Donnerstag, 14. Januar 2016

Einblick in Tierheimsituation 2015

Das Berliner Tierheim Hohenschönhausen hat exklusiv für die B.Z. Bilanz gezogen und Zahlen über die Tierabgaben 2015 veröffentlicht: Alle 87 Minuten landete 2015 ein Tier im Heim

Das Ergebnis: Im Jahr 2015 wurden 624 mehr Tiere abgegeben als im Jahr 2014. Insgesamt kamen vergangenes Jahr 6.016 Tiere im Berliner Tierheim unter. Spitzenreiter waren dabei Katzen mit einem Anteil in Höhe von 43,6 Prozent, gefolgt von Hasen- und Nagetieren (19,2 %) und Hunden (15,6 %). Vögel waren mit 5,7 Prozent vergleichsweise wenig im Berliner Tierheim vertreten. Für sogenannte „Exoten“ wurden im B.Z.-Artikel keine genauen Zahlen veröffentlicht. Lediglich mit dem Hinweis „Auch immer mehr Exoten landen in der Einrichtung“ werden sie erwähnt.

In Hamburg sah es kaum anders aus: Seit Weihnachten 203 Tiere im Tierheim abgegeben

Zieht man die 90 abgegebenen einheimischen Wildtiere ab, waren auch hier Katzen (33,6 %), Hunde (31,9 %) und Nagetiere (18,6 %) die Spitzenreiter.

Anhand der Zahlen wird deutlich, welche immensen Tierschutzprobleme bei Haustieren herrschen. Die hohe Zahl an Katzen, Nagetieren und Hunden in Tierheimen gibt einem schon zu denken. Insbesondere wenn man sie mit der aufschlussreichen „Tierheimstudie“ des Deutschen Tierschutzbundes über in Tierheimen abgegebene „Exoten“ vergleicht, laut der jährlich pro angeschlossenem Tierheim im Durchschnitt nur ca. 8 Reptilien aufgenommen werden mussten.

Alle 87 Minuten landet ein Tier im Tierheim,
aber nur alle 65.700 Minuten handelt es sich um ein Reptil!

Die politischen Entscheidungsträger und die ernsthaften Tierschutzvereine sollten sich also dafür einsetzen, dass die in § 2 Tierschutzgesetz vorgeschriebene Tierhaltersachkunde (Kenntnisse und Fähigkeiten für eine angemessene Ernährung, Pflege und verhaltensgerechte Unterbringung) mithilfe von verbindlichen Prüfverfahren bei allen Tierhaltern vorhanden und nachprüfbar ist, damit zumindest die Spontankäufe verringert werden. Tiere dürfen dann nur noch an Halter abgegeben werden, die einen entsprechenden „Führerschein“ besitzen. Eine Überarbeitung der Mindesthaltungsrichtlinien sowie zunächst einmal die Schaffung selbiger für Katzen (ausbruchsichere Gehege), sind ebenfalls überfällig. Solange man Tiere ohne weiteres in sogenannten „Zoofachgeschäften“ und sogar Baumärkten, aber auch im Internet, von Züchtern oder auf Börsen erwerben kann, wird es wohl auch in Zukunft eine stetig weiter steigende Zahl an Tierheimabgaben geben.

Mehr zum Thema:

1 Kommentar:

  1. Danke Marco,dass du auf die Situation aufmerksam machst! Die Zahlen sind wirklich erschütternd...

    AntwortenLöschen