Donnerstag, 29. Oktober 2015

Skandal: Amazon löscht Frostfutter aus Sortiment!

Frostfutter (Symbolbild)
Bereits am 18. Oktober machte ein Artikel der BILD-Zeitung in den sozialen Netzwerken die Runde: BILD-Leser entdeckt Ekel-Angebot - Amazon stoppt Verkauf von toten Küken und Ratten

Ein Leser der BILD-Zeitung fand demnach zufällig Frostfutter bei Amazon, welches dort vom Drittanbieter „Tropic-Shop“ angeboten wurde. Er fand diese Produkte offenbar so befremdlich, dass er die BILD informierte, die bei Amazon nachfragte, woher diese toten Tiere stammen. Als Reaktion auf diese Anfrage soll Amazon laut BILD-Zeitung die Artikel umgehend gelöscht haben.

Dass der Anblick von Frostfutter bei manchen Leuten auf Unbehagen stößt, dafür habe ich durchaus Verständnis. Dass die Boulevardpresse eine solche Sache ausnutzt, wundert mich auch nicht. Was ich aber ganz scharf kritisiere, ist das Vorgehen von Amazon! Was unterscheidet z.B. gefrorene Küken von zerschredderten Küken in Katzenfutterdosen mit der Geschmacksrichtung Geflügel (man schaue nur mal auf die Rückseite einer solchen Dose und suche nach dem Begriff tierische Nebenerzeugnisse)? Nur weil ein Artikel noch die Tierleichen erkennen lässt, soll er ekelerregender sein als ein Produkt, welches aus einem mehr oder weniger homogenen Tierleichen-Brei besteht? Letztlich stammen diese Küken aus der konventionellen Geflügelzucht. Weil wir Menschen ständig Eier fressen müssen, werden überflüssige männliche Küken in der Tierzucht aussortiert, getötet und entsorgt. Letztlich steht jedes verkaufte Ei für eine Vielzahl an getöteten Eintagsküken. Dem sind sich die meisten Konsumenten jedoch nicht bewusst oder die Augen werden absichtlich davor verschlossen. Ein Ei sieht schließlich für die meisten Leute auch ästhetischer aus als ein totes Küken in der Gefriertruhe. Dabei handelt es sich bei einem Hühner-Ei um eine mit einer Art „Fruchtwasser“ gefüllten weiblichen Keimzelle, die aus derselben Körperöffnung gepresst wurde, aus der auch der Kot ausgeschieden wird. Hmm.... yummi!

Nachdem ich von diesem Vorfall gehört hatte, nahm ich Kontakt zum Anbieter Tropic-Shop auf, um mich nach dem aktuellen Stand zu erkundigen. Laut BILD-Zeitung sollte es Gespräche zwischen Amazon und dem Händler geben, die evtl. zu einer Einigung führen sollten. Das Ergebnis lautet laut Aussage des Tropic-Shop-Inhabers, dass Amazon die sog. „Ekel-Artikel“ gelöscht hat und diese auch nicht wieder in das Sortiment aufnehmen wird, weil diese Art von Artikeln künftig verboten sein soll.
 
In den Allgemeinen Geschäftsbedingungen kann man zur Stunde kein solches Verbot entnehmen. Es wäre auch ziemlich schwierig umzusetzen, denn wo will Amazon die Grenze ziehen? Welche Tierleichen-Produkte sind nach Ansicht von Amazon in Ordnung und welche sollen verboten werden? Als betroffener Händler hätte man sicherlich gute Chancen, rechtlich gegen die Löschung vorzugehen. Ich sehe darin nämlich das Wettbewerbsrecht gefährdet.

Anfrage bei Amazon
Selbstverständlich nahm ich auch noch Kontakt mit Amazon auf, bat um eine Stellungnahme und pochte darauf, dass nun auch meinem Ekelempfinden Folge geleistet werden müsse und die restlichen „Ekel-Artikel“ wie z.B. ganze Hähnchen und Forellen, eingelegte Weinbergschnecken aber auch Tierfutter mit geschredderten Eintagsküken, Pansen etc. aus dem Sortiment gelöscht werden müssten.  
 
Anmerkung: Ich ekele mich gewiss nicht vor jedem der genannten Produkte – im Gegenteil! Daher möchte ich an sich auch nicht, dass diese Artikel ebenfalls gelöscht werden. Mir ging es eher darum, auf eine Doppelmoral hinzuweisen. Denn Doppelmoral finde ich tatsächlich ziemlich ekelerregend!

In der ersten Antwort bat mich Amazon um die genaue Artikelnummer, auf die sich meine Anfrage bezog. Diese Bitte war natürlich absurd und zeigte mir, dass man sich bei Amazon mit dem Kern meiner Anfrage gar nicht richtig befasste. Wenn sich eine Anfrage auf die Löschung von Artikeln bezieht, kann man logischerweise keine Artikelnummern mehr nennen. Daher bat ich erneut um eine Stellungnahme und nannte stattdessen ein paar Artikelnummern von vergleichbaren „Ekel-Artikeln“. Diese befinden sich nun schon seit ca. einer Woche in Überprüfung von Amazon. Eine konkrete Stellungnahme zu der Löschung des Frostfutters habe ich bis heute leider nicht erhalten!
 
Mehrheit ist für den Verkauf solcher Artikel
Auf rosenheim24.de lief nach Bekanntwerden dieses Vorfalls eine Umfrage, ob solche Angebote auf Amazon erlaubt sein sollten. Die Mehrheit (78,58 %) sprach sich für solche Angebote aus, weil das ganz natürliche Dinge seien. Lediglich 21,42 % empfinden solche Angebote als ekelhaft und sind der Meinung, so etwas hätte auf Amazon nichts verloren.
 
Auch in den vielen Kommentaren in den sozialen Netzwerken wird deutlich, dass der Großteil erkannt hat, dass das Verfüttern von z.B. Nagetieren zur artgerechten Ernährung von diversen Reptilien wie einigen Schlangen gehört. Derartige Aussagen stammen nicht nur von Reptilienhaltern, sondern tatsächlich auch von anderen Tierfreunden, die selbst keine Reptilien in ihrer Obhut haben.
 
 
DV-TH e.V. berichtet über Vorfall
Der „Dachverband der Tierhalter“ hat sich natürlich nicht lumpen lassen und zeitnah ebenfalls einen (durchaus gelungenen) Artikel zu diesem Vorfall veröffentlicht: Das Schock-Sortiment von Amazon

Bezeichnend daran finde ich, dass Mitglieder dieses Vereins mir nach kritischen Bemerkungen gegenüber dem Verband vorwarfen, ich würde in den eigenen Reihen „herumwildern“, statt mich auf den Gegner zu konzentrieren. Die Tierschutz- und Tierrechtsvereine würden sich schließlich auch nicht gegenseitig schlecht machen. Dies mag man sehen wie man will, die Aussage wirkt aber insbesondere in Anbetracht des folgenden Zitates aus dem DV-TH-Artikel sehr amüsant:
Einziger Trost: Es ist ohnehin viel sinnvoller, sich sein Futter beim Zoofachhändler um die Ecke zu kaufen und nicht bei einem anonymen Internet-Anbieter.
Wie war das noch gleich mit „einer Krähe hackt der anderen kein Auge aus“? Nun stößt der DV-TH also nach den Gefahrtierhaltern auch noch die „anonymen Internet-Anbieter“, die teilweise vielleicht sogar Mitglied in diesem Verband sind, vor den Kopf. Dass es sich bei Tropic-Shop um einen anonymen Anbieter im Internet handeln soll, kann ich nach meinem aufschlussreichen Telefonat mit dem Inhaber nicht bestätigen. Bei Amazon sind sämtliche Angaben zu diesem Verkäufer ersichtlich. Es wundert mich aber auch nicht, dass dieser „Dachverband“ auf die örtlichen Ladengeschäfte pocht. Aber was weiß ich schon? Ich bin ja auch nur ein dubioser Blogger, der sich in der Anonymität des Internets versteckt...

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen