Samstag, 5. August 2017

EXOPET-Studie: Erste Ergebnisse veröffentlicht

Die ersten Ergebnisse der Forschungsarbeit „Haltung exotischer Tiere und Wildtiere in Privathand: Situationsanalyse, Bewertung und Handlungsbedarf insbesondere unter Tierschutzaspekten“ (EXOPET-Studie) wurden in einem 2. Zwischenbericht veröffentlicht und können in der Projektträger-Datenbank der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) abgerufen werden: Förderkennzeichen: 2815HS014

Der 2. Zwischenbericht ist in drei Teile unterteilt: In Teil 1 findet man die Methodik der Studie, Teil 2 stellt die Ergebnisse zu den Handelswegen dar und Teil 3 bezieht sich primär auf die Haltungsbedingungen bei Tierhaltenden inkl. den Ergebnissen der Online-Befragung.

Zusammengefasst lässt sich ableiten, dass sich die Haltungsbedingungen von Reptilien und Amphibien größtenteils im grünen Bereich befinden. Dies wird von den Autoren der Studie darauf zurückgeführt, dass sich vor allem Tierhalter aus den Reihen der Fachverbände beteiligten. Zitat aus dem Bericht:
Bei der Reptilienhalterumfrage lag eine gewisse Unausgeglichenheit der erhobenen Daten vor, da eine hohe Beteiligung (etwa ein Drittel) von in Vereinen organisierten Teilnehmern verzeichnet werden konnte.
Als Grund dafür wird die fehlende Bereitschaft des Zoofachhandels genannt, sich einzubringen und z.B. Informationsflyer zur EXOPET-Studie an seine Laufkundschaft zu verteilen. Es ist schon sehr bezeichnend, dass sich der Handel nur widerwillig an der Studie beteiligte, wie mehrfach im Bericht betont wird. Nach all den Aktionen des Zoofachhandels in letzter Zeit (sei es der Verzicht auf Reptilienverkäufe oder die aktuelle Tierschutzkampagne des ZZF) hätte ich nicht damit gerechnet, dass sich der Handel so verhält, als hätte er Dinge zu verbergen. Bis zum Abschluss des Projekts soll nun der Zoofachhandel verstärkt mit ins Boot geholt werden.

Aus den Ergebnissen geht jedoch auch hervor, dass Abweichungen von den zugrundeliegenden empfohlenen Haltungsparametern ebenfalls auftreten. Da aufgrund des hohen Datenvolumens allerdings der Schwerpunkt zunächst nur auf die häufigsten im Rahmen der Halterbefragung aufgeführten Tierarten gelegt wurde (und somit auf die Arten, die aufgrund ihrer Häufigkeit logischerweise auch häufiger schlecht gehalten werden), ist dieses Resultat nicht verwunderlich. Haltungsverbote und Positiv- sowie Negativlisten wurden von den Studienteilnehmern als nicht zielführend angesehen, was sich auch mit der Meinung der beteiligten Expertengruppen deckt. Ergänzend dazu steht im Bericht:
Letzteres wird auch dadurch untermauert, dass auch bei „einfacher zu haltenden Arten“ deutliche Haltungsdefizite im Rahmen der Studie gefunden wurden. In der Expertengruppe war man sich weiterhin einig, dass ein Handlungsbedarf nicht nur bei der Haltung exotischer Tiere, sondern generell bei allen in Privathand gehaltenen Wirbeltieren einschließlich domestizierter Haus-, Heim- und Hobbytiere besteht.
Zu diesem Zweck werden u.a. eine Überführung der Mindesthaltungsrichtlinien in verbindliches Recht, ein TÜV für Tierbedarf sowie ein verpflichtender Sachkundenachweis als zielführende Lösungen zur Verbesserung des Tierschutzes eingestuft. Wörtlich heißt es im Fazit des Berichts:
Die in der bisherigen Auswertung der großen Datenmenge erhaltenen Ergebnisse zeigen, dass eine artgemäße und verhaltensgerechte Haltung von fremdländischen und einheimischen Amphibien, Reptilien und Vögeln als Heimtiere grundsätzlich möglich ist. Es ist allerdings auch nicht abzustreiten, dass Probleme bis hin zu eklatanten Missständen auftreten können. Der aus Sicht der Projektteilnehmer aussichtsreichste Ansatzpunkt zur Verbesserung der Haltung liegt in der Vermittlung von Sachkunde und damit der Verbesserung der Halterkompetenz.

Fazit:

Grundsätzlich belegen die ersten Ergebnisse der EXOPET-Studie, dass die sogenannte Exoten- oder Wildtierhaltung nicht so dramatisch ist, wie es radikale Tierhaltungsgegner gerne behaupten und dass die durchaus vorhandenen Probleme wie mangelhafte Haltungsbedingungen, falsche Ernährung etc. mit Verbesserungen der Tierhalterkompetenz eher behoben werden können als mit Haltungsverboten. Ob und in welcher Weise die Bundesregierung die noch folgenden Abschlussergebnisse bei Gesetzgebungsvorhaben berücksichtigen wird, steht natürlich auf einem anderen Blatt. Aber zumindest wird den Kritikern, die mit einseitiger Propaganda und Desinformation (z.B. zu Importzahlen) arbeiten, mit den Ergebnissen dieses unabhängigen Forschungsvorhabens gehörig Wind aus den Segeln genommen. Vielleicht der Grundstein, das Wohl von exotischen Heimtieren nachhaltig zu verbessern? 
Wir werden sehen...
 
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Kommentare:

  1. Danke Marco!
    Ich habe teilgenommen, du sicher auch! Warum auch nicht? wir wollen ja Etwas verbessern!°

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    1. Super! Natürlich habe ich teilgenommen. Denn wo Probleme herrschen, müssen Veränderungen her. Außerdem habe ich immer die Meinung vertreten, dass jeder Fortgeschrittene / Profi, der aus Prinzip nicht an der Studien teilnehmen wollte, die Ergebnisse negativ beeinflusst, da den Angaben von Einsteigern oder gar den Falschangaben von ideologisch motivierten Umfrageteilnehmern dadurch mehr Gewicht verliehen wird. Dass allerdings nun die Ergebnisse irgendwie doch verzerrt wurden, weil vor allem in Vereinen organisierte Reptilienhalter teilgenommen haben, nur weil der Zoofachhandel sich weigerte, seine Laufkundschaft auf die EXOPET-Studie aufmerksam zu machen, finde ich schon sehr schade. So wurden die tatsächlich vorhanden Probleme, mit denen wir beide ja immer wieder konfrontiert werden, größtenteils gar nicht erfasst.

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