Donnerstag, 11. August 2016

Stellungnahme des WWF Deutschland zum YouTube-Video und zu meiner Kritik

Manch einer wird sich sicherlich noch an das YouTube-Video des WWF Deutschland mit dem Titel „Exotische Haustiere gehören nicht ins Wohnzimmer!” erinnern, in dem die Haltung von sogenannten Exoten auf aus meiner Sicht lächerliche und diskriminierende Art und Weise ablehnend dargestellt wurde. Heute fand ich in meinem Briefkasten eine Antwort vom Infoservice des WWF Deutschland auf einen Beschwerdebrief, welchen ich wenige Tage nach Veröffentlichung des Videos an die Artenschutzorganisation schickte und darin im Prinzip meinen Standpunkt ähnlich darstellte, wie ich es bereits in meinem Blogpost „Ist der WWF nun auch gegen uns?” tat.

Zunächst stellt der WWF Infoservice in seiner Antwort klar, dass mit dem Video keine seriösen Halter und Züchter diskreditiert werden sollten. Man spreche sich auch nicht pauschal gegen die „Exotenhaltung” aus, lege aber Wert auf eine wohlüberlegte Anschaffung solcher Tiere insbesondere mit dem Vorhandensein legaler Papiere. Prinzipiell also die bereits aus der Vergangenheit bekannte Grundsatzposition, die ich auch teile.

Die Videoreihe „Öko mit Uke” sei bewusst „flapsig, unterhaltsam und augenzwinkernd” gestaltet, weil die Zielgruppe dieser Videos auf YouTube bei Jugendlichen in einem Alter unter 25 Jahren liegt.

Der WWF bezieht sich bei seinen Aussagen u.a. auf die Ergebnisse des Artenschutzprogramms TRAFFIC (ich berichtete), laut denen es sich bei einem gewissen Anteil der als Nachzuchten deklarierten Importe in Wahrheit um Wildfänge handelt. Der Anteil an Nachzuchten sei von 7 Prozent im Jahre 1990 drastisch angestiegen, was (je nach Spezies) nicht immer nur mit einem höheren Anteil an echten Nachzuchten aufgrund verbesserter Haltungs- und Zuchtbedingungen zu erklären sei, sondern weil leider auch viele (illegale) Naturentnahmen als Nachzuchten umetikettiert würden.

Bzgl. der Importzahlen räumt der WWF ein, dass die genannte Zahl von über 840.000 importieren Reptilien tatsächlich 2007 erreicht wurde und die Importzahlen seitdem rückläufig sind. Man habe die Zahl ungeprüft (!) aus einem National-Geographic-Artikel übernommen. Die „aktuell” (2014) ca. 363.000 importieren Reptilien sind aus Sicht des WWF aber immer noch „kein unerhebliches Maß”. Dem stimme ich ebenfalls zu. Es wäre wünschenswert, wenn Wildfänge nur noch die Ausnahme wären. Hierbei wäre es interessant, die Zahlen nach Spezies getrennt betrachten zu können. Wie ich schon in einigen meiner Börsenberichte erklärt habe, empfinde ich es als ein Unding, dass immer noch wildgefangene Exemplare von Arten importiert werden, die problemlos gezüchtet werden könnten, derer sich jedoch kaum ein Züchter annimmt, weil Großhändler mit ihren Massenimporten die Preise drücken.

Der WWF möchte aber auch mehrere meiner Kritikpunkte aus meinem Beschwerdebrief sowie meinem Blogpost zurückweisen:

So habe ich in meinem vorherigen Beitrag (bzw. auf den dort verlinkten Seiten) von einem Anteil an Importen innerhalb der Reptilienhaltung in Höhe von ca. 24 Prozent gesprochen, ausgehend von den Importzahlen aus dem Jahr 2014 und dem von der FEDIAF in einer Studie ermittelten Anteil von Reptilien in deutschen Haushalten (1,35 Mio.). Der WWF hat korrekterweise erkannt, dass man auf den genannten Prozentsatz nur dann kommt, wenn man die Zahlen auf ein einziges Importjahr bezieht und die Importe der vorherigen Jahre vernachlässigt. Da laut WWF die Lebenserwartung von Reptilien in menschlicher Obhut „hoffentlich deutlich über einem Jahr liegt”, muss der Anteil an gehaltenen Importtieren deutlich über 24 Prozent liegen, weil sich die in den vergangenen Jahren importierten Reptilien aufaddieren. Eine Ergänzung meinerseits zu dieser durchaus berechtigten Kritik an meiner Darstellung: Für exakte Zahlen müsste man die genauen Zu- und Abgänge innerhalb der Privathaltung dokumentieren. Derartiges Datenmaterial liegt derzeit nicht vor und wird wohl auch kaum zu ermitteln sein.

Die von mir geschilderte Gefahr für einheimische Arten, welche aus meiner Sicht von streunenden Hauskatzen ausgeht, wird vom WWF Deutschland dahingehend relativiert, dass sich unsere heimische Tierwelt auf solche Raubtiere eingestellt hat, während z.B. australische Bodenbrüter dies während ihrer Evolution mangels entsprechender Prädatoren nicht taten und deswegen verwilderte Hauskatzen für die beispielhaft genannte australische Artenvielfalt ein sehr viel höheres Risiko darstellen als für heimische Wildtiere. Exoten seien daher hierzulande anders zu bewerten. Außerdem bezieht sich der WWF auf die Domestikation von Hunden und Katzen, welche ja schon viele Tausende oder gar Zehntausende Jahre zurück liegt und diese Tiere daher nicht mehr wie Exoten zu betrachten sind, auch wenn ihre Herkunft nicht direkt in Deutschland zu suchen ist (was bei Haushunden wohl aber derzeit innerhalb der Wissenschaft diskutiert wird). In diesem Punkt vertrete ich weiterhin ganz klar die von diesen Ausführungen abweichende Meinung, dass sich Millionen Jahre Wildtierevolution nicht durch 20 bis 30 Tausend Jahre Domestikation abtrainieren lassen und dass insbesondere Katzen eine Gefahr für einheimische Arten darstellen, weil sie vom Menschen gehegt werden und sich unsere Natur dieses Einflusses nicht mit Krankheiten, kalten Wintern etc. erwehren kann. Die Domestikation ist daher sogar eher noch als verstärkender negativer Einfluss zu betrachten.

Bei den Themen Transportmortalität und Krankheitsübertragung bezogen sich die Aussagen im besagten YouTube-Video des WWF nicht explizit auf den Reptilienhandel, sondern es wurden Beispiele aus dem Vogelbereich genannt. Das ist zwar richtig, ich bezweifle trotzdem, dass Zuschauer aufgrund der Aufmachung des Videos noch groß differenzieren können. Es ist eher anzunehmen, dass die im Video aufgegriffenen Themen direkt auf die gesamte „Exotenhaltung” und somit auch auf die Reptilienhaltung übertragen werden. Daher ist eine entsprechende Gegendarstellung zu diesen Punkten aus meiner Sicht durchaus angebracht.

Zum Abschluss stellt der WWF Deutschland noch einmal klar, dass seriöse, wissenschaftlich begleitete Artenschutzprogramme von dieser Organisation unterstützt werden und der Beitrag seriöser Züchter zur Arterhaltung anerkannt wird. Zu den restlichen Kritikpunkten wie den angeblich hohen Tierheimbeständen, den vielen überforderten Haltern oder dem hohen Gefahrenpotential von „Exoten” äußerte sich der WWF Infoservice in seiner Antwort übrigens nicht.

Ich überlasse es nun euch, zu entscheiden, wie ihr die Aussagen des WWF einordnet. Für mich ist klar, dass Vertrauen so schnell nicht wieder aufgebaut werden kann und ich dem WWF daher zukünftig leider äußerst skeptisch gegenüber eingestellt sein werde.

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