Sonntag, 31. Mai 2015

Immer mehr Menschen halten sich giftige Reptilien

...und immer mehr Schmierblätter betreiben eine Volksverhetzung in Bezug auf die Haltung von potentiell gefährlichen Wildtieren: Wehe, wenn Mamba und Co. ausbüxen 
In diesem Artikel heißt es:
Rund vier Millionen Reptilien halten sich deutsche Liebhaber als „Haustiere“.
Grüne Mamba (Dendroaspis viridis)
Eine Quelle für diese Anzahl wird nicht genannt. Mal sind es laut Medienberichten vier Millionen Haushalte, in denen Reptilien gehalten werden, nun sind es vier Millionen Reptilien bundesweit. Was stimmt denn nun? Leider ist da wohl offenbar das Komma verrutscht. Absicht? Wer weiß... Fakt ist, dass er Zentralverbands Zoologischer Fachbetriebe (ZZF) für das Jahr 2009 bundesweit etwa 0,4 Millionen Terrarien (= 400.000!) in deutschen Haushalten angab. Die für das Jahr 2014 vom ZZF veröffentlichten Zahlen sprechen inzwischen von 800.000 Terrarien in 1 Prozent der deutschen Haushalte (= ca. 400.000 Haushalte).

Eine Angabe über die genaue Anzahl der darin gehaltenen Reptilien wird vom ZZF nicht gemacht. Laut einer Studie der European Pet Food Industry Federation (FEDIAF) aus dem Jahr 2012 befinden sich in der deutschen Heimtierhaltung etwa 1.350.000 Reptilien. Woher die Angabe der vier Millionen Reptilien stammt, gibt der intransparente Artikel leider nicht preis.

Doch von der genauen Anzahl mal abgesehen: Beim Großteil der gehaltenen Reptilien handelt es sich um vollkommen harmlose Arten!
Allein in Köln hatte die Feuerwehr im vergangenen Jahr 39 Schlangen-Einsätze, 68 Reptilien mussten in Düsseldorf einfangen werden.
Im Jahr 2013 wurden von der Feuerwehr Köln 1667 Tiereinsätze durchgeführt, wobei es sich bei 19 Stück um Einsätze mit als „exotisch“ anzusehenden Schlangen handelte. Im Jahr 2009 waren es 36 Schlangeneinsätze, bei dem es sich bei lediglich einem um eine Giftschlange handelte. Hier werden für vergangenes Jahr also auch wieder Einsätze mit harmlosen Tieren genannt, die mit der Gefahrtierhaltung nichts zu tun haben!

Von der Düsseldorfer Feuerwehr habe ich im Herbst 2014 bereits auf Anfrage die Auskunft bekommen, dass es sich bei den Einsätzen nicht nur im Einsätze mit „gefährliche Exoten“ handelte, sondern auch um Einsätze mit einheimischen Tieren (siehe Falsche Zahlen in der Rheinischen Post zum NRW-Gefahrtiergesetz)!

Es mag zwar sein, dass immer mehr sogenannte „Exoten“ gehalten werden und somit auch häufiger aus einer Haltung entkommen. Der Anteil an Vorfällen mit „Gefahrtieren“ ist und bleibt aber sehr gering. Dies bestätigte mich auch der Leiter der Reptilien-Fachkundigengruppe der Feuerwehr Düsseldorf Michael Harzbecker mit den Worten: „Bissverletzungen betrafen bis dato immer nur den Halter und nicht andere Bürger.“

Zum Abschluss werden noch ein paar spektakuläre Fälle mit „Gefahrtieren“ ausgegraben, wie z.B. der Fund einer „südamerikanische Kornnatter“ in Euskirchen.

Auch die Infokästen sind sehr suggestiv:
Am häufigsten findet man die Königspython in Terrarien. Sie wird maximal zwei Meter lang und ist eine Würgeschlange.
Vor allem ist DER Königspython für Menschen absolut harmlos!
Und schließlich werden Schildkröten gehalten. Unproblematisch ist die griechische Landschildkröte. Als gefährlich gilt die Schnappschildkröte, die sehr bissig ist und ca. 50 cm groß werden kann.
Vor allem ist die Haltung letztgenannter Schnappis in Deutschland bereits verboten, was dazu führte, dass ausgesetzte Exemplare seit Jahren eine Sightseeingtour durch deutsche Baggerseen machen.
Die private Haltung von besonders gefährlichen und giftigen Tieren soll vermutlich ab Herbst verboten werden.
Grund dafür sind keine Vorfälle mit gefährlichen „Exoten“ (weil diese statistisch bisher nämlich keinerlei Rolle spielten), sondern zu einem großen Teil der stetige Gesinnungsjournalismus von Stammtischschmierblättern, die den ohnehin schon verblödeten Pöbel in Panik versetzen und gegen engagierte Tierhalter aufhetzen. Vielen Dank auch dafür!

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