Dienstag, 17. November 2015

Brauchen wir ein Heimtierschutzgesetz?


Die Tierschutz... oh pardon... Tierrechtsorganisation PETA Deutschland fordert schon seit geraumer Zeit die Einführung eines sogenannten „Heimtierschutzgesetzes“. Man soll die Wahnvorstellungen von irregeleiteten Leuten zwar nicht dadurch bestärken, indem man ihnen Aufmerksamkeit schenkt, dennoch ist es ganz interessant, sich einmal mit dieser Thematik zu befassen. Um die Falschaussagen von PETA in Bezug auf die Terraristik soll es an dieser Stelle mal nicht primär gehen. Wer sich mit fundierten Fakten darüber informieren möchte, dem sei diese Seite empfohlen: http://www.lestat-exoten.de/gegen-exotenhaltung

PETA Deutschland fordert ein Heimtierschutzgesetz mit folgenden Punkten:
· Haltungsverordnung für alle „Heimtiere“
· Gruppenhaltung soziallebender Arten (Kaninchen, Vögel, etc.)
· Einführung eines Hundeführerscheins für Hundehalter
· Kastrationspflicht für alle geschlechtsreifen Tiere, die unkontrolliert ins Freie gelassen werden
· Verbot der Wildtierhaltung in Privathaushalten und damit verbunden das Verbot von "Exotenbörsen"
· Verbot von Vogelbörsen und -ausstellungen
· Massive Eindämmung der Zucht aller „Heimtiere“
· Verbot von „Qualzuchten“
· Verkaufsverbot von Tieren im Zoohandel
· Ausbildungsverordnung für Mitarbeiter des Zoohandels
· Verbot für Jäger, tierische Mitbewohner abzuschießen
Quelle: PETA Deutschland fordert ein Heimtierschutzgesetz

Haltungsverordnung für alle „Heimtiere“
Wer die in einer derartigen Haltungsverordnung festgelegten Haltungsbedingungen definieren soll, wird von PETA nicht verraten. Grundsätzlich ist diese Forderung aber durchaus sinnvoll, solange die Vorgaben an eine Haltung auf wissenschaftlichen Erkenntnissen beruhen und nicht auf einer verwirrten Tierrechtsideologie. Mit der Tierschutz-Hundeverordnung (TierSchHuV) existieren neben dem Tierschutzgesetz bereits einheitliche Vorschriften für die Hundehaltung. Das damalige Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten hat außerdem ein Gutachten über die Mindesthaltungsrichtlinien von Reptilien erstellt, welches zwar keinen gesetzlichen Charakter hat, jedoch auf einer Ermächtigung des Tierschutzgesetzes beruht und somit trotzdem eine vergleichbare Verbindlichkeit besitzt. Gleiches gilt für das Gutachten über die Anforderungen an die Haltung von Zierfischen, das Gutachten der Sachverständigengruppe über die tierschutzgerechte Haltung von Vögeln, von Papageien sowie von Greifvögeln und Eulen usw.

Sicherlich gibt es bei diesen Gutachten immer Möglichkeiten für Verbesserungen. Im Gutachten über Mindestanforderungen an die Haltung von Säugetieren tauchen klassische „Haustiere“ wie z.B. Hauskatzen seltsamerweise gar nicht auf. Hier besteht durchaus dringender Nachholbedarf, weil Katzen die häufigsten Tiere in menschlicher Obhut sind und daher dort auch die meisten Tierschutzprobleme auftreten. Abgesehen davon ist die erste Forderung von PETA bereits durch die Ermächtigung des BMEL im Tierschutzgesetz erfüllt.

Gruppenhaltung soziallebender Arten (Kaninchen, Vögel, etc.)
Diese Forderung wird durch das Tierschutzgesetz und die o.g. Gutachten bereits bei den meisten Heimtieren erfüllt. Nachholbedarf gibt es in diesem Punkt aber sicherlich bei der Hundehaltung. Hunde sind ebenfalls soziale Rudeltiere, die den Menschen als Ersatz-Alphatier vorgesetzt bekommen und ein Leben in einem für sie unnatürlichen Lebensraum ertragen müssen, statt mit echten Artgenossen ein artgerechtes Leben führen zu können. PETA beruft sich gerne auf die Domestikation, die jedoch ein fortschreitender Prozess ist, bei keinem sog. „Haustier“ endgültig abgeschlossen ist und letztlich den größten Tierrechtsverstoß aller Zeiten darstellt.

Einführung eines Hundeführerscheins für Hundehalter
Diese Forderung wird von mit unterstützt. Mein eigenes Bundesland Niedersachsen hat in diesem Punkt eine gelungene Regelung entwickelt, welches Vorbildcharakter hat. Verantwortungsvolle Hundehalter hätten nichts zu befürchten. Wie mir jedoch solche Hundehalter bereits bestätigt haben, stehen sie selbst häufig in der Kritik von Tierrechtsaktivisten, die z.B. das Führen von Hunden an Leinen durch den öffentlichen Raum oder die Hundeerziehung als Eingriffe in die Freiheitsrechte des Tieres empfinden und mit ihren eigenen Hunden die öffentliche Sicherheit und Ordnung gefährden. Diese verantwortungslosen und von Tierrechtsorganisationen in die Irre geführten Hundehalter sind die ersten, die nach der Umsetzung dieser Forderung die größten Probleme bekämen. Und das ist auch gut so!

Kastrationspflicht für alle geschlechtsreifen Tiere, die unkontrolliert ins Freie gelassen werden
Diese Forderung ist verantwortungslos! PETA befürwortet offensichtlich die Gefährdung einheimischer Arten sowie der öffentlichen Sicherheit und Ordnung. Heim- und Haustiere haben schlicht und ergreifend ohne Aufsicht und direkte Eingriffsmöglichkeit nichts im Freien zu suchen, weil sie dort nicht nur selbst in Gefahr geraten, sondern regelmäßig schwere Verkehrsunfälle auslösen und geschützte einheimische Arten dezimieren.

Dabei ist es doch eigentlich ganz einfach: Wenn ein Tier in der Gefangenschaftshaltung nicht so gehalten werden kann, dass es eben nicht den Drang nach Freiheit verspürt, dann müssen entweder die Haltungsbedingungen angepasst werden, damit sich das Tier nicht mehr unfrei fühlt, oder aber der Halter muss von der Haltung dieses Tieres Abstand nehmen.

Verbot der Wildtierhaltung in Privathaushalten und damit verbunden das Verbot von "Exotenbörsen"
Hier müsste man zunächst den Begriff „Wildtier“ definieren. Sind damit aus der Natur entnommene Tiere gemeint? Oder alle Tiere, die bei PETA als nicht domestiziert gelten? In diesem Fall habe ich eine schlechte Nachricht: Hunde, Katzen und Pferde sind auch nicht domestiziert! Sie befinden sich nur länger in Domestikation als andere Tiere. Doch die Übergänge sind fließend. Hauskatzen stammen genetisch aus Nordafrika und ihre Domestikation begann in Vorderasien. Sie sind somit auch exotisch. Wenn Katzen erkranken, verhalten sie sich wie Wildtiere und verkriechen sich zum Sterben lieber, statt ihr Unwohlsein zu offenbaren. Hunde drehen sich vor dem Schlafengehen im Kreis, um das Gras an ihrem Schlafplatz platt zu treten, obwohl sie sich auf einer Decke oder in einem Körbchen befinden. Und Pferde, die ein paar Wochen ohne Menscheneinfluss auf einer Weide gehalten werden, entwickeln wieder ihre natürliche Fluchtdistanz. Von einer abgeschlossenen Domestikation kann also keine Rede sein, weswegen sich diese Tiere nicht von anderen Wildtieren unterscheiden, die sich erst seit ein paar Generationen in menschlicher Obhut befinden. Ein Verbot der Wildtierhaltung müsste auch die Haltung von Hunden, Katzen und Pferden einschließen, die sich zwar seit einiger Zeit in Domestikation befinden, die jedoch nicht als domestiziert anzusehen sind.

Verbot von Vogelbörsen und -ausstellungen
In Bezug auf die Vogelhaltung verhält es sich wie mit jeder anderen Tierhaltung: Wer die jeweilige Spezies so halten kann, dass ihr keine Schmerzen, Leiden oder andere Schäden zugefügt werden, der sollte dies auch tun dürfen. Vögeln kann man ebenfalls künstliche Haltungsbedingungen bieten, welche die Anforderungen an eine artgerechte Haltung erfüllen (also eine Haltung, in der sich die Tiere nicht unfrei fühlen). Bei manchen Arten ist das sicherlich aufwendiger als bei anderen, aber die notwendige Sachkunde vorausgesetzt, ist es nicht unmöglich.

Massive Eindämmung der Zucht aller „Heimtiere“
Verbot von „Qualzuchten“

In diesem Punkt bin ich mit PETA durchaus einer Meinung. Egal ob nun Qual- und Massenzuchten bei Hunden, Katzen oder Reptilien – ich sehe diese Praktiken ebenfalls kritisch. Doch um diese Sache zu regeln, bräuchte man kein „Heimtierschutzgesetz“, sondern eher eine Art „Heimtierzuchtgesetz“. Denkbar wäre auch eine Änderung des § 22 Tier-LMHV und damit die Zulassung von Hunde- und Katzenfleisch als Lebensmittel, um einerseits die Tierheime und andererseits die Massentierhaltung zu entlasten. Das wäre doch eine Win-win-Situation für alle Beteiligten. Falls es für diese Art von Kost hierzulande Abneigungen gibt, bliebe schließlich immer noch der Export nach Asien.

Verkaufsverbot von Tieren im Zoohandel
Ausbildungsverordnung für Mitarbeiter des Zoohandels
Ein Verbot es Verkaufs von Tieren im unqualifizierten Zoohandel wird von mir unterstützt, weil ich selbst dort bereits eklatante Missstände erlebt habe. Dem kann man jedoch mit der Vermittlung von Fachkunde begegnen, was ja erst letztes Jahr durch eine Änderung des Tierschutzgesetzes (zumindest auf dem Papier) umgesetzt wurde: Neue Auflagen für gewerblichen Tierhandel nach § 11 TierSchG

Ein generelles Verbot des Zoofachhandels würde (ebenso wie Verbote von Tierbörsen) den Handel ins Internet verlagern, wo die Übergabe von Tieren dann z.B. auf Parkplätzen oder Bahnhöfen vonstattenginge. Dort natürlich ohne jegliche Fachberatung. Ist das die Zukunft, die PETA sich wünscht?

Verbot für Jäger, tierische Mitbewohner abzuschießen
In diesem Punkt werden die Emotionen der Tierhalter geweckt, die es grausam finden, wenn ihre Tierchen, die sie verantwortungslos ohne Aufsicht in die Natur entlassen, zum Schutz der einheimischen Artenvielfalt erschossen werden. Damit machen es sich die Halter aber sehr leicht. Das Wohlergehen der einheimischen Wildtierarten ist diesen Haustierhaltern offensichtlich egal. Der niedliche Stubentiger wird schon nichts anstellen. Leider falsch gedacht. Streunende Heimtiere sind ein negativer Einfluss des Menschen auf die Artenvielfalt, den es zu unterbinden gilt. Nicht nur durch Kastrationspflicht sondern auch durch aktive Bejagung und ein deutliches Verbot solcher Freigänge per Gesetz. Die Hauskatze hat den höchsten negativen Einfluss auf Arten von der Roten Liste und muss ebenso wie andere Alien Species aus unserer Natur entfernt werden. Ich schleppe doch nicht regelmäßig im Frühjahr Amphibien über die Straßen, damit sie wenig später als Mitbringsel von irgendwelchen „Freigängern“ auf irgendeiner Fußmatte abgelegt werden.

Aber vielleicht sehe ich das ja auch zu verbissen... Vielleicht sollte ich meine Schlangen und Spinnen einfach mit Peilsendern ausstatten, ihnen täglich ein paar Stunden „Freigang“ gewähren und sie danach wieder einfangen. Ist ja offenbar in Ordnung.

Fazit:
Brauchen wir ein Heimtierschutzgesetz? Nein, weil wir mit dem Tierschutzgesetz und den daran angegliederten Verordnungen sowie Gutachten bereits alle Werkzeuge besitzen, um den Tierschutz in Deutschland zu optimieren.

Aber geht es PETA überhaupt um Tierschutz? Geht es PETA um den schnellen Groschen jetzt zur Vorweihnachtszeit? Oder steckt da vielleicht sogar noch mehr dahinter? Wer würde letztlich von diesem Heimtierschutzgesetz profitieren? Natürlich illegale Händler auf dem Schwarzmarkt. Bereits jetzt sorgen mafiöse Strukturen dafür, dass Welpen aus Osteuropa über Internetinserate an gutgläubige Tierfreunde verschachert werden. Bereits jetzt karren sogenannte „Tierschutzorganisationen“ mitleiderregende Tierschutzfälle aus Ost- und Südeuropa nach Deutschland. Die örtlichen Tierheime in diesen Ländern liegen jedoch oftmals selbst in den Händen des organisierten Verbrechens. Wie kann ein Import von weiteren Tierheimtieren gerechtfertigt werden, solange unsere eigenen Tierheime überquellen? Wäre nicht zuerst einmal ein Verbot dieser Importe sinnvoll? Und welche Rolle spielen dubiose Tierrechtsorganisationen und ihre durchaus bewundernswerte Propagandamaschinerie dabei?

Fragen, über deren Antworten wir wohl leider nur spekulieren können. Ich weiß nur eines sicher: Lieber bringe ich mich durch eigene, ehrliche, ehrenamtliche Arbeit beim Tierschutz vor Ort ein, statt eine intransparente Organisation zu unterstützen, vor der die Stiftung Warentest warnt.
 

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