Donnerstag, 7. Januar 2016

Wildtierbörsenverbot in Österreich wohl nicht mehr abwendbar

Offenbar lässt sich das Verbot von sogenannten „Wildtierkaufbörsen“ in Österreich (ich berichtete) nicht mehr abwenden. Das österreichische Bundesministerium für Gesundheit (BMG) hat Neuregelungen, Daten und Fakten für das Jahr 2016 veröffentlicht: Was ist neu im Jahr 2016

Darin heißt es:
Novellierung der Tierschutzveranstaltungsverordnung
Anpassungen im Hinblick auf die Durchführung von Kauf- und Tauschbörsen, Verbot von Kaufbörsen mit Wildtieren, [...] werden im ersten Quartal 2016 erfolgen.

Wann ein konkreter Entwurf vorliegen wird, bleibt derzeit noch offen. Es kann sich aber nur noch um wenige Wochen handeln. Eine kleine Chance besteht zwar noch, dass das Börsenverbot am Ende an Kleinigkeiten und Formfehlern scheitert, aber dies ist wohl eher unwahrscheinlich. Hätten die berechtigten Stellungnahmen gegen das geplante Verbot, zu denen sich das Ministerium bisher leider nicht öffentlich äußerte, die erhoffte Wirkung gezeigt, würde das Verbot wohl jetzt nicht großspurig vom Ministerium für das laufende Quartal angekündigt.

Daraus resultieren neben den weiterhin stattfindenden Verkäufen von dauerhaft gestressten Tieren in Baumärkten und nicht spezialisierten Zoogeschäften an eine oftmals nicht sachkundige Laufkundschaft sicherlich auch vermehrte Verkäufe aus dem Kofferraum heraus oder an Bahnhöfen – fernab jeder behördlichen Kontrolle. Auch der Handel im Internet und der daraus häufig resultierende Versand von Tieren (möglicherweise nicht immer per Tierspedition, sondern mit normaler Post) wird wahrscheinlich ansteigen. Und auch die Teilnahme an Börsen im Ausland (z.B. in der Slowakei) wird für viele Tierhalter sicherlich zu einer Option. Dass damit unter Umständen längere Transportwege in Kauf genommen werden müssen und ob dies alles für die gehandelten „Wildtiere“ weniger schädlich ist als der Verkauf auf einer Börse, wage ich dann doch stark zu bezweifeln.

Österreich verschenkt damit eine weitere Chance, den Wildtierhandel zu kontrollieren und illegale Aktivitäten aufzudecken. Es bleibt zu hoffen, dass Deutschland nicht denselben Fehler macht und dem illegalen Wildtierhandel nicht auch noch in die Karten spielt.
 
 

Kommentare:

  1. Als "alter Hase" war ich schon Terrarianer bevor es Börsen wie in Hamm gab. Trotzdem haben sich regelmäßig Züchter zum An-/Verkauf ihrer Tiere getroffen und zwar im Rahmen von DGHT-Tagungen. Da gab es immer einen sog. Börsentag. Der Vorteil: es gab keine geschäftstüchtigen Händler, sondern man kannte sich (oder lernte sich kennen) und niemand wäre auf die Idee gekommen, so etwas zu verbieten, denn niemand außerhalb des Hobbies wusste davon. Hamm dagegen zieht die Aufmerksamkeit ebenso an, wie unseriöse Großhändler, Schmuggler und PETA-Anhänger.
    Um eines klarzustellen: ich bin jedes Jahr in Hamm und ich fahre gerne dahin. Aber genauso sehe ich auch jedes Jahr Dinge, wo ich den Tierschützern Recht geben muss. Leider. Wäre Hamm ein reiner Treffpunkt für leidenschaftliche Terrarianer, kein Platz für hauptgewerbliche Händler (Zutritt für Jedermann, Verkauf nur an volljährige Personen mit Sachkundenachweis), sähe die Sache ganz anders aus. Das wäre auch machbar, nur stehen dem die ökonomischen Interessen des Börsenbetreibers dagegen. Und wie überall auf der Welt, ob Sport, Politik, Kunst: sobald Geld ins Spiel kommt, wird's schmutzig und hässlich...

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    1. Hallo Jens, was eine Sachkundenachweispflicht betrifft, sind wir uns vollkommen einig, dass dadurch viele Probleme, die durch Spontankäufe verursacht werden, behoben werden könnten. Ich definiere mich selbst als Türschützer und sehe daher manche Dinge auf Börsen ebenfalls kritisch. Schau dir doch auch mal die anderen Beiträge im Blog unter dem Label "Börsen" an. Dort gehe ich stellenweise ebenfalls kritisch auf Dinge ein, die mir auf solchen Veranstaltungen negativ aufgefallen sind - kürzlich z.B. die unzureichende Beschriftung des nicht mehr ganz so neuen Schutzstatus von Lygodactylus williamsi.

      Ich bin aber auch der Meinung, dass es sehr viel mehr Spontankäufe im nicht spezialisierten Zoohandel oder in Baumärkten gibt. Bisher stammten die meisten (wenn nicht sogar alle) Tierschutzfälle, die von mir aufgenommen wurden, von Haltern, die diese im „Zoohandel“ erworben hatten. Eine Sachkundenachweispflicht würde beide Probleme beseitigen. Ein striktes Börsenverbot halte ich jedoch für unangemessen. Auf Börsen gibt es nicht nur schwarze Schafe und da man den Problemen mit milderen Mitteln begegnen könnte, wären strikte Verbote aus meiner Sicht ein Verstoß gegen das Verhältnismäßigkeitsprinzip.

      Vielleicht interessiert dich ja auch das hier:
      http://www.lestat-exoten.de/gegen-exotenhaltung/tierb%C3%B6rsen/

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