Samstag, 11. Oktober 2014

Exoten, ein Problem für Tierheime? (Cartoon)

 

Es entspricht erwiesenermaßen der Wahrheit, dass die „Exotenproblematik“ der Tierheime in den Medien von Tierrechtsvereinen und ihren angehörigen Tierheimen gerne überzogen dargestellt wird und dabei der Anteil an domestizierten Tieren unter den Tisch fällt. Dies belegen diverse Tierheimstatistiken. In einer Pressemeldung vom 19. Juni 2014 über eine Tierheimstudie des Deutschen Tierschutzbundes wurde der Anteil an abgegebenen Reptilien in den ca. 700 Tierschutzvereinen des Tierschutzbundes mit ca. 30.000 Stück in einem Zeitraum von 5 Jahren angegeben. Liest man sich die Studie einmal genau durch, wurden im genannten Zeitraum lediglich in 214 Vereinen 9.068 Reptilien abgegeben. Das macht durchschnittlich 8 abgegebene Reptilien pro Jahr und Tierschutzverein bzw. allgemein gesagt: Jährlich landen ca. 1.800 Reptilien in den Tierheimen des Deutschen Tierschutzbundes. Der Anteil an für den Menschen vollkommen harmlosen Tieren lag dabei bei 99,9 %. Gefahrtiere machten mit 0,1 % einen statistisch nicht relevanten Anteil der Tierheimabgaben aus.

Setzt man diese Anzahl mit den Zahlen für Hunde (jährlich 80.000 Stück) und Katzen (jährlich 130.000 Stück) ins Verhältnis, kommt man zu dem Ergebnis, dass auf 1 abgegebenes Reptil 44 Hunde und 72 Katzen kommen. Keiner kann mir sagen, dass die Unterbringung einer Bartagame oder einer Kornnatter aufwendiger sein soll als die von über 100 Hunden und Katzen!

Der Deutsche Tierschutzbund stellt diese Ergebnisse durch eine plumpe Hochrechnung auf sämtliche Tierschutzvereine (die sich größtenteils gar nicht zu der Abgabesituation geäußert hatten und somit womöglich gar keine Reptilien aufgenommen haben) in der Öffentlichkeit als besonders hoch dar. Dies ist unverantwortlich und verzerrt die Realität zu Ungunsten der Exotenhaltung! Dabei liegt der Anteil an klassischen Haustieren wesentlich höher, was jedoch vom Verein offenbar bewusst verschwiegen wird. Diese Zahlen lassen sich mit Stichproben untermauern: Schaut man in die öffentlich zugänglichen Statistiken verschiedener Tierheime, liegt der Anteil an abgegebenen Reptilien im Vergleich zu klassischen Haustieren wie Hunden, Katzen und Nagetieren wie Kaninchen und Meerschweinchen bei durchschnittlich etwa 2 %.

Von mit Exoten überquellenden Tierheimen kann demnach keine Rede sein. Sollte es jedoch zu immer mehr Einschränkungen der Exotenhaltung (beispielsweise mittels Positivliste) kommen, werden vermehrt Tiere in Tierheimen und Auffangstationen landen, die von dort aber nicht mehr vermittelt werden können. Womöglich also eine sich selbst erfüllende Prophezeiung?

Der Grund für die einseitige Darstellung liegt für Tierschutzexperten aber auch auf der Hand: Mit Hunden und Katzen wird man kaum noch in den Medien platziert. Darunter leidet die öffentliche Aufmerksamkeit und somit gehen auch die Spenden zurück. Mit exotischen Themen ist es sehr viel leichter, werbewirksam in den Medien zu erscheinen. Die dadurch generierten Spenden werden dann bei den wahren Problemen im Tierschutz - nämlich den klassischen Haustieren - eingesetzt. Ich selbst arbeite ehrenamtlich im Tierschutz und war schon als Jugendlicher regelmäßiger Katzenkuschler und Hundeausführer in unserem örtlichen Tierheim. Daher weiß ich auch, wo den Tierheimen der Schuh tatsächlich drückt. Die Verzerrung der öffentlichen Wahrnehmung über die Exotenhaltung ist aber sicherlich kein angemessenes Mittel, um die rückläufige Unterstützung für Tierheime aufzufrischen.

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