Dienstag, 14. April 2015

GfK-Umfrage zum Thema „Wildtierschutz“

Im November 2014 veröffentlichte die Tierrechtsorganisation PETA Deutschland e.V. die Ergebnisse einer Umfrage zum Thema „Wildtierschutz“, welche von der GfK SE (Gesellschaft für Konsumforschung), laut Wikipedia derzeit Deutschlands größtes Marktforschungsinstitut, durchgeführt wurde. Befragt wurden in einem Zeitraum von einer Woche (17.10. bis 24.10.2014) insgesamt 1.000 Männer und Frauen in einem Alter von über 14 Jahren, ein repräsentativer Querschnitt durch die deutsche Bevölkerung. Auftraggeber der Umfrage war PETA Deutschland selbst, weswegen viele Terrarianer die Ergebnisse als unwichtig abtaten… „PETA mal wieder.“ Für mich sind die Ergebnisse jedoch keine Banalität, da es sich um eine repräsentative Meinungsforschung einer unabhängigen Institution handelt und ausnahmsweise mal nicht um dubiose Zahlen aus eigenen „Studien“, mit denen PETA sonst gerne arbeitet (z.B. zur Transportmortalität beim Wildtierimport). Deswegen sollten wir Wildtierhalter die Ergebnisse mit der nötigen Aufmerksamkeit beachten.

Den Teilnehmern der Umfrage wurden zwei Fragen nach der folgenden Einleitung gestellt:
Die Bundesregierung hat in ihrem Koalitionsvertrag vereinbart, den Wildtierschutz zu verbessern: Der Handel mit exotischen Tieren und Wildtieren sowie die private Haltung von exotischen Tieren und Wildtieren soll bundeseinheitlich geregelt werden.
Frage Nr. 1:
Die Bundesregierung plant dafür ein Verbot für die Einfuhr von in der Natur gefangenen, exotischen Wildtieren, sogenannten Wildfängen, um den Schutz dieser Tiere zu verbessern. Halten sie eine solche Maßnahme für richtig oder nicht richtig?
95,5 Prozent aller Befragten halten die geplanten Importverbote für richtig, 3,2 Prozent für nicht richtig und 1,3 Prozent hatten dazu keine Meinung oder wollten keine Angabe machen. 


Dabei gab es keinen signifikanten Unterschied zwischen den Geschlechtern. Bei den Altersgruppen finden sich die wenigsten Befürworter für Importverbote in der Altersklasse zwischen 20 bis 29 Jahren (92,5 Prozent), die meisten in einem Alter zwischen 40 und 49 Jahren (98,1 Prozent). Bei der schulischen Bildung und dem Berufsstand gibt es ebenfalls kaum Unterschiede. In den einzelnen Bundesländern liegt die Spanne der Befürworter eines Wildtierimportverbotes zwischen 88,6 Prozent (Schleswig-Holstein) und 100,0 Prozent (Rheinland-Pfalz / Saarland und Thüringen).

Es bleibt also festzuhalten, dass sich die deutliche Mehrheit der Befragten für ein Verbot von importierten Wildfängen ausspricht. Den Fragestellern muss man zugutehalten, dass sie in der Fragenformulierung deutlich von „aus der Natur entnommenen Wildtieren“ sprechen. Oftmals werden diese Wildfänge gerne mit jeder Art von Wildtierimport in den Publikationen der Tierrechtsszene gleichgesetzt. Dies war bei der Umfrage ausnahmsweise mal nicht der Fall.

Die Meinung zum Thema „Wildfänge“ ist selbst bei den Wildtierhaltern kontrovers. Der Großteil der Terrarianer in meinem Bekanntenkreis sieht Wildfänge selber kritisch (und vergisst dabei, dass auch die Nachzuchtpopulationen von Bartagame, Kornnatter & Co. seinerzeit auf aus der Natur entnommenen Exemplaren beruhen). Da Wildfänge einerseits oftmals mit Parasiten belastet sowie vom Transport häufig sehr geschwächt sind und andererseits Naturentnahmen grundsätzlich sehr emotional bewertet werden, sind Wildfänge selbst in Halterkreisen regelrecht verpönt. Nur wenige Leute befassen sich wirklich mal intensiv mit diesem Thema und hinterfragen die Behauptungen, die dazu veröffentlicht werden, beispielsweise über die Transportmortalität oder den tatsächlichen Anteil an Wildfängen auf dem Heimtiermarkt. Wie ich schon häufig mit öffentlich zugänglichen Zahlen von vertrauenswürdigen Quellen wie dem Bundesamt für Naturschutz darstellen konnte, ist der Anteil an Wildfängen auf dem für die Terraristik relevanten Heimtiermarkt äußerst niedrig (ca. 8 Prozent) und befindet sich seit mehreren Jahren im Rückgang, weil die Nachzucht immer häufiger auch bei Arten gelingt, die vor einiger Zeit noch als besonders heikel galten (weitere Informationen siehe Vertriebswege in der „Exotenhaltung“).

Dennoch spielen Wildfänge gerade bei der Auffrischung des Genpools zur Verhinderung von Inzuchtdepressionen eine wichtige Rolle. Dafür sollten Einfuhren auch weiterhin möglich sein. Bei den meisten Arten sind die Naturentnahmen für die Bestände außerdem weit weniger problematisch als z.B. die Lebensraumzerstörung vor Ort. Nach Importverboten wird der Anteil an zerstörten Lebensräumen noch weiter steigen, weil die Wildfänge für die Bevölkerungen in den Herkunftsländern danach ihren Wert verloren hätten (siehe „Wir müssen doch den Regenwald bewahren“ (Cartoon)). Nicht wenige Wildfänge, die für den Heimtiermarkt nach Deutschland importiert werden, sind auch einfach nur ein kleiner Ausschuss an Tieren, von denen der Rest im Kochtopf landet. Gleiches gilt für viele Farmzuchten. Die Tiere werden in den Herkunftsländern gejagt oder auf Farmen gezüchtet, um sie zu verspeisen oder ihnen für die Luxusindustrie die Haut abzuziehen. Dem kleinen Anteil an Importen wird somit ein oftmals brutales Lebensende erspart. Somit sind einige Wildtierimporte irgendwie doch auch ein Akt der Tierbefreiung, die PETA z.B. bei Pelztieren befürwortet.

Wäre dem Großteil der Bevölkerung dies bewusst, sehe das Meinungsbild gewiss anders aus. Leider wird die Bevölkerung von Vereinen wie PETA nicht sachlich aufgeklärt, sondern seit Jahren mit falsch ausgelegten Studien und Medienpropaganda beeinflusst. Daher wundert mich diese „überwältigende Mehrheit“ an Gegnern von Wildtierimporten nicht. Dass Importverbote die richtige Lösung sind, beweisen die Ergebnisse der GfK-Umfrage allerdings keinesfalls! Sie zeigen nur, dass Populismus zu diesem Thema ganz gut funktioniert, denn einerseits fehlt es den meisten Bürgern an Sachkenntnis zum Thema „Wildtierschutz“ und andererseits hat trotzdem jeder eine Meinung zu diesem emotionalen Thema. Diese Mischung macht es so leicht, die Meinung für den eigenen finanziellen Vorteil (Spendengelder bzw. Parteienfinanzierung durch abgegebene Wählerstimmen) zu manipulieren. Mit ähnlich perfiden Methoden kamen schon totalitäre Regimes an die Macht und schürten den Hass gegen Juden, Homosexuelle, Farbige und andere „Exoten“.

Wildtierimportverbote dürften aber dennoch in weiter Ferne liegen, weil eine solche Regelung, würde Deutschland sein eigenes Süppchen daraus kochen, gegen EU-Richtlinien verstieße. Nicht die Bundesregierung kann Wildtierimporte verbieten, sondern lediglich das Europäische Parlament. Darin ist Deutschland zwar ebenfalls Mitglied und könnte entsprechende Forderungen einbringen, jedoch wird es meiner Einschätzung nach mittelfristig nicht dazu kommen. In der EU hat jedes Mitgliedsland lediglich eine Stimme (unabhängig von der Anzahl der Abgeordneten im EU-Parlament). Dass sich eine Mehrheit der Länder für Wildtierimportverbote ausspricht, halte ich für eher zweifelhaft. Ute Vogt von der SPD stellte übrigens auch immer wieder dar, dass von „grundsätzlichen“ Importverboten die Rede sei und dass das Wort „grundsätzlich“ immer auch Ausnahmen ermögliche. 

Frage Nr. 2:
Des Weiteren will die Bundesregierung dafür gewerbliche Tierbörsen für exotische Tiere, sogenannte Reptilienbörsen, untersagen. Ist eine solche Maßnahme Ihrer Meinung nach richtig oder nicht richtig?
89,1 Prozent aller Befragten halten die im Koalitionsvertrag verankerten Verbote von gewerblichen Tierbörsen für richtig, 7,7 Prozent für nicht richtig und 3,3 Prozent hatten dazu keine Meinung oder wollten keine Angabe machen (= 100,1 Prozent?). 


Frauen sind dabei die geringfügig stärkeren Börsengegner (2,7 Prozent mehr als Männer). Die wenigsten Befürworter eines solchen Verbotes befinden sich in der Altersklasse zwischen 14 und 19 Jahren (75,3 Prozent). Prinzipiell ist der Trend erkennbar, dass Börsenverbote immer stärker befürworten werden, je älter die Befragten sind (93,7 Prozent in der Generation 70+). Übertragen auf die Wahlbeteiligung lässt dies befürchten, dass alteingesessene Stammwähler eher mal eine populistische Partei wählen, während die meisten Börsenbefürworter eher bei den jugendlichen Nichtwählern zu finden sind. Eine weitere Gruppe, die den Anteil in Richtung „nicht richtig“ drückt, sind die Befragten mit einem abgeschlossenen Abitur, Studium oder Hochschulabschluss: 85,6 Prozent befürworten Börsenverbote, was ca. 5 Prozent weniger sind als bei den anderen Schulbildungen (je mehr Bildung, desto weniger Börsengegner?). Der berufliche Hintergrund macht wiederum keinen signifikanten Unterschied bei der Meinung zu Tierbörsen. Im Vergleich der Bundesländer liegt Thüringen mit einem Anteil von 82,6 Prozent an Börsengegnern unter dem Durchschnitt. In Nordrhein-Westfalen, dem „Mekka der Reptilienbörsen“, findet man die meisten Befragten, die sich deutlich gegen Börsenverbote positionieren (11,4 Prozent). NRW hat somit einen Anteil von 86,3 Prozent an Börsengegnern und liegt damit gleichauf mit Niedersachsen. Spitzenreiter der Börsengegnerländer sind Hessen (93,9 Prozent) und Mecklenburg-Vorpommern (95,3 Prozent).

Auch bei dieser Frage fällt auf, dass sich die Mehrheit der Befragten für ein Verbot von gewerblichen Tierbörsen ausspricht. Mich hätte in diesem Zusammenhang die Antwort auf die Frage „Haben Sie selbst bereits eine gewerbliche Tierbörse besucht?“ interessiert. Denn immer wieder bekomme ich mit, dass sich Leute kritisch zu Tierbörsen äußern, die selbst eine solche noch nie in ihrem Leben selber besucht haben. Dass die Tierrechtsvereine jedoch sehr einseitig über solche Börsen berichten und teilweise sogar Lügen verbreiten (z.B. Fotos von Transportkisten veröffentlichen und behaupten, dass aus solchen „Wühlkisten“ der Verkauf stattfände), ist bekannt. Wer jedoch selber noch nie eine solche Börse besucht hat, sollte zumindest so ehrlich sein und keine Meinung dazu vertreten. Bei sehr vielen politischen Fragestellungen ist das in der Regel auch so, nur nicht beim emotional aufgeladenen Thema „Tierschutz“.

Fakt ist, dass gewerbliche Tierbörsen in aller Regel von den Behörden kontrolliert werden und zu den Rahmenbedingungen abgehalten werden, die als tierschutzgerecht festgelegt worden sind. Ab und zu stelle ich selbst Missstände auf solchen Börsen fest, die ich auch gar nicht leugnen will, aber diese rechtfertigen aus meiner Sicht keine Verbote, sondern lediglich schärfere Kontrollen (nach denen in der GfK-Umfrage leider nicht gefragt wurde). Verbotsforderungen verurteile ich schon alleine aus dem Grund, weil die Tierrechtszene dafür mit manipulierten Aufnahmen und falschen Zahlen arbeitet! Mehr Kontrollen, strengere Auflagen für gewerbliche Anbieter, mehr Wertschätzung von Privatzüchtern und gerne auch Verbote von Reptilienbörsen im Winter wären Dinge, die ich sogar unterstützen würde. Auf Emotionen und Lügen basierende Komplettverbote sind jedoch inakzeptabel!

Fazit: 
Die Ergebnisse der GfK-Umfrage sind auch für uns Tierhalter nicht uninteressant, um mal die Meinung in der deutschen Bevölkerung zu erkennen. Für sachliche Aufklärung mit fundierten Zahlen ist offensichtlich noch sehr viel an Arbeit notwendig. Leider sind „wir“ wohl auch zu spät aufgewacht, als sich die Tierrechtssyndikate immer mehr aufbäumten. Wichtig ist natürlich, dass unsere Seite den Kontakt zu den politischen Entscheidungsträgern nicht verliert. Unsere Fachverbände (DGHT, VDA, BNA etc.) sind diesbezüglich gut aufgestellt und leisten auf Symposien und Podiumsdiskussionen auch eine sehr gute Arbeit. Auch der WWF geht bisher sachlich und kompetent mit dem Thema um. Doch für ebenso wichtig halte ich die Aufklärung der Bürger. Leider scheinen die Fachverbände an dieser Baustelle weiterhin zu schlafen. Börsenauftritte schön und gut, aber ich will Stände in den Fußgängerzonen sehen, die sachlich fundierte Infomaterialien über die positiven Aspekte der Terraristik verteilen und mit der Lügenpropaganda seitens der Tofu-Fraktion aufräumen!

Als eine der größten Gefahren für unser Hobby sehe ich derzeit nicht die im Koalitionsvertrag verankerten Wildtierimportverbote, da diese von unserer Bundesregierung gar nicht im Alleingang umgesetzt werden können. Trotzdem sollten wir hier natürlich am Ball bleiben und weiterhin sachliche Argumente und valide Zahlen liefern. Auch die Börsenverbote gilt es zwar zu verhindern, sie wären aber auch nicht das Ende der organisierten Terraristik. Nachzuchten würde stattdessen vermehrt über das Internet (z.B. mit Kleintieranzeigen oder in den sozialen Netzwerken) oder in den Vereinen gehandelt bzw. getauscht. Ein sehr viel größeres Risiko sehe ich aktuell bei den sogenannten „Positivlisten“, die in der GfK-Umfrage keine Erwähnung fanden. Derzeit dreht sich dabei alles um die Haltung von potentiell gefährlichen Tieren, wird aber bald auch andere Halter treffen. Das Modell der Positivlisten hat sich insbesondere der Deutsche Tierschutzbund auf die Fahne geschrieben. Und dieser Verein steht in der Öffentlichkeit sehr viel seriöser da als die Tierrechtsorganisation PETA, was ihm eine sehr viel stärkere Rückendeckung beschert. Die radikale Organisation PETA ist bei der ganzen Gefahrtierhaltungsdiskussion mehr so eine Art gereizter Appendix, die sich zwar den Verbotsforderungen für eine Haltung von potentiell gefährlichen Wildtieren anschließt, deren Forderung eines vollständigen „Exotenverbotes“ wohl aber so schnell nicht zum Durchbruch kommen wird.

1 Kommentar:

  1. Nachtrag: Die Aussage "Auch der WWF geht bisher sachlich und kompetent mit dem Thema um." ist leider nicht mehr korrekt.

    Siehe hier: http://terrarianer.blogspot.de/2016/07/ist-der-wwf-nun-auch-gegen-uns.html

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