Freitag, 13. November 2015

Hohe Sterblichkeit von Reptilien in menschlicher Obhut widerlegt

Am 10. November 2015 wurde ein Artikel von ROBINSON et al. mit dem Titel „Captive Reptile Mortality Rates in the Home and Implications for the Wildlife Trade“ veröffentlicht. Darin werden die Ergebnisse einer Studie dargestellt, welche sich mit der Mortalität von in menschlicher Obhut gehaltenen Reptilien beschäftigt. Tierschutz- und Tierrechtsvereine mutmaßen häufig über eine extrem hohe Sterblichkeit dieser Tiere, um ein generelles Haltungsverbot auf politischer Ebene durchzusetzen. Wissenschaftliche Erhebungen zur Untermauerung liefern diese Vereine jedoch nicht. Stattdessen werden lediglich die in mehreren Beobachtungen der Universität Leipzig ermittelten mangelhaften Haltungsbedingungen von bereits erkrankten Reptilien auf den gesamten Reptilienbestand in Privathand übertragen. Dieses Vorgehen ist jedoch unwissenschaftlich, da die Erkenntnisse der Uni Leipzig keinerlei Rückschlüsse auf den gesamten Reptilienbestand zulassen, weil natürlich der Anteil der schlecht gehaltenen Reptilien in Tierarztpraxen deutlich höher ist als bei Haltern, die mit ihren gesunden Tieren so gut wie niemals zum Tierarzt müssen und die somit in diesen Studien gar nicht beachtet wurden.

Umso wichtiger sind die Ergebnisse der nun vorliegenden Studie von ROBINSON et al. Die Autoren schreiben, dass es sich ihren Kenntnissen nach um die erste Erhebung dieser Art bei in menschlicher Obhut gehaltenen Reptilien handelt, die detailliert die Sterblichkeitsrate verschiedener Reptiliengruppen betrachtet. Die Ergebnisse sollen bei der anhaltenden Debatte über die Regelung des Handels und der Haltung von Reptilien aufklärenden Charakter haben:

Innerhalb des ersten Jahres nach Erwerb starben 3,6 % der in menschlicher Obhut gehaltenen Reptilien (Schlangen, Schildkröten und Echsen). Die niedrigste Mortalität im ersten Haltungsjahr wurde bei Boas und Pythons mit 1,9 % festgestellt, die höchste Sterberate mit 28,2 % wurde bei Chamäleons ermittelt. Bei den Schlangen, Echsen und Schildkröten, die bereits über 5 Jahre in menschlicher Obhut gehalten wurden, handelte es sich größtenteils um Nachzuchten, weswegen die Autoren davon ausgehen, dass die niedrige Mortalitätsrate dieser Tiere darin begründet liegt.

Mit diesen Ergebnissen lässt sich erneut ganz objektiv und nüchtern die Aussage der Tierhaltungsgegner entkräften, dass der Großteil der in menschlicher Obhut gehaltenen Reptilien das erste Jahr nicht überlebt. Die Mortalität in Höhe von 28,2 % bei Chamäleons ist zwar sicherlich nicht schön und sollte die Ansicht vieler Experten untermauern, dass Chamäleons (bis auf wenige Ausnahmen) nur etwas für die Profis innerhalb der Terraristik sind, dennoch zeigen die restlichen Ergebnisse eindeutig, dass sich Reptilien in unseren Breiten problemlos lange und somit gesund in menschlicher Obhut halten lassen. Insbesondere dann, wenn es sich um Nachzuchten handelt. Der Anteil an aus der Natur entnommenen Tieren lag bei fast allen Reptilien unter 10 %. Lediglich bei Skinken (11,1 %), Leguanen (15,2 %) und anderen Echsen (20,0 %) außer Chamäleons, Geckos, Tejus und Agamen lag der Anteil an Naturentnahmen höher. Dies widerlegt ganz nebenbei auch noch die Aussage der Tierhaltungsgegner, dass der Großteil der in menschlicher Obhut gehaltenen Reptilien aus der Natur entrissen wurde.

ROBINSON et al. setzen ihre Ergebnisse auch in Relation zu den Ergebnissen einer Studie von PIKE et al., in der die Überlebensrate von Reptilien in freier Wildbahn erforscht wurde. Bei Echsen in freier Wildbahn lag die Überlebensquote bei gerade einmal etwa 38 %, bei Schlangen bei rund 64 % und bei Schildkröten bei rund 88 %. Demnach liegt die Überlebensrate bei Reptilien in menschlicher Obhut höher als bei Reptilien in freier Natur!

Nicht zuletzt zitieren die Autoren auch noch eine Studie von NEW et al. laut der in den Vereinigten Staaten von Amerika schätzungsweise 8,3 % bzw. 7,9 % der Katzen und Hunde innerhalb eines Jahres (1996) starben. Pauschal gesagt haben also Hunde und Katzen eine höhere Mortalität im ersten Haltungsjahr als Reptilien!


Literatur:
Janine E. Robinson, Freya A. V. St. John, Richard A. Griffiths, David L. Roberts; Captive Reptile Mortality Rates in the Home and Implications for the Wildlife Trade; 2015

Pike DA, Pizzatto L, Pike BA, Shine R.; Estimating the survival rates of uncatchable animals: the myth of high juvenile mortality in reptiles; 2008

New JJC, Kelch WJ, Hutchison JM, Salman MD, King M, Scarlett JM, et al.; Birth and death rate estimates of cats and dogs in US households and related factors; 2004

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