Montag, 31. Juli 2017

Fake News: Schlangensteuer ab 2018


Eine aktuelle Meldung auf 24aktuelles.com macht gerade in den Sozialen Netzwerken die Runde und sorgt für Verunsicherung unter Schlangenhaltern. Laut der Meldung mit dem Titel „Schlangenhalter werden zur Kasse gebeten“ soll ab dem 1. Januar 2018 eine Steuer für Schlangen in Menschenobhut erhoben werden. Der Bundestag habe ein entsprechendes Gesetz am heutigen Tag verabschiedet und die Bundesländer würden demnächst ihre Steuermodelle (ca. 30 bis 100 Euro pro Tier) vorstellen.

Was viele der in Panik geratenen Schlangenhalter offenbar versäumt haben, ist eine kurze Überprüfung dieser Meldung. Tatsächlich ermöglicht einem die Nachricht eine anschauliche Demonstration, wie Fake News enttarnt werden können:

  1. Keine anderen Medien berichten über die angebliche Entscheidung des Bundestages.
  2. Die Orthographie des Artikels ist fehlerhaft.
  3. Es wird kein Autor genannt.
  4. Eine Überprüfung der Seite 24aktuelles.com ergibt, dass dies kein seriöses Presseportal ist.
Tatsächlich wird die Unwahrheit der Meldung sofort beim Betreten der Startseite deutlich. 24aktuelles.com wirbt dort nämlich mit folgendem Text:
+ Erstelle deinen Witz in wenigen Sekunden
Erfinde deine eigenen Fake News und lege alle deine Freunde rein! Du kannst deine erfundenen Nachrichten auf Facebook und anderen sozialen Netzwerken teilen. Worauf wartest du noch? Lass den Spaß beginnen!

Es ist bedauerlich, dass überhaupt auf diesen Hoax hingewiesen werden muss. Leser mit einem Mindestmaß an politischer Grundkenntnis sollten unabhängig der oben genannten 4-Punkte-Checkliste die Unwahrheit schon beim Lesen erkennen. Denn aus heiterem Himmel beschließt der Bundestag keine Gesetze. Das Gesetzgebungsverfahren ist langwierig und setzt insbesondere bei solchen Themen Fachgespräche mit Experten in den zuständigen Ausschüssen voraus. Solche gab es zum Thema Schlangensteuer bisher nicht, ebenso wenig wie irgendeinen Gesetzesentwurf über den überhaupt hätte abgestimmt werden können. Und da der Bundestag derzeit in Sommerpause ist, konnte dort heute sowieso gar kein neues Gesetz zu Abstimmung stehen.

Auch als Kenner der Tierschutzszene müsste man sofort stutzig werden. Reptilien und insbesondere Schlangen werden zwar regelmäßig als große Probleme für Tierheime genannt, eine Steuer fordern Tierschutzvereine allerdings derzeit lediglich für Katzen. Denn den Vereinen ist durchaus bewusst, dass es in dem 1 % der Terrarianer-Haushalten kaum genug zu holen gibt, um die Kosten der Tierheime auch nur ansatzweise zu decken. Die oft heraufbeschworene Exotenschwemme wird eher als lukratives Instrument für Medienauftritte und Spendenschleicherei zweckentfremdet. Bevor es also irgendeine Art von Reptiliensteuer gibt, wird wohl eher eine Katzensteuer eingeführt.

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