Sonntag, 13. Dezember 2015

Erneut Propaganda gegen Reptilienbörsen

Gestern fand im nordrhein-westfälischen Hamm mal wieder die TERRARISTIKA statt. Die TAZ berichtete bereits einen Tag zuvor von der „Reptilienmesse in Hamm: Illegal gefangen, legal verkauft“. In dem Artikel, in dem u.a. Dr. Sandra Altherr von der Artenschutzorganisation Pro Wildlife e.V. zu Wort kommt, heißt es beispielsweise:
In den Hammer Zentralhallen werden an diesem Wochenende Hunderte Händler Tiere in Plastikboxen und Glaskästen anschleppen, teils verkaufen sie ihre Ware auch schon aus dem Kofferraum heruas.
Immer wieder wird der Verkauf von Reptilien und Amphibien in Plastikdosen als großer tierschutzrechtlicher Missstand dargestellt. Das funktioniert auch ganz wunderbar, weil wohl die wenigsten Leser solcher Artikel wissen, dass diese Art des Verkaufs in den Richtlinien der Tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz und des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz als tierschutzgerecht festgelegt ist.

Dr. Altherr kritisiert in dem Artikel, dass auf solchen Börsen oftmals illegale Wildfänge gehandelt werden würden, welche zwar in ihrem Herkunftsland geschützt sind, in Deutschland jedoch keinem Schutzstatus unterliegen und somit hierzulande legal und ohne Kontrollen gehandelt werden dürfen. Was bei solchen Aussagen jedoch verschwiegen wird, ist die Tatsache, dass viele dieser Tiere außerhalb ihres Herkunftslandes nachgezüchtet werden. Nicht jedes dieser Tiere ist ein aus seinem natürlichen Umfeld entrissenes und illegal geschmuggeltes Exemplar. Weil die Nachzucht Dank der fortschreitenden Terrarientechnik und den wachsenden Erfahrungen der Halter und Züchter immer häufiger gelingt, werden logischerweise auch immer mehr dieser Tiere auf Börsen oder im Internet angeboten.

Aber auch der Handel mit illegal aus der Natur entnommenen Tieren kommt sicherlich vereinzelt vor und es ist auch nicht von der Hand zu weisen, dass Reptilienbörsen als Treffpunkt der Terrarianergemeinde als eine Art Umschlagplatz fundieren. Aber diesen Missstand kann man meines Erachtens nicht den Börsenbetreibern in die Schuhe schieben! Gäbe es keine Börsen mehr, würden sich die Treffpunkte woanders hin verlagern. Übergaben von geschmuggelten Wildfängen fänden dann dezentral auf Autobahnraststätten oder Bahnhöfen statt. Orte, an denen Naturschutzbehörden viel weniger Chancen hätten, illegale Aktivitäten aufzudecken. Ein Verbot von Reptilienbörsen, wie es die Bundesregierung in ihrem Koalitionsvertrag plant und wie es Frau Altherr fordert, würde den Handel lediglich verlagern, jedoch nicht beenden. Meiner Einschätzung nach würde der illegale Handel sogar noch lukrativer, weil der Handel mit legalen Nachzuchten mangels Börsen erschwert würde. Ich schlage nach einem Börsenverbot übrigens vor, dass sich die Schmuggler dann viermal im Jahr vor der Geschäftsstelle von Pro Wildlife treffen und dort ihre Tiere auf dem Parkplatz handeln. Vielleicht fordert Frau Altherr ja dann ein Verbot ihres eigenen Vereins?

In dem TAZ-Artikel heißt es weiter:

Darum findet Artenschützerin Altherr, die EU müsse sich die USA zum Vorbild nehmen. Dort gilt seit 1900 der Lacey-Act, nach dem es grundsätzlich untersagt ist, mit Tieren zu handeln, die aus kriminellen Machenschaften kommen. Knapp 160 Wissenschaftler und Naturschützer unterstützen Altherr bereits, sie haben einen gemeinsamen Aufruf an den zuständigen EU-Kommissar Karmenu Vella geschickt.
Hier sieht man, dass die sogenannte „Exotenhaltung“ längst nicht mehr allein auf Ebene der Bundesrepublik diskutiert wird, sondern schön längst auf EU-Ebene angekommen ist. Die EU wird in Zukunft diverse Verordnungen und Richtlinien erlassen, die unser Hobby betreffen. Eine EU-Verordnung gegen invasive, gebietsfremde Arten besteht seit Anfang 2015 und wird demnächst um eine Liste erweitert, die bereits die ersten Terrarientiere verbieten wird. Weitere Verordnungen werden folgen, da der Druck der Lobbyisten in Brüssel immer größer wird.

Im TAZ-Artikel wird natürlich auch wieder die Schlagzeile von der entflohenen Monokelkobra in Mülheim hervorgekramt, obwohl dieser Fall eigentlich nur eines zeigt: Reptilienhalter gehen in der Regel trotz fehlender Regelungen verantwortungsvoll mit ihren Tieren um, sonst würden solche spektakulären Vorfälle ständig passieren. Solange sich auf in die Jahre gekommene Schlagzeilen bezogen werden muss, kann die Situation ja gar nicht so dramatisch sein.

Abschließend heißt es in dem Artikel:

Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes, beschäftigt aber vielmehr das Unspektakuläre: „Viele kaufen ein Reptil auf Börsen wie in Hamm, ohne die Konsequenzen zu bedenken. Es kann aufwändig und teuer sein kann, ein Reptil zu halten“, sagt er. Mit einem Standardterrarium sei das kaum getan. Deshalb hätten die mehr als 700 Tierschutzvereine seit 2010 rund 30.000 Reptilien aufgenommen - auch oft, ohne dafür geschult zu sein.
Treue Leser meines Blogs wissen natürlich, dass diese hohen Zahlen schlicht und ergreifend erfunden sind: Exoten, ein Problem für Tierheime?

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