Dienstag, 15. September 2015

Salmonellen-Infektionsrate bei Reptilien so hoch wie bei Hunden und Katzen

Schon mehrmals erläuterte ich, warum die Angaben über eine Infektionsrate mit Salmonellen bei Reptilien in Höhe von bis zu 90 Prozent des Robert Koch-Institutes (RKI) nicht repräsentativ für die in Gefangenschaft gehaltenen Reptilien sind. Untersucht wurden in den Studien, auf welche sich das RKI bezieht, nämlich nur bereits auffällige Reptilien in Haushalten, in denen bereits Kinder an einer Salmonellose erkrankten. Wer wen angesteckt hat und ob nicht vielleicht sogar andere Tiere wie Hunde oder Katzen im Haushalt der eigentliche Infektionsherd waren, wurde in einer RKI-Studie von RABSCH et al. gar nicht näher betrachtet. Allein von der Marktverteilung her ist anzunehmen, dass beim Großteil der untersuchten Haushalte auch diese klassischen Heimtiere vorhanden waren und somit eine potentielle Infektionsquelle darstellten. Auch die Tatsache, dass es sich um keine Blindstudie mit Tieren aus unauffälligen Haushalten handelte, entbehrt dieser Studie jeder Interpretationsgrundlage in Bezug auf alle in Gefangenschaft gehaltenen Reptilien. Es ist regelrechter Wahnwitz, die Ergebnisse des Robert Koch-Institutes auf alle Reptilien in deutschen Haushalten zu übertragen! 

Zur Untermauerung der 90-Prozent-Angabe wird auch gerne auf eine Studie von WOODWARD et al. Bezug genommen, die jedoch lediglich Schildkröten aus kanadischen Zuchtfarmen untersuchte, die mit Schlachtabfällen aus der Geflügelzucht gemästet wurden. Die in dieser Studie ermittelte Infektionsrate von bis zu 90 Prozent kann somit ebenfalls nicht als die tatsächliche Infektionsrate mit Salmonellen bei in Gefangenschaft gehaltenen Reptilien genannt werden.

Nun wurde in Kroatien eine Studie durchgeführt, die endlich mal keine auffälligen Verdachtstiere auf Salmonellen untersuchte und somit wesentlich repräsentativer ist. Und das schreibe ich nicht nur als von der „Salmonellenpanikmache“ betroffener Exotenhalter, sondern als leitender Angestellter in einem wissenschaftlichen Prüflabor und somit Kenner von wissenschaftlicher Objektivität. Untersucht wurden 200 augenscheinlich gesunde Reptilien (darunter Schlangen, Echsen und Schildkröten). Ergebnis: Die Infektionsrate mit Salmonellen bei in Gefangenschaft gehaltenen Reptilien beträgt 13 Prozent.

Damit bergen Reptilien ein kaum höheres Infektionsrisiko als Hunde oder Katzen. Eine britische Studie kam zu dem Ergebnis, das jeder zehnte Hund mit Campylobacter oder Salmonellen infiziert war. KRAFT & DÜRR geben für Hauskatzen eine Salmonellen-Infektionsrate in Höhe von 11 Prozent an. 

Zusammenfassend lässt sich also sagen, dass etwa jeder zehnte Hund, jede zehnte Katze und jedes zehnte Reptil Salmonellen ausscheidet und theoretisch auf den Menschen übertragen kann, was insbesondere für kleine Kinder, ältere Personen und Personen mit einer Immunschwäche eine potentielle Gefahr darstellt.

Empfehlungen zur Einhaltung von hygienischen Standards (kein Kontakt zu Lebensmitteln, Händewaschen nach Kontakt etc.) sind somit bei Reptilien und auch bei klassischen Haustieren angebracht. Panikmache oder gar Verbotsforderungen unter Berufung auf das angebliche besonders hohe Zoonose-Risiko sind jedoch absurd! Würde man dies objektiv zu Ende führen, käme man zu der Erkenntnis, dass Reptilien im Alltag kaum mit Menschen in direkten Kontakt kommen und nach Reinigungsarbeiten ein Händewaschen problemlos eingeplant werden kann. Hunde und Katzen als soziale Haustiere hingegen treten häufiger in Kontakt zum Menschen und die Hygienemaßnahmen werden dabei häufiger vernachlässigt. Zu Bedenken wäre dabei auch, dass Keime von wechselwarmen Tieren nicht unbedingt auf den Menschen übertragen werden können, ganz im Gegensatz zu den Keimen von Hunden oder Katzen. Wer also nach Verboten schreien möchte, kann dies gerne bei den Tieren tun, die eine potentiell höhere Infektionsgefahr für den Menschen darstellen. Aber das sind eindeutig nicht Reptilien!


Literatur:
Maja Lukac, Karl Pedersen, Estella Prukner-Radovcic; PREVALENCE OF SALMONELLA IN CAPTIVE REPTILES FROM CROATIA; 2015 

Kraft W. & Dürr U.M.; Katzenkrankheiten; 1996

 

Kommentare:

  1. Egal ob Reptil, Katze oder Hund: Fleisch vor dem Verzehr gleichmäßig mind. 10 Minuten bei mind. 70°C erhitzen!

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  2. @ Anonym : Na das bring mal meinen Boas bei, das es nur noch gekochte Ratten gibt.gg
    Wunderbar Informativer Beitrag. Danke

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    1. Vielen Dank.

      Ich habe den anonymen Kommentar übrigens ganz anders verstanden. Nämlich dass man das Reptilien-, Katzen- oder Hundefleisch vor dem Verzehr durchgaren soll. ;-D

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