Donnerstag, 29. Dezember 2016

Terrarientiere und Silvester: Was ist zu beachten?

Das Jahr nähert sich dem Ende und viele Terrarianer haben Bedenken, ob und wie ihre Tiere die von Feuerwerk und Böllern begleitete Silvesternacht wohl am besten überstehen.  
 
Als Terrarianer muss man sich zunächst bewusst werden, wie stressanfällig die eigenen Tiere überhaupt sind und wie sie auf bestimmte Situationen reagieren. Terrarianer, die noch nicht lange im Hobby aktiv sind und dieses Jahr mit ihren Tieren womöglich das erste Silvester erleben, machen sich besonders Sorgen, dass die geliebten Tiere den Jahreswechsel nicht heile überstehen könnten. Vielleicht wurden auch schon negative Erfahrungen mit anderen Haustieren gemacht: Schon so mancher Wellensittich soll an Silvester tot von der Stange gefallen sein, sofern er nicht zuvor im Fondue versunken oder versehentlich in Blei gegossen wurde.

Reptilien, Amphibien und Silvester
Die gute Nachricht für uns Terrarianer: Eingewöhnte Reptilien und Amphibien sind in der Regel nicht sonderlich schreckhaft und reagieren in ihrem gewohnten Umfeld kaum auf das Silvesterfeuerwerk. Tagaktive Arten verschlafen den Jahreswechsel normalerweise ohne zu erwachen, während nachtaktive Arten die Leuchterscheinungen und den Lärm zwar sicherlich wahrnehmen, davon aber nicht weiter gestört werden – sofern der Tierhalter nicht gerade im Terrarienzimmer die Fenster öffnet, um das Feuerwerk zu sehen. Die Fenster und Balkontüren sollten in den Räumen, in denen sich Terrarien befinden, geschlossen bleiben - nicht nur wegen des drohenden Temperatursturzes, sondern auch wegen des Lärms. Das Gehör von Reptilien & Co. unterscheidet sich nämlich von dem des Menschen. Einige Arten nehmen z.B. nur besonders tiefe Töne war, die wir gar nicht hören können. Darüber, wie gut das Gehör verschiedener Tierarten ausgeprägt ist und wie anfällig diese für den Böllerlärm sind, ließen sich wohl ganze Fachbücher schreiben. Pauschal kann man sagen, dass Tiere, die sich über Laute verständigen (wie z.B. viele Amphibien), besonders vor lautem Böllerlärm geschützt werden sollten. Da aber in der Erforschung der Sinnesorgane noch viele Fragen offen sind, fährt man sicherlich gut, wenn man Störungen durch Lärm so gut wie möglich vermeidet.

Wichtig ist auch das sonstige Umfeld während der Silvesterfeierlichkeiten. Hat man Besuch und / oder macht die Nacht mit der Zimmerbeleuchtung zum Tage, kann dies einen Stressfaktor für alle Terrarientiere darstellen, die sich im selben Raum befinden. 
 
Auch hierbei kommt es ganz auf die jeweilige Tierart an. Aus meiner persönlichen Erfahrung kann ich berichten, dass sich manche Tiere wie z.B. Bartagamen (Pogona vitticeps) kurz vor Erlöschen der Terrarienbeleuchtung zu ihrem angestammten Schlafplatz begeben und nach Erlöschen der Beleuchtung wie auf Knopfdruck einschlafen – ganz egal, ob im Raum noch Menschen aktiv sind oder nicht. Wenn sich diese Tiere aus bestimmten Gründen nicht in Winterruhe befinden sollten, träfe dies wohl auch auf die Silvesternacht zu. Andere Arten wie z.B. Australische Wasseragamen (Intellagama lesueurii) bleiben hingegen solange wach, bis auch die Raumbeleuchtung erloschen ist. Befreundete Halter berichteten mir, dass sich wohl auch Chamäleons von der Raumbeleuchtung irritieren lassen, da es sich bei ihnen um sehr aufmerksame Tiere handelt. Solche Tiere sollte man im Falle einer geplanten Silvesterparty lieber in einen ruhigeren Raum ausquartieren. Dies allerdings bevorzugt mitsamt Terrarium, weil der Verlust des Territoriums wohl einen sehr viel größeren Stress für das Tier darstellt als das Erleben von Silvesterfeierlichkeiten in gewohnter Umgebung. In solchen Fällen wäre es sinnvoll, zumindest das Terrarium abzudecken.

Damit die Tiere sich normal verhalten, ist es wichtig, dass der gewohnte Tagesablauf eingehalten wird. Die Aktivitätsphase sollte also nicht manipuliert werden (z.B. durch ein Füttern von tagaktiven Tieren um Mitternacht als symbolisches „Anstoßen auf das neue Jahr“).

Wirbellose und Silvester
Halter von wirbellosen Tieren machen sich womöglich ebenfalls Gedanken, wie ihre Spinnen, Skorpione & Co. die Silvesternacht am besten überstehen. Schließlich reagieren diese Tiere ganz besonders auf Schwingungen und somit womöglich auch auf die Silvesterknallerei. Das oben für Reptilien und Amphibien Geschilderte lässt sich auch auf Wirbellose übertragen. Während das eigentliche Silvesterfeuerwerk kein großes Problem für die Tiere darstellen sollte, kann die Silvesterparty unnötigen Stress verursachen, denn man durch die bereits genannten Tipps reduzieren kann.

Fazit:
Der Jahreswechsel bedeutet für die allermeisten Terrarientiere nicht mehr als ein ordentliches Gewitter. Der Stress ist also zu vernachlässigen. Solange kein Tischfeuerwerk im Terrarienraum gezündet wird, verschlafen die meisten Terrarientiere die Silvesternacht oder gehen ihren üblichen nächtlichen Aktivitäten nach. Wichtig ist, dass man seine Tiere keiner vermeidbaren Unruhe aussetzt. Dann steht einem für alle Beteiligten angenehmen Jahreswechsel nichts im Wege. 
 
Mit Stroboskopen beleuchtete und von wummernden Bässen bebende Skorpionterrarien möchte ich dieses Jahr in keinem ach so coolen Facebook-Video sehen müssen...
 
In diesem Sinne wünsche ich euch ein 
erfolgreiches und gesundes neues Jahr!


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