Mittwoch, 21. September 2016

„Adoptierstube“ für Reptilien im Fressnapf XXL München eröffnet

Der Fressnapf XXL an der Lotte-Branz-Straße in München hat in Kooperation mit der Auffangstation für Reptilien, München e.V. eine „Adoptierstube“ für Reptilien eröffnet. Weil der Markt den Verkauf eigener Reptilien komplett eingestellt hat, werden in den freigewordenen Terrarienanlagen zukünftig Tiere aus der Reptilienauffangstation zur Vermittlung angeboten. Die Vermittlung erfolgt zu den Konditionen der Auffangstation und auch die Einnahmen sollen komplett an diese fließen. Für die Reptilienauffangstation ist dies eine große Chance. Tierhaltern kann so eine neue Möglichkeit geboten werden, Tiere aus der Auffangstation aufzunehmen. Viele potentielle Tierhalter, die im Zoofachhandel nach einem Reptil als Heimtier suchen, wissen gar nicht, dass in der Auffangstation jährlich bis zu 1.200 Tiere landen und – sofern rechtlich möglich – auf Vermittlung warten. Die Kooperation zwischen der Auffangstation und der Fressnapffiliale hat daher bundesweite Vorbildfunktion.

Ich finde diese Idee an sich sehr gut. Es wäre wünschenswert, wenn weitere Zoofachgeschäfte ähnliche Kooperationen mit ihren örtlichen Tierschutzvereinen eingehen würden. Leider hat nicht jede Filiale das „Glück“, eine auf Reptilien spezialisierte Auffangstation als Kooperationspartner in der direkten Nähe zu haben. Reptilien und andere „Exoten“ spielen für die meisten Tierheime schließlich gar keine Rolle. Sie werden in den je nach Bundesland mehr oder weniger verfügbaren Wildtierauffangstationen untergebracht. Nur dort ansässige Zoofachgeschäfte könnten eine langfristige Kooperation zur Tiervermittlung eingehen. Es ist außerdem jetzt schon gängige Praxis, dass sich Behörden im Falle eines Fundtieres an gewerbliche Halter und Zoofachgeschäfte in der näheren Umgebung wenden, um dort die Tiere unterzubringen, wenn keine Auffangstation und kein geeignetes Tierheim zur Verfügung steht. Dieses eher selten medienwirksam beworbene Engagement verdient ebenfalls Anerkennung.

Gleichwohl werden mit solchen Kooperationen leider nur die Symptome bekämpft, nicht die Ursachen. Zwar hat ein Markt durch die Vermittlung von Tierschutzfällen keinen Bedarf mehr an Tieren aus anderen Quellen, was die Nachfrage bei den „Produzenten“ ein wenig senkt, der Anteil an im Zoofachhandel verkauften Terrarientieren ist seit einiger Zeit aber ohnehin stark rückläufig. Heutzutage werden die meisten Reptilien nicht mehr in Zoofachgeschäften, sondern auf Börsen oder im Internet verkauft. Viele Zoofachgeschäfte haben auf diesen Trend reagiert und kompensieren ihre Gewinneinbußen, indem sie auf preiswerte Importe oder „Massenzuchten“ zurückgreifen, statt auf die in der Regel teureren Nachzuchten kleinerer Züchter. Dies spiegelt sich auch im Tiersortiment der meisten Zoofachgeschäfte wider. Und auch immer mehr Züchter verkaufen ihre Tiere lieber direkt an den Endkunden, statt an einen Zwischenhändler.
 
Der Verzicht auf die Beschaffung von Tieren aus Massenzuchten und Massenimporten ist zwar sehr nobel, langfristig betrachtet ändert sich dadurch aber nur wenig. Tierhalter, die auf Beratung Wert legen, ein Tier vor dem Kauf vielleicht erst ein paarmal „besuchen“ möchten und nicht auf der Suche nach einer ganz besonderen Rarität sind, sind bei einer Adoptierstube an der vollkommen richtigen Adresse. Spontankäufe auf Börsen, oder im Internet insbesondere bei den häufig gehaltenen und vermehrten Tierarten werden allerdings auch in Zukunft für genug Nachschub an Tierschutzfällen sorgen. Ebenso wie diejenigen Zoofachgeschäfte, die auf eine fachkundige Beratung aus Kostengründen wenig Wert legen – und sei es nur aus dem Grund, weil sich Leute stundenlang beraten lassen, am Ende dann aber doch woanders günstiger kaufen. 
 
Nicht zuletzt würde auch die vom Deutschen Tierschutzbund, einem Unterstützer und Fürsprecher der Adoptierstube, geforderte Positivliste die bestehenden Tierschutzprobleme noch weiter verschärfen! Stattdessen muss aus meiner Sicht eine Sachkundenachweispflicht her, damit Spontankäufe minimiert werden und alle Halter - sowohl die Haustierhalter als auch die Raritätenzüchter - ihre jeweiligen Tiere ohne weitere Repressalien halten, züchten und abgeben dürfen.

Weitere Informationen zu der Adoptierstube gibt es auf www.tierwelt-muenchen.de.



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