Freitag, 26. September 2014

Verantwortungsvolle Tierfreunde halten keine „Exoten“, weil…

Wenn ich bei Google das Wort „Exoten“ eingebe, lande ich nach einem Klick auf die erste gefundene Seite auf der Website des Deutschen Tierschutzbundes e.V., auf der nicht wirklich fachlich über sogenannte „Exoten“ als solche aufgeklärt, sondern die Haltung dieser Tiere und der Handel mit ihnen verzerrt dargestellt wird.

Einige Aussagen auf der besagten Seite lassen mich nach einem Biss in die Tischplatte erneut am Sachverstand dieser Organisation zweifeln. Beispielswiese wird in der Einleitung pauschal die Aussage getätigt, dass die nach der Definition des Vereins gemeinten Exoten (also nicht domestizierte Wildtiere, die nicht in Deutschland heimisch sind) nicht an das Zusammenleben mit dem Menschen gewöhnt und daher für die Haltung als Heimtier ungeeignet seien. Wenn ich meinen eigenen Bestand mal so anschaue, muss ich hingegen feststellen, dass diverse Tiere mir gegenüber ein gänzlich anderes Verhalten zeigen. Warum kommen Wasseragame, Bartagame, Leopardgecko, Viperngecko, Namibgecko, Kronengecko, Taggecko, Pfeilgiftfrosch, Strumpfbandnatter, Hausschlange, Dreiecksnatter und Wasserschildkröte „freudig“ in meine Richtung gelaufen, gekrochen bzw. geschwommen, wenn sie doch eigentlich nicht an mich als Vertreter der Art Homo sapiens gewöhnt sind und daher doch normalerweise ängstlich die Flucht ergreifen sollten? Nein, das ist kein suizidales Verhalten, mit dem die Tiere aus ihrer ach so qualvollen Gefangenschaft entfliehen wollen. Die Antwort ist denkbar simpel: Diese Tiere gewöhnen sich an den Menschen und lernen, dass das Erscheinen eines solchen nicht nur keine Gefahr darstellt, sondern vielleicht sogar positive Effekte (Futter) mit sich bringt. 
 

Diese Tiere sind also entgegen der Behauptung des Tierschutzbundes sehr wohl an ein Leben mit dem Menschen gewöhnt. Selbst manche Wildtiere in freier Natur suchen gezielt die Nähe des Menschen. Von Hausspinnen über Tauben, Krähen, Möwen bis hin zu Waschbären, Eichhörnchen und Co.

Angenommen ich würde meine Wasserschildkröte in ihrem natürlichen Lebensraum auswildern. Sie würde auch dort das Erscheinen eines großen Säugetieres mit Futter verbinden und direkt in die Klauen eines potentiellen Fressfeindes schwimmen. Leidet dieses Wildtier also in Gefangenschaft, sofern diese ihre Bedürfnisse erfüllt? Wohl eher nicht. Man möge außerdem bitte den feinen Unterschied erkennen zwischen einem wildgefangenen Wildtier und einem in menschlicher Obhut geborenen und aufgezogenen Wildtier. 

Der Text auf der Website des Tierschutzbundes geht natürlich noch weiter ins Detail und nennt Gründe, weswegen verantwortungsbewusste Tierfreunde keine „Exoten“ auf Börsen, im Internet oder im Zoofachhandel kaufen sollten:

Wildtiere, die der Natur entnommen wurden, sind für die Haltung in Gefangenschaft völlig ungeeignet. Fang, Transport und Aufenthalte bei Groß- und Zwischenhändlern bedeuten großen Stress für die Tiere. Meist leiden sie unter Parasitenbefall, Krankheiten, Abmagerung und Austrocknung. Zudem wird der Artenschwund gefördert.
Quelle: http://www.tierschutzbund.de/exoten.html

In diesem Punkt stimme ich dem Verein sogar ein wenig zu. In meinem Bestand befanden sich bisher insgesamt fünf verschiedene Wildfänge. Von zwei Agakröten, einer Bändernatter, einem Tokeh und einer Ägyptischen Blaukehlagame verstarben in der Tat die Bändernatter und eine Agakröte (übrigens beide vom selben Händler) frühzeitig. Die anderen Wildfänge gewöhnten sich jedoch schnell an die Gefangenschaft, waren allerdings (abgesehen von der Agakröte) am Anfang auch nicht ganz unproblematisch. Daher sollten nur fortgeschrittene Terrarianer solche Tiere aufnehmen. Dass wildgefangene Tiere jedoch völlig ungeeignet sind, ist eine pauschale Aussage, die meiner Meinung nach nicht zutrifft. Im Falle der Agakröte und einiger anderer Arten, die mancherorts sogar als Plage auftreten oder im großen Stil für Medizin oder Nahrung gejagt werden, ist das Argument des Artenschwundes zudem äußerst unverhältnismäßig. Das der Großteil der in Terrarien gehaltenenen Tiere aus Nachzuchten stammt, die diese Arten somit erhalten, wird auch gerne verschwiegen. Jeder kann oben in den Seiten dieses Blogs einen Blick auf meinen eigenen Bestand werfen. Ich verschweige weder die wenigen Ausfälle von Wildfängen noch die diversen Tiere, die aus Nachzuchten stammen und die sich seit Jahren bester Gesundheit erfreuen.

Die Haltung von Reptilien, wie zum Beispiel Echsen, setzt detaillierte Spezialkenntnisse voraus. Viele von ihnen erreichen ungeahnte Endgrößen. So wird eine niedlich kleine junge Wasserschildkröte oft suppentellergroß, ein Grüner Leguan bis zu zwei Meter lang. Außerdem werden viele Reptilien mehrere Jahrzehnte alt - Schildkröten z. T. sogar bis zu 80 Jahre.
Quelle: http://www.tierschutzbund.de/exoten.html

Das sind alles keine Argumente dafür, dass ein verantwortungsbewusster Tierfreund diese Tiere nicht erwerben sollte. Denn ein solcher wird sich die Spezialkenntnisse aneignen, den Tieren den erforderlichen Platz bieten und im besten Fall auch für die Betreuung nach seinem eigenen Ableben sorgen. Mit diesen Argumenten könnte man auch alle anderen Haustiere ausreden, da jedes seine eigenen Bedürfnisse hat, einen gewissen Platz benötigt und sein ganzes Leben lang artgerecht gehalten werden muss (laufende Kosten inklusive). Diese Argumente sind also hinfällig bzw. sind kein exklusives Ausschlusskriterium für die Haltung von nichtdomestizierten Wildtieren.

Die Haltung von Schlangen ist schon allein wegen ihrer Futteransprüche aus Tierschutzsicht abzulehnen. Schlangen sind Fleischfresser und brauchen komplette Futtertiere (Mäuse, Ratten, Kleinnager) als Nahrung. Sowohl die Lebendfütterung, als auch die Fütterung mit frisch toten Futtertieren oder Frostfutter birgt erhebliche Tierschutzprobleme.

Quelle: http://www.tierschutzbund.de/exoten.html

Ich selber praktiziere die Lebendverfütterung von Wirbeltieren nicht und werde sie auch zukünftig nicht durchführen, solange sie aufgrund von Futterproblemen nicht notwendig sein sollte. Dabei geht es mir jedoch primär darum, dass meine Schlangen nicht verletzt werden. Das Verfüttern von Frostfutter kann nur dahingehend vom Tierschutzbund verurteilt werden, dass die Zucht der Nager angeprangert wird oder dass emotional jedes getötete Tier zu Nahrungszwecken kritisch betrachtet wird. Dabei liegt in solchen Fällen ein wichtiger Grund für die Tötung eines Tieres nach § 1 TierSchG vor. Von Tierschutzproblemen kann also grundsätzlich erst einmal keine Rede sein. Womit werden eigentlich Katzen oder Hunde ernährt? Im Falle einer artgerechten Ernährung ebenfalls mit Fleisch. Und woher kommt das Fleisch? Größtenteils aus der Massentierhaltung. Dass manche Leute ihre Hunde aufgrund dieser Zwickmühle vegan ernähren (solange dieser davon keine Allergien bekommen) ist mir unerklärlich, wo es doch diverse Alternativen gäbe. Wie wäre es z.B. mit einer 100 % vegan lebenden Landschildkröte?

Auf die Tierheim-Umfrage und die dubiose Hochrechnung des Tierschutzbundes bin ich ja bereits hier ausführlich eingegangen, weswegen ich mich dazu an dieser Stelle nicht erneut auslasse.

Es geht bei unserer Position weder darum, jedwede Tierhaltung in Privathand zu untersagen, noch das Engagement vieler tierbegeisterter Menschen in Frage zu stellen.
Quelle: http://www.tierschutzbund.de/exoten.html

Herzlichen Dank! Wobei… da kommt doch jetzt bestimmt noch ein „aber…“ hinterher.

Allerdings ist damit nicht zu rechtfertigen, dass die übergroße Mehrheit der Privatbesitzer von Tieren exotischer Natur mit ihren Pfleglingen nicht zurechtkommt, und die Tiere dementsprechend Leiden und Schäden erfahren.
Quelle: http://www.tierschutzbund.de/exoten.html

Jedem seine Meinung. Dann aber bitte auch so konsequent, dass man nicht nur eine Randgruppe von Tierhaltern herauspickt, gegenüber der die Bevölkerung ohnehin schon gewisse Vorbehalte hat, und deren Probleme kritisiert, sondern dann bitte auch mal vor der eigenen Türe kehren: Domestizierte Tiere wie Hunde, Katzen oder Pferde sind in Tierheimen, im Sinne der Faunenverfälschung, aufgrund von überforderten Haltern oder wegen ihres Gefahrenpotentials nun einmal sehr viel problematischer als die meisten nichtdomestizierten Wildtiere, die in Terrarien gehalten werden. Dies wird durch diverse unabhängige Studien, Unfallstatistiken, Gutachten, Pressemeldungen und Fachberichte belegt. Mir wäre ein radikaler Verein, der konsequent jede Art von Tierhaltung ablehnt, eigentlich sogar wesentlich lieber als ein von Doppelmoral triefender Club, der sich in seiner Feigheit z.B. nicht mit der Hundelobby anlegen will, jedoch feuchte Träume beim Gedanken an ein Verbot der Wildtierhaltung bekommt. Der Deutsche Tierschutzbund, PETA, Vier Pfoten und Co. schenken sich in dieser Unglaubwürdigkeit meiner Meinung nach jedenfalls rein gar nichts. 

Weitere Anmerkungen zur Grundsatzposition des Deutschen Tierschutzbundes über die Haltung von sogenannten Exoten in Privathaushalten findet ihr hier im Blog.

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