Mittwoch, 2. September 2015

Tierschutzbund macht mal wieder Stimmung gegen Exoten

Gestern veröffentlichte der Deutsche Tierschutzbund als Reaktion auf Medienberichte über aufgefundene Reptilien mal wieder eine Pressemeldung, in der er die Haltung von sogenannten „Exoten“ kritisiert: Ausgesetzte und entflohene Exoten: Deutscher Tierschutzbund fordert einheitliche gesetzliche Regelungen

Über die Grundsatzposition des deutschen Tierschutzbundes und seine verdrehten „Fakten“ habe ich bereits letztes Jahr ausführlich berichtet: Deutscher Tierschutzbund e.V. über Exoten im Privathaushalt
 
In der aktuellen Pressemeldung wird erneut der übliche Blödsinn verbreitet. Beispielsweise die manipulierten Zahlen einer Tierheimbefragung (in fünf Jahren wurden keine 30.000 Reptilien abgegeben, sondern nachweislich nur 9.068). Der verschwindend geringe Anteil an potentiell gefährlichen Reptilien, die in diesem Zeitraum in den Tierheimen des Deutschen Tierschutzbundes untergekommen sind, wird in der Pressemeldung mit den Worten „Es landeten aber auch potenziell gefährliche Arten, wie Schnappschildkröten, Riesenschlangen, Warane oder ein Brillenkaiman, in den Händen des Tierschutzes“ aufgegriffen und somit als besonders erwähnenswert dargestellt.

Was daran jedoch besonders erwähnenswert ist:
In fünf Jahren waren 11 als potentiell gefährlich anzusehende Reptilien in den befragten Tierheimen untergebracht zzgl. 19 Alligator- und Schnappschildkröten, die bereits in ganz Deutschland verboten sind. Diese werden ebenso wie die in der Pressemeldung genannten Warane in der Studie nicht zu den gefährlichen Tieren gezählt. Unter den tatsächlich als gefährlich anzusehenden Tieren waren 1 Kaiman, 2 Giftschlangen und 8 potentiell gefährliche Riesenschlangenarten (4 Tigerpythons, 1 Netzpython und 3 Grüne Anakondas) – größtenteils in Bundesländern, welche die Haltung dieser Tiere bereits geregelt (verboten) haben. Umgerechnet auf die Gesamtzahl der Tierheimabgaben machen gefährliche Reptilien statistisch unbedeutende 0,1 Prozent aller Tierheimen-Reptilien aus. Legt man die hochgerechnete Zahl zugrunde, sind es sogar nur 0,04 Prozent. Die Nennung dieser Tiere in der Pressemeldung ist objektiv betrachtet vollkommen unnötig. Tierheimbestände von bereits verbotenen Tieren zur Untermauerung weiterer Verbote zu nennen, erscheint mit schlicht und ergreifend dumm.

Der Tierschutzbund teilte seine Propaganda natürlich auch auf Facebook. Es ist sehr erfreulich, dass sich in den Kommentaren ein großer Widerstand regt und immer mehr „Exotenhalter“ aufwachen und dort ihre Meinung zu den dubiosen Machenschaften des Tierschutzbundes hinterlassen. Besonders lächerlich wirkt die Anti-Exoten-Propaganda des Vereins deswegen, weil auf derselben Facebook-Seite kurze Zeit später ein Artikel über die Situation in Tierheimen bzgl. Hunden und Katzen geteilt wurde. Darin wird auf einen Artikel aus dem Jahre 2014 verwiesen, in dem der Tierschutzbund von bis zu 130.000 Katzen in deutschen Tierheimen sprach: Zu viel Nachwuchs: Tierheime befürchten Katzenschwemme

Die ca. 1.800 Reptilien pro Jahr in den Tierheimen des Tierschutzbundes werden von diesem Verein also als eine große Überforderung der Halter und als ein immenses Tierschutzproblem interpretiert, welches ein generelles Verbot unumgänglich machen soll, während 130.000 Tierheim-Katzen den Tierschutzbund nicht mal ansatzweise an ein Verbot denken lassen. Hier zeigt sich erneut die Doppelmoral des Deutschen Tierschutzbundes!

Fazit:
Abschließend muss ich erneut betonen, dass die vom Tierschutzbund geforderte Positivliste die Situation sogar noch verschlechtern würde. Derzeit regeln Terrarianer die Abgabe bzw. Weitergabe von Tieren primär unter sich. Dies wäre nach Beschluss einer Positivliste nicht mehr möglich und Tierheime sowie Auffangstationen müssten öfter einspringen. Außerdem würden aufgrund der Illegalisierung der Wildtierhaltung vermehrt Tiere ausgesetzt, weil Halter zunehmend rechtliche Konsequenzen befürchten müssten. Dies zeigen die auch heute schon immer wieder ausgesetzten Schnappschildkröten und die sog. „Gefahrtiere“ in den Bundesländern, welche die Haltung besonders streng reglementiert haben. Auch das ehrenamtliche Engagement von verantwortungsvollen Terrarianern, die zur Entlastung der Tierheime und der öffentlichen Hand bereitwillig einspringen, wenn es zu „Exotenfunden“ kommt, würde nach Beschluss einer Positivliste außer Kraft gesetzt.

Bringt der Tierschutzbund dies dann meinem örtlichen Tierschutzverein schonend bei oder muss ich das selbst übernehmen? Und warum muss ich bei der ganzen Anti-Exoten-Propaganda eigentlich immer an fremdenfeindliche Parolen denken?


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