Mittwoch, 23. März 2016

Tierrechte - Wo ist der Unterschied?

Da mich der Verein animal public e.V. bei Facebook leider gesperrt hat, weil meine Kritik an der einseitigen Propaganda dieses Vereins dort unerwünscht ist, nutze ich diese Stelle, um ein paar Gedanken und offene Fragen zum Thema Tierrechte in den Raum zu stellen.

Am 21. März um 18 Uhr machte animal public auf Facebook mit folgender Aussage zu diesem Vorfall Stimmung gegen Reptilien- und andere Wildtierhalter:




Inzwischen hat sich zwar herausgestellt, dass der Tigerpython sehr wahrscheinlich nicht lebend ausgesetzt, sondern tot auf dem Parkplatz abgelegt wurde, aber dies konnte animal public am Tag des Postings nicht wissen. Nein, Kritik übe ich an der grundsätzlichen Aussage, dass dieser Einzelfall ein Verbot der privaten Wildtierhaltung rechtfertige. Wie lässt sich dies bitte objektiv begründen?

Gut, man könnte mir als Reptilienhalter unterstellen, dass ich selbst nicht objektiv bin, wenn es um ein Verbot der Reptilienhaltung geht. Daher bin ich gerne bereit, auch einmal die erhofften Vorteile eines Reptilienverbotes zu nennen:

Da wäre zuerst einmal der Vorteil, dass Reptilien nicht mehr frei verkäuflich wären. Zoofachgeschäfte würden keine Reptilien mehr verkaufen und Reptilienbörsen gäbe es auch nicht mehr. Der Handel im Internet könnte eingedämmt werden, weil jede Verkaufsanzeige illegal wäre. Dadurch würden zunächst einmal weniger Reptilien bei uninformierten Haltern landen, die sie derzeit noch problemlos und spontan bei den genannten Quellen erwerben können. Auch Ordnungsbehörden hätten keine Probleme mehr, illegale von legalen Tieren zu unterscheiden, weil ja schließlich alle Reptilien illegal wären. Verantwortungsbewusste Reptilienhalter, die sich an die bestehenden Gesetze halten möchten, wären nach einem Verbot gezwungen, die Vermehrung ihrer Tiere einzustellen. Das ist zwar bei einigen Arten gar nicht möglich und bringt zudem weitere Tierschutzprobleme mit sich, aber langfristig würden dadurch Reptilienbestände in der Privathaltung tatsächlich auslaufen. Würde der Bestandsschutz an hohe Hürden geknüpft, wären außerdem einige Halter gezwungen, ihre Bestände sofort aufzulösen. Weniger Reptilien in Privathand bedeuten weniger Tierleid aufgrund von schlechter Haltung.

Es würden dadurch zwar viele neue Tierschutzprobleme geschaffen, weil viele Halter in eine Situation getrieben würden, die sie überfordern könnte, weil der illegale Handel florieren würde und weil Auffangstationen sowie Tierheime einen immensen Zulauf befürchten müssten, aber langfristig wäre tatsächlich mit weniger Tierleid zu rechnen, sobald der provozierte Holocaust in deutschen Terrarien (wie das Beispiel Norwegen zeigt) in ein paar Jahrzehnten endlich beendet wäre.

Nun stellt sich mir aber die entscheidende Frage: Wo ist der Unterschied zum Tierleid anderer Heimtiere? Man nehme als Beispiel diesen Vorfall der letzten Tage: Entlaufener Hund wurde überfahren

Müsste ein Tierschutzverein wie animal public nach einer solchen Meldung nicht ähnlich reagieren? Müsste ein Verein wie animal public diese Meldung nicht ebenfalls auf Facebook verbreiten und sinngemäß folgendes dazu formulieren: „Wieder hat ein Tier mit Domestikationshintergrund die Unfähigkeit und Verantwortungslosigkeit des Halters mit dem Leben bezahlt. Es ist an der Zeit, dass die private Haustierhaltung endlich verboten wird.“? Wo ist der Unterschied? Ob nun ein sogenanntes
Wildtier aufgrund eines verantwortungslosen Halters zu Tode kam oder ein sogenanntes domestiziertes Haustier ist vom Tierschutzgedanken doch wohl egal. Wenn der eine Einzelfall ein generelles Haltungsverbot rechtfertigt, dann - ganz objektiv betrachtet - doch wohl auch der andere Einzelfall. Nicht, dass ich mir das wünsche. Ich wünsche mir Sachkundenachweispflicht für alle Tierhalter und tiergerechte Unterbringung für alle Tiere in menschlicher Obhut sowie angemessene Bestrafung bei den vereinzelt auftretenden Tierschutzverstößen.

Wer sich aufgrund solche Einzelfälle unbedingt radikalisieren und Verbote fordern möchte, kann dies sehr gerne tun. Nur soll diese Person oder der jeweilige Verein dann bitte nicht so verlogen sein und Tierschutz mit zweierlei Maß messen. Entweder haben alle Tiere das Recht auf eine artgerechte Haltung in menschlicher Obhut, die man mit den bestehenden Gesetzen bereits ausreichend regeln kann, oder aber alle Tiere haben das Recht auf Freiheit und ein Aussterben in Gefangenschaft. Mit dem wohl größten Tierrechtsverstoß in der Menschheitsgeschichte (genannt
Domestikation) zu argumentieren, unterstreicht lediglich diese Doppelmoral. Beim Tierschutz sowie bei der Haltung in menschlicher Obhut kann man Wildtiere nicht von Haustieren unterscheiden. Ich will jetzt gar nicht groß mit wissenschaftlichen Artikeln (wie dem von RICHTER et al.) argumentieren, weil es bei sämtliche Diskussionen offenbar nur noch um einen emotionalen Tierschutzgedanken geht, der für Fakten leider nicht aufnahmefähig ist - nicht nur beim Thema privater Wildtierhaltung, sondern auch bei der Tierhaltung in Zoos oder Zirkussen. Jeder Tierfreund, der Verbotsforderungen von Teilen der Tierhaltung unterstützt, sollte aber im Herzen erkennen können, dass Haustiere dieselben Tierrechte verdient haben, wie Wildtiere: Die Befreiung aus der menschlichen Knechtschaft als Statussymbol, Unterhaltungsobjekt oder Partner- / Kinderersatz. Andernfalls sind Empathie und gesunder Menschenverstand dieser Menschen falsch gepolt.

Dass Tierschutzvereine wie animal public e.V. ihre Doppelmoral ablegen und ihre einseitige Propaganda gegen Teile der Heimtierhaltung beenden, wage ich zu bezweifeln. Die von diesen Vereinen grundlos diffamierten
Wildtierhalter sind schließlich nur eine Randgruppe. Die Masse an Hundestreichlern und Katzenkuschlern würde man mit einer glaubwürdigen und konsequenten Verbotsforderung der gesamten privaten Tierhaltung verprellen, was sich in der Jahresbilanz negativ abzeichnen würde. Populismus war halt schon immer ein besonders einfacher Weg für den Machterwerb. 

Die Kommentarfunktion kann natürlich gerne genutzt werden, um auch gegenteilige Ansichten zu äußern oder die von mir gestellte Frage zu beantworten: Warum haben Wildtiere mehr Rechte verdient als Haustiere? Im Gegensatz zu animal public scheue ich nämlich keine sachliche Diskussion. 

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1 Kommentar:

  1. Nicht nur Reptilien sind "Exoten", auch die Millionen Meerschweinchen, Kanarienvögel und Zierfische in Aquarien sind Exoten.
    "Wildtiere" sind unsere in tausenden Generationen gezüchteten Reptilien für mich schon lang nicht mehr!

    Da definiere ich vielleicht den Begriff "Wildtier" anders als die Extremisten des Tierschutzes.

    Es gibt so viele Unfälle, Tötungen von "domestizierten Haustieren"... soll man denn zb Pferdehaltung verbieten, weil Pferde tausend mal gefährlicher sind, als ne im Terrarium eingesperrte Kornnatter?

    Nur weil ein Tier Schuppen statt Fell hat, ist es doch nicht weniger wert!

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