Samstag, 18. März 2017

Review: rbb-Reportage „Zwischen Affenliebe und Echsenalarm“

Erneut wurden Handel und Haltung von exotischen Tieren im öffentlich-rechtlichen Fernsehen thematisiert. Diesmal in der Reportage „Tier zuliebe“ des Rundfunks Berlin-Brandenburg (rbb): „Zwischen Affenliebe und Echsenalarm“

Erfreulicherweise handelte es sich diesmal um eine differenzierte Darstellung der Thematik. Es wurden sowohl vorhandene Schattenseiten wie unbedachte Anschaffung und daraus resultierende Tierschutzfälle als auch positive Aspekte wie die Beratung auf Terraristikbörsen angesprochen.

Kritik an Berliner Gefahrtierverordnung

Seitens des Fachtierarztes für Reptilien Dr. Frank Mutschmann (Exomed) wurde Kritik an der Berliner Gefahrtierregelung laut. Durch die strikten Haltungsverbote für besonders gefährliche Tiere des Anhangs A der Verordnung sei von einer Zunahme illegaler Haltungen auszugehen, welche sich den Kontrollen durch die Behörden entzögen, was eine erhöte Gefahr für die öffentliche Sicherheit darstelle. Sinnvoller wäre, die Haltung von Giftschlangen, Panzerechsen etc. unter Erlaubnisvorbehalt des Senats zu stellen. Die damalige Regelung sah vor, dass Halter von Gifttieren für die Vorratshaltung eines Antiserums Sorge tragen mussten, beispielsweise durch eine Mitgliedschaft im Serum-Depot Berlin. Dadurch konnte der Bestand von Gifttieren in den Haushalten Berlins besser eingeschätzt werden.

Sogar die stellvertretende Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion Ute Vogt sieht inzwischen deutliche Nachteile in solchen Regelungen. Denn durch die legale Haltung und die damit verbundene Mitgliedschaft in einem Serendepot konnte die zeitnahe Versorgung mit Antiseren im Falle von Unfällen sichergestellt werden, was bei illegalen Haltungen nun nicht mehr möglich sei. Außerdem bergen Verbote zusätzliche Tierschutzprobleme, weil illegale Tiere im Krankheitsfall wohl keinem Tierarzt vorgestellt würden. Diese Argumente wurden regelmäßig von uns Haltern und unseren Verbänden vorgebracht. Es ist sehr erfreulich, dass diese Argumente mittlerweile bei den politischen Entscheidungsträgern für gewisse Erkenntnisse gesorgt haben. Hoffentlich bleibt es dabei. Die Forderung von Frau Vogt: ein bundesweiter, mehrstufiger Sachkundenachweis.

Börsen bieten Möglichkeit der Aufklärung

Auch Terraristikbörsen wurden in der Reportage thematisiert, eingeleitet mit den Worten: „Eine Möglichkeit, Interessierte schon vor dem Kauf aufzuklären und zu beraten, könnten Terraristikbörsen bieten.“

Während andere Börsenveranstalter das Filmen strikt untersagen, und durch diese Geheimniskrämerei erst den Anschein erwecken, etwas verbergen zu wollen, hat der Veranstalter der Terraristikbörse Berlin dem TV-Team eine Drehgenehmigung erteilt. Dadurch war es nicht nötig, mit versteckter Kamera zu filmen und auch nicht möglich, das Material danach einseitig zu vermarkten. Eine mutige aber auch sehr vorbildliche Entscheidung des Börsenbetreibers.

Fazit:

Die Reportage der Autorin Anne Mücke hat gezeigt, dass eine Berichterstattung über die vorhandenen Probleme beim Handel mit und bei der Haltung von exotischen Tieren auch unaufgeregt, sachlich und objektiv erfolgen kann. Eine solche Aufklärung der Öffentlichkeit ist wesentlich zielführender als investigativer Sensationsjournalismus, der negative Einzelfälle aufbauscht. Daher hoffe ich, dass die Sendung die Aufmerksamkeit bekommt, die sie verdient. Sie ist noch bis zum 18. September in der ARD-Mediathek abrufbar.

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