Sonntag, 20. September 2015

Tierrechtler vs. Tiernutzer: Upps, ich bin ein Veganer!

Nicht nur bei der aktuellen Flüchtlingskrise erleben wir das, was Soziologen „gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit“ nennen, sondern auch beim leidigen Kampf zwischen Tierrechtlern und den Personen, die diese als „Tiernutzer“ bezeichnen (wenn sie denn mal ausnahmsweise nicht solche Wörter wie Mörder, Tierschänder etc. aus ihrem Wortschatz kramen). Auffällig ist, dass dieser Kampf primär von Seiten der Tierrechtler ausgeht, die dabei immer wieder auch zu strafrechtlich relevanten Mitteln (Verleumdung, üble Nachrede, Hausfriedensbruch, terroristische Anschläge usw.) greifen. Gerechtfertigt wird dieser Hass auf alle Tiernutzer damit, dass man ja schließlich etwas für schwächere Wesen unternimmt, deren Rechte sonst keine Beachtung finden. 

Tierrechtler sind häufig von Grund auf frustrierte Menschen. Da sie z.B. in ihrem Job oder in ihrem Familienleben mit Konflikten zu kämpfen haben, die sie nicht bewältigen können, sind sie dauerfrustriert. Der Kampf gegen Tiernutzer stellt dabei ein Ventil zur Spannungsentladung dar. Und weil in Zeiten des Internets insbesondere auf den Websites einschlägiger Tierrechtsvereine schnell Mitstreiter gefunden werden, entsteht ein nicht mehr gekanntes Gemeinschaftsgefühl und die Tierrechtler fühlen sich stark. Sich über einen Tiernutzer zu stellen und ihn z.B. als Tierquäler zu beschimpfen, erhöht bei diesem Typ von Tierrechtler das eigene Ego. Man fühlt sich im Sumpf des unerfüllten Lebens endlich mal wieder für einen kurzen Moment lang stark. Diese Form von Tierrechtlern lenkt davon sehr gerne ab, indem sie Tiernutzern eben dieses Verhalten unterstellen. Beispielsweise mit der Behauptung, Exotenhalter würden ihr Ego dadurch stärken, dass sie sich mit exotischen Wildtieren schmücken. In Hinblick auf die ganzen politischen Repressalien und den starken Gegenwind seitens der von den Tierrechtssyndikaten aufgehetzten Bevölkerung, mit denen Exotenhalter zu kämpfen haben, ist diese Unterstellung einfach nur lächerlich und soll von den eigenen Unzulänglichkeiten der Tierrechtler ablenken.

Tierrechtler reagieren außerdem mit Angst und Abneigung auf Tiernutzer, weil sie deren Aktivitäten nicht verstehen. Veganismus und Tierrechtsaktivismus sind Großstadtphänomene. Die Naturentfremdung führt zu Unverständnis, diese führt zu Ängsten und diese wiederum zu Abneigung von Vorgängen, die in ländlichen Regionen als vollkommen natürlich und somit normal empfunden werden (Tierhaltung, Schlachtung, Jagd usw.). Die Angst vor dem Fremden entwickelt sich nicht nur bei der Zuwanderung, sondern auch bei der Tiernutzung schnell zu einer Art von Fremdenhass. Im Falle der Exotenhaltung fällt es umso leichter, Abneigungen zu empfinden, denn wer will schon Schlangen, Spinnen oder anderes Getier in der Nachbarschaft haben? Gegen die Tiere selbst zu hetzen, ist jedoch nicht so chic, wie seine Abneigungen ganz einfach unter dem Deckmantel eines veganen Tierrechtsaktivismus zu verstecken. Schließlich fühlt man sich dabei gleich noch als der bessere Mensch, weil man ja etwas für Tiere getan hat, mit denen man sich aber eigentlich gar nicht so sehr befassen möchte und von deren Bedürfnissen man ohnehin keinerlei Ahnung hat.

Veganismus ist inzwischen auch eine gesellschaftsfähige Ersatzreligion geworden und wird als moderner und gesunder Lifestyle beworben. Wer vegan lebt, ist gesund, sexy und glücklich. So jedenfalls die Suggestion einer Industrie, die mit dem Veganismus-Trend gutes Geld verdient und für die jede Art von Tiernutzung eine bedrohliche Konkurrenz darstellt. Man fürchtet um seine eigenen Werte, um seinen Status und seine Güter. Deswegen werden Tiernutzer als das abgrundtief Böse dargestellt, während nur der Veganer der einzig wahre Gutmensch ist. Von blutrünstiger Völlerei zum veganen Sojadrink, vom Ablasshandel zur PETA-Spende.

Wer jedoch wirklich eine gute Tat vollbringen möchte, der baut seine eigenen Vorurteile ab und versucht die Thematik nicht aus dem Bauch heraus zu bewerten, sondern anhand von Fakten.

Wenn man z.B. die private Haltung von Schlangen kritisiert, weil sich das einfach gut anfühlt, jedoch selber z.B. Katzen hält, sollte man schon wissen, dass die Mindesthaltungsrichtlinien des BMEL für die Schlangenhaltung Terrarien von wenigen Quadratmetern nennen, die Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz e.V. für Hauskatzen jedoch mind. 15 m² häuslichen Lebensraum empfiehlt. Dass also zumindest vom Platzbedarf Schlangen (wie auch andere Reptilien) wesentlich einfacher artgerecht und zugleich sicher zu halten sind als Hauskatzen.

Wer sich „tierleidfreie“ Plastikkleidung mit „PETA-Approved Vegan“ Logo aus Übersee importiert, der sollte bedenken, dass allein auf dem Transportweg sehr viel mehr Tiere verletzt und getötet wurden, als es bei der Produktion von regionaler Leder- oder Schafswollkleidung jemals möglich wäre, die noch dazu häufig länger gebrauchsfähig ist.

Wer überzeugt davon ist, dass Veganismus sich darin äußert, dass man in der Summe möglichst wenig Tierleid erzeugt, sollte erkennen, dass das regionale Wildfleisch eines weidgerecht erlegten Tieres, von dem mehrere Menschen satt werden können, in der Summe weniger Tierleid pro Kopf verursacht als vegane Fertigkost aus dem Supermarkt mit all ihren Pestizid- und Mähopfern. Nach der Logik des geringsten Tierleids bin ich als Regional-Wildfleischfresser und somit Befürworter der Jagd sehr viel eher als Veganer zu bezeichnen als die allermeisten Großstadtveganer! Mit Erschrecken musste ich darüber hinaus feststellen, dass der Großteil meiner Brotaufstriche und sogar mein Shampoo ein Vegan-Logo tragen...
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Um diese Gemeinsamkeiten zu erkennen, braucht es jedoch von beiden Seiten die Bereitschaft, sich auf „das Fremde“ einzulassen. Als Tiernutzer ist dies fast unmöglich, weil Tierrechtler, sobald sie sich in ihrer veganen Ersatzreligion angegriffen fühlen, erfahrungsgemäß für alle Sachargumente taub sind und am Ende nur noch mit persönlichen Beleidigungen ihren Standpunkt verteidigen können. Schließlich liegen Tierliebe und Menschenhass sehr nahe beieinander. Die engagiertesten Tierrechtler sind meiner Erfahrung nach leider auch immer die größten Misanthropen. 

Anmerkung:
Wenn engagierte Tierschützer, zu denen ich mich selbst zähle, etwas im Rahmen der rechtlichen Möglichkeiten unternehmen, um die „Rechte“ der Tiere durchzusetzen, welche z.B. im Tierschutzgesetz verankert sind, dann ist das nicht mit den Aktivitäten von Tierrechtlern zu vergleichen, die regelmäßig versuchen, Menschenrechte außer Kraft zu setzen, um vermeintliche Tierrechte durchzusetzen. Siehe dazu auch meinen Beitrag Begriffserklärung: Artenschutz, Tierschutz und die lieben Tierrechtler  


1 Kommentar:

  1. Präzise geschrieben, die Sache auf den Punkt gebracht..
    Kann dem voll zustimmen.
    Danke.

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