Donnerstag, 28. April 2016

EU will Schutz bedrohter Arten verschärfen

Vom 24. September bis zum 5. Oktober findet in Johannesburg (Südafrika) die 17. Artenschutzkonferenz der Mitgliedstaaten des Washingtoner Artenschutzübereinkommens (CITES) statt. Die EU hat am Dienstag insgesamt 21 Initiativen vorgestellt, mit denen sie den Schutz bedrohter Arten verbessern möchte: http://ec.europa.eu/environment/cites/events_en.htm#cop17

Folgende Anträge sind für die Terraristik relevant:

Mit die Aufnahme dieser Arten im CITES-Anhang I geht ein striktes Besitz- und Handelsverbot einher. Nachzuchten dürfen weiterhin gehalten und gehandelt werden. Allerdings sind die behördlichen Hürden dafür ziemlich hoch. Die Tiere müssen nicht nur angemeldet werden. Für Nachzuchten ist eine Befreiung vom Besitz- und Vermarktungsverbot bei der zuständigen Behörde zu beantragen. Damit verbunden ist in aller Regel eine Kennzeichnungspflicht (meist durch einen Mikrochip, bei manchen Arten reicht auch Fotodokumentation aus). Derartige Auflagen haben schon häufig dazu geführt, dass die Nachzucht eingestellt wurde, wenn sich eine Art nicht zufällig als gut zu vermarktendes „Haustier“ auf dem kommerziellen Heimtiermarkt etablieren konnten.

Bei den o.g. Arten ist dies jedoch eher nicht anzunehmen, weil Züchter kaum ihre eigenen Kosten decken können. Daher wird eine Listung im CITES-Angang I meiner Einschätzung nach das Ende der Erhaltungszucht dieser bedrohten Arten einläuten. So sehr ich den im Dezember 2014 in Kraft getretenen Schutzstatus des Himmelblauen Zwergtaggeckos innerhalb der EU begrüßt habe, so bedenklich empfinde ich die oberste Schutzkategorie für diese Art, denn gerade sie ist aktuell auf dem besten Weg, in der Erhaltungszucht aufzublühen und sich fest zu etablieren ohne auf Wildfänge mehr angewiesen zu sein. Der Schutzstatus innerhalb der EU hat den Handel mit Lygodactylus williamsi bereits geregelt und anhand der Meldepflicht sollten die Bestände bekannt und zu überwachen sein. Einen internationalen Schutzstatus könnte man mit einer Listung im CITES-Anhang II erreichen.

Durch die oberste Schutzkategorie wird der illegale Handel kaum verhindert. Wie schon bei der Krokodilschwanzechse (Shinisaurus crocodilurus) zu erkennen ist, tauchen trotz des bestehenden Schutzes immer wieder geschmuggelte Exemplare auf. Daran wird auch eine Listung im CITES-Anhang I wenig ändern. Im Gegenteil, da verantwortungsvolle Züchter, die sich an die gesetzlichen Auflagen halten möchten, aufgrund der hohen Auflagen allein schon aus Kostengründen ihre Zuchten aufgeben werden, wird die Verfügbarkeit legaler Nachzuchten sinken und die Nachfrage wieder verstärkt aus illegalen Quellen gestillt.

Darüber hinaus unterstützt die EU die folgenden für die Terraristik relevanten Anträge, die immerhin kein generelles Haltungs- und Nachzuchtverbot zur Folge haben:
  • Baumschleichen (Abronia spp.) sollen in CITES-Anhang II aufgenommen werden. [Antrag von Mexiko]
  • Der Masobe Großkopfgecko (Paroedura masobe) soll in CITES-Anhang II aufgenommen werden. [Antrag von Madagaskar]

Bemerkenswert ist, dass die EU erstmalig als eigenständiges Mitglied an der CITES-Konferenz teilnehmen wird. So fällt es gewissen „Artenschutzvereinen“, die sich bereits jetzt damit brüsten, an den Schutzanträgen mitgewirkt zu haben, umso leichter, ihre Forderungen zu transportieren.

Das Ergebnis der Schutzanträge ist derzeit natürlich noch vollkommen offen. Warten wir also ab und hoffen das Beste für unsere Erhaltungszuchten!

Kommentare:

  1. Stimmt es, dass diese Arten im worst-case Szenario entweder beschlagnahmt oder der Verkauf von Nachzuchten verboten werden könnte?

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    1. Nur, wenn sich Halter nach Inkrafttreten des internationalen Schutzstatus nicht an die Auflagen halten und ihre Tiere z.B. nicht anmelden usw. oder wenn sie Tiere aus nachweislich illegaler Herkunft halten.

      Ich kann mir aber auch schon denken, woher diese panische Befürchtung jetzt plötzlich kommt, daher hier noch mal ausführliche Infos zur 17. CITES-Artenschutzkonferenz im September in Johannesburg: http://terrarianer.blogspot.de/2016/06/schutzantrage-der-17-cites.html

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  2. Hier gibt es eine Zusammenfassung der für die Terraristik relevanten Beschlüsse der 17. CITES-Artenschutzkonferenz (CoP17): http://terrarianer.blogspot.de/2016/10/beschlusse-der-17-cites.html

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