Dienstag, 1. August 2017

Sonderausstellung „Spinnen & Skorpione“ im Museum Koenig (Bonn)

Vom 23. März bis zum 30. Juli wurde im Zoologischen Forschungsmuseum Alexander Koenig (ZFMK) in Bonn die Sonderausstellung „Spinnen und Skorpione – Eine Erfolgsgeschichte der Evolution“ von Dieter Scholz präsentiert, die ich am vergangenen Sonntag noch kurzfristig besuchen konnte.


Gleich zu Beginn begrüßte, neben einem überlebensgroßen Kreuzspinnenmodell, eine naturgetreue Nachbildung einer männlichen Zwerg- bzw. Baldachinspinne (Walckenaeria acuminata) in 100facher Vergrößerung die Besucher, welches von der Designerin Julia Stoess angefertigt wurde.

Modell einer Walckenaeria acuminata von Julia Stoess

Herzstück der Sonderausstellung waren 80 Terrarien mit unterschiedlichen Vertretern der Klasse Arachnida. Der Schwerpunkt lag dabei deutlich auf den Vogelspinnen (Theraphosidae) und dabei vor allem auf den Gattungen Brachypelma und Poecilotheria. In einem Terrarium wurde z.B. die erfolgreiche Gruppenhaltung von Poecilotheria smithi präsentiert. Auch eine Brachypelma boehmei x emilia, also eine Hybridkreuzung, war vertreten. Die Gattung Theraphosa wurde mit ihren drei derzeit bekannten Arten (T. apophysis, T. blondi und T. stirmi) präsentiert und demonstrierte anschaulich, dass diese Tiere die Trivialbezeichnung „Riesenvogelspinnen“ absolut zu Recht tragen.
 
Terrarien mit allen drei Theraphosa-Arten

In einem Terrarium, welches laut Beschriftung eine weibliche Ceratogyrus marshalli enthielt, wimmelte es nur so von Spiderlingen (das adulte Tier war nicht zu sehen) und in einem Avicularia-Terrarium konnten ebenfalls einige Jungtiere entdeckt werden.
 
Jungtiere von Ceratogyrus marshalli

Neben all den Vogelspinnen rundeten Skorpione wie Opistophthalmus pallipes und Smeringurus vachoni, Geißelspinnen, ein Geißelskorpion, Krabbenspinnen sowie ein Walzenspinnen-Terrarium den Lebendtierbestand ab.

Opistophthalmus pallipes

Nephila pilipes in
Freilufthaltung

Kritik könnte man lediglich bei der Beschriftung der Terrarien äußern. Diese trugen lediglich den wissenschaftlichen Artnamen sowie das Herkunftsland als Information zum Inhalt. Die naturnahe Terrarieneinrichtung verschaffte zwar einen tollen Eindruck vom Lebensraum der Tiere, dennoch wären weiterführende Informationen zu den ausgestellten Arten wünschenswert gewesen. Auf großformatigen Informationstafeln wurden zwar interessante Infos über die Lebensweise von Spinnentieren und zu speziellen Themen wie Arachnophobie oder die Gewinnung von Spinnenseide vermittelt, explizite Infos zu den ausgestellten Tieren waren dort aber leider nicht immer zu finden. Da mir selbst als „Spinnen-Freak“ nicht alle wissenschaftlichen Artnamen geläufig sind, wären deutsche Trivialnamen für eine grobe Einordnung und weitere Infos für ein schnelleres Auffinden der Tiere in den Terrarien hilfreich gewesen.

Das ist allerdings schon Kritik auf hohem Niveau, die mit Höhepunkten wie der Freilufthaltungen von Opuntienspinnen (Cyrtophora citricola) und Nephila pilipes, einem Fossil von Megarachne sowie einem dreidimensionalen Nachbau eines Ausschnitts des Kupferstiches von Maria Sybilla Merian aus dem Jahre 1705, welcher Carl von Linné zu dem Artnamen Aranae avicularia veranlasste und so den Begriff „Vogelspinne“ prägte, allemal wettgemacht wurde.
 
Rekonstruktion des bekannten Vogelspinnen-Kupferstichs
von Maria Sybilla Merian aus dem Jahr 1705


Ein Terrarium mit Großen Zitterspinnen (Pholcus phalangioides), die sich in vielen hiesigen Haushalten ebenfalls in „Freilufthaltung“ befinden, ein Kino mit einer Spinnendokumentation sowie eine kleine aber feine Galerie mit Makrofotos sollen natürlich nicht unerwähnt bleiben.
 


Wer die Sonderausstellung verpasst hat, muss sich nicht grämen. Das Museum Koenig ist auch so immer einen Besuch wert. Im Untergeschoss findet man z.B. ein sehenswertes Vivarium. Herpetologisch interessierte Besucher kommen dort u.a. mit Ringelnatter (Natrix natrix), Schwarzgepunkteten Winkerfröschen (Staurois guttatus) und Schneckenfresser-Schildkröten (Malayemys subtrijuga) auf ihre Kosten. Geduld lohnt sich, da sich manche Tiere nicht sofort offenbaren. Aber den geschulten Augen eingefleischter Terrarianer entgehen auch die mitunter gut getarnte Paradies-Schmuckbaumnatter (Chrysopelea paradisi) oder die Vietnamesischen Moosfrösche (Theloderma corticale) nicht.

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