Donnerstag, 24. März 2016

Wildtierbörsen in Österreich ab 1. April verboten

Wie das Bundesministerium für Gesundheit heute in einer Pressemeldung offiziell bekanntgab, wird die novellierte Tierschutz-Veranstaltungsverordnung am 1. April in Kraft treten: Verbot von Wildtier-Kaufbörsen ab 1. April

Reptilien, Amphibien und andere „Wildtiere“* dürfen demnach ab nächster Woche nur noch in Zoofachgeschäften, Baumärkten und Gartencentern erworben, auf Tauschbörsen getauscht sowie natürlich weiterhin von privat (oder schwarz) an privat abgegeben und im Internet gehandelt werden. Erhofft wird damit eine Verbesserung des Tierschutzes, weil mit dem Ende der Verkaufsbörsen auch Spontankäufe verhindert werden sollen.

Auf den noch weiterhin geduldeten Tauschbörsen dürfen nur noch Tiere derselben Tierklasse (Säugetiere, Vögel, Reptilien, Amphibien, Fische) gegeneinander getauscht werden. Wenn sich also ein Reptilienhalter bei der so wichtigen Nachzucht von Amphibien engagieren möchte und auf einer Tauschbörse die Gelegenheit bekommt, eine solche Art zu bekommen, muss er offiziell erst einmal an anderer Stelle irgendeine Amphibienart erwerben, um diese dann auf der Tauschbörse gegen seine Wunschart zu tauschen. Reptilien darf er ja nicht gegen Amphibien tauschen. Eine sinnlose und umständliche Praxis. Es naht die Rückkehr zur guten alten Flüsterkneipe als Veranstaltungsort von „Tauschbörsen“, wo am Ende dann doch wieder Verkäufe stattfinden werden.

Was wie ein schlechter Aprilscherz anmutet und von sogenannten Tierschutzvereinen wie Vier Pfoten e.V. begrüßt wird, bereitet mir als aktivem Tierschützer große Sorgen. Österreich verschenkt mit dieser neuen Regelung die Chance, den Wildtierhandel effektiv zu kontrollieren. Während Behörden auf einer Verkaufsbörse direkt hunderte Züchter und Händler überprüfen konnten, ist dies zukünftig bei den zu erwartenden Internet- und Kofferraumgeschäften im Stil des Welpenhandels kaum möglich.

Die Betreiber der EXOTICA, der größten Reptilienbörse in Österreich, haben auch schon Ihre Zukunftspläne auf Facebook bekannt gegeben: So soll die Börse im Jahr 2017 unter einem geänderten Namen in einem EU-Nachbarland stattfinden und Tiere anbieten, die bereits in der Vergangenheit nicht auf österreichischen Börsen angeboten werden durften (z.B. Chamäleons). Hierbei wird deutlich, wie sich die Geschäfte verlagern, um bizarre Gesetze zu umgehen.

Statt vereinzelte Probleme zu lösen, werden sie einfach in einen Bereich verlagert, der nicht mehr kontrollierbar ist. Ein schwarzer Tag nicht nur für Börsenbetreiber und -händler, sondern auch für den Tierschutz in Österreich!
 

*Als Wildtiere gelten in Österreich gemäß § 4 Tierschutzgesetz alle Reptilien, Amphibien und Wirbellose (egal ob einheimisch oder nicht, ob nachgezüchtet oder Wildfang!) sowie Fische, Vögel (Papageienvögel, Finkenvögel, Taubenvögel) und Säugetiere (Fleischfresser, Nagetiere, Hasenartige), die nicht als domestiziert gelten. Bei diesen Tiergruppen bleibt der Gesetzgeber eine nähere Definition schuldig, welche Arten zu den Wildtieren gezählt werden. Für alle Reptilien, Amphibien und Wirbellose (sowie z.B. für Greifvögel, Flughunde, Affen etc.) gilt ab dem 1. April 2016 allerdings eindeutig ein Kaufbörsenverbot. 

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Kommentare:

  1. Als Grund wird ja angegeben, dass man uninformierte Spontankäufe verhindern will. Man betont auch ausdrücklich, dass der Handel in Zoo- und Tierfachgeschäften weiter erlaubt ist, weil man sich dort ausführlich beraten lassen kann.

    Und genau an der Stelle muss ich schon etwas schmunzeln. Wer kann die Leute wohl besser beraten:

    - Ein Verkäufer, der unzählige verschiedene Tierarten in dem Laden verkauft und wohl nur einen Bruchteil davon selbst privat hält? Dass Tiere oft in Zoofachgeschäften auch oft nicht artgerecht gehalten werden, ist auch kein Geheimnis.

    - Ein Züchter, der die Tiere selbst hält und züchtet und auf Börsen anbietet?

    Meiner Meinung nach weiß der Züchter dann doch noch etwas besser bescheid als jemand in einem Zoogeschäft. Also kann man sich direkt bei einem Züchter informieren, was die Tiere benötigen. Daher finde ich das Argument, dass man sich nicht informieren kann, etwas fraglich. Aber natürlich sollte man sich vorher informieren und nicht einfach ein Tier spontan kaufen. Aber das Problem hat man sowohl auf solchen Börsen als auch in der Zoohandlung. Es kann mir keiner erzählen, dass die Zoogeschäfte nicht bewusst diverse süße Nagetiere schön in großen Glasterrarien auf Kinderhöhe zur Schau stellen. Auch die leben von Spontankäufen (wie jeder Einzelhandel)

    Der Hauptgrund, warum man so ein Verbot durchführt ist einfach, weil diverse Tierschutzvereine, z. B. Vier-Pfoten, PETA usw. dazu gedrängt haben (wenn es nach denen ginge, dürfte man bald gar keine Wildtiere mehr halten). Und natürlich haben die Verbände, welche die Zoogeschäfte vertreten, auch nichts dagegen, weil das ja bedeutet, dass sie letztlich wieder mehr Umsatz machen werden. Man sollte diesen Vereinen keinen Millimeter nachgeben, weil wenn man das tut, wollen sie nur noch mehr.

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    1. Zumal sich ja auch die Frage stellt, welcher "Spontankäufer" wohl schlechter informiert ist: Einer, der womöglich schon andere Reptilien hält und mehrere Kilometer Fahrtweg sowie Eintrittsgeld bei einer Börse in Kauf nimmt oder einer, der von Reptilien keine Ahnung hat und mal eben beim Schraubenkauf im Baumarkt ein solches Tierchen entdeckt. Es ist bei Börsen gewiss nicht alles sauber, weil dort ja auch so manche Großhändler Tiere verkaufen, die sich vom Tierbesatz und von der fehlenden spezialisierten Fachkunde kaum von den Großkettenzoofachgeschäften unterscheiden. Die von dir genannte berechtigte Kritik an manchen Zoofachgeschäften, die ich aus eigener Erfahrung unterschreiben kann, lässt sich somit auch auf manche Börsenanbieter übertragen. Aber eben nicht auf alle! Gegen die Flohmarktauswüchse auf Börsen könnte man differenzierter vorgehen, statt mit einem generellen Börsenverbot auch den seriösen Anbietern zu schaden.

      Und wie du schon sagst: Börsen sind neben "Gefahrtieren", invasiven Arten, Importen usw. erst der Anfang. Gerade die Zoofachhandelsketten, die jetzt womöglich noch das Börsenverbot begrüßen, sollten sich ihrer Sache nicht zu sicher sein.

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  2. In welchem Baumarkt oder großer Zoofachkette lerne ich eine züchter für Warane,Schlangen oder Gecko Farbmorphen kennen?
    Beinahe keiner der dortigen Angestellten kann mir bei Auftretenden Problemen jeglicher Art helfen.
    Ist jetzt nichts gegen die Mitarbeiter,aber nirgendwo ist die breite Informationsflut so stark gegeben wie auf einer Reptilienbörse wo ich direkt mit dem Züchter aufnehmen kann!
    Aber wie einfältig,engstirnig und lenkbar unsere Regierung ist sieht man im letzten Jahr.
    Eben Politiker-sind sie ja nicht ohne Grund

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