Mittwoch, 22. Juni 2016

Schutzanträge der 17. CITES-Artenschutzkonferenz

Derzeit machen leider viele Halbwahrheiten über die geplanten Schutzanträge auf der 17. CITES-Artenschutzkonferenz die Runde, welche vom 24. September bis zum 5. Oktober in Johannesburg (Südafrika) stattfinden wird. Als Reaktion darauf soll an dieser Stelle noch einmal näher auf die geplanten Anträge eingegangen werden.
 

Bereits im April stellte die Europäische Union ihre eigenen Anträge bzw. die von ihr unterstützen Anträge vor. Konkret ging es dabei um folgende für die Terraristik relevanten Arten:
  • Baumschleichen der Gattung Abronia sollen in CITES-Anhang II aufgenommen werden. [Antrag von Mexiko und EU]
  • Der Psychedelische Gecko (Cnemaspis psychedelica) soll in CITES-Anhang I aufgenommen werden. [Antrag von Vietnam und EU]
  • Der Himmelblaue Zwergtaggecko (Lygodactylus williamsi) soll in CITES-Anhang I aufgenommen werden. [Antrag von Tansania und EU]
  • Der Masobe Großkopfgecko (Paroedura masobe) soll in CITES-Anhang II aufgenommen werden. [Antrag von Madagaskar und EU]
  • Die Krokodilschwanzechse (Shinisaurus crocodilurus) soll von CITES-Anhang II auf CITES-Anhang I hochgestuft werden. [Antrag von China, Vietnam und EU]
Manche Terrarianer sind nach wie vor der Auffassung, dass z.B. bei Lygodactylus williamsi bisher gar nicht klar sei, ob das Herkunftsland (Tansania) den Antrag überhaupt unterstützen wird. Schaut man sich besagten Antrag jedoch im Original an, wird deutlich, dass Tansania sehr wohl bereits als Antragssteller aufgeführt ist: CoP17 Prop. 30

Es handelt sich somit eindeutig um einen gemeinsamen Antrag von Herkunftsland und EU! Da Tansania ebenfalls die oberste Schutzkategorie im gemeinsamen Antrag mit der EU fordert, ist sehr stark davon auszugehen, dass dies auch so umgesetzt wird – mit allen damit verbunden Konsequenzen für die Erhaltungszuchten, welche ich in meinem Artikel „EU will Schutz bedrohter Arten verschärfen“ schon einmal detailliert erläutert habe.

Bei diesen Anträgen handelt es sich aber lediglich um die Anträge, bei denen die EU ihre Finger mit im Spiel hat. Darüber hinaus werden natürlich noch weitere CITES-Mitgliedsstaaten Anträge auf Änderungen innerhalb der CITES-Anhänge I und II stellen. Von folgenden Schutzanträgen aus dem Bereich der Herpetologie ist hierbei die Rede:
  • Das Spitzkrokodil (Crocodylus acutus) soll von CITES-Anhang I auf CITES-Anhang II herabgestuft werden. [Antrag von Kolumbien]
  • Die Null-Quote beim kommerziellen Handel mit dem Beulenkrokodil (Crocodylus moreletii), welches im CITES-Anhang II gelistet ist, soll für die mexikanische Population gestrichen werden. Damit wäre der internationale Handel beispielsweise mit Häuten dieser Art zumindest aus der mexikanischen Population wieder zu einem gewissen Ausmaß erlaubt. [Antrag von Mexiko]
  • Die Nutzung des Nilkrokodils (Crocodylus niloticus) im Rahmen des CITES-Anhangs II soll ebenfalls umfangreich angepasst werden. [Antrag von Madagaskar]
  • Das Leistenkrokodil (Crocodylus porosus) soll von CITES-Anhang I auf CITES-Anhang II herabgestuft werden. [Antrag von Malaysia]
  • Ergänzend zum Antrag von Mexiko und der EU, die gesamte Gattung Abronia in CITES-Anhang II aufzunehmen, sollen Abronia anzuetoi, Abronia campbelli, Abronia fimbriata, Abronia frosti und Abronia meledona in CITES-Anhang I und Abronia aurita, Abronia gaiophantasma, Abronia montecristoi, Abronia salvadorensis und Abronia vasconcelosii in CITES-Anhang II aufgenommen werden - letztere mir einer Null-Quote für den Export. [Antrag von Guatemala]
  • Die Chamäleon-Gattungen Rhampholeon und Rieppeleon sollen in CITES-Anhang II aufgenommen werden. [Zwei separate Anträge von Kenia bzw. den USA sowie einiger afrikanischer Staaten]
  • Die Familie Lanthanotidae soll in CITES-Anhang I aufgenommen werden. Betroffen wäre davon nur die einzige derzeit bekannte Art aus dieser Familie, der Borneo-Taubwaran (Lanthanotus borneensis). [Antrag von Malaysia]
  • Die Viper Atheris desaixi soll in CITES-Anhang II aufgenommen werden. [Antrag von Kenia]
  • Die Viper Bitis worthingtoni soll in CITES-Anhang II aufgenommen werden. [Antrag von Kenia]
  • Die Weichschildkröten Cyclanorbis elegans, Cyclanorbis senegalensis, Cycloderma aubryi, Cycloderma frenatum, Trionyx triunguis und Rafetus euphraticus sollen in CITES-Anhang II aufgenommen werden [Antrag der USA und einiger afrikanischer Staaten]
  • Der Tomatenfrosch (Dyscophus antongilii) soll von CITES-Anhang I auf CITES-Anhang II herabgestuft werden. [Antrag von Madagaskar]
  • Der Südliche Tomatenfrosch (Dyscophus guineti) sowie der Westliche Tomatenfrosch (Dyscophus insularis) sollen in CITES-Anhang II aufgenommen werden. [Antrag von Madagaskar]
  • Die Marmorkrötchen Scaphiophryne marmorata, Scaphiophryne boribory und Scaphiophryne spinosa sollen in CITES-Anhang II aufgenommen werden. [Antrag von Madagaskar]
  • Der Titicaca-Riesenfrosch (Telmatobius culeus) soll in CITES-Anhang I aufgenommen werden. [Antrag von Bolivien und Peru]
  • Der Hongkong-Warzenmolch (Paramesotriton hongkongensis) soll in CITES-Anhang II aufgenommen werden. [Antrag von China]
Eine vollständige Liste über die insgesamt 62 Anträge, welche die CITES-Anhänge I und II betreffen, findet man auf der offiziellen CITES-Website.

Auswirkungen für Halter?
Je nach Schutzkategorie würden auf Halter dieser Arten entsprechende Auflagen wie Meldepflicht und Buchführungspflicht (Anhang II) bzw. zusätzliche Kennzeichnungspflicht sowie Befreiung vom Vermarktungsverbot (Anhang I) zukommen. Entgegen der Befürchtung einiger Halter wäre jedoch nicht mit Beschlagnahmungen zu rechnen, sofern man direkt nach Beschluss des Schutzstatus reagiert und die jeweiligen Auflagen erfüllt! Außer man hält Exemplare aus nachweislich illegaler Herkunft.

Wenn eine Art zuvor keinem internationalen Schutzstatus unterlag, wurde sie bisher von uns auch vollkommen legal gehalten. Dies ist ein Umstand, den der Artenschutzverein Pro Wildlife e.V. (aus meiner Sicht nicht ganz unberechtigterweise) kritisiert, wenn es um Arten geht, die nur in ihrem Herkunftsland geschützt sind. Wird eine solche Art anschließend in einem CITES-Anhang gelistet, wird sie dadurch aber nicht automatisch illegal oder rückwirkend reglementiert! Reagiert man unverzüglich und kann nachweisen, dass man die Tiere schon vorher im Besitz hatte (z.B. durch Kaufbelege/-verträge oder durch eine schriftliche Erklärung), wird grundsätzlich der Bestandsschutz gewahrt. Die Nachzucht bleibt dann auch weiterhin erlaubt, nur muss für Nachzuchten im Falle einer Art des CITES-Anhangs I eine Befreiung vom Vermarktungsverbot beantragt werden, sofern man seine Nachzuchten nicht selbst behalten will. Dies gilt aber ohnehin für alle CITES I Arten und ist nicht exklusiv für Arten vorgesehen, die bisher keinem internationalen Schutzstatus unterlagen. Nur wenn sich Halter nicht an die Auflagen der jeweiligen Schutzkategorien halten, weil sie z.B. „versäumen“, ihre Bestände zeitnah anzumelden und damit zu legalisieren, handelt es sich rechtlich gesehen um illegal gehaltene Tiere, die von den Behörden beschlagnahmt werden können und mit denen dann auch nicht mehr gezüchtet werden darf.

Wenn man als Halter aufgrund von „Hörensagen“ und dubioser Panikmache die Befürchtung hat, dass die Tiere im Falle einer Anmeldung beschlagnahmt werden könnten und daher lieber auf eine Meldung verzichtet, handelt man illegal und gibt den Behörden dadurch erst die Möglichkeit, die Tiere tatsächlich zu beschlagnahmen!

Fazit:
Derzeit ist noch gar nicht klar, welche der o.g. Anträge tatsächlich umgesetzt und welche in dieser Form abgelehnt werden. Insbesondere bei den Arten bzw. Gattungen, zu denen unterschiedliche Anträge vorliegen, ist das Ergebnis noch vollkommen offen. Fakt ist, dass die 17. CITES-Artenschutzkonferenz Auswirkungen auf die Tierhaltung und die Erhaltungszuchten haben wird. In welcher Form, wird sich im Herbst zeigen.

Haltung und Nachzucht werden zwar wie erläutert auch in Zukunft erlaubt bleiben, nur ist sehr stark zu befürchten, dass die behördlichen Auflagen insbesondere bei den Arten des CITES-Anhangs I viele Halter und Züchter abschrecken und reihenweise Erhaltungszuchten zusammenbrechen werden, womit dem Artenschutz ein Bärendienst erwiesen würde. Die o.g. Arten sind nun mal keine in Massen für den gewerblichen Handel vermehrten Tierchen mit Haustierstatus, sondern eher Liebhabertiere, die (wie schon andere Arten zuvor) zukünftig wohl nur noch von vergleichsweise wenigen Züchtern erhalten werden. Dies ist aus Artenschutzsicht sehr bedauerlich. Andererseits ist es trotzdem ein Schritt in die richtige Richtung, wenn das massenhafte und in vielen Fällen nicht unbedingt nachhaltige Wegfangen für den Lebendtierhandel durch internationale Schutzvorschriften eingedämmt wird.

1 Kommentar:

  1. Eine Übersicht über die für die Terraristik relevanten Beschlüsse der 17. CITES-Artenschutzkonferenz (CoP17) gibt es hier: http://terrarianer.blogspot.de/2016/10/beschlusse-der-17-cites.html

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