler Wildtierhandel im Internet

Im Rahmen der Studie wurden mehr als 5.000 Verkaufsanzeigen untersucht und sich dabei auf artgeschützte Tiere konzentriert. Der Anteil an lebenden Reptilien in diesen Inseraten – und nur über diesen Anteil soll es in diesem Artikel gehen – betrug dabei 55 Prozent. Die etablierten Leitmedien berichten bereits mit Schlagzeilen wie „Schwarzmarkt mit geschützten Tierarten boomt” oder „Elfenbein rund um die Uhr” über die (angeblich) neuen Erkenntnisse.

Die Arbeit erinnert mich allerdings sehr stark an eine IFAW-Studie aus dem Jahr 2014. Auch damals wurden während eines sechswöchigen Beobachtungszeitraumes öffentlich geschaltete Internetverkaufsanzeigen nach mutmaßlich illegalem Wildtierhandel durchforstet.

Es heißt zwar Traue keiner Studie, die du nicht selbst gefälscht hast, aber nach objektiver Durchsicht des Methodikteils der aktuellen Studie halte ich die ermittelten Zahlen für seriös. So hat der IFAW seine Zahlen nach eigenen Angaben in Zweifelsfällen deutlich nach unten korrigiert. Offensichtlich betrügerische Inserate (Scams) sind nicht in die Ergebnisse eingeflossen, bei einer unbekannten Anzahl an angebotenen Tieren in einer Verkaufsanzeige wurde lediglich mit einer 1 gerechnet und es wurde sich speziell in Deutschland zunächst auf die Plattform QUOKA.de konzentriert und Dubletten von dortigen Inseraten auf anderen Plattformen wurden nicht beachtet. Sollten die Ergebnisse tatsächlich in dieser Form ermittelt worden sein, sind die nackten Zahlen durchaus als vertrauenswürdig zu bewerten und die tatsächliche Anzahl an im Internet gehandelten artgeschützten Tieren in Wahrheit als sehr viel höher einzuschätzen, als aus den IFAW-Ergebnissen hervorgeht.

Das Problem sind aber meines Erachtens nicht die nüchternen Zahlen an sich, sondern die Schlüsse, die aus ihnen gezogen werden. Wie schon in der 2014er-Studie wurden Verkaufsanzeigen immer dann als mutmaßlich illegal eingestuft, wenn ihnen keine Herkunftsnachweise / CITES-Dokumente als Download oder Bilddatei beigefügt oder zumindest die CITES-Nummern in den Anzeigen genannt wurden. Diese Beurteilung der Illegalität beruht auf Mutmaßungen und ist daher unwissenschaftlich! So wie ich in Bezug auf die Methodik dem Grundsatz folge im Zweifel für den Angeklagten, wäre eine objektivere Interpretation seitens des IFAW ebenfalls wünschenswert. Der IFAW sagt dazu zwar in seiner Studie:
Legalen von illegalem Wildtierhandel zu unterscheiden, ist im Internet insbesondere aufgrund des hohen Aufkommens an elektronischem Datenverkehr deutlich schwieriger als auf konventionellen Marktplätzen. Man kann Angebote vor dem Kauf nicht in Augenschein nehmen, und oft werden keine oder nur wenige Begleitdokumente wie etwa die Nummer der CITES-Vermarktungsgenehmigung angegeben, aus denen hervorgeht, dass der Verkauf eines geschützten Tieres zulässig ist.
Das bedeutet dann aber auch, dass man als sog. Ermittler ohne Beweise seine Mutmaßungen auch als solche kenntlich machen sollte - insbesondere in der öffentlichen Berichterstattung. Es wurden keinerlei Anstrengungen seitens des IFAW unternommen, den Verdacht eines illegalen Angebotes anhand weiterführender Recherchen zu erhärten und damit die Untersuchung zu validieren. Tatsächlich halte ich das auch gar nicht für die Aufgabe eines Artenschutzvereins! Diese Arbeit gehört in die Hand der zuständigen Behörden. Tatsächlich wurden insgesamt 190 Informationsprotokolle zu über 300 Inseraten (inkl. Elfenbein, Nashornhorn etc.) an die Strafvollzugsbehörden übergeben. Über den Ausgang der Ermittlungen bleibt der IFAW aber weitere Informationen schuldig.

Für große Fragezeichen sorgt der IFAW auch an anderer Stelle:
Die Rechercheure ermittelten auch 532 zum Verkauf angebotene lebende Echsen, darunter 190 in Anhang I von CITES gelistete Himmelblaue Zwergtaggeckos. Der IFAW hatte 2014 in seinem Bericht WantedDead or Alive konkret davor gewarnt, dass diese Art durch den Handel in Deutschland bedroht sei. Damals war sie noch nicht durch CITES geschützt.
Lygodactylus williamsi - Eigene Nachzucht des Autors
Meine Frage darauf lautet: Na und? Ich habe selbst schon Lygodactylus williamsi nachgezüchtet. Das ist gar nicht so schwer. Was ist problematisch daran, wenn Nachzuchten dieser Spezies auch nach ihrer Unterschutzstellung verkauft werden? Richtig, nichts – solange die Tiere gemeldet und die erforderliche Befreiung vom Vermarktungsverbot erteilt wurde. Der Handel mit L. williamsi ist inzwischen sogar als weitaus nachhaltiger und artenschutzgerechter zu bewerten, als z.B. der Handel mit nicht geschützten Arten wie dem Blaugrünen Zwergtaggecko (Lygodactylus conraui), der nach der Unterschutzstellung von L. williamsi in die Terrarien des Großhandels gezogen ist. Das zeigen jedenfalls Stocklisten etablierter Großhändler. Aber das sind Details, die statt einer sechswöchigen oberflächlichen Sichtung von öffentlichen Internetanzeigen aufwendigere Recherchen erfordern.

In der Studie heißt es ferner:
Wie schon bei früheren Recherchen machten lebende Tiere – insbesondere Landschildkröten – den Hauptteil der Exemplare aus, die auf in Deutschland tätigen Plattformen zum Verkauf angeboten wurden. Bei weiten am häufigsten zum Verkauf angeboten wurden in Deutschland mit 4.053 lebenden Exemplaren Schildkröten, vor allem Griechische Landschildkröten, Maurische Landschildkröten und Breitrandschildkröte, die in Europa vielfach in Gefangenschaft gezüchtet werden.
Dass es sich bei den Angeboten vorrangig um Landschildkröten handelte, die aufgrund ihres regelrechten Haustierstatus in regelrechten Massen gezüchtet und gehandelt werden, zeigt, dass von den quantitativ hohen Zahlen des IFAW wenig qualitativer Inhalt zu illegale Aktivitäten abgeleitet werden kann. Überspitzt formuliert: Es ist doch wohl einfacher eine Testudo hermanni zu züchten, als einen Wildfang durch den Zoll zu schmuggeln! Aufgrund ihres Allerweltshausstierstatus ist ein Schmuggel auch wenig lukrativ. Illegalen Artenhandel kann man daher eher bei echten Raritäten vermuten. Doch würde man nur diese in einer Cybercrime-Studie aufzählen, käme man bei einem sechsmonatigen Beobachtungszeitraum nur auf einen verschwindend geringen Bruchteil im Vergleich zu den insgesamt 5.000+ Inseraten.

Der IFAW bezeichnet die zunehmende Löschung von Verkaufsanzeigen auf ebay (ich berichtete) als positive Entwicklung. Tatsächlich sind von der strengen Politik der Handelsplattformen aber vor allem seriöse Privatzüchter betroffen, die keinerlei Artenschutzproblematik darstellen und die nun andere Wege finden müssen, um ihre Nachzuchten an geeignete Interessenten abzugeben. Meine persönlichen (und daher natürlich subjektiven) Erfahrungen in Bezug auf Kleinanzeigen sind, dass man auf diesem Weg mit echten Liebhaberzüchtern in Kontakt kommen und sich beim Kauf vor Ort von der legalen Herkunft der Tiere überzeugen kann. Das ist bei Käufen z.B. auf Börsen oder im Zoofachhandel (der mitunter auf günstigere Massenzuchten oder gar Wildfänge zurückgreift) kaum möglich. Solche Entwicklungen werden in der IFAW-Studie natürlich nicht erwähnt.

Fazit:
Über das tatsächliche Ausmaß an Cybercrime in Bezug auf den Handel mit geschützten Reptilien liefert die IFAW-Studie meines Erachtens bedauerlicherweise keinerlei Fakten. Das finde ich schade, denn ich unterstütze grundsätzlich die Zielsetzung, ein stärkeres Bewusstsein für illegalen Wildtierhandel im Internet zu schaffen und geeignete Maßnahmen für eine Bekämpfung dieser Aktivitäten zu entwickeln. Doch dafür bedarf es valider Ergebnisse anstelle von Mutmaßungen und oberflächlicher Recherchen.

Mittwoch, 16. Mai 2018

Studie bestätigt: Tierhandel ist verantwortlich für Chytridpilz-Verbreitung

Während der fortschreitende Rückgang von einheimischen Insekten als sog. „Bienensterben“ (und somit egoistischerweise lediglich auf ein ökonomisch relevantes Nutztier reduziertes Phänomen) seit einiger Zeit in aller Munde ist, ist es um die Verbreitung eines tödlichen Pilzes, der weltweit zu einem regelrechten Massensterben ganzer Amphibienpopulationen geführt hat, in der öffentlichen Berichterstattung eher ruhig geworden. Das mag sich womöglich bald wieder ändern, denn in einer aktuellen Studie haben Wissenschaftler eines internationalen Teams unter der Leitung von Simon J. O’Hanlon vom Londoner Imperial College die Verbreitung des Chytridpilzes Batrachochytrium dendrobatidis (Bd) untersucht und sind zu einem – für die Terraristik durchaus relevanten – Ergebnis gekommen.

Sequenzierungen des Genoms von Bd ergaben vier verschiedene Abstammungslinien. Drei dieser Linien kommen weltweit vor, die vierte Linie (BdASIA-1) wurde hingegen ausschließlich in Proben von der koreanischen Halbinsel gefunden. Das Erbgut dieser Linie zeigte zudem eine größere genetische Vielfalt als die anderen drei Linien, jedoch keine größeren Schwankungen in seiner rekonstruierten Entwicklungsgeschichte, welche den Wissenschaftlern zufolge im frühen 20. Jahrhundert ihren Anfang nahm. Die Forscher schließen aus diesen Erkenntnissen, dass sich die drei global verbreiteten Abstammungslinien innerhalb des letzten Jahrhunderts aus der koreanischen Linie entwickelt haben.

Diese Erkenntnisse legen den dringenden Verdacht nahe, dass es mit dem Aufkeimen des internationalen Tierhandels in den 1970er-Jahren (nicht nur zum Zwecke der Heimtierhaltung, sondern auch zur Produktion von „Delikatessen“ wie z.B. Froschschenkeln) zu einer weltweiten Verbreitung des Chytridpilzes kam. Bislang nahm man an, dass der Chytridpilz ursprünglich aus Afrika stamme, weil dort die älteste bekannte Infektion in den 1920er-Jahren nachgewiesen wurde, und von (gegen den Erreger immunen) Krallenfröschen, die als sog. „Apothekerfrösche“ bis in die 1960er-Jahre häufig in Schwangerschaftstests (Galli-Mainini-Test) Verwendung fanden, global verbreitet wurde. Sicherlich wird dieser Teil des Handels ebenfalls eine große Rolle bei der Ausbreitung von Bd gespielt haben.

Auch der sog. „Salamanderfresser“ Batrachochytrium salamandrivorans (Bsal), welcher bereits in Deutschland zu Massensterben innerhalb von Feuersalamander-Populationen geführt hat, soll sich aus dem gemeinsamen Vorfahren entwickelt und somit ebenfalls über Handelsrouten in alle Welt verbreitet haben.

Obwohl der Rückgang von Amphibienbeständen aufgrund von Habitatzerstörungen sehr viel höher eingeschätzt wird (bis zu 90 Prozent aller gefährdeter Amphibienarten sind aufgrund von Lebensraumverlust bedroht), fordern die Forscher ein Verbot des weltweiten Amphibienhandels, weil sich negative Einflüsse gegenseitig verstärken können.

An dieser Stelle soll daher noch mal deutlich an alle Tierhalter appelliert werden, dass Amphibien, aber auch andere Tiere (inkl. Futtertiere), ihre Hinterlassenschaften, benutztes Wasser, Terrarieneinrichtungen (z.B. Äste, Laub etc.), Bodensubstrate und nicht zuletzt auch verstorbene Exemplare (Stichwort Waldbestattung) keinesfalls in die Natur ausgebracht werden dürfen, sondern eine sichere Entsorgung zu erfolgen hat! Feldherpetologen mögen die entsprechenden Hygienemaßnahmen einhalten.

Die Forderung nach Verboten wurde übrigens schon teilweise vor Veröffentlichung der Ergebnisse als Reaktion auf hiesige Massensterben umgesetzt: Im Amtsblatt L 62/18 der Europäischen Union wurde im März dieses Jahres ein Durchführungsbeschluss veröffentlicht, welcher den Import und den Handel innerhalb der EU von Schwanzlurchen (Caudata) ohne Veterinärbescheinigung verbietet. Die Übergangsfrist zu diesem Beschluss endet am 6. September 2018.

Literatur:
S. J. O’HANLON (2018); Recent Asian origin of chytrid fungi causing global amphibian declines; Science 11 May 2018: Vol. 360, Issue 6389, pp. 621-627; science.sciencemag.org/content/360/6389/621

F. MUTSCHMANN & C. SEYBOLD (2002); Richtlinien zum hygienischen Umgang mit Amphibien im Rahmen von feldherpetologischen Arbeiten; Elaphe 10 (4) [2002]: Seiten 70–72

Mehr zum Thema:
  
Chinesische Rotbauchunke (Bombina orientalis)
Ein in der Terraristik sehr beliebter und häufig gehaltener Froschlurch, der u.a. aus Südkorea nach Europa importiert wird.

Samstag, 21. April 2018

Schwedischer Zoo tötet 500 gerettete Geckos mit flüssigem Stickstoff

Bereits im März dieses Jahres stellte die schwedische Polizei nach Hinweisen aus der Bevölkerung in einem Zoofachgeschäft in Löberöd fast 850 Reptilien darunter Echsen, Schlagen, Schildkröten und Panzerechsen sowie einige Amphibien sicher, welche mutmaßlich aus Schmugglerkreisen stammten. Während einige der Tiere in zoologischen Einrichtungen untergebracht werden konnten, gab es für etwa 500 Helmkopfgeckos (Tarentola spp.), welche zunächst vom Zoo Kolmården aufgenommen wurden, der dafür ca. 100.000 Schwedische Kronen (umgerechnet ca. 9.500 Euro) investierte, aufgrund artenschutzrechtlicher Bestimmungen keine Möglichkeit der Vermittlung. Zwar gab es laut Angaben der schwedischen Polizei viele Anfragen aus der Bevölkerung zur Aufnahme der Tiere, doch da es sich um mutmaßlich illegale Naturentnahmen handelte und die notwendigen Herkunftsnachweise nicht vorlagen, war eine Abgabe an Privatpersonen nicht möglich. 50 Helmkopfgeckos konnten zwar an andere zoologische Einrichtungen in ganz Europa vermittelt werden, für eine dauerhafte Unterbringung der restlichen Geckos waren jedoch keine Kapazitäten verfügbar, weswegen es an tiergerechten und zugleich artenschutzrechtlich einwandfreien Unterbringungsmöglichkeiten fehlte.

Deswegen wurden die betroffenen Tiere nach Erhalt einer entsprechenden Genehmigung zu ihrem eigenen Wohl mit flüssigem Stickstoff (einer in Schweden zwar nicht offiziell zugelassenen, aber international etablierten Methode) euthanasiert.

Dieser Vorfall ist ein anschauliches Beispiel dafür, wie der restriktive Vollzug von generell durchaus sinnvollen Artenschutzregelungen den eigentlichen Artenschutzgedanken ad absurdum führen kann. Theoretisch wäre ein solcher Fall auch bei uns in Deutschland denkbar. Europäische Arten der Gattung Tarentola spp. (und somit leider auch alle nicht näher bestimmbaren Exemplare) gelten bei uns ebenfalls als besonders geschützt und dürften in einem ähnlichen Fall ohne die notwendigen Nachweise der Legalität auch nicht ohne Weiteres an Privatleute, die die Tiere sicherlich übernehmen würden, vermittelt werden. Einer Euthanasie steht zwar das Tierschutzgesetz entgegen, doch könnte hypothetisch gedacht ein deutsches Gericht durchaus zu dem Schluss kommen, dass in einer solchen Situation der erforderliche wichtige Grund zur Tötung gegeben sein könnte.

Aufgrund von restriktiven Regelungen, nicht nur im Rahmen des Artenschutzes, sondern auch in anderen Bereichen wie der sog. Gefahrtierhaltung oder bei der Problematik mit invasiven gebietsfremden Arten, haben es Einrichtungen des Tier- und Artenschutzes zunehmend schwer, ausgesetzte, beschlagnahmte oder abgegebene Problemtiere zu vermitteln. Doch statt diesen Problemen mit der Schaffung von Vermittlungsmöglichkeiten zu beheben (indem z.B. artgeschützte Tiere ohne Herkunftsnachweise trotzdem unter bestimmen Auflagen an Privatpersonen vermittelt werden dürfen), fordern manche Aktivisten und politische Entscheidungsträger paradoxerweise weitere Haltungsverbote.

Auf der anderen Seite muss man aber auch selbstkritisch erkennen, dass es solche Vorfälle wie in Schweden nicht gäbe, wenn es nicht auch einen Markt für illegale Wildfänge und Tiere aus dubioser Herkunft gäbe! Ich selbst musste im Rahmen meiner Tierschutzarbeit und Erlebnissen innerhalb der Terraristik-Szene schon mehrfach feststellen, dass manchen Terrarianern das nötige Wissen über die gesetzlichen Regelungen sowie der Antrieb, sich dieses Wissen anzueignen, fehlt (was schon bei der Verwechslung von Nachweis- und Meldepflicht anfängt) oder dass sie für den Erwerb einer besonderen Rarität über den lückenlosen Nachweis der legalen Herkunft gerne mal hinwegsehen. Solange es solche (zwar vereinzelt, aber dennoch vorhandenen) Einstellungen innerhalb unserer Zunft gibt und wir nicht von innen heraus deutlicher gegen solche Aktivitäten vorgehen (u.a. mittels Aufklärung und objektiver Selbstkritik), dürfen wir uns nicht wundern, wenn die Restriktionen immer schärfer werden... und darunter am Ende die Tiere am meisten zu leiden haben.


Mittwoch, 11. April 2018

Zunehmende Löschung von „exotischen” Kleinanzeigen?

Wenn Terrarianer ihre Nachzuchten abgeben möchten, bieten sich ihnen heutzutage mehrere Möglichkeiten. Neben persönlichen Kontakten zu anderen Terrarianern innerhalb und außerhalb von Vereinen und Börsen werden vor allem Inserate genutzt, um Interessenten zu erreichen. Längst wurden die guten alten Anzeigen in Fachzeitschriften von Internet-Kleinanzeigen abgelöst, die Schätzungen zufolge das aktuell meist genutzte Instrument für die Abgabe von privaten Nachzuchten sind (gewerbliche Händler nutzen neben Börsen und stationären Fachgeschäften eher eigene Online-Shops).

Umso ärgerlicher ist es, wenn Betreiber von einschlägigen Online-Handelsplattformen den Verkauf von sog. Exoten” verbieten. So mehren sich in letzter Zeit die Beschwerden von Züchterinnen und Züchtern, dass ihre Inserate z.B. im Facebook-Marketplace und bei ebay-Kleinanzeigen gelöscht werden. Dass ebay sog. Exoten in seinen Inserat-Grundsätzen verbietet, ist zwar nicht neu, aber offenbar scheint dieses Verbot seit einiger Zeit besonders strikt vollzogen zu werden. Vor allem fehlt es weiterhin an einer näheren Definition, was eigentlich genau unter dem Label Exoten zu verstehen ist.

Grundsätzlich finde ich es vollkommen in Ordnung, wenn Verkaufsportale gewisse Anzeigen nicht dulden. Insbesondere solche Anzeigen, die womöglich kriminellen Ursprungs sind. Die Portale haben sich selbst dazu verpflichtet, illegalen Tierhandel zu bekämpfen – insbesondere den illegalen Artenhandel mit geschützten „Exoten“, aber auch den illegalen Welpenhandel. Es lässt sich nur spekulieren, inwieweit dieses Verhalten der aktiven Arbeit einschlägiger „Tier- und Artenschutzverbänden“ geschuldet ist. Die PR-Leute von ebay & Co. haben aber sicherlich unabhängig davon ein großes Interesse daran, dass sie in den Medien nicht als Marktplatz für illegalen Artenhandel dargestellt werden. Daher finde ich das Geschäftsgebaren durchaus nachvollziehbar.

Unglücklich finde ich dabei jedoch, dass alle Anbieter über einen Kamm geschoren werden. Anstatt dass sich die Verkaufsplattformen die Mühe machen, Inserate auf ihre tatsächliche Legalität zu prüfen, werden einfach generelle Verbote durchgesetzt. In Hinblick auf den erforderlichen Arbeitsaufwand zur Legalitätsprüfung ist das zwar verständlich, unfair gegenüber seriösen Inserenten ist es aber trotzdem. 
Die Rechtslage ist derzeit auch noch nicht abschließend geklärt. Verkaufsportale haften laut aktueller Rechtsprechung nur dann, wenn sie von der Rechtswidrigkeit der eingestellten Inserate Kenntnis haben, was jedoch nicht unumstritten ist. Manche Juristen sind der Meinung, dass die Portale in jedem Fall anteilig haftbar gemacht werden sollten. Die Portale gehen also verständlicherweise auf Nummer sicher und vermeiden Inserate, für die sie unter Umständen haftbar gemacht werden könnten – spätestens sobald sie auf mutmaßlich rechtswidrige Inserate aufmerksam gemacht wurden.

Solange es noch Online-Portale gibt, auf denen Inserate mit „Exoten” gestattet sind (nicht zuletzt die primär zu diesem Zweck betriebenen Websites), haben Züchterinnen und Züchter noch die Möglichkeit, ihre Nachzuchten an geeignete Interessenten abzugeben. Sollte jedoch auch dieser Handel aufgrund von Überregulierungen seitens des Gesetzgebers unterbunden werden, würde dies die Abgabe unnötig erschweren. Ich möchte mich nicht an den Spekulationen beteiligen, dass dadurch mit einem Anstieg an ausgesetzten Exoten zu rechnen sei, aber zumindest die Artenschutzbemühungen unseres konstruktiven Hobbies und der bewusste Verzicht auf Wildfänge würden damit unnötig erschwert.

Zum Abschluss noch ein Hinweis in eigener Sache:
Das Anbieten von Tieren, Sachen und Dienstleistungen in den Kommentaren dieses Blogs ist nicht gestattet! ;)

Mehr zum Thema:


Mittwoch, 4. April 2018

Ausstellung „Zeugen der Urzeit“ in der Stadt-Galerie Hameln

Vom 5. April bis zum 21. April 2018 bietet die ECE Stadt-Galerie in meiner Heimatstadt Hameln seiner Laufkundschaft nicht mehr nur ein Konglomerat an „Fressläden“ und Jeans-Shops, sondern mit der Ausstellung „Zeugen der Urzeit“ eine in unserer Großortschaft vergleichsweise seltene Gelegenheit, um lebende Reptilien zu sehen.

Es handelt sich dabei um eine Wanderausstellung aus dem Hause der expovivo Tierausstellungen AG, welche bereits im September 2016 mit ihrer Ausstellung  „Die Wüste lebt!“ im A2 Center Hannover für Aufsehen sorgte, weil sich in einigen Terraristik-Gruppen in den „sozialen“ Netzwerken ein Shitstorm manifestierte, welcher den Betreibern in diesem Ausmaße vollkommen neu war. Ich berichtete: Ausstellung „Die Wüste lebt!“ im A2 Center Hannover

Die Ausstellung in Hamelns „Konsumtempel“ wurde zwar noch nicht offiziell eröffnet, dennoch bot sich mir heute die Gelegenheit für einen spontanen Besuch. Gezeigt wird ein Querschnitt der Herpetofauna. Neben bekannten Evergreens wie u.a. Grüner Leguan (Iguana iguana), Strumpfbandnatter (Thamnophis sirtalis) und Halsbandleguan (Crotaphytus collaris) werden mit Taubagame (Tympanocryptis tetraporophora) oder Kronenbasilisk (Laemanctus serratus) auch etwas seltenere Arten ausgestellt. Doch nicht nur Reptilien sind zu sehen: Tigersalamander (Ambystoma tigrinum) sowie ein paar Arthropoden runden die Ausstellung „Zeugen der Urzeit“ ab. Ergänzt wird sie in den kommenden Tagen außerdem um kostenlose Führungen.

Die Terrarien sind für eine Wanderausstellung zwar gewohnt zweckmäßig aber trotzdem artgerecht eingerichtet. Sicherlich gäbe es an der einen oder anderen Stelle (z.B. beim leidigen Thema Bodengrund) durchaus noch Möglichkeiten für Verbesserungen, aber wirklich erwähnenswerte Mängel oder gar Verstöße gegen Haltungsrichtlinien waren für mich keine zu erkennen. Die Tiere verhielten sich vollkommen ruhig bzw. zeigten gesunde Neugier, statt Scheu und auch die Sauberkeit, das angebotene Futter, die Beleuchtungs- und Beregnungstechnik sowie der vorhandene Sichtschutz waren mehr als nur in Ordnung. Letzterer wurde im Terrarium eines Pantherchamäleons (Furcifer pardalis) im Vergleich zu den seinerzeit leider kaum vorhandenen Versteckmöglichkeiten für ein Jemenchamäleon (Chamaeleo calyptratus) in der Wüsten-Ausstellung Hannover sogar immens verbessert! Hier scheinen sich die Betreiber die seinerzeit in der Sache zwar stellenweise durchaus berechtigte, aber leider auf eine meines Erachtens bis auf wenige Ausnahmen total unverschämte Art und Weise von Vertretern unserer Zunft anonym im Internet, statt im direkten Gespräch mit den Betreibern, vorgebrachte Kritik zu Herzen genommen zu haben.

Dies verdient Lob, ebenso wie die Bereitschaft der Stadt-Galerie Hameln, eine solche Ausstellung mit „Spannungspotential“ nach Hameln zu holen, mit der den Besuchern laut eigenen Angaben nicht nur ein besonderes Erlebnis geboten, sondern auch eine Lanze für den Schutz dieser faszinierenden Tiere gebrochen werden soll!

Pantherchamäleon (Furcifer pardalis) - Symbolbild