Mittwoch, 21. September 2016

Gummi arabicum – (K)eine natürliche Leckerei für Geckos!

Gummi arabicum ist der getrocknete Pflanzensaft von bestimmten Akazien, den man im Fachhandel für vielseitige Verwendungszwecke findet – z.B. als esoterisches Räucherwerk oder als „Ergänzungsfuttermittel“ für Krallenaffen. Auf der Internationalen Geckotagung 2016 hörte ich in einem Vortrag erstmals davon, dass Gummi arabicum auch als zusätzliche Futterquelle für diejenigen Geckos geeignet sei, für die Pflanzensäfte zum natürlichen Nahrungsspektrum gehören.

Als ich diese Info in einem vorherigen Blogpost veröffentlichte, kam es in den sozialen Netzwerken, nachdem mehrere Geckohalter von ihren positiven Erfahrungen mit Gummi arabicum berichtet hatten, zu Diskussionen über die zulässige Anwendung von Gummi arabicum. Bei Gummi arabicum handelt es sich nämlich einerseits um einen Gefahrstoff, der als augenreizend eingestuft ist und ein entsprechendes GHS-Kennzeichen trägt. Die Bedenken bezüglich dieser Gefahrstoffkennzeichnung teile ich nicht, weil es aus meiner Sicht schon noch einen Unterschied macht, in welcher Form man das Gummi arabicum verwendet. In Pulverform wäre die reizende Wirkung auf Augen und wohl auch auf die Atemwege im Falle des Einatmens durch die Tiere tatsächlich nicht zu unterschätzen. In Form eines naturbelassenen Harzklumpens ist die Gefahr von Reizungen allerdings als sehr viel geringer einzuschätzen. Außerdem wurde bisher kein ADI-Wert für Gummi arabicum festgelegt. Der ADI-Wert ist das Maß für die Menge eines Stoffes, die täglich ohne gesundheitliche Gefahren konsumiert werden kann. Deswegen halte ich das Verfüttern von Gummi arabicum grundsätzlich für unbedenklich. Zumal Geckos und andere Tiere Gummi arabicum und vergleichbare Pflanzensäfte auch in freier Natur konsumieren und vertragen. Dort steht niemand daneben und verbietet ihnen dies oder klebt GHS-Piktogramme auf die Akazien. Wie ein Tier auf einen bestimmten Stoff reagiert, hängt nicht zuletzt von seinem artspezifischen Stoffwechsel und der aufgenommenen Dosis eines Stoffes ab.

Es wurde allerdings noch eine weitere Kritik geäußert: Gummi arabicum ist futtermittelrechtlich nämlich gar nicht als Einzelfuttermittel zugelassen, sondern lediglich als Futtermittelzusatzstoff (E 414) und darf demnach (unabhängig von der GHS-Kennzeichnung) gar nicht direkt als Nahrungsquelle angeboten werden. What? Kann es wirklich sein, dass die Verwendung eines natürlichen Rohstoffes, der zum natürlichen Nahrungsspektrum verschiedener Tierarten gehört, zur Nahrungsergänzung verboten ist, nur weil dieser Stoff aufgrund seiner besonderen Eigenschaften als Futtermittelzusatzstoff zugelassen wurde? Mit dieser Fragestellung wandte ich mich an das Niedersächsische Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (LAVES), welches u.a. für die Futtermittelüberwachung hier bei mir in Niedersachsen zuständig ist.

Von dort erhielt ich heute ebenfalls die Information, dass es sich bei Gummi arabicum um einen Futtermittelzusatzstoff handelt und deswegen nicht direkt an Tiere verfüttert werden darf. Gemäß der Verordnung (EG) Nr. 1831/2003 über Zusatzstoffe zur Verwendung in der Tierernährung gilt dies für alle Tierarten und somit auch für Wild- und Zootiere. Da Gummi arabicum nicht für die Applikation über Tränkwasser zugelassen ist, darf es tatsächlich nur in Mischfuttermitteln verfüttert werden.

Somit ist die seit Jahren sowohl in der privaten als auch in der gewerblichen Haltung von Geckos und Primaten praktizierte Direktverfütterung von Gummi arabicum futtermittelrechtlich gar nicht zulässig! 


Ich finde es schon ziemlich absurd, dass für den natürlichen Rohstoff, der von einigen Tieren auch in freier Natur direkt konsumiert wird, dieselben Vorschriften gelten, wie für den aufbereiteten und zu diesem Zweck in Verkehr gebrachten Futtermittelzusatzstoff! Wird ein Zusatzstoff nicht erst dann zum Zusatzstoff, wenn er Lebens- bzw. Futtermitteln zugesetzt wird? War es wirklich das Ziel des Verordnungsgebers, die von einer Randgruppe seit Jahren praktizierte Direktverfütterung zu untersagen oder wollte man nur die Eigenschaften von Gummi arabicum in Lebens- und Futtermittel einbringen?

So dämlich es auch sein mag, futtermittelrechtlich ist die Sache eindeutig, weswegen ich meinen Tieren kein Gummi arabicum anbieten werde und auch anderen Haltern davon abrate, dies zu tun oder, z.B. in öffentlichen Vorträgen auf Fachtagungen, zu empfehlen. 

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