Sonntag, 8. November 2015

Messe „MEIN TIER 2015“ in Oldenburg

Am 7. und 8. November fand in Oldenburg die 21. „MEIN TIER“ statt, auf der neben diversen Haus- und Nutztieren auch Heimtiere aus dem Bereich der Vivaristik dem interessierten Publikum vorgestellt wurden.

Der Schwerpunkt der Messe lag eindeutig auf der Hundehaltung. Die Halle für die Katzen war hingegen ähnlich gut versteckt, wie der Gefahrtierraum auf der TERRARISTIKA Hamm. Nun ja, was das Gefahrenpotential von Katzen betrifft, war dies natürlich durchaus sinnvoll. Und wenn wir gerade Vergleiche ziehen: Während sogenannte „Tierschutzvereine“ in den Medien die Unterbringung von Reptilien und Amphibien in Transportbeuteln und Plastikdosen als Verstoß gegen das Tierschutzgesetz verkaufen (was Unsinn ist, da selbst die Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz e.V. diese Art des Tierverkaufs als tierschutzkonform definiert) und neben Börsenverboten gleich auch noch strikte Haltungsverbote fordern, habe ich noch nie eine Pressemeldung von PETA, Pro Wildlife und Co. gelesen, in der die Einzelhaltung von Herdenfluchttieren in engen und dreckigen „Boxen“ auf Veranstaltungen mit einem hohen Besucheraufkommen verteufelt wurde:
 
 
Tja, die Haltung von edlen Großsäugern ist schließlich ein gesellschaftsfähiges Hobby, wo man über Tierschutz oder Gefahrenpotential ruhig mal hinwegsehen kann. In der Pferdehalle war es für mich besonders amüsant mit anzusehen, wie ein Kleinkind einen Luftballon auf den stellenweise mit Tierexkrementen „geschmückten“ Boden fallen ließ, aufhob und an ihm herumlutschte, während die Mutter mit einem „Was für prächtige Tiere“ jauchzend vor den Pferdeboxen stand. Vielleicht führt die Politik ja bald auch mal einen Sachkundenachweis für die Kinderhaltung ein...

Aber kommen wir zum eigentlich interessanten Teil dieses Artikels: Die Dschungelhalle in der verschiedene Vivarientiere präsentiert wurden. Vor der eigentlichen Dschungelhalle stellte der Schulzoo Wiefelstede einige seiner Tiere aus und lud die Besucher zu einem Fragen-Parcours ein:
 
 
 
 
 
Jedes Schulvivarium ist zuerst einmal eine sehr erfreuliche Sache. Bei einer Präsentation auf einer Messer ist es natürlich auch verständlich, dass man gerade als Schule ein paar Abstriche bei der Gestaltung der Terrarien machen muss. Ich fand es jedoch beängstigend, das manche Besucher die präsentierten Haltungsbedingungen als Maßstab für eine geplante Reptilienhaltung nahmen. Dafür waren die Haltungsbedingungen jedoch nicht artgerecht: Die Königsnatter hätte zumindest noch ein Versteck in der kühleren Ecke des Terrariums benötigt, die Schmuckschildkröte anstatt des befremdlichen Abfalls im Plastikteich zuerst einmal einen Sonnenplatz sowie einen sinnvollen Landteil und die Bartagame neben passenderen Bodengrund in ausreichender Menge auch noch einen gesünderen Speiseplan (weniger Obst), eine UV-Quelle und natürlich wesentlich mehr Platz.

In der eigentlichen Dschungelhalle, die thematisch sehr ansprechend dekoriert war, war es leider recht dunkel. Das Ambiente passte damit gut zum Messeflyer, in dem die Vivaristik als einziges Themengebiet auf einer schwarzen Seite abgedruckt wurde. Willkommen auf der Dunklen Seite?
 

Ausgestellt wurden einige Schlangen, darunter als besondere Highlights eine Madagaskarboa sowie vom Verein V.A.R.A.N. e.V. zwei Giftschlangenterrarien, darunter eines mit einer Gabunviper.
 
 
 
Viele der Tiere waren gemäß ihrer natürlichen Verhaltensweisen als nacht- bzw. dämmerungsaktive Tiere nicht aktiv. Selbst ein tagaktiver Steppenwaran lag schlafend hinter einer Pflanze, weil sein Terrarium eher spärlich beleuchtet wurde. Hier hätte man den Schwerpunkt der Tierauswahl vielleicht besser auf tagaktive Arten gelegt. Taggeckos oder Pfeilgiftfrösche sind wunderbare Galionsfiguren für die Terraristik, wurden jedoch leider nicht auf der „MEIN TIER“ präsentiert.

Die Präsentation der Tiere war teilweise ziemlich spartanisch. Es wurden weniger die Terrarien in den Fokus gestellt, sondern vielmehr die Tiere. Wenn man aufgrund der Tierauswahl jedoch nur augenscheinlich leere Terrarien ausstellt, die nicht ansprechend dekoriert sind, ist das leider nicht sehr sinnvoll. Gerade auf einer Präsentationsveranstaltung erwarte ich etwas mehr. Die eher zweckmäßig eingerichteten Terrarien weckten leider bis auf wenige Ausnahmen kaum den Wunsch, sich selbst ein solches in die eigenen vier Wände zu holen. Hier wären naturnahe Ausschnitte aus dem Lebensraum der Tiere ansprechender gewesen, wie es der DGHT e.V. Stadtgruppe Oldenburg-Friesland mit einem ansprechend eingerichteten Feuersalamander-Terrarium gelang. Die teilweise präsentierten mangelhaften Haltungsbedingungen, wie ein sehr flaches Terrarium mit einer Schönnatter ohne Versteckmöglichkeiten (ganz im Dienste der „Tierpräsentation“) oder das düstere Terrarium mit dem Steppenwaran, gaben auch in diesem Bereich der Messe falsche Anregungen für die Besucher.
 
In einem Zelt innerhalb der Dschungellandschaft wurden diverse Vogelspinnen präsentiert. Hier waren auch wieder Kinder an der Präsentation beteiligt, was mir gut gefiel. Diese Kinder haben noch einen Bezug zu Tieren und sind nicht so sehr von der Natur entfremdet, was leider aufgrund des dramatischen Mangels an Naturbildungsmaßnahmen in den Elternhäusern und Schulen nicht selbstverständlich ist. So war es schmerzlich zu beobachten, dass Kinder den Steppenwaran als Schlange oder die Madagaskarboa als Krokodil identifizierten, während die Eltern dem auch noch zustimmten und ihre Brut zum nächsten Terrarium zerrten.
 
Hier noch ein paar weitere Impressionen von der MEIN TIER 2015:

 
 
 
 
 
 

1 Kommentar:

  1. Was ich noch vergessen habe: Während es für z.B. Hundehalter in der Hauptmessehalle einige Verkaufsstände mit Zubehör und Futtermitteln gab, gab es leider keine einzige Verkaufspräsentation für Terrarianer. Nur die DGHT-Stadtgruppe hat ein paar alte Magazine verkauft.

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