Dienstag, 30. Mai 2017

Mord in der Nachbarschaft: War es der Reptilien-Freak?

Schon häufig habe ich mir die Frage gestellt, warum in TV-Unterhaltungsserien häufig Hunde und Katzen, in seltenen Fällen auch mal Aquarien zu sehen sind, jedoch so gut wie nie Terrarien. Während Homosexuelle oder Migranten längst zum normalen Repertoire von Krimis, Soaps etc. gehören, scheinen Terrarianer dort immer noch eine unwichtige Randgruppe zu sein.
Umso erstaunlicher, wenn doch mal ein Reptilienhalter dargestellt wird. So geschehen am 26. März im Kölner Tatort „Nachbarn“ (ARD). Wie der Titel schon vermuten lässt, spielte der Mordfall des besagten Krimis im Umfeld einer zerstrittenen Nachbarschaft. Im Laufe der Ermittlungen fiel der Verdacht auf den unsympathischen Nachbarn Frank Möbius (gespielt von Stephan Grossmann), der in seinem Keller Bartagamen hielt. Hier ein Ausschnitt aus dem Tatort zu Belegzwecken:

Quelle: Tatort „Nachbarn“, ARD
Auch wenn die gezeigten Haltungsbedingungen (Infrarotlampe, loser Sand...) nicht optimal waren, wäre es an für sich recht erfreulich, wenn die ARD auf diese Art zeigen würde, dass die Haltung von Reptilien in deutschen Haushalten nichts Ungewöhnliches ist... wäre der Dialog zwischen Herrn Möbius und dem ermittelnden Kommissar Alfred „Freddy“ Schenk (gespielt von Dietmar Bär) nicht gewesen. Ich zitiere:

Möbius: So, Essenszeit. Eine ausgewogene Ernährung ist das Entscheidende. Grünzeug, Mehlwürmer und ab und zu auch mal eine Heuschrecke.

Schenk: Sie wissen schon, dass ein Großteil dieser Echsen den Transport nach Europa nicht überstehen, oder?

Möbius: Grausamer als Natur geht nicht. Und hier bei mir, so wie in der Reha, da haben sie es gut.

Der Kommentar von Kommissar Schenk klingt für mich entweder nach einer schlechten Recherche der Autoren oder aber nach einer gezielten Desinformation, womöglich sogar von Tierhaltungsgegnern ins Heft diktiert? Eine sinnvollere Entgegnung seitens Herrn Möbius wäre gewesen: Und Sie wissen schon, dass diese Echsen gar nicht mehr nach Europa importiert werden?

Denn da die australische Fauna strengen Exportverboten unterliegt und Bartagamen zudem seit Jahren massenhaft hierzulande nachgezüchtet werden, finden Transporte nach Europa speziell bei diesen Echsen gar nicht mehr statt (Importe von Nachzuchten aus Drittländern wie den USA einmal ausgenommen). Doch diese Information bleibt uns der Tatort leider schuldig. Stattdessen wurde unterschwellig eine falsche Information zur Reptilienhaltung in die deutschen Haushalte transportiert, über die Kenner der Thematik bestenfalls lachen können, mit der jedoch die Mehrzahl der Zuschauer erneut in ihrem vorurteilsbelasteten, negativen Meinungsbild bestätigt wurde.

Damit wurde der Bildungsauftrag der Öffentlich-rechtlichen aus meiner Sicht mal wieder grandios verfehlt. Obwohl... etwas kann man daraus tatsächlich lernen: Wie Propaganda funktioniert!
 
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