Freitag, 2. Januar 2015

Neuer Schutzstatus für den Himmelblauen Zwergtaggecko (Lygodactylus williamsi)

Die Europäische Kommission hat im Dezember 2014 endlich einen Schritt in die richtige Richtung für den Schutz des Himmelblauen Zwergtaggeckos getan. Wie ich bereits in meinem Beitrag „Die Problematik mit dem Himmelblauen Zwergtaggecko (Lygodactylus williamsi)“ erläutert habe, ist diese Art in ihrem Bestand stark bedroht, weil Wildfänger nicht nur die Tiere absammeln, sondern dabei auch die Schraubenpalmen, auf denen die Geckos leben, fällen und somit den Lebensraum nachhaltig zerstören.

Im Amtsblatt L 361/1 der Europäischen Union vom 17.12.2014 wurde aus diesem Grund eine neue EU-Verordnung veröffentlicht:

Verordnung (EU) Nr. 1320/2014 der Kommission vom 1. Dezember 2014 zur Änderung der Verordnung (EG) Nr. 338/97 des Rates über den Schutz von Exemplaren wildlebender Tier - und Pflanzenarten durch Überwachung des Handels


Darin findet sich zuerst einmal die folgende Begründung:
Lygodactylus williamsi steht als „vom Aussterben bedrohte“ Art auf der Roten Liste der IUCN und ist in einem kleinen Gebiet Tansanias endemisch. Meldungen zufolge beeinträchtigen die Wildfänge für den internationalen Heimtierhandel die Art unmittelbar und in einem Ausmaß, das das Überleben der Population gefährdet. Die Art wird bekannt er maßen innerhalb der Union gehandelt, hauptsächlich als Exemplare aus Naturwäldern, und es besteht eine eindeutige Nachfrage. Lygodactylus williamsi scheint daher die Kriterien für eine Aufnahme in Anhang B der Verordnung (EG) Nr. 338/97 gemäß Artikel 3 Absatz 2 Buchstabe c Ziffer i der Verordnung zu erfüllen. Die Kommission hat die Vereinigte Republik Tansania mit Blick auf die potenzielle Aufnahme der Art in Anhang B der Verordnung (EG) Nr. 338/97 konsultiert. Lygodactylus williamsi sollte daher in Anhang B der Verordnung aufgenommen werden.
Zwar bezweifle ich die Aussage, dass inzwischen noch vorrangig Wildfänge gehandelt werden, weil der Markt sehr viel leichter mit Nachzuchten gedeckt werden kann (die Art ist recht einfach nachzuzüchten), dennoch halte ich die Listung im Anhang B der EU-Artenschutzverordnung für einen guten Ansatz. So werden die Importe mit dieser Art in die EU schon einmal besser kontrolliert und ein bestehendes Instrument des Artenschutzes anstelle eines Importverbotes genutzt.

Für einen nachhaltigen Schutz der Art muss allerdings auch noch Tansania als CITES-Mitglied einen Antrag auf Listung des Geckos im Washingtoner Artenschutzübereinkommen stellen. Denn grundsätzlich ändert das EU-Recht nichts an der fortschreitenden Lebensraumzerstörung im Heimatland des Geckos.

Der entscheidende Beschluss der Änderungsverordnung lautet:
Die Europäische Kommission hat folgende Verordnung erlassen: 
Artikel 1: Der Anhang der Verordnung (EG) Nr. 338/97 erhält die Fassung des Anhangs der vorliegenden Verordnung
Da sie am dritten Tag nach ihrer Veröffentlichung im Amtsblatt der Europäischen Union in Kraft getreten ist, steht Lygodactylus williamsi seit dem 20. Dezember 2014 offiziell im Anhang B der EU-Artenschutzverordnung.

Was bedeutet das nun für die Halter von Lygodactylus williamsi?
 
Da die Art nun im Anhang B der EU-Artenschutzverordnung gelistet ist, unterliegt sie als besonders geschützte Art gemäß § 7 Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) auch der Meldepflicht gemäß § 7 Bundesartenschutzverordnung (BArtSchV). Halter müssen ihren Bestand also mit Beginn der Haltung der zuständigen unteren Naturschutzbehörde anzeigen und Bestandsveränderungen (Nachzucht, Ableben oder Weitergabe) ebenfalls direkt oder zu einem bestimmten Zeitpunkt (je nach Regelung des jeweiligen Bundeslandes) der jeweiligen Behörde melden. In meinem Fall ist der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- u. Naturschutz (NLWKN) zuständig. Auf dessen Website findet man neben weiteren Informationen auch Vordrucke für die Tierbestandsmeldung. Da jedes Bundesland seine eigenen Vollzugsvorschriften zur BArtSchV beschlossen hat, muss sich jeder Halter entsprechend bei seiner Behörde über das Vorgehen bei einer Tierbestandsmeldung informieren.

Auch die bereits bestehenden Bestände von Lygodactylus williamsi sind nun meldepflichtig! Ich gehe mal davon aus, dass eine Meldung jetzt noch nicht unmittelbar am heutigen Tag erfolgen muss, weil selbst wisia.de (das Instrument des Artenschutzvollzugs, welches ich hier näher erläutere) bis heute noch nicht auf dem neuesten Stand der Rechtslage ist. Die letzte Änderung auf EU-Ebene (Dezember 2012) wurde allerdings auch erst nach einigen Wochen (Februar 2013) dort bekannt gegeben. Dennoch empfehle ich Haltern von Lygodactylus williamsi ihre Tiere demnächst entsprechend anzumelden. Da die Tiere bis vor kurzem noch keinen Schutzstatus hatten und somit wahrscheinlich bei vielen Haltern die entsprechenden Herkunftsnachweise fehlen, sollte man die Meldung zeitnah unter Bezugnahme auf die neue Verordnung durchführen, damit die Behörden einem später keine illegale Haltung unterstellen können, weil die Papiere nicht vorhanden sind.

Im Falle von Neukäufen sind dementsprechend Herkunftsnachweise von den Verkäufern zu verlangen. Bekommt man diese nicht, sollte man auf einen Kauf verzichten. Züchtet man die Art selber und gibt sie an andere Halter weiter, muss man die entsprechenden Herkunftsnachweise den Käufern mitgeben. Auch die Führung eines lückenlosen Zuchtbuches ist in diesem Zusammenhang anzuraten.
 

ACHTUNG: Die EU wird im September 2016 auf der 17. CITES-Artenschutzkonferenz in Südafrika einen Antrag von Tansania unterstützen, Lygodactylus williamsi in CITES-Anhang I aufzunehmen! Damit ginge ein striktes Besitz- und Handelsverbot einher, was wohl das Ende der Erhaltungszucht dieser Art einläuten würde, weil die Kosten und der behördliche Aufwand für Ausnahmegenehmigungen viele Halter, Züchter und Käufer von legalen Nachzuchten abschrecken würde. So wie es einst u.a bei der Südlichen Madagaskarboa (Acrantophis dumerili) geschah. Weitere Informationen: EU will Schutz bedrohter Arten verschärfen

Nachtrag v. 03.10.2016: Auf der 17. CITES-Artenschutzkonferenz wurde beschlossen, die Art in Anhang I zu listen und ihr somit den höchsten internationalen Schutzstatus zu spendieren: Höchster Schutzstatus für den Himmelblauen Zwergtaggecko (Lygodactylus williamsi)

Nachtrag v. 27.01.2017: Die EU hat den höchsten Schutzstatus (Anhang A) in verbindliches EU-Recht überführt: CITES-Beschlüsse treten im EU-Recht in Kraft! 
 

Kommentare:

  1. Ist der williamsi nun bereits in die Liste eingetragen oder stellt diese Verordnung nur die Frage ob diese Art aufgenommen werden soll??

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    1. Die Listung ist beschlossen. Die Frage, ob die Art gelistet werden soll, wurde sich schon seit einigen Jahren in der EU-Kommision bewegt. Die Verordnung (EU) Nr. 1320/2014 wurde jedenfalls nun so beschlossen. Somit hat der Artikel 1 Gültigkeit, welcher besagt:

      „Der Anhang der Verordnung (EG) Nr. 338/97 erhält die Fassung des Anhangs der vorliegenden Verordnung“

      Die Verordnung (EG) Nr. 338/97 ist die EU-Artenschutzverordnung. Wenn du dir den Anhang zur neuen Verordnung anschaust, welche also auch die neue Version des Anhangs der EU-Artenschutzverordnung darstellt, findest du unter Gekkonidae nun auch die Art Lygodactylus willamsi. Diese befindet sich dort im Anhang B. Somit wurde die Listung der Art im Anhang B beschlossen und ist seit Verkündung im Amtsblatt rechtskräftig.

      Es ist jetzt nur noch eine Frage der Zeit, bis auch wisia.de dies hergibt. Langsam trabt der Amtsschimmel. Gültigkeit hat die Verordnung aber wie gesagt jetzt schon.

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    2. Danke für die Antwort!!!
      mfg Kristian

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  2. Hallo, ich habe eine dringende Frage.

    Ich habe 2013 2 Pärchen Williamsis erworben und erst jetzt gehört das sie Meldepflichtig sind.

    Kann Ich sie noch anmelden ?
    Bekomme Ich dann einen Nachweis für Meine Tiere ?

    Für eine Antwort währe Ich sehr dankbar.

    Lg

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    1. Hallo,

      an deiner Stelle würde ich sie jetzt mit derselben Begründung anmelden, die du auch hier genannt hast. Für Tiere, die bereits vor der Unterschutzstellung in deinem Besitz waren, kannst du gar keine Papiere haben, denn 2013 war L. williamsi ja noch nicht meldepflichtig. Das weiß auch die für dich zuständige Behörde. Melde sie an und schreib in dem Anschreiben, dass du erst jetzt erfahren hast, dass diese Art inzwischen meldepflichtig sind. Wenn du noch irgendeinen Kaufbeleg oder so haben solltest, mit dem du nachweisen kannst, dass die Tiere bereits vor dem 20.12.2014 in deinem Besitz waren, würde ich den ebenfalls beifügen. Falls du vom Züchter noch Herkunftsnachweise bekommen kannst, dann geht das natürlich auch und wäre jetzt nach über einem halben Jahr sicher der beste Weg. Ansonsten wie gesagt mit der Begründung, dass du sie erworben hast, als sie noch nicht meldepflichtig waren und du dies nun nachholen möchtest. Hier mein Anschreiben an meine zuständige Meldebehörde für dich als Muster (musst du halt noch mit deinen Daten abändern):

      Sehr geehrte Damen und Herren,

      aufgrund der am 17.12.2014 im Amtsblatt L361/1 der EU-Kommission veröffentlichten und am 20.12.2014 in Kraft getretenen Verordnung (EU) Nr. 1320/2014 sende ich Ihnen anbei eine Tierbestandsmeldung für ein Pärchen Himmelblauer Zwergtaggeckos (Lygodactylus williamsi), welches ich im Juni 2014 von einem Privatzüchter erworben habe.

      Diese Art wurde mit dem Beschluss der o.g. Verordnung in Anhang B der Verordnung (EG) Nr. 338/97 aufgenommen und ist somit als besonders geschützte Art anzeigepflichtig gemäß § 7 BArtSchV. Von dieser Änderung habe ich allerdings erst am 02.01.2015 erfahren, weswegen die Meldung erst jetzt erfolgt.

      Da ich die Tiere vor Inkrafttreten der neuen Verordnung erworben habe und keinen Kontakt zum Züchter mehr herstellen kann, kann ich Ihnen keine Herkunftsnachweise beifügen.

      Mit freundlichen Grüßen
      ...

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  3. ACHTUNG: Die EU wird im September 2016 auf der 17. CITES-Artenschutzkonferenz in Südafrika einen Antrag von Tansania unterstützen, Lygodactylus williamsi in CITES-Anhang I aufzunehmen! Damit ginge ein striktes Besitz- und Handelsverbot einher, was wohl das Ende der Erhaltungszucht dieser Art einläuten würde, weil die Kosten und der behördliche Aufwand für Ausnahmegenehmigungen viele Halter, Züchter und Käufer von legalen Nachzuchten abschrecken würde. So wie es einst bei der Südlichen Madagaskarboa (Acrantophis dumerili) geschah.

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  4. Neuigkeiten von der 17. CITES-Artenschutzkonferenz:
    Der Himmelblaue Zwergtaggecko (Lygodactylus williamsi) wurde heute in CITES-Anhang I aufgenommen! Spruchreif wird das zwar erst nach Abschluss der Artenschutzkonferenz, Änderungen sind jedoch nicht mehr zu erwarten, weil die Entscheidung einstimmig war.

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    1. Hallo, was heißt das jetzt genau für mich als Hobbyzüchter ? Wir halten unsere himmelblauben erst seit ca einem Jahr. Beide Elterntiere sind auf uns angemeldet und haben lückenlose Herkunftsnachweise. Die 2 Jungtiere die von den beiden aktuell bei uns leben sind jetzt 2 und 3 Monate und sollen jetzt angemeldet werden.

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    2. Hallo, die beiden Jungtiere sollten innerhalb der je nach Bundesland unterschiedlich geregelten Frist natürlich angemeldet werden (bei uns in Niedersachsen wäre der nächste Stichtag am 1.3.2017). Derzeit greift auch noch die Regelung der aktuell gültigen EU-Artenschutzverordnung. Nach der CITES-Konferenz sind die CITES-Mitgliedsstaaten angehalten, die Änderungen bis zum 1. Januar 2017 in ihren jeweiligen Artenschutzgesetzen umzusetzen. Das bedeutet, dass bis dahin bei uns Haltung und Handel noch zu den Regelungen des Anhang B möglich sind. Sobald die Anhänge der EU-Artenschutzverordnung entsprechend geändert wurden, greift der verschärfte Schutzstatus mit Kennzeichnungspflicht und Vermarktungsverbot, für das es bei Nachzuchten eine Befreiung auf Antrag gibt. Detailliert werde ich darüber berichten, sobald die restlichen für die Terraristik relevanten Anträge auf der Artenschutzkonferenz behandelt wurden.

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  5. Hallo, was bedeutet das jetzt für mich, ich möchte mir die Tage eine Lygodactylus Williamsi NZ holen. Reicht da jetzt noch die normale Meldepflicht mit Herkunftsnachweis?

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    1. Hallo. Rechtlich verbindlich ist derzeit noch der EU-Anhang B also Nachweis- und Meldepflicht. Die Herkunftsnachweise müssen natürlich alle erforderlichen Infos enthalten. Manche Behörden verlangen z.B. die Zuchtbuchnummern der Elterntiere. Auf solche Sachen sollte man beim Kauf achten. Sobald der strengere Schutzstatus (CITES-Anhang I -> EU-Anhang A) rechtlich verbindlich in Kraft getreten ist, werde ich hier im Blog darüber berichten und den neuen Artikel in diesem Artikel hier verlinken.

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  6. Hallo. Ich habe da mal eine vielleicht dumme Frage zur angeblichen Meldepflicht. Wenn ich es richtig verstanden habe wird die doch in der Bundesartenschutzverordnung vorgeschrieben und nicht in der EU-Artenschutzverordnung. Bisher steht L. williamsi nicht in der Anlage 1 der Bundesartenschutz-VO drin. Meinem Verständnis nach ist er deshalb gar nicht "besonders geschützt" im Sinne der Bundesartenschutz-VO. Warum soll er dann aber meldepflichtig sein? Vielleicht kannst du mir das ja erklären. :)

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    1. Hallo „Anonym“, es gibt keine dummen Fragen, nur dumme Antworten. ;)
      Du hast Recht, dass Lygodactylus williamsi derzeit (noch) nicht in der Anlage 1 der BArtSchV auftaucht. Meldepflichtig ist er aber trotzdem. Ich erkläre dir auch gerne, warum: § 7 BArtSchV schreibt eine Meldepflicht für „besonders geschützte“ Tiere vor. Die Definition, was „besonders geschützte“ Tiere sind, geht aber nicht nur aus der Anlage 1 BArtSchV hervor. Eine weitere wichtige Vorschrift ist das Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG). Laut § 7 BNatSchG gelten Tier- und Pflanzenarten als besonders geschützt (und somit meldepflichtig gemäß § 7 BArtSchV), die in Anhang A oder Anhang B der EU-Artenschutzverordnung aufgeführt sind (als „streng geschützt“ gelten die Arten, die in Anhang A der EU-Artenschutzverordnung aufgeführt sind). Somit erlangt eine Art umgehend den nationalen Schutzstatus mit all seinen Auflagen, sobald sie in einem der EU-Anhänge gelistet wird.

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