Donnerstag, 26. März 2015

Behörden in Sachsen-Anhalt lassen Bunthörnchen töten!

Die Behörden in Sachsen-Anhalt reagieren nun auf die in den Jahren 2011 und 2013 verstorbenen Bunthörnchenzüchter. Diverse Medien berichten, dass Sachsen-Anhalt aufgrund dieser Ereignisse jetzt „gezielt gegen die meist aus Mittelamerika eingeschleppte Hörnchenart vorgeht“. Bereits am vergangenen Wochenende wurden laut Ministerium für Landwirtschaft und Umwelt 33 Bunthörnchen eingeschläfert. Heute sollen erneut bis zu 30 weitere Tiere getötet worden sein.

Aus meiner Sicht ist dieses Vorgehen aus den folgenden Gründen ein Skandal:

1. Es ist noch überhaupt nicht geklärt, ob die Bunthörnchen für die Todesfälle verantwortlich sind.

2. Die Todesfälle liegen bereits mehrere Jahre zurück und seitdem sind keine weiteren Menschen erkrankt oder gestorben. Eine Tötung der Tiere kurz nach dem Bekanntwerden der ersten Untersuchungsergebnisse, die bisher noch keinen Zusammenhang beweisen, ist nicht verhältnismäßig.

3. Die Bunthörnchen, selbst wenn sie für die Todesfälle verantwortlich sein sollten, kommen nicht in den Kontakt zu unbeteiligten Menschen. Die Tiere bekommen keinen „Freigang“ und werden auch nicht zu Lebensmitteln verarbeitet. Es besteht somit keine Gefahr für die Bevölkerung. Laut Robert Koch-Institut erscheinen Biss- oder Kratzverletzungen als der wahrscheinlichste Ansteckungsweg.

4. Im Gegensatz zu z.B. flächendeckenden Geflügelzuchtbetrieben in manchen Regionen ist die Bunthörnchenpopulation in menschlicher Obhut sehr viel stärker verteilt. Es besteht somit auch keine Gefahr für eine Bornavirus-Epizootie.

Auflagen seitens der Behörden an die Züchter wie z.B. Quarantänepflicht und vorübergehende Abgabeverbote wären Reaktionen mit Augenmaß, solange die Hintergründe noch vollkommen unklar sind. Die von den Behörden beschlossene prophylaktische Tötung von womöglich gesunden Tieren ist aus meiner Sicht zum jetzigen Zeitpunkt nicht mit § 1 TierSchG und Artikel 14 GG zu vereinbaren.

Aber ein derart überzogenes Verhalten kennt man ja nicht anders von Behörden, die sich plötzlich dem öffentlichen Druck ausgesetzt fühlen. Die entflohene Monokelkobra in Mühlheim an der Ruhr (2010) veranlasste die zuständigen Behörden ebenfalls dazu, reaktionär die Wohnung zu entkernen (nicht auszudenken, wenn die Giftschlange in dem Chaos in den öffentlichen Raum entwichen wäre!). Die immensen Kosten hätte man sich sparen können. Ein anderes Beispiel wäre das panische Auspumpen eines Badesees, nachdem dort die (Phantom-)Alligatorschildkröte „Lotti“ entdeckt wurde (2013). Gefunden wurde sie bis heute nicht. Ebenso wenig gab es weitere Verletzte. Geschädigte gab es jedoch auf Seiten der Steuerzahler, welche die Kosten für diese überzogene Aktion tragen durften.

Im aktuellen Bunthörnchenfall sind die Halter nun finanziell geschädigt. Die seltenen Tiere haben einen Marktwert von ca. 400 Euro pro Exemplar. Bei inzwischen ca. 60 getöteten Tieren macht dies einen finanziellen Schaden in Höhe von 24.000 Euro. Sicherlich, Menschenleben lassen sich nicht mit Geld aufwiegen. Aber unschuldige Menschenleben sind nach aktuellem Kenntnisstand auch nicht in unmittelbarer Gefahr!

Eine gehörige Mitschuld trägt aus meiner Sicht somit die aufgebrachte Bevölkerung, die Reaktionen von den Behörden erwarten und somit Druck auf diese ausüben. Sensationsberichte in der Klatschpresse tragen ihren Teil dazu bei, das Schicksal der Bunthörnchen zu besiegeln. Und wem wir diese Pogromstimmung noch zu verdanken haben, ist ja hinlänglich bekannt...

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen