Dienstag, 4. Oktober 2016

Beschlüsse der 17. CITES-Artenschutzkonferenz (CoP17)

Die 17. CITES-Artenschutzkonferenz (Conference of the Parties, CoP17) ist zu Ende. Die für die Terraristik relevanten Anträge wurden am vergangenen Wochenende im Komitee behandelt, was ich live im Webcast der Konferenz verfolgte. Bereits heute hat das Plenum die Entscheidungen abschließend abgesegnet. Hier ein Überblick über die für die Terraristik relevanten Beschlüsse:


Beschlüsse vom 2. Oktober 2016:

Die Anträge, bestimmte kolumbianische Populationen des Spitzkrokodils (Crocodylus acutus) und das Leistenkrokodil (Crocodylus porosus) in Malaysia von CITES-Anhang I auf Anhang II herabzustufen, wurden angenommen.

Baumschleichen (Abronia) wurden in CITES-Anhang II gelistet. Davon 5 Arten mir einer Null-Quote für den Export (Abronia aurita, Abronia gaiophantasma, Abronia montecristoi, Abronia salvadorensis und Abronia vasconcelosii). Des Weiteren wurden die folgenden 5 Baumschleichenarten in CITES-Anhang I aufgenommen: Abronia anzuetoi, Abronia campbelli, Abronia fimbriata, Abronia frosti und Abronia meledona. Baumschleichen bekommen somit einen dreistufigen Schutzstatus: 1) Striktes Handelsverbot, 2) Exportverbot für Naturentnahmen, 3) Begrenzter Handel mit den restlichen Arten.

Bei der Baumschleichen-Debatte ließ sich der Delegierte Brasiliens übrigens noch zu einem emotionalen Kommentar hinreißen, dass tropische Reptilien schließlich nicht in Wohnzimmer in der nördlichen Hemisphäre gehören würden.

Bei den Zwergchamäleon-Gattungen Rhampholeon und Rieppeleon gab es einige Diskussionen, weil gleich zwei Anträge mit der gleichen Forderung aber einem leicht unterschiedlichen Wortlaut eingereicht wurden. Es gab auch Kritik von Tansania, die beiden Gattungen wurden am Ende dann aber doch in CITES-Anhang II aufgenommen. Tansania schlug vor, sie lieber im CITES-Anhang III zu listen, was die antragstellenden Staaten ablehnten. Mit dieser Entscheidung sind nun alle bekannten Chamäleons international geschützt.

Der Psychedelische Gecko (Cnemaspis psychedelica) und der Himmelblaue Zwergtaggecko (Lygodactylus williamsi) wurden am Sonntagabend aufgrund von Zeitmangel in einem regelrechten Eilverfahren in CITES-Anhang I aufgenommen. Es gab keine Gegenstimmen.

Der Masobe Großkopfgecko (Paroedura masobe) wurde in CITES-Anhang II aufgenommen.

Die Familie Lanthanotidae sollte zunächst in CITES-Anhang I aufgenommen werden. Betroffen wäre davon nur die einzige derzeit bekannte Art aus dieser Familie, der Borneo-Taubwaran (Lanthanotus borneensis). Aufgrund von Kritik seitens Indonesien, Japan und Korea wurde die Art dann doch nur in Anhang II gelistet und bekommt eine Null-Quote für den Export von Wildbeständen. Die drei genannten asiatischen Staaten sprachen von Zuchtfarmen und wollen mit den dort produzierten Tieren auch weiterhin international handeln. Antragsteller Malaysia gab schnell nach und ließ sich auf die niedrigere Schutzkategorie ein.

Zum Ende dieses langen Abends wurde noch die Krokodilschwanzechse (Shinisaurus crocodilurus) von CITES-Anhang II auf CITES-Anhang I hochgestuft.

Beschlüsse vom 3. Oktober 2016:
Dieser Tag war als der letzte Tag der Komitee-Sitzung mit vielen noch offenen Anträgen selbst für mich als unbeteiligten Zuschauer mit über 10 Stunden Webcast hart (umso größer ist meine Hochachtung vor den Teilnehmern der Konferenz – egal aus welchen Reihen diese stammen). Zu Beginn des Tages wurde noch über Elfenbein und Nashornhorn debattiert. Zur Mittagszeit gab es dann massive technische Probleme beim Abstimmungsverfahren, die für weitere Verzögerungen sorgten. Nachmittags ging es dann um Haie und andere Fische sowie die Gattung Nautilus, ehe abends die noch offenen Anträge aus dem Bereich der Herpetologie erneut in einem enormen Tempo abgefrühstückt wurden. Hierbei regnete es regelrecht neue Schutzkategorien:

Die Buschviper Atheris desaixi und die Hornviper Bitis worthingtoni wurden in CITES-Anhang II aufgenommen.

Die Weichschildkröten Cyclanorbis elegans, Cyclanorbis senegalensis, Cycloderma aubryi, Cycloderma frenatum, Trionyx triunguis und Rafetus euphraticus wurden in CITES-Anhang II aufgenommen.

Der Tomatenfrosch (Dyscophus antongilii) wurde von CITES-Anhang I auf CITES-Anhang II herabgestuft. Darüber hinaus wurden der Südliche Tomatenfrosch (Dyscophus guineti) sowie der Westliche Tomatenfrosch (Dyscophus insularis) in CITES-Anhang II aufgenommen. Die madagassischen Tomatenfrösche genießen also nun alle denselben Schutzstatus.

Die Marmorkrötchen Scaphiophryne marmorata, Scaphiophryne boribory und Scaphiophryne spinosa wurden trotz Einwänden seitens Japan in CITES-Anhang II aufgenommen.

Der Titicaca-Riesenfrosch (Telmatobius culeus) wurde - ebenfalls trotz Einwänden seitens Japan - in CITES-Anhang I aufgenommen.

Zu guter Letzt wurde noch der Hongkong-Warzenmolch (Paramesotriton hongkongensis) in CITES-Anhang II aufgenommen.


Auch wenn Kubanische Landschnecken in der Terraristik derzeit keine große Rolle spielen, ist es vielleicht trotzdem interessant noch anzumerken, dass die Gattung Polymita ebenfalls direkt in CITES-Anhang I aufgenommen wurde und diese Schnecken demnach wohl auch nie in der Terraristik Fuß fassen werden.

Vielleicht wäre auch noch interessant zu erwähnen, dass die Tillandsie Tillandsia  mauryana vom CITES-Anhang II gestrichen wurde und demnach in Zukunft (wieder) vollkommen frei gehandelt werden darf.

Eine offzielle Liste aller Beschlüsse gibt es hier: CITES_CoP17_DECISIONS.pdf

Fazit:
Während der Konferenz wurde deutlich, dass Einschränkungen des Lebendtierhandels durch hohe und höchste Schutzmaßnahmen meist ohne Diskussion oder Gegenstimmen durchgewunken wurden, während das sehr viel lukrativere Reptilleder für die Luxusindustrie (ebenso wie der Handel mit Elfenbein und Nashornhorn) von einer sehr starken Lobby verteidigt wurde.

Die CITES-Mitgliedsstaaten haben gemäß Article XV des Abkommens nun 90 Tage Zeit, die Beschlüsse in geltendes Recht umzuwandeln. Die Anhänge der EU-Artenschutzverordnung, mit dem u.a. CITES in der EU vollzogen wird, werden also in den nächsten Wochen überarbeitet. Sobald die betroffenen Tierarten dort aufgelistet und die Änderungen offiziell in Kraft getreten sind, müssen sich betroffene Halter an die jeweiligen Vorschriften halten. Bis dahin können die betroffenen Tiere noch zu den aktuell gültigen Verordnungen gehalten und gehandelt werden.

Die Arten des CITES-Anhangs II werden normalerweise im Anhang B der EU-Artenschutzverordnung gelistet und gelten in Deutschland als „besonders geschützt“. Für sie gilt bis auf wenige Ausnahmen eine Melde- und Nachweispflicht. Die Arten des CITES-Anhangs I werden in der Regel im Anhang A der EU-Artenschutzverordnung gelistet und gelten in Deutschland als
„streng geschützt“. Diese Arten unterliegen einem Besitz- und Vermarktungsverbot. Nachzuchten sind davon ausgenommen. Für sie gilt neben der Nachweis- und Meldepflicht eine zusätzliche Kennzeichnungspflicht, die für jede Tierart individuell geregelt wird. Näheres ist den gültigen Artenschutzverordnungen zu entnehmen.

Die nächste CITES-Artenschutzkonferenz (CoP18) wird 2019 in Sri Lanka stattfinden.
 

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