Sonntag, 14. September 2014

Nachbetrachtung: 55. Terraristika Hamm

Am Samstag den 13.09.2014 fand in Hamm die 55. Terraristika statt. Ich war auch wieder mit meinem Partner vor Ort, um mein persönliches Terraristika-Jahr abzuschließen. Denn die Winterbörse besuche ich aufgrund der zu erwartenden Tiefstemperaturen grundsätzlich nicht. Erstaunlicherweise war dieses Jahr die Börse einmal richtig gut ausgeschildert. Dies lag allerdings nicht in der Hand der Betreiber, sondern ist der Tierrechtsorganisation PETA zu verdanken. Denn diese brachte im Umfeld der Zentralhallen diese Plakate an:

Foto: PETA-Plakat aufgenommen von Marco Bergmann
Von Weitem dachte ich zuerst: „Mensch, das ist doch das Terraristika-Logo! Die machen ja heute richtig Werbung neben dem alten Plakat an der Richard-Wagner-Straße, welches offenbar jedes Jahr erneut aus der Garage gekramt wird.“ Beim zweiten Blick offenbarte sich jedoch der Inhalt des Plakates. Die Auslobung „Weltweit größte Börse für Exotenqual“ wird von PETA mit Falschbehauptungen begründet, die von diesem Club auf der unter dem Plakat angegebenen Website verbreitet werden. Dort findet man wieder einmal die leidige Behauptung, dass jedes zweite Reptil in Gefangenschaft stirbt. Vegane PETA-Aktivisten scheinen offenbar zu Wiederkäuern zu mutieren und ständig denselben Mist auszukotzen, für den es keinerlei wissenschaftliche Grundlage gibt. Stellen doch über 90 % der angebotenen Tiere auf der Terraristika Nachzuchten dar, die es wohl nicht gäbe, wenn die Exoten so sehr in der Haltung gequält werden würden, wie es PETA behauptet. Daher äußere ich mich an dieser Stelle einmal nicht zu diesem Irrsinn, sondern fahre mit meinen persönlichen Eindrücken der Börse fort:

Dank unserer DGHT-Bändchen kamen wir schnell auf die Börse. Die Menschenschlange am Eingang versprach jedoch bereits, dass es sehr voll werden würde. Stellenweise hatte ich den Eindruck, dass neuerdings auch Elefanten angeboten würden, dabei waren das nur äußerst übergewichtige Börsenbesucher. In solchen Momenten frage ich mich echt, wie die erworbenen Tiere artgerecht ernährt werden sollen, wenn die Besitzer schon nicht selbst auf ihre Ernährung achten können. Noch unentspannter reagierte ich in dem Gedränge auf Mütter mit ihren... na... wie nennen sich diese kleinen Teile noch gleich... ach ja... Kindern. Dass man von Elfantenmutanten in Kinderwagen geschoben wird und von den Müttern dann noch abfällige Kommentare erntet, hat mit einem entspannten Börsenbesuch nichts mehr zutun. Daher stellte diese Terraristika meine Ellenbogen vor eine große Aufgabe. Hier könnte die Presse gerne Schlagzeilen wie „Deutschlands tödlichste Messe“ veröffentlichen. In Zukunft wären bessere Einlasskontrollen am Eingang wünschenswert. Ob Kinderwagen auf der Börse untersagt werden sollten, ist vielleicht vom sozialen Standpunkt her gegenüber Familien etwas fraglich, für mich wäre es jedoch wünschenswert. Unter Umständen lassen sich die hohen Besucherzahlen auf die Plakataktion von PETA zurückführen. Schließlich sind dadurch sicherlich viele Leute erst auf die Börse aufmerksam geworden. Natürlich unbedarfte Leute, die Spontankäufe tätigen und nicht die Experten, die wie ich viele Kilometer nach Hamm reisen und bereits Terrarien für die Tiere vorbereitet haben. Grandios gemacht, liebe PETA. Damit habt ihr selber exakt das Tierleid produziert, das ihr sonst immer anprangert. Das ist euch euer PR-Gag hoffentlich wert.

Dieses Mal wurden sehr viele Hakennasennattern angeboten. Bei den Kronengeckos, Pfeilgiftfröschen und sogar bei Kornnattern war ein Rückgang zu spüren. Dafür wurden vermehrt Dreiecksnattern und andere Königsnattern angeboten. Highlights waren diverse Blattschwanzgeckos (Uroplatus) in teilweise beachtlicher Größe, ein subadultes Männchen der Australischen Wasseragame sowie ein paar Weibchen von dieser (vor mir bereits gepflegten) Art und ein Anbieter, der neben Taranteln inkl. Eikokon auch Vertreter der Gattung Latrodectus, also Echte Witwen verkaufte. Deklariert waren die Tiere als Latrodectus sp., es schien sich jedoch um Europäische Schwarze Witwen (Latrodectus tredecimguttatus) gehandelt zu haben. Dass diese Tiere so nebenbei zum sonstigen Sortiment des Anbieters außerhalb des Gifttierraums verkauft wurden, halte ich für ziemlich gewagt.

Eigentlich wollte ich dieses Jahr die Ausgabe der vorgeschriebenen „Beipackzettel“ überprüfen, die nun nicht nur in der Börsenordnung, sondern auch im Tierschutzgesetz verankert sind. Dazu kam es jedoch nicht, da die von mir geplanten Wirbeltierkäufe nicht zustande kamen: Wir suchten Weibchen für unsere männliche Ägyptische Blaukehlagame (Trapelus savignii) sowie unseren männlichen Namibgecko (Pachydactylus rangei), einen Jungferngecko (Lepidodactylus lugubris), ein weiteres Weibchen für unsere Zuchtgruppe Rübenschwanz-Viperngeckos (Hemidactylus imbricatus), bei denen uns kürzlich die Nachzucht gelang, sowie Chinesische Rotbauchunken (Bombina orientalis). Die Blaukehlagame, der Namibgecko und der Jungferngecko wurden (soweit wir es im Geschiebe überblicken konnten) nicht angeboten, da diese vermutlich einfach zu langweilig sind im Vergleich zu den ganzen Bartagamen- und Leopardgecko-Farbzuchten. Die angebotenen Rübenschwanz-Viperngeckos waren nicht viel größer als unsere vor wenigen Wochen geschlüpften Nachzuchttiere und daher für die Zuchtgruppe ungeeignet. Bei den Rotbauchunken waren grundsätzlich die Etiketten nicht vollständig beschriftet. Beispielsweise fehlten die Geschlechtsangaben. Bei einem Anbieter war ich mir zwar mit der Geschlechtsbestimmung ziemlich sicher, entschied mich jedoch dann doch gegen einen Kauf, da ich an der Kompetenz des Anbieters zweifelte, dessen Tierangebot und Preise mich eher an einen gewerblichen Tierhändler erinnerten. Diese möchte ich jedoch ungern unterstützen. Vielleicht habe ich ja Anfang Oktober auf der Terrarienbörse Hannover endlich die Gelegenheit, meine leidige Suche nach Chinesischen Rotbauchunken zu beenden. Langsam wird aus dieser Odyssee ein roter Faden durch alle Börsenberichte.

Ansonsten war der Besuch für mich sehr erfolgreich: Neben einer Grammostola pulchra und einem juvenilen Theraphosa stirmi Weibchen konnte ich meinen Wirbellosenbestand mit einem Zuchtpaar der Türkisen Stabschrecke (Myronides sp.) aufstocken, welches daheim auch gleich mit der Paarung begann. Meine Suche nach der Rotgeflügelten Samtschrecke (Peruphasma schultei), den in meinen Augen schönsten bisher bekannten Phasmiden, endete bei einer sehr freundlichen Anbieterin, die 10 Exemplare aus ihrer eigenen Nachzucht verschenkte, da sie von dieser Art in diesem Jahr einen Überschuss produziert hatte. Am Stand des Natur- und Tierverlags konnte ich zudem noch eine Ausgabe der im Onlineshop aktuell vergriffenen DRACO-Ausgabe Nr. 51 „Gifttiere, Gifte, Menschen“ ergattern. Da die Tierrechtler insbesondere die Gifttierhalter anprangern, kann es nicht schaden, wenn ich mich diesbezüglich weiterbilde, auch wenn die Haltung der meisten in diesem Heft genannten Arten in meinem Bundesland bereits verboten bzw. stark reglementiert ist.

Die 55. Terraristika war für mich also äußerst stressig, jedoch weitestgehend auch sehr erfolgreich. Mal schauen was das kommende Terraristika-Jahr bescheren wird.

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