Dienstag, 28. April 2015

Scheißhausparolen gegen die Exotenhaltung

Warum muss man sich als Terrarianer eigentlich ständig rechtfertigen und sich mit dem gefährlichen Halbwissen von Leuten herumplagen, die aus dem Bauch heraus die Haltung von exotischen Wildtieren in Privathand für verwerflich halten? Vermutlich weil sich die Dummheit schnell vermehrt. Dumm fickt eben gut und benutzt kein Gummi. Mit Sachargumenten kommt man gegen die ignorante Einstellung dieser Leute schlicht und ergreifend nicht an. Zu tief sitzen die romantischen Vorstellungen von heilen Lebensräumen und grenzenloser Freiheit der Wildtiere in ihren natürlichen Lebensräumen. Viel zu schnell werden alle Tiere auf eine Ebene gestellt und ihnen Emotionen zugesprochen, die sie aufgrund ihrer unterschiedlich entwickelten kognitiven Fähigkeiten gar nicht besitzen. Hund und Katze werden ebenso vermenschlicht und ihre Haltung für leicht empfunden, jedoch dabei übersehen, dass diese hochentwickelten Säugetiere Ansprüche haben, derer man in Privathand zumindest in der heutigen Zeit kaum noch gerecht werden kann. Aber statt an der eigenen Tierhaltung etwas zu verändern, wird kollektiv auf die bösen Wildtierhalter gezeigt und mit fadenscheinigen Argumenten um sich geworfen. Radikaler Tierschutz wird heute zu einer Ersatzreligion und fanatische Anhänger ohne auch nur einen Hauch von Sachkenntnis predigen ihre Scheißhausparolen, mit denen man sich als Terrarianer herumschlagen muss:

Exotische Wildtiere wie z.B. Riesenschlangen leben im tropischen Urwald und bewohnen dort große Gebiete. Das kannst du ihnen im Terrarium gar nicht bieten!

Davon abgesehen, dass nicht jeder „Exot“ aus dem tropischen Regenwald stammt: Eine Riesenschlange frisst, verdaut ein paar Wochen in einem Versteckt, kommt raus, sucht Beute, frisst, verdaut wieder mehrere Wochen usw. Ab und zu wird dann auch mal für ein paar Tage im Jahr nach einem Geschlechtspartner gesucht. Die angeblich so großen Territorien werden gar nicht genutzt, wenn die Lebensbedingungen vor Ort stimmen. Die Natur ist ein gefährlicher Ort, daher wäre es für diese Tiere leichtsinnig, wenn sie ständig ohne triftigen Grund umherstreifen würden, um ihre Freiheit zu genießen (das kann sich nur der Mensch am oberen Ende der Nahrungskette erlauben). Sie streifen nur aus der Not heraus umher, wenn die Lebensumstände nicht mehr passen. Diese Nöte zu verhindern ist Aufgabe des Tierhalters. Beispielsweise durch Beregnungsanlagen, Zeitschaltuhren zur Steuerung des Tages- und Jahresrhythmus oder modernen Leuchtmitteln mit sonnenlichtähnlichem Spektrum inkl. UV-Anteil (wovon so manches andere Kleintier nur träumen kann). Im Vergleich zu den menschlichen Bedürfnissen entspricht ein für Außenstehende „kleines“ Schlangenterrarium einem ganzen Wohnblock inkl. kostenloser Ver- und Entsorgung.

Aber Wildtiere fühlen sich trotzdem in Gefangenschaft nicht wohl. Sie wollen frei sein. In Gefangenschaft sind sie doch total unglücklich!

Das Gefühl des Gefangenseins und andere Emotionen entstehen durch die emotionale Bewertung von niederen Reizen in der Großhirnrinde. Dort (im präfrontalen Cortex) entsteht das Ich-Gefühl und nur mit einem solchen, kann man sich gefangen fühlen. Vergleicht man ein Reptilien- oder Amphibiengehirn mit einem Säugetiergehirn, wird ein anatomischer Unterschied schnell deutlich:


Wo ist denn da die Großhirnrinde? Sie ist bei niederen Wirbeltieren wie Reptilien und Amphibien kaum ausgebildet oder fehlt bei Wirbellosen sogar komplett. Dieser anatomische Unterschied liegt in der Evolution begründet: Nachdem die Reptilien während ihrer Evolution zum Säugetier ihre Schuppen verloren, wurde die Haut ein empfindliches Sinnesorgan. Um die Hautreize zu verarbeiten, war ein komplexeres Gehirn nötig. Dadurch wurde einer der ersten Grundsteine für das heutige menschliche Bewusstsein geschaffen. Das „Freiheitsgefühl“ eines Reptils mit dem eines Säugetiers zu vergleichen und beide auf dieselbe emotionale Stufe zu stellen, beruht somit auf biologischer Unkenntnis. Was wird heute eigentlich an den Schulen gelehrt? Bei wechselwarmen Tieren wie Reptilien liegt ein weiterer physiologischer Unterschied zu Säugetieren darin, dass sie nicht fressen müssen, um ihre Körpertemperatur zu halten. Sie laufen von Natur aus auf Sparflamme, um keine Energie zu verschwenden. Allein schon dadurch verringert sich ihre Aktivität immens. Bei niederen Wirbeltieren entstehen Verhaltensauffälligkeiten nur dann, wenn man sie in ihren natürlichen Lebensgewohnheiten einschränkt. Beispielsweise wenn man ihnen nicht ihren Vorzugstemperaturbereich bietet. Tut man dies und beachtet auch die restlichen Anforderungen dieser Tiere, ist eine artgerechte Haltung sehr wohl möglich. Die typischen Terrarientiere sind somit weder „glücklich“ noch „unglücklich“ in Gefangenschaft, solange keine niederen Reize (z.B. Hunger, Durst, Schmerz usw.) entstehen und nicht befriedigt werden. Diese Reize so zu steuern, dass es dem Tier gut geht, ist Aufgabe des Tierhalters.

Aber die Wildtiere werden aus der Natur entrissen, was oft sehr schmerzhaft ist, und leiden auf dem Transport Qualen. Außerdem fördert dieser Raubbau den Artenschwund!

Lediglich 24 Prozent der in Deutschland gehaltenen Reptilien stammen aus Importen - Tendenz seit Jahren sinkend, weil immer mehr einheimische Nachzuchten die Nachfrage decken können. Bei der Mehrheit der Importe von geschützten Tiere handelt es sich ebenfalls um Nachzuchten. Die Ausfallquote auf dem Transport lag bei wildgefangenen Reptilien laut unabhängiger Studien in den Jahren 1994 und 1996 zwischen 1,97 und 3,88 Prozent. Seitdem gab es kaum eine repräsentative Studie von unabhängiger Quelle zu diesem Thema. Die Tiere sind das Kapital der Importeure. Ein totes oder krankes Tier bringt kein Geld, somit liegt es im Interesse der seriösen Händler, dass die Tiere gesund im Handel ankommen.

Solange die Landesbevölkerungen durch die nachhaltige Nutzung der Lebensräume mit den Wildfängen Geld verdienen können, werden die Populationen geschützt. Würden jedoch keine Naturentnahmen mehr verkauft, müssten sich die Bevölkerungen eine andere Einnahmequelle suchen. Beispielswiese durch konventionelle Landwirtschaft, Goldschürfen etc., wodurch die Lebensräume zerstört würden (z.B. durch Rodung, Pestizide und Quecksilbereintrag). Das wäre das endgültige Aus für die Tierpopulationen und der wahre Artenschwund.

Viele Arten existieren nur noch, weil sich die Terraristik ihrer angenommen hat. Kaum jemand interessiert sich für „Ekeltiere“ wie Schlangen oder Spinnen, außer spezialisierte Wissenschaftler und private Terrarianer. Die Terraristik ist gelebter Tier- und Artenschutz!

Aber die Nachzucht findet unter Qualen z.B. in dunklen Schubladensystemen statt!

Manche Arten neigen zwar mitunter zu sogenannter Panikvermehrung, doch damit kann man schlicht und ergreifend keinen sich selbst erhaltenen Zuchtstamm aufbauen. Dies ist nur möglich, wenn sich die Tiere in ihrem künstlichen Lebensraum wohlfühlen. Dies zu gewährleisten ist Aufgabe des Tierhalters. Nur weil die Presse mit Pseudologiehintergrund immer mal wieder Einzelfälle von schlechter Tierhaltung aufbauscht, entspricht die organisierte Terraristik diesem Bild in keiner Weise.

Aber die Halter sind schnell überfordert oder gelangweilt und vernachlässigen die Tiere oder setzen sie aus!


Diese Tierschutzproblematik findet man primär bei Haustieren, insbesondere bei Hunden und Katzen, was sofort deutlich wird, wenn man mal einen Blick in die Tierheimstatistiken wirft. Auch hierbei spricht der anatomische Unterschied eher für die Haltung von Terrarientieren. Hunde sind Rudeltiere und wollen ihre Beute selber jagen. Wird ihnen dies in der heutigen Haltung geboten? Katzen sind ebenfalls Raubtiere und haben einen Jagdtrieb. Können sie diesen heutzutage ausleben, ohne dabei den Straßenverkehr oder die heimische Fauna zu gefährden? Wohl eher nicht. Mit diesen Tieren muss man sich als Halter mehrmals täglich beschäftigen, was bei einem Reptil nicht notwendig ist. Dass immer mehr Haustierprobleme auch bei „Exoten“ auftreten, zeigt lediglich, dass diese Tiere nicht immer nur von sachkundigen Leuten gehalten werden. Wenn Überforderung von einzelnen Haltern jedoch ein Argument gegen die gesamte Haltung dieser Tiere ist, dann gehören Hunde und Katzen noch heute verboten.

Aber Wildtiere bleiben wild und sind daher unberechenbar. Außerdem zeigen sie instinktiv nicht, wenn es ihnen nicht gut geht!

Ein Wildtier ist meiner Meinung und Erfahrung nach sogar sehr viel leichter einzuschätzen als z.B. ein Haushund. Wildtiere fliehen oder drohen, wenn sie sich bedrängt fühlen. Ein Hund ist jedoch so sehr an den Menschen gewöhnt, dass er aus heiterem Himmel zum Angriff übergehen kann und dabei noch freudig mit dem Schwanz wedelt. Dies geschieht in regelmäßigen Abständen und betrifft häufig Unschuldige, darunter oftmals sogar Kinder. Katzen wiederum sind Wildtieren sehr ähnlich, wenn es darum geht, eine Krankheit bis zum Ende zu verheimlichen. Auch mit diesen Argumenten gehören Hunde- und Katzenhaltung sofort verboten.

Aber die Ernährung von Reptilien wie z.B. Schlangen mit lebenden Nagetieren birgt große Tierschutzprobleme!

Wenn das Verfüttern von lebenden Tieren notwendig ist, damit ein Reptil frisst, ist dies tierschutzrechtlich unbedenklich. Außerdem stellt es eine naturnahe und somit artgerechte Ernährung gemäß § 2 TierSchG dar. Dennoch lassen sich viele Tiere an Frostfutter gewöhnen, was z.B. aufgrund der Sicherheit des Reptils vor Bissverletzungen durchaus anzuraten ist. Bei Tieren, die eine Umstellung auf Totfutter nicht akzeptieren, ist die Lebendfütterung laut aktueller Rechtssprechung sowie gemäß der Mindestanforderungen an die Haltung von Reptilien zulässig.


Im Vergleich dazu entspricht die von Möchtegerntierschützern immer häufiger praktizierte einseitige vegane Ersatzernährung von Raubtieren wie Hunden oder Katzen nicht dem Tierschutzgesetz. Die Tiere strafen ihre leichtfertigen Halter danach oft mit einer Futtermittelallergie und werden krank. Doch selbst die artgerechte Ernährung dieser Raubtiere mit Fleisch wird sehr oft auf Dosenfutter beschränkt. Aber kann Dosenfutter mit Fleisch aus der Massentierhaltung für hochspezialisierte Raubtiere artgerecht sein?

Aber Frostfutter ist auch nicht besser! In Zoogeschäften werden tote Mäuse und Küken verkauft, die lebendig eingefroren wurden!

Wenn dies in kleinen Zoofachgeschäften vereinzelt mal geschieht, ist dies zwar verwerflich, entspricht jedoch nicht den Praktiken der kommerziellen Futtertierzucht. Frostfutter, das von großen Ketten vermarktet wird, stammt aus kontrollierten Zuchtbetreiben, die im Rahmen des Tierschutzgesetzes agieren. Die Tötung findet vor dem Frostprozess mittels CO2-Begasung statt, was tierschutzrechtlich erlaubt ist und allein schon daran erkannt werden kann, dass die Nagetiere in Reih und Glied verpackt werden. Es ist wohl eher zu bezweifeln, dass sie sich während des Frostens noch schnell selber in eine stabile Seitenlage begeben haben:


Bei den Frostfutter-Küken handelt es sich um männliche Eintagsküken aus der konventionellen Geflügelzucht. Diese landen nicht nur als Frostfutter in den TK-Truhen der Zoofachgeschäfte, sondern auch in Hunde- und Katzenfutter. Darin findet man neben Fleisch aus der Massentierhaltung auch noch das eine oder andere „tierische Nebenerzeugnis“. In guter Qualität ist letzteres zwar sicherlich nahrhaft für die Tiere, oftmals handelt es sich jedoch lediglich um Erzeugnisse in der niedrigsten Futtermittelqualität. Die Ernährung von Hunden und Katzen ist also sehr viel schwieriger mit dem Tierschutz zu vereinbaren, wenn man nicht selber für sein Haustier das Futter zubereitet und dabei auf Produkte in Bio-Qualität zurückgreift. Das kostet dann halt etwas mehr. Ein Blick in die Tierarztpraxen voller übergewichtiger Hunde und Katzen zeigt allerdings, dass der Griff zu einer billigen Nassfutterdose aus dem Supermarkt dann doch eher praktiziert wird. Fette Menschen mit Herz-Kreislauf-Problemen haben eben auch fette und kranke Haustiere. Eine vegetarisch lebende Landschildkröte wäre da vielleicht die bessere Wahl, wenn das Gewissen und der Gürtel zwicken.

Aber Reptilien können Krankheiten wie z.B. Salmonellen übertragen!

Hunde und Katzen übertragen ebenso Salmonellen, zumeist nachdem sie mit rohen Geflügelprodukten gefüttert wurden. Bei Reptilien ist es nicht anders, wenn z.B. Schalen von rohen Eiern als Kalziumquelle gegeben werden. Während jedoch vor dem Kontakt mit Reptilien panisch gewarnt wird, wird es von vielen Leuten sogar noch als niedliches Zeichen der Zuneigung empfunden, wenn der Hund seinem Halter oder gar einem Kind durch das Gesicht schlabbert. Dass sich das Tier womöglich vorher seine Klöten und Rosette geschleckt hat, wird dabei häufig im Vermenschlichungswahn übersehen. Eine Ansteckung von Säugetier auf Säugetier (Hund/Katze auf Mensch) ist zudem sehr viel wahrscheinlicher als eine Ansteckung von Reptil auf Mensch. Die eigentlich selbstverständlichen Hygienemaßnahmen sollte jeder Tierhalter beachten, dann wird er auch nicht krank.

Aber Exoten bedrohen unsere heimische Artenvielfalt, wenn sie ausgesetzt werden!

Lediglich 0,02 Prozent der bekannten Reptilienarten sind als potentielle Faunenverfälscher für Deutschland bekannt. Im Gegensatz dazu stehen Haushund und Hauskatze an oberster Stelle, wenn es um Faunenverfälschung durch Heimtiere geht. Während nur alle paar Wochen mal ein „Exot“ von einem verantwortungslosen Halter ausgesetzt wird, werden täglich Tausende Hunde im Wald von der Leine gelassen und noch mehr Freigängerkatzen ohne Aufsicht in die Natur entlassen, wo sie ihren Jagdtrieb auf Kosten der heimischen Fauna ausleben können. So mancher Katzenhalter hat sogar vorgesorgt und einen Knüppel daheim, um die von seiner Muschi angeschleppte Ekeltiere in die ewigen Jagdgründe zu befördert. Manche Katzenforen machen sogar einen sportlichen Wettkampf daraus, was so alles von den Freigängen an Tierleichen oder halbtoten Jagdopfern angeschleppt wird (kotz, würg). Es lebe der Tierschutz!

Aber es werden ständig Leute von gefährlichen Tieren wie Giftschlangen verletzt!

Bisher wurde noch kein einziger unbeteiligter Mensch in Deutschland von einem Terrarientier ernsthaft verletzt oder gar getötet. Dem gegenüber stehen jährlich mehrere Dutzend unschuldige Opfer von Hundeangriffen. Freigängerkatzen oder entlaufene Pferde verursachen jährlich zig schwere Verkehrsunfälle mit hohen Sach- und Personenschäden. Dass es mehr Hunde und Katzen als Giftschlangen und Skorpione gibt, ist kein Argument, denn gerade deswegen sollte man die Hunde- und Katzenhaltung zuerst strenger reglementieren. Doch da ist die Lobby natürlich zu groß. Bei Giftschlangen und anderen potentiell gefährlichen Tieren aus der Terraristik waren bislang immer nur die direkten Halter bei Unfällen betroffen. Laut Anfragen in den Giftnotrufzentralen wurde dabei deutlich, dass jährlich ca. 0,075 Prozent der Gifttierhalter von ihren Tieren gebissen bzw. gestochen werden. Die überragende Mehrheit von 99,925 Prozent hält diese Tiere also vollkommen sicher (und dies zum Teil in Bundesländern, die keinerlei gesetzliche Regelung für die Haltung von Gifttieren haben). Von einer solchen Quote können die Halter von klassischen Heimtieren nur träumen.

Es gibt somit kein stichhaltiges Argument gegen die Haltung von exotischen Wildtieren in Privathand! Falls ihr doch noch eines auf Lager haben solltet, hinterlasst gerne euer gefährliches Halbwissen über die „Exotenhaltung“ in Form eines unqualifizierten Kommentars unter diesem Artikel. Vielen Dank!

Kommentare:

  1. SUPER geschrieben! All diese "Argumente" machen mich immer rasend, wenn ich sie in einem Beitrag oder einer Diskussion zur Exotenhaltung lese. Aber leider ist die Tierhaltung in Deutschland so sehr mit Emotionen geladen, dass der logisch und ebenso sicher wie sachkundig agierende Terrarianer kaum dagegen ankommt -.-

    AntwortenLöschen
  2. Verbreitung der Krankheitserreger

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Steht doch da schon längst als Parole: "Aber Reptilien können Krankheiten wie z.B. Salmonellen übertragen!"

      Löschen
  3. Super Artikel! Spricht mir aus der Seele und hilft mir sicher bei meinem "Kampf" im unmittelbaren privaten und familiären Umfeld PRO Exotenhaltung.

    AntwortenLöschen
  4. Hallo Marco,

    ich kenne mich leider nicht mit Exotenhaltung aus, aber dein Artikel ist für einen Laien verständlich erklärt :)

    Dafür möchte ich aber über Deine Mythen bezüglich Hunde aufräumen:
    Ein Hund greift nie aus dem Nichts heraus an. Bevor dies geschieht, sendet er verschiedene Signale aus. Ein ungeübtes Auge kann dies bei einem Hund, der ganz feine Signale gibt, vielleicht nicht genau sehen. So wie ich wahrscheinlich nicht sehen kann, wann eine Schlange gerade "pissig" auf mich ist.
    Ein riesen Mythos hält sich aber noch um das Schwanzwedeln! Wenn ein Hund mit dem Schwanz wedelt, signalisiert dies erst einmal einfach nur, dass der Hund erregt ist. Ob dies eine freudige Erregung ist, oder der Hund einen Konflikt mit mir oder einem Hund hat, lässt sich nur an Hand des Wedelns erst einmal nicht ableiten. Dies lässt sich nur sehen, wenn man den ganzen Hund sieht. Auch ein Hund, der auf Krawall gebürstet ist, kann mit dem Schwanz wedeln - dies ist sicher nicht als Freude zu werten ;)

    LG Melanie

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hallo Melanie,

      danke für die sachliche Ergänzung. Jeder Tierhalter hat eine große Verantwortung. Ich kann nicht erwarten, dass Leute das Verhalten von z.B. Schlangen richtig interpretieren und lasse sie daher dort, wo sie nicht auf andere Menschen treffen. Bei Hundehaltern stelle ich als Fußgänger aber leider immer häufiger fest, dass dieses eigentlich selbstverständliche Verhalten zu wünschen übrig lässt. Erst kürzlich lies ein Fremder seinen Jack Russel Terrier auf mich los, weil der sich ja so sehr freute und mit mir spielen wollte. Das beruhte aber ganz auf Einseitigkeit. Muss sowas sein? Was wäre los, wenn ich das mal mit meinen Exoten machen würde?

      Ich hoffe du hast erkannt, dass es mir nicht darum geht, gegen die Hundehaltung zu hetzen. Mir geht es lediglich darum, dass nicht ständig mit schwachsinnigen Argumenten und Unwissen gegen eine Randgruppe von Tierhaltern argumentiert wird. Würden die Tierrechtsvereine dies bei der Hundehaltung genauso machen, Einzelfälle aufbauschen und sämtliche Argumente gegen die Wildtierhaltung auf die Hundehaltung übertragen, hätten wir Exotenhalter eine sehr viel größere Lobby. Doch dazu sind PETA, Vier Pfoten, Pro Wildlife, aktion tier, Animal Public und die ganzen anderen Konsorten zu feige. Diese Doppelmoral kotzt mich an!

      Aber vielleicht kommt der Kampf gegen Hunde- und Katzenhalter ja noch und diese Clubs sind momentan im ersten Schritt dabei, uns Exotenhalter gegen diese Tierhalter aufzuhetzen, so wie sie es umgekehrt ja auch seit Jahren machen. Umso wichtiger sind Leute wie wir, die über die jeweiligen Aspekte der Tierhaltung aufklären, mit der wir uns auskennen. Denn Unwissenheit und Ängste, mit denen die Tierrechtslobby ihre Propagandamaschinerie betreibt, führen zu Vorurteilen und die sind niemals gut.

      Beste Grüße
      Marco

      Löschen
    2. Melanie Weber-Tilse11. August 2015 um 12:56

      Hallo Marco,

      ich habe deinen Beitrag auch nicht so aufgefasst, dass du gegen Hunde- und Katzenhalter wetterst.

      Ich als Hunde-, Katzen- und Rattenhalter habe aber genauso mit Vorurteilen, Halbwahrheiten und vielen Mythen zu kämpfen. PETA ist übrigens gegen jede Haustierhaltung, egal ob nun Hund, Katze oder Maus ;)

      Warum haben also alle Tierhalter, egal welcher Tierart mit Anfeindungen zu tun? Eigentlich ganz einfach, weil es so viele Deppen gibt, die eben keine Rücksicht nehmen, sich nicht an Regeln halten, sich nicht über eine artgerechte Tierhaltung informieren und somit auf die, die es richtig machen ein negatives Bild werfen.

      Vielleicht wäre es grundsätzlich ein Schritt in die richtige Richtung, wenn jeder Tierhalter (egal welches Tier er halten möchte), vorher einen "Führerschein" ablegen müsste - wie es schon teilweise in manchen Bundesländern für Hundehaltung der Fall ist - um sich so über die artgerechte Haltung und das Wesen vertraut zu machen. Das ist allerdings ein Wunschdenken, denn dafür wäre der Aufwand für z.B. eine kleiner Hamster wohl viel zu große.

      Ich finde es aber wichtig, weiterhin sachlich aufzuklären - übrigens Ratten sind nicht dreckig, sondern absolut saubere Tiere ;)

      LG Melanie

      Löschen
    3. Dass PETA genauso strikt gegen die Hunde und Katzenhaltung vorgeht, wie gegen die Wildtierhaltung, empfinde ich nicht so. Dieser Verein bewirbt schließlich die vegane Ernährung von Hunden und somit irgendwie auch die Hundehaltung. Bei der Katzenhaltung ist die drastischste Forderung von PETA eine Kastrationspflicht. Dieses Ziel wird aber auch eher halbherzig verfolgt. Wir „Exotenfreaks“ müssen uns hingegen mit strikten Verbotsforderungen herumplagen, die auf den unsachlichen Argumenten beruhen, die ich hier in dem Artikel erläutert habe.

      Ich kann gut nachvollziehen, dass du mit deinen Tieren auch mit Vorurteile kämpfen musst. Hamster und Kaninchen sind schließlich süß, Ratten sind jedoch Ekeltiere – so die weitläufige Meinung. Meist kommen solche Sprüche aber nur von den Leuten, die noch nie Kontakt zu einem solchen Tier hatten und z.B. nie gesehen haben, wie lernfähig und intelligent Ratten doch sind. Daher sollte die Politik ihre Gesetzgebungsverfahren auf das Fachwissen der Leute stützen, die jahrelange mit solchen Tieren zu tun haben und nicht auf die emotionale Ideologie einer Tierrechtslobby, die von der Natur total entfremdet ist.

      Wahrscheinlich kannst du dich als Tierliebhaberin auch gut in die Lage versetzen, wie wir Schlangenhalter und Co. uns fühlen müssen, wenn wir nicht nur mit den üblichen Vorurteilen der Allgemeinheit zu kämpfen haben, sondern man uns unsere Tiere, für die wir uns im hohen Maße aufopfern, komplett verbieten will. Ich kann kaum noch meine Tiere betrachten, ohne dabei ständig im Hinterkopf zu haben, dass irgendwelche Fundamentalisten dies unterbinden wollen. Diese Existenzängste sind auf Dauer schon sehr zermürbend. Es mag zwar für Außenstehende befremdlich wirken, aber auch wir hängen an unseren Schlangen, Echsen, Spinnen usw. – ja wie lieben sie, so wie andere ihren Hund, ihre Katze oder eben ihre Ratten.

      Deswegen habe ich übrigens freiwillig den „Terraristik-Führerschein“ der Deutschen Gesellschaft für Herpetologie und Terrarienkunde e.V. gemacht, weil ich das ebenfalls für sinnvoll halte.

      Löschen
  5. Sehr guter Artikel und eine sehr schöne Argumentensammlung, auf die man sicherlich schon bald zurückgreifen muss... :-(
    Weiter so!
    Viele Grüße,
    Jens
    www.dionenatter.de

    AntwortenLöschen
  6. 1A bericht! Genau solche sachen versuche ich auch immer zu erklären aber wie du gesagt hast.... es hat keinen sinn, leider.

    AntwortenLöschen
  7. alles in allem ein wirklich gelungener artikel den den ich bis auf eine kleine aber feine ausnahme voll und ganz unterschreiben kann. der punkt der mich stört ist das gute alte frostfutter. kontrollierte zuchtbetriebe hin oder her, wir sprechen hier nach wie vor von kommerzieller massentierhaltung und zucht im ganz großen stil und da wage ich getrost den vergleich mit der massentierhaltung zur fleischproduktion für uns menschen. wir alle wissen das diese sich im ramen der gesetze bewegt aber das heist noch lange nicht das sie damit auch so in ordnung ist. aus meiner sicht werden der industrie die hinter solchen betrieben steht da viel zu viele zugeständnisse gemacht und die bestimmungen zum wohl der tiere zu weit beschnitten. ohne jetzt jeden einzelnen betrieb zu kennen wage ich trotzdem zu behaupten das dort weit weniger hohe standards vorrausgesetzt werden wie sie für eine privatperson gelten würden die diese tiere im kleinen maßstab hält. und da fängt für mich das eigentliche elend auch schon an. aber gut die massentierhaltung ist gesetzeskonform und vom großteil der bevölkerung akzeptiert und tolleriert somit schwamm drüber. was man aber trotz allem bei der thematik beachten sollte sind zwei relativ neue wissenschaftliche studien. die erste befasst sich mit der tötung von kleinsäugern wie mäuse und ratten durch co2, dabei gelang es erstmals nachzuweisen das diese tiere sehr wohl panik und starke schmerzen während des gesammten vorgangs empfinden. somit kann hier von einer humanen tötungart nicht mehr die rede sein. die zweite studie befasst sich mit würgeschlangen und damit wie genau sie töten. hier wurde festgestellt das würgeschlangen ihre beute nicht wie bisher angenommen durch ersticken töten sondern den blutkreislauf zum erliegen bringen. was nahezu sofort zum herzinfarkt und wahrnemungsverlust fürt. bei betrachtung dieser beiden studien kommt man zwangsläufig zu dem schluss das es aus sicht der maus deutlich humaner ist lebend an die schlange verfüttert zu werden als vorher mit co2 getötet zu werden, auch wenn es nach aussen hin anders aussehen mag.

    AntwortenLöschen