Dienstag, 16. Februar 2016

Frankfurter "Schlangengrube": Privatleute helfen, der Pöbel schimpft

Medienberichten zufolge hat die Feuerwehr in Frankfurt am Main in der Nacht zum Valentinstag eine Wohnung voller lebender und teils toter Schlangen gefunden. Alarmiert wurden die Einsatzkräfte aufgrund eines Wasserschadens. Nachdem sie sich Zutritt zur Wohnung verschafft hatten, entdeckten sie dort mehrere frei herumkriechende und bereits verstorbene Schlangen, darunter zwei Felsenpythons und eine bereits verendete ca. fünf Meter lange Anakonda. Darüber hinaus hielt der 42-jährige Tierhalter 25 Boas und einen Python in sogenannten Racksystemen. Die Tiere darin befanden sich ebenfalls in einem schlechten Zustand: Feuerwehr entdeckt grauenhafte Schlangengrube

Verantwortungslosen Tierhaltern wie in diesem Fall haben wir es zu verdanken, dass immer mehr restriktive Gesetzgebungen geschaffen werden. Wie aus den Medienberichten deutlich wird, hat der besagten Schlangenhalter das hessische Gefahrtiergesetz ebenso ignoriert wie das Tierschutzgesetz oder das Gutachten über die Mindesthaltungsrichtlinien für Reptilien.

Somit gibt es nur eine sinnvolle Reaktion auf diesen Vorfall: Der verantwortliche Tierhalter muss aufgrund der Verstöße angemessen bestraft werden! Nicht nur eine Freiheitsstrafe von bis zu 3 Jahren oder eine Geldstrafe aufgrund des Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz wären denkbar, sondern auch eine zusätzliche Geldbuße in Höhe von bis zu 5.000 Euro wegen des anzunehmenden Verstoßes gegen das hessische Gefahrtiergesetz. Auch das örtliche Finanzamt könnte Interesse an diesem Vorfall haben, da die Tiere offenbar lediglich zur Zucht gehalten wurden und es sich somit um eine gewerbsmäßige Tätigkeit gehandelt haben könnte, die natürlich steuerpflichtig ist. Die Werkzeuge zur Verhinderung solcher Vorfälle gibt es also bereits - nun muss man sie auch nutzen, um andere Täter abzuschrecken.

Es ergibt jedoch keinen Sinn, aufgrund solcher Einzelfälle sämtliche verantwortungsbewussten Tierhalter zu bestrafen, indem man z.B. in Erwägung zieht, die Gesetzeslage weiter zu verschärfen oder die Haltung von bestimmten oder gar allen sogenannten „Exoten“ komplett zu verbieten. Denn ganz besonders hervorzuheben ist, das nicht nur der Frankfurter Zoo den Großteil der verwahrlosten Tiere aufgenommen hat, sondern sich auch Privatpersonen ehrenamtlich engagieren und einen Teil der Schlangen wieder aufpäppeln.

Alle Reptilienhalter wegen dieses schändlichen Einzelfalls über einen Kamm zu scheren, zeugt von gnadenloser Inkompetenz. Sollten also einschlägige „Tierschutzvereine“ diesen Einzelfall ausschlachten, um erneut gegen uns Terrarianer Stimmung zu machen, würden sie damit nur aktiven Tierschützern ans Bein pissen! Aber dieses „Opfer“ wird sicherlich bereitwillig in Kauf genommen, um aus reiner Selbstverherrlichung und mithilfe von billigem Populismus neue Unterstützer zu finden. Die altbekannten Scheißhausparolen gegen die Exotenhaltung werden auch dann wieder auf fruchtbaren Boden fallen. Man beachte nur die Kommentare unter den verschiedenen Onlineartikeln zum Vorfall in Frankfurt. Die meisten Kommentatoren sind zu einer differenzierten Meinungsbildung offenbar gar nicht mehr fähig, sondern verbreiten stattdessen ihre auf Vorurteilen und gefährlichem Halbwissen beruhenden unqualifizierten Geistesergüsse.

Nachtrag vom 30.08.2016:
Der inzwischen 43-jährige Schlangenhalter wurde vom Amtsgericht Frankfurt zu einer Geldstrafe in Höhe von 7.200 Euro verurteilt. Außerdem wurde ihm die Haltung von Schlangen für 3 Jahre verboten: Schlangenhalter erhält Geldstrafe wegen Tierquälerei

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