Donnerstag, 28. August 2014

Die Streifenköpfige Bartagame (Pogona vitticeps)

Streifenköpfige Bartagame (Pogona vitticeps)
Streifenköpfige Bartagamen (Pogona vitticeps) sind sehr beliebte Terrarientiere. Ihr absolut ruhiges und sogar zutrauliches Verhalten gegenüber dem Menschen macht sie zu beliebten Einsteigertieren in der Terraristik. Leider übersehen viele Leute, die ein solches Tier günstig im Zoofachhandel, von einem Züchter oder gar spontan auf einer Börse oder im Internet erwerben, dass auch diese Tiere natürlich ihre Bedürfnisse haben, über die man sich im Vorfeld informieren muss. Diese Bedürfnisse können zwar problemlos erfüllt werden, bedürfen jedoch Fachkenntnis und auch finanziellem Aufwand, den viele Leute im Vorfeld unterschätzen. Werden die Bedürfnisse jedoch nicht erfüllt, kränkeln die Tiere in schlechter Haltung und werden dann evtl. im kranken Zustand abgegeben, was einfach nur respektlos gegenüber diesen wunderbaren Tieren ist. Auf diese Problematik gehe ich an anderer Stelle dieses Blogs ausführlicher ein: Bartagamen – Die armen Schweine der Terraristik

Namensgebend für die Tiere ist ihr „Bart“, welcher insbesondere bei den Männchen in der Paarungszeit schwarz gefärbt ist und als Drohgeste abgespreizt werden kann. Pogona vitticeps wird im Deutschen auch „Farbbartagame“ genannt, da die Beschuppung je nach Herkunft und Erregungszustand der Tiere von grau, dunkelbraun, schwarz, orange bis hin zu rot in verschiedenen Helligkeitsabstufungen variiert. Ferner sind diverse Farbzuchten auf dem Markt. Eine verhältnismäßig neue Zuchtlinie ergab Tiere ohne Schuppen („Silkback“), was ich persönlich nicht gutheiße, da diese sonnenhungrigen Tiere mitunter empfindlich auf UV-Strahlung reagieren oder während der Paarungszeit von den recht rabiaten Männchen schwer verletzt werden können. Von verstärkt auftretenden Inzuchtproblemen mal ganz abgesehen. Daher haben diese Qualzuchten meiner Meinung nach in der Terraristik, bei der es primär um die artgerechte Haltung von Wildtieren gehen sollte, einfach nichts zu suchen und sollten aus Tierschutzgründen nicht erworben werden, um ihre Zucht durch einen Kauf nicht noch weiter zu unterstützen.

Die Kopf-Rumpf-Länge von Pogona vitticeps beträgt ca. 25 cm, die Gesamtkörperlänge kann bis zu ca. 55 cm betragen. Männchen werden in der Regel größer als Weibchen. Eine sichere Geschlechtsbestimmung ist jedoch nur mit den bei Männchen durch die Schwanzwurzel erkennbaren Hemipenes möglich. Manche Männchen können ihre Hemipenes allerdings eine lange Zeit verbergen, daher ist eine Fehlbestimmung als Weibchen bei diesen Tieren möglich.

Pogona vitticeps stammt aus Australien und besetzt dort große Verbreitungsgebiete im östlichen Zentrum des Kontinents. Der natürliche Lebensraum setzt sich aus halbtrockenen Wäldern, Trockenwäldern und Gebieten mit hoher Sonneneinstrahlung zusammen. In Australien sind Streifenköpfige Bartagamen geschützt und dürfen nicht außer Landes gebracht werden. In Deutschland unterliegen die Tiere jedoch keinem Schutzstatus. Glücklicherweise ist der deutsche Zuchtstamm stabil und nicht so sehr von Inzestdepressionen gebeutelt, wie bei anderen Tierarten, bei denen der Nachschub an Wildfängen aufgrund von Ausfuhrverboten der Herkunftsländer abgeschnitten wurde.

Die Tiere sitzen in der Natur und auch im Terrarium sehr gerne an sonnenexponierten Stellen, welche sie nur für die Futter- oder Partnersuche verlassen. Von dort überblicken sie ihre Territorien. Insbesondere die Männchen sind sehr territorial und dulden keine Geschlechtsgenossen in ihrem Lebensraum. Eindringlinge werden durch Drohgesten wie Kopfnicken, Bartabspreizen und Winken aus dem Revier vertrieben. Sind die Kontrahenten gleich stark, kommt es auch zu Kämpfen, welche oftmals mit Verletzungen enden. Bartagamen sind von Natur aus Einzelgänger, können aber auch in Gruppen gehalten werden. Dann aber wie erläutert nur mit einem Männchen, da es sonst zu gefährlichen Revierkämpfen kommen kann, wenn das unterlege Männchen das Revier nicht verlassen kann. Auch bei Gruppen mit mehreren Weibchen oder auch bei Paaren kann es zu Problemen kommen, wenn ein Tier unterdrückt wird, die Nahrungsaufnahme einstellt und dadurch kümmert. In einem solchen Fall muss die Gruppe ebenfalls getrennt werden. Eine Paarhaltung ist zwar möglich, jedoch ist dann der Paarungseifer des Männchens für das Einzelweibchen oftmals ein großer Stress, den man vermeiden sollte.

Wie bei allen wechselwarmen Tieren spielt auch bei Bartagamen die Umgebungstemperatur eine überlebenswichtige Rolle. In freier Natur suchen die Tiere sonnenbeschienende Plätze auf, um sich dort aufzuwärmen. Meist sind sie zu Tagesbeginn noch dunkel gefärbt, um die Wärme der Sonne effektiv speichern zu können. Sobald sie sich aufgewärmt haben, hellen sie auf und gehen ihrem täglichen Geschäft (Futtersuche, Revierkämpfe, Partnersuche und Paarung) nach. Wenn es den Tieren zu warm wird, suchen sie kühlere Verstecke auf oder öffnen das Maul, um durch die Verdunstung überschüssige Wärme abzuleiten. Im Winter ziehen sich die Tiere für eine mehrwöchige Winterruhe zurück. Im Anschluss daran beginnen die Paarungsaktivitäten.

Pogona vitticeps ernährt sich von pflanzlicher und tierischer Kost. Als tierische Kost dienen vor allem Insekten und andere Wirbellose, aber auch kleine Säugetiere, Reptilien (auch der eigene Nachwuchs!), Vögel (vor allem Bodenbrüter) und andere Kleintiere, die von den Agamen bewältigt werden können. Der Anteil an tierischer Kost überwiegt in der Jugend, mit zunehmendem Alter beträgt der Anteil an pflanzlicher Kost hingegen bis zu 80 %. 

Die Nachzucht von Pogona vitticeps gestaltet sich nicht sehr schwer, sollte aber wenn überhaupt nur mit Bedacht durchgeführt werden, da diese Tiere sehr häufig nachgezogen werden und viele Halter im Laufe der Zeit das Interesse an den Tieren verlieren und diese wieder abgeben möchten. Der Markt ist also übersättigt mit diesen Tieren, was die Preise der Nachzuchten (insbesondere von wildfarbenen Exemplaren) drückt und dadurch viele Tiere in wenig optimalen Haltungsbedingungen landen. Die Zucht zu Futterzwecken (z.B. für echsenfressende Schlangen wie Lamprophis aurora) klingt zwar makaber, ist aber tierschutzrechtlich unbedenklich und würde eine Nachzucht von Bartagamen zumindest rechtfertigen. Abgesehen davon wären gezielte Zuchtprogramme zur Erhaltung der wildfarbenen Variante und der Vermeidung von Inzuchtdepressionen wünschenswert. Von allen anderen Nachzuchtbemühungen sollte bei dieser Tierart jedoch abgesehen werden, solange es dermaßen viele Halter oder gar Tierheime gibt, denen man nicht mehr gewollte Bartagamen abnehmen kann.

Haltungsbedingungen:
Streifenköpfige Bartagamen lassen sich in trockenen Wüstenterrarien pflegen. Dabei sollte man den Lebensraum möglichst naturnah gestalten und den Tieren Kletteräste (die breiter als sie selbst sein sollten) und verschiedene Versteckplätze bieten. Für eine eventuelle Bepflanzung eignen sich aufgrund des trockenen Klimas allenfalls Sukkulenten und Tillandsien, die dann aber evtl. von den Tieren als Nahrung angesehenen werden. Als Bodengrund sollte man ein grabfähiges Gemisch aus Sand und Lehm verwenden. Statt teurem Terrariensand aus dem Fachgeschäft empfehle ich gewaschenen Spielkastensand aus dem Baumarkt (dieser sollte jedoch nicht mit chemischen Mitteln keimfrei gemacht worden sein, da dies den Tieren schaden kann), den man mit Lehm im Mischungsverhältnis 1:5 (1 Teil Lehm zu 5 Teilen Sand) oder 1:7 mischt. Loser Sand ohne Lehmanteil ist nicht empfehlenswert, da dieser laut Literatur zu Wirbelsäulenverkrümmung und Hüftproblemen führen kann. Ergänzt wird die Einrichtung z.B. mit Dekorationen (dienen als zusätzliche Reviergrenzen) und Steinen, die jedoch einsturzsicher aufgebaut werden müssen. Ich habe einen Stein direkt unter dem Sonnenplatz liegen, welcher auch noch nach Ausschalten der Lampe eine gewisse Restwärme abstrahlt und gerne als Schlafplatz genutzt wird. Bartagamen schlafen übrigens gerne mal in den unmöglichsten Positionen:
 
Aufrecht an der Wand schlafende Bartagame

Die Mindesthaltungsrichtlinien für Reptilien des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten geben für ein Pärchen ein Terrarium mit den Maßen 5 x 4 x 3 (Länge x Tiefe x Höhe) der Kopf-Rumpflänge an. Bei einer Kopf-Rumpf-Länge von 25 cm macht dies ein Terrarium von mindestens 125 cm x 100 x 75 cm für ein adultes Pärchen. 



Ein wichtiger Punkt bei der Haltung von lichthungrigen Tieren wie der Bartagame ist die Beleuchtung des Terrariums. Ein einzelner Wärmespot reicht dafür nicht aus! Das Terrarium muss zusätzlich mit einer Grundbeleuchtung ausgestattet werden, die täglich ca. 12 Stunden lang brennen sollte. Dafür eignen sich Leuchtstoffröhren mit einer Farbtemperatur von ca. 6000 Kelvin.

Ein zusätzlicher Sonnenplatz mit dem richtigen Anteil an UV-Strahlung ist ebenfalls überlebenswichtig und verhindert Mangelerscheinungen. Ich empfehle die „Bright Sun UV Desert“ der Firma Lucky Reptile (welche allerdings ein Vorschaltgerät benötigt). Ein Set inkl. Vorschaltgerät (bevorzugt „Bright Control Pro II“, denn dieses verbraucht weniger Energie als das elektronische Vorgängermodell „Bright Control“) kostet je nach Bezugsquelle um die 120 Euro. Die Lampe (Kostenpunkt einzeln ca. 40 Euro) muss jährlich ausgetauscht werden, da der UV-Ausstoß mit der Zeit geringer wird. Dies sollte ein zukünftiger Halter von Bartagamen beachten, da die Tiere sonst Mangelerscheinungen in Form von Rachitis bekommen können. Im Handel sind auch Leichtstoffröhren und Kompakt- bzw. Energiesparlampen mit UV-Anteil erhältlich. Diese sind zwar für viele Tierarten (z.B. aus Regenwäldern) sehr gut geeignet, jedoch meiner Meinung nach nicht für tagaktive Wüstenbewohner und Sonnenanbeter wie Bartagamen. Als Ergänzung können sie zwar nicht schaden, jedoch sollten sie nicht als einzige UV-Quelle dienen. Da Reptilien für die Synthese von Vitamin D3 neben UVB-Strahlung auch Strahlungswärme benötigen, ist ohnehin ein weiterer Hitzespot nötig, weswegen man dann auch direkt eine hochwertige Bright Sun UV Desert anschaffen sollte, die ein wirklich sehr helles und sonnenähnliches Licht erzeugt, Wärme abstrahlt und einen UV-Ausstoß hat, der den ganztägigen Einsatz ermöglicht.

Die Temperatur im Terrarium sollte tagsüber zwischen 25 °C in der kühlsten Ecke des Terrariums und bis zu 45-50 °C unter dem Sonnenplatz liegen. Nachts kann die Temperatur auf Zimmertemperatur absinken. Die Luftfeuchtigkeit sollte tagsüber bei ca. 30-40 % liegen. Nachts sollte sie auf ca. 50-60 % ansteigen. Bartagamen häuten sich in Fetzen und dies eigentlich ständig (überspitzt gesagt: Kaum ist der Schwanz fertig gehäutet, fängt am Kopf schon wieder die nächste Häutungsphase an), weswegen auch während dieser Zeit die genannten Werte das Optimum darstellen. Ein Badebecken kann, muss den Tieren aber nicht zur Verfügung gestellt werden. Eine Wasserschale mit sauberem Trinkwasser ist jedoch ein Muss. Gesprüht wird bevorzugt morgens kurz nach Einschalten der Beleuchtung, denn die Tiere nehmen in der Natur den Morgentau auf und decken so ihren Trinkwasserbedarf. Aktiv aus der Wasserschale getrunken wird dagegen eher selten.

Gefüttert werden adulte Bartagamen täglich mit frischem Grünfutter, welches man mit einem Calciumpräparat oder Sepiaschale bestäuben sollte. Wildkräuter und Blüten stellen hierbei das Optimum dar (natürlich keine Giftpflanzen!). Käuflich erworben werden kann z.B. Rucola / Rauke. Andere (echte) Salate sind weniger gut geeignet, da sie nur wenige Nährstoffe enthalten. Insider bezeichnen Kopfsalat scherzhaft auch als den 4. Aggregatzustand von Wasser. Obst sollte nur vergleichsweise selten gefüttert werden. An tierischer Kost eignen sich diverse Futtertiere aus dem Zoofachhandel oder auch Wiesenplankton (keine geschützten Arten fangen!), welche man alle 2-3 Tage anbieten sollte. Die Futtertiere sollte man zusätzlich mit einem Vitaminpräparat bestäuben (auf Anweisung des Herstellers achten). Trächtige Weibchen können außerdem ergänzend mit nestjungen Mäusen (aufgetautes Frostfutter!) gefüttert werden, da eine Trächtigkeit oftmals sehr kräftezehrend ist. Ein Fastentag pro Woche ist ebenfalls anzuraten. Viele Bartagamen in der Haltung sind übergewichtig, daher ist weniger oftmals mehr. Fertigfutter aus der Zoofachhandlung wird von mir nicht grundsätzlich verurteilt und kann eine ausgewogene Ernährung ergänzen, sollte jedoch nicht der Alleinfutter dienen.

Bartagamen sollten für die Gesunderhaltung eine jährliche Winterruhe einlegen. Dafür sollten bereits im Herbst Kotproben untersucht werden, da nur gesunde Tiere in die Winterruhe geschickt werden dürfen. Schließlich wollen wir eine natürliche Auslese im Terrarium vermeiden. Mitte/Ende Oktober (je nach Wetterlage) wird nach befundfreier Kotuntersuchung die Fütterung eingestellt und auf das letzte Abkoten der Tiere gewartet. Währenddessen wird die Beleuchtungsdauer möglichst etappenweise reduziert und letztlich (nach Darmentleerung) vollständig ausgeschaltet. Das Terrarium sollte in einem Raum stehen, der eine Innentemperatur von 15-18 °C ermöglicht. Alternativ werden die Tiere in eine Box für die Überwinterung umgesetzt, welche an einen geeigneten Standort gebracht werden kann. Bei Temperaturen von über 20 °C während der Winterruhe verbrauchen die Tiere schneller ihre Reserven, was ihrer Gesundheit schadet und demnach vermieden werden sollte. Nach 2-3 Monaten (erneut je nach Wetterlage) fahre ich die Beleuchtung möglichst etappenweise wieder hoch und hole die Tiere damit aus der Winterruhe (wobei in der Natur der Frühling den Winter auch sehr schnell und spontan verdrängen kann, weswegen ein nicht ganz so streng kalkuliertes Hochfahren der Beleuchtung den Tieren auch nicht schadet). Ab diesem Zeitpunkt kann auch wieder normal gefüttert werden.

Die Lebenserwartung der Streifenköpfigen Bartagame liegt bei guter Pflege (ausgewogene Ernährung, wenig Stress, durchgeführte Winterruhephasen) bei ca. 15 Jahren.


 

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