Freitag, 1. April 2016

PETA & Co. begrüßen Wildtierbörsenverbot in Österreich

Es war ja zu erwarten, dass PETA Deutschland e.V. das heute in Kraft getretene „Wildtierbörsenverbot“ in Österreich bejubeln würde: Österreich verbietet Verkauf von Wildtieren auf „Exotenbörsen“
Das Problem ist, dass PETA die Nachricht über das Börsenverbot nutzt, um mal wieder Scheißhausparolen gegen die Exotenhaltung zu transportieren. Ich zitiere aus dem oben verlinkten Artikel aus PETAs VeganBlog:
Veranstalter und Händler nehmen [...] hohe Sterberaten der Tiere beim Fang, Transport und im Handel billigend in Kauf – dabei gelten in der Zoohandelsbranche 70 Prozent als üblich.
Diese hohe Mortalität hat wer ermittelt? Richtig, PETA selbst. Genauer gesagt Ermittler von PETA USA bei nur einem US-Großhändler. Repräsentativ? Wohl eher nicht! Außerdem finde ich unabhängige Quellen sehr viel glaubwürdiger. Derartige Studien kommen auf eine Sterberate beim Transport von Reptilien in Höhe von 1,97 bis 3,88 Prozent (MORITZ, 1994; STEINMETZ et al., 1996). Sicherlich auch nicht so toll für das betroffene Einzeltier, aber auch nicht so hoch, wie von PETA propagiert. Es ist zudem davon auszugehen, dass dank fortschrittlicher Logistiktechnik die Ausfallquoten in den letzten 20 Jahren weiter gesunken sind.
Bei einem erheblichen Teil der auf Terraristikbörsen angebotenen Wildtiere handelt es sich um Naturentnahmen.
Hierbei handelt es sich eindeutig um eine dreiste Lüge, mit der Außenstehende in ihrer Meinungsbildung manipuliert werden sollen! Naturentnahmen machen beim Handel mit geschützten Reptilien gerade einmal 8 Prozent aus (siehe Vertriebswege in der „Exotenhaltung“). Aber vielleicht sind 8 Prozent für PETA ja schon ein „erheblicher Teil“? Naturentnahmen (sogenannte Wildfänge) sind zwar durchaus diskussionswürdig und der Verkauf auf Börsen an jedermann sollte kritisch hinterfragt werden, sie sind jedoch nicht grundsätzlich zu verurteilen, weil sie auch einen wichtigen Teil zum Arterhalt beitragen. Nicht nur für die Populationen in deutschen Terrarien, sondern auch in den Lebensräumen selbst! Weitere Informationen dazu gibt es hier: "Wir müssen doch den Regenwald bewahren" (Cartoon)
Eine tierärztliche Fallstudie [...] kam zu dem Ergebnis, dass 51 Prozent der Tiere an durch Haltungsfehler verursachten Krankheiten litten.
Hier wird ein entscheidender Nebensatz verschwiegen: Von Reptilien, die im ersten Haltungsjahr verstorben waren, starben 51 Prozent aufgrund von Haltungsfehlern. Rückschlüsse auf die Qualität der Reptilienhaltung insgesamt sind laut der Autoren der Studie jedoch nicht möglich, weil die Masse an Reptilien in deutschen Terrarien, die sich seit Jahrzehnten aufgrund von guter Haltungsbedingungen bester Gesundheit und eines langen Lebens erfreuen, gar nicht untersucht wurden. Fazit: Wenn Reptilien schlecht gehalten werden, werden sie krank und sterben wahrscheinlich schnell. Das bedeutet jedoch nicht, dass die Hälfte aller Reptilien falsch gehalten wird! Weitere Informationen dazu hier: Hohe Sterblichkeit von Reptilien in menschlicher Obhut widerlegt & Miserable Haltungsbedingungen von Reptilien in Privathand bestätigt
Studien zufolge übertragen die meisten Reptilien gefährliche exotische Salmonellenarten: Schätzungsweise 90 Prozent der Tiere tragen die gesundheitsgefährdenden Erreger in sich.
Schätzungen und Studien, bei denen nur Verdachtstiere untersucht wurden, liefern schlicht und ergreifend keine validen Daten zur Infektionsrate! Dazu müsste man eine Blindstudie durchführen und dabei auch unauffällige Reptilienbestände untersuchen. Laut Anfrage bei einem der federführenden Autoren der Studien des Robert Koch-Institutes (RKI), auf die sich PETA immer wieder bezieht, wurde mir mitgeteilt, dass eine derart komplexe Studie in Deutschland nahezu unmöglich durchzuführen sei (schriftliche Auskunft von Dr. Rabsch, RKI). Man kann also nur mit Sicherheit sagen, dass Reptilien Salmonellen übertragen können und man deswegen auf die gebotenen Hygienemaßnahmen beim Umgang mit Tieren achten sollte. Panikmache ist jedoch vollkommen unbegründet. Experten der Deutschen Veterinärmedizinischen Gesellschaft (DVG) sind darüber hinaus der Meinung, dass von Reptilien grundsätzlich ein deutlich geringeres Risiko für eine Salmonelleninfektion ausgeht, vergleichbar dem von Katzen oder Hunden. Weitere Infos dazu gibt es hier: Salmonellen-Infektionsrate bei Reptilien so hoch wie bei Hunden und Katzen

Auch andere Vereine wie der Deutsche Tierschutzbund e.V. haben sich heute positiv zum Inkrafttreten des „Kaufbörsenverbotes für Wildtiere“ in Österreich geäußert. Dabei ist heute eigentlich ein schwarzer Tag für den Tierschutz. Glaubt ernsthaft jemand, dass mit dem Verbot etwas verbessert wird? Die Börsenbetreiber planen jetzt schon ihre Abwanderung ins Ausland, wo der Tierschutz nicht so großgeschrieben wird. Damit verbunden sind womöglich schlechtere Verkaufsbedingungen, noch weniger Kontrollen und längere Transportwege. Alternativ besorgen sich Halter ihre Tiere dann einfach im Internet, wo man den Handel wohl niemals effektiv regeln wird können. So mancher „Züchter“ verschickt Wirbeltiere bereits jetzt, anstatt eine zugelassene Tierspedition zu nutzen, illegal per Post. Das habe ich selbst schon erleben müssen. Diese dubiosen Händler lassen am heutigen Tage bestimmt die Korken knallen, weil mit dem Kaufbörsenverbot eine große Konkurrenz ausgeschaltet wurde. Wo bitte haben Veterinärämter und Zoll neben dem stationären Fachhandel die besten Chancen, den Handel mit Reptilien etc. zu überwachen, wenn nicht auf Börsen? Wohl kaum bei Kofferraumgeschäften oder Auslandsbörsen.

Von meinem Standpunkt als Reptilienhalter ist es mir herzlich egal, ob Börsen verboten werden, weil ich sowieso kein großer Börsengänger mehr bin, sondern größtenteils nicht mehr gewollte Tierschutzfälle in meiner Obhut habe. Als engagierter Tierschützer kann ich bei dieser Entscheidung aber nur mit dem Kopf schütteln. Es ist absolut kein Erfolg, wenn man Probleme dadurch „beseitigt“, indem man sie ins Ausland verlagert! 

Und so geht der Tierschutz zugrunde - mit donnerndem Applaus.

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