Sonntag, 1. Mai 2016

Nachbetrachtung: Terrarienbörse Hannover (01.05.2016)

Mich zog es am heute mal wieder zur Terrarienbörse Hannover. Diesmal war ich nur auf der Suche nach Korkästen, weil meine Futterhaus-Filiale es seit mehr als 10 Wochen einfach nicht auf die Reihe bekommt, diese zu bestellen. Da will man seinen Tiere schon einen möglichst artgerechten Lebensraum bieten und ist dafür beim allgemeinen Zoofachhandel wieder einmal an der falschen Adresse. Wie gut, dass es noch Börsen gibt, auf denen man das benötigte Zubehör erwerben kann. Insbesondere bei Korkästen/-röhren ist die direkte Auswahl sinnvoll, weswegen Internetkäufe hierbei für mich nicht infrage kommen.

Leider war ein altbekannter Anbieter mit einer großen Auswahl an Korkprodukten diesmal nicht auf der Börse vertreten. Ganz umsonst war meine Fahrt dann aber doch nicht, da ich mich ordentlich mit Fachliteratur eindeckte und ein paar Spingschwanz-Zuchtansätze für einen günstigeren Preis als im Zoofachhandel erwerben konnte.

Natürlich ließ ich mir die Gelegenheit nicht nehmen, um auch mal das Tierangebot zu checken. Da ich diesmal nicht auf der Suche nach Tieren war, konnte ich vergleichsweise gelassen stöbern und musste nicht von Stand zu Stand hetzen. Neben den üblichen Arten waren auch ein paar Raritäten vertreten, die auf einer vergleichsweise kleinen Börse wie der Terrarienbörse Hannover nur selten zu sehen sind. Ein Anbieter hatte z.B. Spaltenschildkröten (Malacochersus tornieri) im Sortiment.
 
Eine weitere Rarität entdeckte ich bei einem bekannten Großhändler, der primär Wildfänge im Sortiment hat: Flugdrachen (Draco spp. deklariert als Draco lineatus). Darüber hinaus Schönheiten wie Nackenstachler (Acanthosaura capra) und junge Grüne Leguane (Iguana iguana) - ebenfalls, soweit ich es überblicken konnte, allesamt Wildfänge. Ich bin niemand, der Naturentnahmen grundsätzlich verteufelt, weil diese auch einen wichtigen Beitrag zum Arterhalt leisten können. Trotzdem halte ich manche Angebote dann doch für sehr fragwürdig. Ausgewachsene Grüne Leguane werden an anderer Stelle teilweise verschenkt oder warten in Tierheimen und Auffangstationen auf neue Besitzer. Muss man da unbedingt aus der Natur entnommene Jungtiere regelrecht verramschen, nur weil diese sich aufgrund ihrer Niedlichkeit einfach besser verkaufen lassen als adulte Exemplare oder teure Nachzuchten der wenigen Züchter, die diese Art noch selbst vermehren? Selbst Importe von Farmzuchten wäre besser, weil man damit Tieren das Leben rettet, die sonst im Kochtopf landen würden. Da es sich beim Grünen Leguan immerhin um eine bedrohte Art handelt, die über das Washingtoner Artenschutzübereinkommen geschützt ist, haben manche Länder in Südamerika bereits den Verkauf von Leguanfleisch verboten. Und bei uns werden Wildfänge gehandelt. Muss das sein? Der Handel mit Flugdrachen bereitet mir ebenso Sorge, weil diese Art in der Haltung ziemlich anspruchsvoll sein soll und sich bisher kaum stabil über längere Zeit halten ließ. Eine deutsche Erstnachzucht beruhend auf Wildfängen wäre zwar äußerst begrüßenswert. Ob diese jedoch dadurch erreicht wird, dass importierte Exemplare dieser Art für weniger als 30 Euro auf einer Börse von einem Großhändler gewissermaßen an jedermann verkauft werden, wage ich dann doch stark zu bezweifeln.

Der schon mehrmals von mir hier im Blog thematisierte Schutzstatus des Himmelblauen Zwergtaggeckos (Lygodactylus williamsi) wurde von den verschiedenen Anbietern auf der Terrarienbörse Hannover leider sehr unterschiedlich ausgelegt. Eine Anbieterin zeichnete ihre Tiere ohne jeden Schutzstatus aus, weil sie Ausdrucke von der Website von Lucky Reptile als Behälterbeschriftung benutzte. Ein anderer Anbieter spendierte der Art hingegen sogar einen internationalen Schutzstatus in Form einer WA II-Beschriftung. Beides ist falsch! Lygodactylus williamsi ist derzeit nur in der EU-Artenschutzverordnung auf Anhang B aufgeführt, steht jedoch (noch) in keinem der Anhänge des Washingtoner Artenschutzübereinkommens.

Positiv aufgefallen ist mir ein Verkäufer, der neben den Verkaufsdosen mit seinen Tieren Fotos aufstellte, welche die Tiere im Adultstadium zeigten. Bei den Nachzuchten der Grünen Wasseragame (Physignathus cocincinus) wurde dadurch die imposante Größe deutlich, die diese Tiere erreichen können. Fotos wirken einfach sehr viel anschaulicher als die Größenangaben in cm auf den Verkaufsbehältern (sofern diese überhaupt vorhanden sind). Vielleicht wäre es sinnvoll, eine derartige Illustration in den Börsenrichtlinien grundsätzlich vorzuschreiben, damit Käufer wissen, worauf sie sich einlassen.
 
Fazit:
Auf der Terrarienbörse Hannover gab es also das altbekannte Spiel von Licht und Schatten, wie man es von Börsen her kennt. Vereinzelte Anbieter, die Wildfänge zu günstigen Preisen anbieten, machen es engagierten Züchtern schwer, ihre Nachzuchten zu angemessenen Preisen zu verkaufen. Manche Anbieter zeichnen ihre Tiere mit dem falschen Schutzstatus aus. Dies wirft ein schlechtes Licht auf Verkaufsbörsen und die Terraristik allgemein. So manche Kritik von Börsengegnern wird damit durchaus nachvollziehbar. Andererseits sieht es im Zoofachhandel nicht viel anders aus, weswegen die bestehenden Richtlinien grundsätzlich strenger überprüft werden sollten. Eine striktere Selbstkontrolle seitens der Händler und Börsenbetreiber wäre ebenfalls wünschenswert, um schwarze Schafe auszusortieren und vorbildliche Händler zu stärken.
 

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