Dienstag, 2. Dezember 2014

Erstes SPD-Wildtier-Symposium im Bundestag

Am Mittwoch den 05.11.2014 fand in Berlin ein SPD-Round-Table-Gespräch unter dem Motto „Wildtierhandel: Reptilien in privaten Händen - Spannungsfeld zwischen Artenschutz und Tierschutz“ statt, zu dem die SPD-Bundestagsfraktion geladen hatte. Ich selbst war zwar nicht vor Ort, hatte jedoch Kontakt zu einem Teilnehmer. Und da mittlerweile auch einige der Präsentationen öffentlich zugänglich sind, werde ich diese im Folgenden einmal näher betrachten und kommentieren.


Vorab jedoch erst einmal eine Pressemeldung der SPD-Bundestagsfraktion über diese Veranstaltung: Wildtierhandel: Herausforderungen der Haltung und des Handels von Reptilien annehmen
Im Mittelpunkt stand dabei zunächst die Reptilienhaltung in privaten Haushalten. Denn Jahr für Jahr werden zwischen 400.000 und 850.000 lebende Reptilien nach Deutschland importiert. Frankfurt ist neben Rotterdam dabei der Hauptumschlagplatz.
Zu den Importzahlen werde ich mich später noch genauer äußern. Ich finde es jedoch bezeichnend, dass die SPD die Zahlen nach dem Symposium trotzdem noch auf diese Art und Weise darstellt und damit den Eindruck vermittelt, als würden aktuell tatsächlich noch bis zu 850.000 Reptilien pro Jahr nach Deutschland importiert. Dies ist jedoch nicht der Fall, wie wir später noch sehen werden. Des Weiteren handelt es sich bei einem Großteil der Importe um Farbzuchten von bereits lange Zeit in der Terraristik etablierten Reptilien (z.B. vom Königspython).
Zunehmend werden wir damit konfrontiert, dass Tierheime exotische Reptilien aufnehmen müssen, Tierärzte nicht wissen, wie sie diese Tiere behandeln sollen und Ärzte vor ungewöhnlichen Krankheiten durch exotische Haustiere warnen. Zudem schrecken uns auch hin und wieder Nachrichten über ein Krokodil im Badesee oder der Biss einer giftigen Schlange im heimischen Wohnzimmer.
Ferner fühlen sich viele versierte Halter von Reptilien und anderen Terrarientieren von den Medien und der öffentlichen Meinung verfolgt, von politischer Willkür bedroht und in ihren Grundrechten eingeschränkt. Warum stehen diese Dinge nicht auch in der SPD-Pressemeldung? Zu einer Hinterfragung einer einseitigen Meinungsbildung hat das Symposium also schon einmal nicht angeregt. Aber schauen wir uns nun einmal die auf der Website des Bundesverbands für fachgerechten Natur-, Tier- und Artenschutz e.V. (BNA) öffentlich zugänglichen Präsentationen im Einzelnen an:

Beitrag von Dr. Dietrich Jelden, BfN
In der Präsentation „Vollzug des Washingtoner Artenschutzübereinkommens (CITES) im Bundesamt für Naturschutz“ schildete Dr. Jelden die grundsätzliche Problematik des Wildtierhandels und insbesondere des Wildtierschmuggels. Er erklärte, dass das Recht der Europäischen Gemeinschaft die Einfuhr von Wildtieren und Wildtierprodukten bereits strenger regelt als das Washingtoner Artenschutzübereinkommen (z.B. Kennzeichnungspflicht). Das Bundesamt für Naturschutz tritt dabei als Vollzugsbehörde in Erscheinung und setzt die im EG-Recht verankerten CITES-Bestimmungen um.

Mehr als 10 % der Reptilienarten (743 von insgesamt ca. 7.800 bekannten Reptilienarten weltweit) seien durch das EU-Recht bereits geschützt. Hierbei ist anzumerken, dass mittlerweile bereits über 10.000 Reptilienarten beschrieben sind und somit der angegangen prozentuale Anteil nicht mehr ganz aktuell ist.

Aus Sicht des BfN ist vor allem der private Handel mit artgeschützten Tieren im Internet ein Problem, da die Vollzugsbehörden darauf wenig Einfluss ausüben können. Sicherlich ist dies so, jedoch gehe ich davon aus, dass die wenigsten Privatpersonen im großen Stil lebende Reptilien über dunkle Kanäle nach Deutschland schaffen, um sie dann in Internetkleinanzeigen zu verkaufen. Die kürzlich veröffentlichen Ergebnisse einer Studie des IFAW zeigten, dass die Mehrheit der im Internet gehandelten Reptilien Nachzuchten aus Menschenhand sind und daher die Problematik des Internethandels nicht so groß ist, wie es das BfN einschätzt. Sicherlich gibt es auch im Internet schwarze Schafe, die geschmuggelte Tiere verticken oder sich zu Großereignissen (wie der Terraristika in Hamm) verabreden, jedoch machen diese illegalen Aktivitäten nur einen kleinen Teil des Handels aus. Im sehr viel größeren Stil werden nicht geschützte, aber sehr wohl bedrohte Arten für den Zoofachhandel importiert. Dies stellt ein sehr viel größeres Risiko für die Artenvielfalt dar, wurde jedoch in der Präsentation nicht erwähnt, was vielleicht daran liegen mag, dass es auch um Steuereinahmen geht, wenn einerseits der private Handel verstärkt aufs Korn genommen, der gewerbliche Handel andererseits jedoch immer wieder außen vor gelassen wird. Soviel Skepsis sei also gestattet, wenn eine durch Steuergelder finanzierte Bundesbehörde referiert.

Beitrag von Karoline Hess, BMUB
Die Präsentation von Frau Hess vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit hat mich ehrlich gesagt ziemlich positiv überrascht. Zwar schilderte auch sie die Problematik des Parallelmarktes mit artgeschützten Tieren im Umfeld von Börsen oder im Internet, jedoch äußerte sie auch sehr umfangreich Bedenken gegen ein generelles EU-Importverbot. Denn aus ihrer Sicht sei ein Importverbot nicht mit den artenschutzrechtlichen EU-Regelungen und den CITES-Bestimmungen vereinbar. Außerdem würde ein solches Verbot auch Arten betreffen, die in keiner Weise bedroht sind oder die nachhaltige Nutzung der wildgefangenen Tiere und ihrer Lebensräume durch die jeweilige Landesbevölkerung gefährden (ich hatte auf diese Problematik bereits in einem Cartoon hingewiesen). Mit diesen Schilderungen hat Frau Hess vollkommen recht. Ein Importverbot würde das Washingtoner Artenschutzübereinkommen ad absurdum führen.

Die in der Präsentation gemachten Vorschläge zur Verbesserung der Artenschutzes (beispielsweise Listung von nicht geschützten, jedoch bedrohten Arten im EU-Recht) halte ich für sehr konstruktiv und auch gut umsetzbar. Lediglich die Anwendung des Chemikaliengesetzes und die damit von ihr geforderten Import- und Haltungsverbote von bestimmten Gifttieren halte ich für den falschen Ansatz. Aus meiner Sicht wäre es für Halter und auch für den Artenschutz wesentlich besser, wenn alle für den Menschen tatsächlich gefährlichen Gifttiere lediglich unter Erlaubnisvorbehalt der zuständigen Behörde gestellt werden würden.

Beitrag von Dr. Gisela von Hegel, BNA-Vizepräsidentin
Die Vizepräsidentin des Bundesverbands für fachgerechten Natur-, Tier- und Artenschutz e.V. schilderte in ihrer Präsentation den massiven Gegenwind, den die Terraristik seit Jahren ertragen muss. Sie machte außerdem auf die Problematik aufmerksam, dass viele Studien bewusst falsch und einseitig dargestellt werden. Als Beispiel griff sie die Tierheimstudie des Deutschen Tierschutzbundes e.V. auf, laut der zwar 30.000 Reptilien in 700 Tierheimen in einem Zeitraum von 5 Jahren abgegeben wurden, denen jedoch das Zehnfache an klassischen Haustieren gegenüber stehe. Hier arbeitete sie leider mit den hochgerechneten und somit verfälschten Zahlen vom Tierschutzbund, die sie selber offenbar nicht weiter hinterfragte und somit auch nicht ins richtige Verhältnis setzte. Denn tatsächlich wurden in den 5 Jahren lediglich ca. 9.000 Reptilien in den befragten Tierheimen abgegeben (siehe Tierheimstudie des Deutschen Tierschutzbundes e.V.), was die Sache noch weiter relativiert hätte.

Dr. von Hegel erläuterte außerdem, dass trotz aufgebauschter Medienberichte und vereinzelter Vorfällen noch nie ein Unbeteiligter von einem gefährlichen Terrarientier verletzt wurde. Ferner nannte sie das Projekt „Amphibien ark“ als wichtigen Bestandteil des Artenschutzes, welcher auf der privaten Wildtierhaltung beruht. Dass dieses Argument von Dr. von Hegel als aktive Zoodirektorin vorgebracht wurde, war natürlich umso eindringlicher.  Zum Börsenhandel äußerte sie sich, dass lediglich ca. 10 % der dort gehandelten Arten auf Wildfängen beruhen und der Trend immer weiter in Richtung Hybrid- und Farbzuchten geht. Ein Trend, der aus meiner Sicht zwar als Argument gegen die Behauptung der Tierrechtsszene herhalten kann, dass auf Börsen nur aus der Natur entrissene Tiere gehandelt würden (was faktisch eben nicht stimmt), der jedoch von mir ebenso kritisch betrachtet wird, da dadurch das Argument des Arterhalts auch wieder ein Stück weit hinfällig wird, denn immer absurdere Farbzuchten und Hybridisierungen sind kein Erhalt der natürlichen Artenvarianten.

Zum Abschluss präsentierte Dr. von Hegel noch die Forderungen des BNA in Form von u.a. Sachkundeschulungen für Halter, spezialisierter Sachkunde für Händler und Zertifizierung von Großhändlern und Importeuren, was aus meiner Sicht konstruktive Vorschläge sind und die zum Teil vom BNA auch schon aktiv vorangetrieben werden. 

Beitrag von Peter Buchert, Präsident der DGHT
Der Vortrag vom Präsidenten der Deutschen Gesellschaft für Herpetologie und Terrarienkunde e.V. schilderte ebenfalls die Problematik der im Koalitionsvertrag verankerten Verbote und Einschränkungen. Herr Buchert kritisierte zwar, dass sich einige Halter nicht das erforderliche Fachwissen über die Pflege von Reptilien aneignen und manche Arten als Anfängertiere regelrecht verbraucht würden, dass jedoch die Mehrheit der Wildtierhalter sehr engagiert sei und z.B. in Vorträgen, Fachbüchern und Artikeln in Fachmagazinen ihr Wissen weitergebe, was für andere Halter und nicht zuletzt auch die Wissenschaft von großer Bedeutung sei. Aus seiner Sicht bestätigen die vielen Nachzuchterfolge die artgerechte Haltung von Reptilien und dass diese auch in Privathand möglich sei. Dem schließe ich mich an.

Die größte Problematik beim Arterhalt ist aus Sicht von Herrn Buchert nicht der Handel mit Wildfängen, sondern primär die Zerstörung der Lebensräume oder das Fangen von Tieren für traditionelle Medizin, Luxusartikel oder den Speisetierhandel.

Interessant ist das von Herrn Buchert aufgezeigte Beispiel aus Norwegen, wohin Verbote führen können. So werden in Norwegen jährlich mindestens 1000 illegal gehaltene Reptilien durch die Behörden beschlagnahmt und aufgrund von mangelnder Unterbringungsmöglichkeiten eingeschläfert. Ob das im Sinne des Tier- und Artenschutz ist, wage ich ebenfalls zu bezweifeln.

Nach einigen kritischen Anmerkungen zu sogenannten Positivlisten, erläuterte der DGHT-Präsident noch eine der wichtigsten Säulen für eine artgerechte Pflege: Das Sachkundenachweiskonzept der VDA/DGHT – Sachkunde GbR.

Beitrag von Jochen Weins, Kreis Euskirchen

Dr. Jochen Weins ist Amtsveterinär im Landkreis Euskirchen in Nordrhein-Westfalen und sein Vortrag war einer der wohl schwärzesten Augenblicke des Wildtier-Symposiums. Dr. Weins bediente sämtliche Klischees des Sensationsjournalismus und präsentierte ein paar Vorfälle von z.B. ausgesetzten oder entflohenen Kornnattern und eine Zeitungsmeldung über einen Schlangenbiss, der jedoch auf eine einheimische Ringelnatter zurückzuführen war. Eigentlich also kein Argument gegen die private Wildtierhaltung sondern eher für ein Unterlassen der Verbreitung solcher Schreckensmeldungen. Leider folgten genau solche weiteren Meldungen in der Präsentation des Amtstierarztes (teilweise „spektakulär“ mit Bilder-Shows in Szene gesetzt).

Spätestens die Schilderungen von Dr. Weins über das typische Reptilienklientel, schlugen dem Fass den Boden aus. Er erklärte dem Auditorium allen Ernstes, dass Reptilienhalter z.B. oft Empfänger von Sozialleistungen seien und aufgrund von fehlendem Selbstbewusstsein Reptilien nur für ihr Ego halten würden. Was soll man zu solch einem Stuss eigentlich noch sagen? Danach konnten die in der Präsentation folgenden Bilder von Messie-Haushalten auch nicht mehr schocken.

Dr. Weins brachte außerdem die durch eine Studie der Uni-Leipzig angeblich bestätigten miserablen Tierschutzbedingungen auf den Tisch und bezog sich dabei auf die Landestierschutzbeauftragte von Hessen. Dazu sei erneut gesagt, dass diese Studie in keiner Weise repräsentativ für die in Deutschland gehaltenen Reptilienbestände ist, weil lediglich die Halter von Verdachtstiere in Tierarztpraxen über die Haltungsbedingungen ihrer Tiere befragt wurden (siehe mein Beitrag Miserable Haltungsbedingungen von Reptilien in Privathand bestätigt). Die Probenahme war somit für eine repräsentative Ermittlung der Haltungsbedingungen schon aufgrund der Einseitigkeit fehlerhaft. Dies sollte ein studierter Wissenschaftler wie ein Amtstierarzt eigentlich auch erkennen.

Beitrag von Tom Kirschey, NABU
Der Naturschutzbund Deutschland e.V. war mal eine seriöse und erstzunehmende Naturschutzorganisation. Leider hat dieser Verein einige Aussagen blind von Tierrechtsvereinen übernommen und auf seine eigene Fahne geschrieben, anstatt intensiv selber einmal die tatsächlich vorhandenen Probleme anzuschauen und in das richtige Verhältnis zu setzen. Dies wurde auch in der Präsentation von Herrn Kirschey deutlich.

Die Einleitung und Vorstellung einiger Probleme war noch akzeptabel, wie z.B. die Tatsache, dass Privatzüchter mit den Großhändlern am Markt konkurrieren müssen, die mit ihren Wildfängen die Preise drücken. Auch die Hinterfragung, ob in einem Baumarkt mit Zooabteilung bei den Mitarbeitern die nötige Sachkunde vorhanden ist, war gerechtfertigt. Ich hinterfrage dies ja auch bei konventionellen Zoofachgeschäften, also sei diese Randnotiz von Herrn Kirschey mal geschenkt.

Die vorgeschlagenen Lösungen wurden dem NABU jedoch ganz offensichtlich von anderen NGOs ins Heft diktiert. Beispielsweise wurden die umfangreichen und lobenswerten Sachkundeschul- und Prüfkonzepte der Fachverbände mit dem Argument madig gemacht, dass diese Verbände sich in einem Interessenskonflikt befänden. Das Ziel dahinter ist relativ simpel: Wenn bereits laufende Konzepte zur Abnahme der Sachkunde ausgehebelt werden und nur ein paar wenige amtliche Stellen die Sachkunde prüfen, werden die Reptilienhalter auch gänzlich ohne direkte Verbote dezimiert. Man will uns Haltern, wenn man uns die Haltung schon nicht komplett verbieten kann, diese so schwer wie nur irgendwie möglich machen. Das ist erklärtes Ziel der Tierrechtsbewegung, an die der NABU ebenfalls anknüpft. Das Argument des „Interessenskonfliktes“ ist jedoch total absurd. Den meisten Halterverbänden (und insbesondere denen, die ein Schulungskonzept entwickelt haben) geht es primär um sach- und artgerechte Pflege der Tiere. Außerdem ist dort geballtes Fachwissen vorhanden. Wer, wenn nicht diese sachkundigen Verbände, sollte sonst die Sachkunde beurteilen können? Mit einer solchen Argumentation müsste man sämtliche Schulungen (z.B. Weiterbildung von Elektrikern, Köchen, Humanmedizinern usw.), die nicht von Körperschaften des öffentlichen Rechts sondern von eingetragenen Vereinen aus diesen Branchen organisiert werden, außer Kraft setzen.

Eine weitere Forderung des NABU ist die Einführung einer Positivliste, die nur Arten enthalten soll, die unbedenklich in der Haltung sind. Also die Arten, die den Großteil in den Tierheimen und Auffangstationen darstellen und bei denen (im Vergleich zu seltenen, neuen oder gefährlichen Arten) eklatante tierschutzrechtliche Missstände weitaus häufiger vorkommen. Positivlisten verbessern die Situation nicht für die Tiere und schon gar nicht für die Artenvielfalt. Allenfalls machen sie die Arbeit für die Behörden leichter und auch der konventionelle Zoofachhandel käme damit gut zurecht, weil dann nur noch typische Wegwerftiere gehandelt und Börsen kaum noch besucht werden würden. Ein weiterer nicht zu akzeptierender Ansatz, die Terraristik ausbluten zu lassen.

Beitrag von Dr. Sandra Altherr, Pro Wildlife
Die Präsentation von Pro Wildlife e.V. diente erwartungsgemäß primär der emotionalen Meinungsmache und weniger dem sachlichen Umgang mit der Thematik. Insbesondere das Bildmaterial und die reißerischen Bildunterschriften sind zu kritisieren. Beispielsweise zeigt ein Bild einen Händler (angeblich auf der Terraristika in Hamm), der gerade in Verkaufsboxen verpackte Reptilien aus einer Transportkiste entnimmt. Die Bildunterschrift besagt: „Wühlkiste auf Terraristika“. Damit suggeriert der Verein, dass die Reptilien auf solchen Börsen tatsächlich direkt aus der Kiste heraus verkauft werden würden und die Käufer in den Kisten wühlen und zur Selbstbedienung schreiten. Geglaubt wird dies von einer Klientel, welche sich die Bedingungen auf solchen Börsen nie selber anschauen würde. Dabei würde man jedoch feststellen, dass der Handel auf Börsen so in keiner Weise stattfindet. Irgendwie muss ein Händler ja seine Tiere transportieren. Ein Foto, welches einen Anbieter dabei zeigt, wie er die Tiere für den Verkauf aus einem Transportkarton entnimmt, sagt noch lange nichts darüber aus, wie die Tiere letztlich verkauft werden. Ein ähnliches Bild von einer Styroporkiste, die lediglich für den Transport der Reptilien diente, tauchte in der Präsentation mit der Unterschrift „Reptilien als Stapelware“ auf. Klassische Kleintiere werden nicht anders in die Zoofachgeschäfte transportiert. Auch Stapel- und Wühlkistenware? Wohl eher nicht!

Sicherlich gibt es bei den Börsen auch ein paar Missstände (über die ich selbst in meinen Börsennachbetrachtungen berichte). Dass manche Gewerbliche von einer Börse zur nächsten tingeln und Spontankäufe von unzureichend informierten Leuten getätigt werden, will ich gar nicht von der Hand weisen. Auch nicht, dass ein Großereignis wie die Terraristika illegale Aktivitäten vor dem Gebäude fördert. Aber rechtfertigen solche Einzelfälle ein von Pro Wildlife gefordertes Verbot? Dann müsste auch die Haltung von allen anderen Tieren verboten werden, weil es ab und zu auch dort verantwortungslose Halter und gewinnorientiere Züchter gibt, die Promenadenmischungen von Hunden als Rassehunde verramschen. Missstände gibt es überall, weswegen Kontrollen und Umsetzung der bestehenden Gesetze vorangetrieben werden sollten. Gerade die Terrarisitika ist in diesem Punkt eine Vorzeigebörse, die laufend von Amtstierärzten kontrolliert wird. Auch der Verkauf der Reptilien in kleinen Plastikboxen (ein Bild, welches viele Außenstehende als Tierquälerei aufnehmen) ist in den Tierschutzrichtlinien zur Ausrichtung von Tierbörsen als tierschutzgerecht festgelegt worden. Überspitzt könnte man sagen: Je enger die Box, desto höher der Kontakt der Tiere zu den Wänden und desto sicherer fühlen sie sich.

Die Funktion der Privathaltung als Aspekt des Artenschutzes wurde von Frau Altherr als „Märchen der Arche Noah“ abgetan. Begründet wurde dies damit, dass die Privathaltung für viele Tierarten nicht die Lösung, sondern die Ursache sei. Dies ist nachweislich falsch, da Lebensraumzerstörung für den Anbau von Futtermitteln für die Massentierhaltung und Umweltverschmutzung die Hauptgründe für das Artensterben sind. Nur wenn durch Wildfänge zeitgleich auch der Lebensraum zerstört wird, kann einer Population dauerhaft geschadet werden (so geschenen beim Himmelblauen Zwergtaggecko). Solch ein Vorgehen ist jedoch nicht die Regel. Naturentnahmen für den Heimtiermarkt spielen beim Aussterben von Arten kaum eine Rolle. Ein gutes Beispiel aus unseren Breiten wäre die Kreuzotter: Vor einigen Jahrzehnten noch aus Furcht vor Giftbissen in Massen gejagt, jedoch nicht merklich dezimiert, leidet diese Art in der heutigen Zeit vermehrt unter dem Rückgang ihres Lebensraumes und wird zunehmend seltener.

Laut Pro Wildlife sei die Wiederauswilderung aus Privathand kaum möglich. Dies mag für Farbzuchten zutreffen. Diese sind aber auch kein Raubbau an der Natur. Warum soll hingegen eine Auswilderung von Nachzuchten der Wildform nicht möglich sein? Es handelt sich doch schließlich um Wildtiere, die sich nicht auf den Menschen prägen (denn sonst wären sie ja zu domestizieren und stünden nicht auf der Abschussliste der Tierrechtsbewegung). Hier erzählt Pro Wildlife ein Märchen.

In der Präsentation wurde ebenfalls eine Positivliste gefordert und die Sachkundekonzepte der Fachverbände aufgrund des angeblichen Interessenskonflikts als unzureichend abgetan.

Zu den Regelungen des Handels erläuterte der Verein in seiner Präsentation, dass ein Importstopp die Nachzuchten aufwerten würde. Damit versucht der Club in unseren Kreisen zu fischen. Das ist jedoch ebenfalls ein Märchen! Wenn gewerbliche Händler auf Börsen wegbrechen, wird es kaum noch Veranstalter geben, die für Privatleute größere Börsen ausrichten. Große Teile der Vernetzung würden wegbrechen und der Austausch der Arten würde verringert. Sicherlich gefolgt von Inzuchtdepressionen. Davon abgesehen würden keine neuen Arten mehr in die Terraristik etabliert, was neue Erkenntnisse über die Lebensweise dieser Arten verhindern würde, wodurch wesentliche Grundlagen für den Schutz der Tiere in freier Wildbahn fehlen würden. Und wie schon in meinem Cartoon prophezeit, würden viele Lebensräume für die jeweils ansässige Bevölkerung wertlos und müssten anderweitig genutzt werden (z.B. als Anbauflächen von Monsanto). Das ist alles eher „Contra Wildlife“.

Beitrag des Tierheims Berlin
Das Tierheim Berlin zeigte ein Diagramm, welches einen Anstieg an Tierheimabgaben von Reptilien und insbesondere Schildkröten darstellte. Das Diagramm spiegelte im Grunde wieder, dass immer mehr Reptilien gehalten werden, was sich dadurch erklären lässt, dass immer mehr Leute ein „Stück Natur“ in den eigenen vier Wänden haben möchten. Da auch immer mehr Nachzuchten auf dem Markt sind, die für Normalbürger erschwinglich sind, und sehr viel Fachliteratur sowie Fortschritte in der Terrarientechnik zu verzeichnen sind, ist die Terraristik längst kein Hobby mehr für Spezialisten. Dass dadurch dann auch der Anteil solcher Tiere in den Tierheimen steigt, ist irgendwie logisch. Dass solche Tiere in aller Regel aber nur einen kleinen Teil in den Tierheimen ausmachen, sollte auch bedacht werden (das Tierheim Berlin hat laut Abgabe auf seiner Website (Stand 24.11.2014) einen Anteil von 13,7 % an „Exoten“ im Bestand und ist damit im Vergleich zu anderen Tierheimen ein Spitzenreiter). Wie auch in anderen Tierheimen handelt es sich dabei vorrangig um Arten, die häufig gehalten werden und klassische „Anfänger-  und Wegwerftiere“ in der Terraristik sind (Bartagame, Leopardgecko, Kornnatter, Schildkröte und Co.). Diese Tiere sind schwerer zu vermitteln, da der Markt bereits über die Maße gedeckt ist. Echte Raritäten oder gar gefährliche Tiere findet man nur in Tierheimen oder Auffangstationen, die diese Tiere aufgrund von unüberlegt beschlossenen Haltungsverboten und den daraus resultierenden Beschlagnahmungen oder freiwilligen Abgaben (sei es aufgrund von Verboten oder aus persönlichen Gründen wie z.B. im Falle eines Erbes) aufnehmen müssen. Der verschwindend geringe Anteil von sogenannten „Gefahrtieren“ in Tierheimen wurde bereits in der Tierheimbefragung des Deutschen Tierschutzbundes e.V. deutlich (ca. 0,002 % des durchschnittlichen Gesamttierbesatzes).

Beitrag von Dr. Henriette Mackensen, Deutscher Tierschutzbund
Auch der Deutsche Tierschutzbund e.V. zeichnete ein negatives Bild von der Terraristik und nutzte dafür z.B. Bildmaterial der Reptilienauffangstation München von einer abgemagerten Kornnatter. Solche Fälle sind (im Gegensatz zu den Inszenierungen von Pro Wildlife) natürlich nicht schönzureden. Auch mich hat dieser Fall sehr betroffen gemacht, als ich die Bilder sah. Jedoch findet man im Netz auch Tausende Bilder von misshandelten Hunden und Katzen. Da könnte ebenso die Frage gestellt werden, ob die Halter die im Tierschutzgesetz vorgeschriebenen Kenntnisse zur angemessen Ernährung und Pflege besitzen. In diesem Punkt möchte ich einfach mal behaupten, dass sehr viele Terrarianer sich mit Fachzeitschriften sowie artspezifischer Literatur und auch durch den Kontakt untereinander weiterbilden. Auf Börsen, wo solche Kontakte geknüpft werden, findet man zumeist eine große Auswahl an Fachliteratur, die man sonst im normalen Buchhandel nicht findet. Auf der anderen Seite ist fraglich, wie viele Hunde- oder Katzenhalter oder Halter von z.B. Meerschweinchen sich weiterführendes Fachwissen aneignen, das über „Learning by Doing“ oder der kurzen Einweisung bei einem Zoofachhändler hinausgeht. Die meisten tierschutzrechtlichen Missstände gibt es bei klassischen Haustieren und das nicht nur, weil es davon sehr viel mehr gibt, sondern weil die Halter solche Tiere oftmals sehr viel unbedarfter an die Sache herangehen und das Tier notfalls halt wieder abgeben oder gar aussetzen (worüber in den Medien dann nicht aufbauschend berichtet wird, wie im Falle einer gefundenen Schlange oder Echse).

Ein weiteres Diagramm des Tierschutzbundes zeigte die Vertriebswege von Reptilien in Deutschland. Hier wurde mit einem psychologischen Trick gearbeitet. Es wurde vom Tierschutzbund suggeriert, als wäre der Import der einzige Weg, über den Reptilien in den Handel gelangen. In etwa so präsentierte es der Verein:


Die Züchter wurden einfach mal so an den Rand geschoben, damit sie auch ja übersehen werden. So müsste die Darstellung in der Präsentation eigentlich aussehen, wenn sich der Tierschutzbund halbwegs sachlich und offen mit der Thematik auseinandersetzten würde:


Die tatsächlichen Vertriebswege sind natürlich noch weitaus komplexer und werden von mir in einem separaten Blogpost beleuchtet: Vertriebswege in der „Exotenhaltung“ 

Auf einer der nächsten Folien sprach Frau Mackensen von einem „Exotenboom“ in Deutschland. Darin wurden die Importzahlen genannt, die auch in der SPD-Pressemeldung wieder auftauchen (400.000 bis 800.000 Importe). Ein Diagramm, welches (so viel Zugeständnis muss sein) lobenswerterweise auch in der Präsentation gezeigt wurde, zeigte den folgenden Trend (ich habe es um die Zahlen für 2013 (ca. 320.000 Importe) erweitert):

Die Importzahlen sinken seit Jahren, weil immer mehr Nachzuchten den Bedarf decken können und dank modernerer Terrarientechnik die Ausfallquoten sinken und die Produktivität von Arten steigt, die vor ein paar Jahren noch als besonders heikel galten. Das sind Beweise dafür, dass artgerechte Haltung und Vermehrung von Reptilien in Privathand sehr gut möglich sind. Ich hätte ja vielleicht noch Verständnis dafür, wenn man Verbote für etwas fordert, das aus dem Ruder läuft. Dass jedoch Importe verboten werden sollen, die sich seit Jahren ohnehin bereits im Rückgang befinden, finde ich schon irgendwie seltsam. Zumal sich nicht nur die Terrarientechnik stetig verbessert, sondern dementsprechend auch die Transportbedingungen (Klimasteuerung, Logistik) beim Tierimport, was zu immer weniger Ausfällen auf den Transportwegen führt.

Eine weitere interessante Folie in der Präsentation des Deutschen Tierschutzbundes zeigte einen Haufen Schlagzeilen, die von entflohenen oder ausgesetzten Exoten handelten. Ich habe mir mal die Mühe gemacht und eine ähnliche Folie kreiert: 

 

Konstruktiv sind solche Präsentationen jedenfalls nicht, insbesondere wenn man bedenkt, dass der Tierschutzbund in seiner Doppelmoral die von mir herausgesuchten Vorfälle als „Einzelfälle“ abtun und keine Stellung dazu beziehen würde, die Fälle mit „Exoten“ jedoch für den Kampf gegen die Terraristik herhalten müssen (siehe Gefährliche Tiere: Die Doppelmoral des Deutschen Tierschutzbundes e.V.). Ähnlich verhält es sich mit Bildern von (teilweise tatsächlichen) Missständen auf verschiedenen Börsen, die ebenfalls in der Präsentation gezeigt werden.

Zum Abschluss forderte Frau Mackensen neben einem Verbot des Handels mit Wildfängen ebenfalls die Einführung einer Positivliste. Auch hier sollte sie es besser wissen und erkennen, dass die meisten Dinge, die sie in der Präsentation zuvor angemahnt hatte (tierschutzrechtliche Missstände, fehlende Sachkunde, Tierheimabgaben), sich exakt auf solche Tierarten beziehen, die ohne Weiteres auf einer Positivliste landen müssten (z.B. Bartagame, Kornnatter oder diverse Schildkröten). Frau Mackensen und ihr Verein widersprechen sich also grundlegend selbst.

Beitrag von Volker Homes, WWF
Der Referent des World Wide Fund für Nature sprach einige Missstände beim internationalen Handel mit artgeschützten Tieren an (z.B. Umdeklaration von Nachzuchten). Diese wurden im Rahmen des Artenschutzprogrammes TRAFFIC (Trade Records Analysis of Flora and Fauna in Commerce) ermittelt. Einige der Ergebnisse habe ich bereits separat in meinem Beitrag „WWF über exotische Haustiere: Verschleppt und gefangen“ betrachtet.

Außerdem lieferte der WWF in seiner Präsentation Einfuhrzahlen des BfN von CITES-Arten nach. Diese habe ich zur Verdeutlichung der Verhältnisse für den entsprechenden Zeitraum in das oben bereits gezeigte Diagramm mit den Einfuhrzahlen eingefügt: 


Im Großen und Ganzen machte der WWF in seiner Präsentation aber sachlich auf bestehende Missstände aufmerksam und gab konstruktive Verbesserungsvorschläge wie z.B. eine Ausweitung des Kontrollnetzes z.B. durch Artenschutz-Spürhunde oder das Aussetzen der Einfuhr in Einzelfällen, wenn Zweifel an der legalen Herkunft der Tiere besteht. Die Erfahrungen, die durch TRAFFIC gesammelt wurden, können dabei als Grundlage dienen, um verdächtige Handelsrouten verstärkt zu überwachen. Das sind sehr konstruktive und sachdienliche Vorschläge.

Ein generelles Importverbot wird vom WWF somit nicht gefordert. Es werden auch die Halter- und Züchterverbände in der Pflicht genommen, schwarze Schafe, die illegal mit Naturentnahmen von geschützten Tieren handeln, auszuschließen.

Fazit:
Die Behörden, unsere Interessenvertreter und auch der WWF lieferten in ihren Präsentationen sachliche Argumente und machten zum Teil auch sehr gute Vorschläge, wie die im Koalitionsvertrag verankerten Ziele umgesetzt werden könnten. Die Vorträge der Tierschutzvereine ließen jedoch Sach- und Fachkenntnis vermissen und stellten teilweise Einzelfälle überzogen einseitig (Deutscher Tierschutzbund) oder sogar vollkommen falsch (Pro Wildlife) dar. Dass diese Vereine bei einem Fachgespräch zu solchen Mitteln greifen, zeigt im Grunde genommen bloß, dass sie keine richtigen Argumente vorweisen können, um ihre Ziele durchzusetzen. Der Auftritt des Amtsveterinärs vom Kreis Euskirchen war aus meiner Sicht vollkommen unnötig. Leider bleiben dramatisierte Darstellungen länger im Gedächtnis.

Immerhin hat die SPD-Fraktion erkannt, dass das Thema sehr komplex ist und die Reptilienhaltung nicht mal eben schnell geregelt werden kann. Es soll weitere Fachgespräche dieser Art geben. Nicht zuletzt ist das uns Haltern zu verdanken, die sich bereits im Vorfeld aktiv mit den politischen Entscheidungsträgern in Verbindung gesetzt und auf die Komplexität des Themas aufmerksam gemacht haben. Daher müssen wir auch weiterhin am Ball bleiben und nicht glauben, dass die Verbände alles schon für uns regeln werden oder dass die SPD tatsächlich fachgerecht mit der Thematik umgeht.

Dass Letzteres ein Trugschuss ist, wird auch dann deutlich, wenn man sich die Pressemeldung des SPD-Kreisverbandes Verden zum Wildtier-Symposium durchliest und dabei bedenkt, dass die für diesen Landkreis zuständige Bundestagsabgeordnete Christina Jantz selber daran teilgenommen hat! Mein Kommentar dazu, der mittlerweile auch freigeschaltet wurde:
"Inzwischen werden jährlich rund 800 000 Wildtiere nach Deutschland importiert." Diese Aussage ist nicht richtig. In der Präsentation des Deutschen Tierschutzbundes wurde deutlich, dass ca. 800.000 Importe im Jahr 2007 vom Statistischen Bundesamt ermittelt wurden. 2012 war es jedoch nur noch etwa die Hälfte. Die Zahlen für letztes Jahr sprechen von 320.000 Importen. Die Importzahlen sind also eindeutig rückläufig. Davon abgesehen handelt es sich bei vielen Importen um Nachzuchten wie beispielsweise Farbvarianten von Schlangenzüchtern aus den USA.  

Das Symposium scheint innerhalb der SPD ja leider nicht viel bewirkt zu haben, wenn in den Pressemeldungen immer noch mit Falschbehauptungen gearbeitet wird. Die Ansichten und Schilderungen der sonstigen Beteiligten (z.B. BNA, DGHT, ZZF) vermisse ich in dieser Meldung komplett. Was soll diese einseitige Meinungsbildung? In Ihrer Netiquette erwarten Sie Unvoreingenommenheit, sind aber selber nicht besser. 
Das meine ich mit aktiv am Ball bleiben! Wer glaubt, dass die SPD tatsächlich umdenkt, ist naiv und darf sich am Ende nicht wundern. Wahlversprechen werden auch andauernd gebrochen, daher wäre es nicht verwunderlich, wenn diese Partei ihren Kurs nicht wesentlich ändern wird und wir am Ende doch über die Klinge springen müssen. Wichtig ist, dass wir die Öffentlich darüber in Kenntnis setzen, wenn in solchen Meldungen mal wieder mit falschen Zahlen gearbeitet wird!

Nachtrag vom 03.12.2014:  
Aufgrund meines Kommentars wurden heute die im Artikel der SPD Verden angegebenen Importzahlen korrigiert. Es zahlt sich also aus, wenn man solche Dinge nicht einfach so duldet.

Kommentare:

  1. Eine schöne Zusammenfassung. Ergänzend würde ich noch gern 2 Anregungen hinzufügen:
    1. Diagramm "Vertriebswege - die Thematik ist noch viel komplexer
    Es bestehen doch wohl Bewegungen in gegenseitige Richtungen. Sowohl gewerbliche Züchter (im Diagramm "Züchter") als auch private Halter, die Nachzuchten abzugeben haben (im Diagramm "Privathaushalt") geben Tiere an Groß-, Zoo- und sonstige Händler ab bzw. tauschen oder verkaufen auf Börsen oder via Internet. Viele Fachhändler unterhalten auch einen Internet-Shop. Es ist also eher ein Netzwerk als die Einbahnstraße Import (Züchter) > Händler > "Verbraucher", die sonst im Handel üblich ist.

    2. Tierheim Berlin - durch gute Kontakte zum Tierheim, kann ich sagen, dass der Hauptanteil der knapp 200 Reptilien fast ausschließlich durch Wasser- und Landschildkröten, sowie Kornnattern und Bartagamen gestellt wird. "Gefahrtiere" (laut Berliner Verordnung) werden vom Berliner Tierheim nicht betreut und müssen, wie im Fall der Klapperschlangen aus dem Wedding (Oktober '14), anders untergebracht werden.

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    1. Hallo und herzlichen Dank für die Anmerkungen!

      zu 1. Dass die Vertriebswege komplexer sind, ist mir natürlich auch bewusst. Insbesondere die Zoos und damit der Arterhalt gehen im Schaubild des Tierschutzbundes komplett unter. Das 2. Schaubild ist jedoch nur als direkte Korrektur der DTB-Version aus der Präsentation zu verstehen und nicht als Abbild der tatsächlichen Situation. Das kommt aber vielleicht nicht so deutlich rüber, weswegen ich meine Anmerkungen dazu in meinem Beitrag entsprechend neu formuliert habe. Du hast mich aber dazu inspiriert demnächst mal ein komplexes Schaubild über die Vertriebswege und die Marktanteile in einem separaten Beitrag ausführlich darzustellen.

      zu 2. Ich habe diesbezüglich auch noch mal intensiver recherchiert. Der hohe Peak in dem Diagramm, den ich zuerst auf die Nachwirkungen des Inkrafttretens der Gefahrtierverordnung zurückgeführt hatte, hängt wohl doch nur mit der Schaffung einer Reptilienauffangstation im Tierheim Berlin zusammen. Tja, wäre ein gutes Argument gegen Verbote von „Gefahrtieren“ gewesen. Aber so wird stattdessen erneut deutlich, dass diese Tiere in Tierheimen weniger eine Rolle spielen, sondern vielmehr die Tiere, die auf sogenannten Positivlisten landen würde.

      Gruß
      Marco

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