Mittwoch, 21. Dezember 2016

Studie zur Persönlichkeit von Exotenhaltern

Da mir leider (trotz mehrmaliger Rückfragen) keine Ergebnisse der Studie der Uni Bremen über die Persönlichkeitsmerkmale von Haustierbesitzern vorliegen, nähere ich mich dem Thema heute anhand der Diplomarbeit von Ina M. MAUERER aus dem Jahr 2009: Besitz exotischer Haustiere und Persönlichkeit

Im Rahmen der Forschungsarbeit wurden insgesamt 250 Personen befragt, welche sich in zwei Gruppen bestehend aus 50 Personen ohne Haustierbesitz und 200 Personen mit Haustierbesitz aufteilten lassen. Die Gruppe der Tierhalter wiederum teilt sich zu jeweils 25 Personen in Katzenhalter, Hundehalter, Kleintierhalter, Vogelhalter, Aquarianer, Reptilienhalter, Wirbellosenterrarianer sowie Halter von mehreren verschiedenen Haustierarten auf.

Die Autorin kommt zu dem Ergebnis, dass signifikante Unterschiede bei der Persönlichkeit von Halterinnen und Haltern unterschiedlicher Haustierarten zu erkennen sind. So zeigen Besitzer von warmblütigen Exoten oder klassischen Haustieren wie Hunde oder Katzen eher eine enge Bindung zu ihren Haustieren als Halter von wechselwarmen Tieren. Als Gründe für die Anschaffung der Tiere wurde von Vivarianern primär deren beruhigende Wirkung aber auch das Interesse an den Tieren genannt, während klassische Haustierhalter angaben, sich in das jeweilige Tier verliebt zu haben. Auffällig ist auch, dass Leute bevorzugt mit den Haustierarten ihr Leben teilen, mit denen sie auch schon als Kinder aufgewachsen sind.

Halterinnen von klassischen Haustieren sind laut den Ergebnissen der Befragung tendenziell weniger offen für neue Erfahrungen als Halterinnen von wechselwarmen Haustieren. Auf der anderen Seite sind Besitzer von Hunden und Katzen offener für neue Kontakte, während Reptilien-, Spinnen- und Insektenhalter dafür weniger offen – sprich introvertierter sind. Dies erklärt die Autorin dadurch, dass z.B. Hunde das Knüpfen von neuen Kontakten erleichtern. Ich vermute es liegt nicht unerheblich auch an der Akzeptanz bestimmter Haustierarten innerhalb der Gesellschaft.

Beim Geschlechtervergleich tendieren Frauen eher zu der Haltung von Hunden, Katzen und warmblütigen Exoten, während Reptilien, Spinnen und Insekten vor allem von Männern gehalten werden. Frauen sind zudem stärker an ihre Haustiere gebunden als Männer.

Fazit:
Anhand der Ergebnisse wird deutlich, dass Tierhalter und Haustier zueinander passen müssen. Eine Person, die von ihrem Haustier eine enge soziale Bindung erwartet, würde mit einer Vogelspinne oder einer Schlange wohl kaum glücklich. Gleiches gilt aber auch im Umkehrschluss. Soziale Haustiere wie Hunde oder Katzen sind ebenso wie wechselwarme Exoten nicht für jeden Persönlichkeitstyp geeignet. Umso wichtiger ist, dass jeder Mensch die Tierart halten darf, für die er sich aufgrund seiner eigenen Persönlichkeitsentwicklung begeistert. Denn nur so ist eine adäquate Versorgung des jeweiligen Tieres sichergestellt. Nicht zuletzt zeigen diverse andere Studien, dass die Haltung eines Haustiers der menschlichen Psyche guttut. Dies funktioniert aber nur dann, wenn die jeweilige Haustierart auch zur Persönlichkeit des Halters passt.

Die Ergebnisse zeigen außerdem, dass vor allem Männer zu der Haltung von „ausgefalleneren“ Haustieren und somit auch eher zur Terraristik tendieren. Warum ist das so? Ich führe dies auf die Kindesentwicklung zurück. Mädchen werden ja regelrecht geschult, schwächer zu sein und sich vor „ekeligen Tieren“ zu fürchten, während Jungs immer stark sein müssen. Immerhin hat Mama auch Angst vor Spinnen und Papa ist der Retter in der Not, wenn mal eine Spinne an der Wand sitzt. Viele Eltern leben es ihren Kindern vor, wie sie sich je nach Geschlecht zu verhalten haben. So wird die Persönlichkeit der Kinder geformt und somit auch ihr späteres Verhältnis zu bestimmten Tierarten. Die häufig zitierte „Urangst“ vor Schlangen und Spinnen, welche sich über Generationen bis in unsere heutige Zeit vererbt haben soll, spielt aus meiner Sicht hingegen kaum eine Rolle. Schließlich gehört die Angst vor Raubtieren wie Wölfen ebenfalls zu unseren Urinstinkten. Trotzdem gehören Hunde zu unseren liebsten Haustieren. Die „Urängste“ sind also entweder gar nicht oder allenfalls rudimentär in Form von Reflexreaktionen in Schreckmomenten vorhanden (dann beruhen Abneigung und Ängste vor bestimmten Tieren lediglich auf der Erziehung) oder aber diese Ängste schlummern noch in unserem Erbgut, können aber – ebenfalls durch Erziehung bzw. Gewöhnungseffekte – abtrainiert werden. Beides ist denkbar und die psychologische Forschung ist sich in dieser Sache gespalten. Da aber insbesondere kleine Kinder für „Ekeltiere“ sehr aufgeschlossen sind, halte ich die Urangst-Theorie für überholt.
 
Literatur:
MAUERER, Ina Maria: Besitz exotischer Haustiere und Persönlichkeit; Diplomarbeit, Universität Wien. Fakultät für Psychologie; 2009 

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