Donnerstag, 8. Mai 2014

Nachzuchtbericht: Pogona vitticeps

Die Bartagame (Pogona vitticeps) ist eines der wohl am einfachsten zu vermehrenden Reptilien. Daher ist das Angebot dieser Tiere oftmals größer, als die Nachfrage. Als Terrarianer sollte einem zwar die Nachzucht seiner Tiere im Sinne des Arterhalts am Herzen liegen, damit man nicht nur als Tierverbraucher agiert, jedoch ist die massenhafte Nachzucht von Tieren, bei denen das Angebot die Nachfrage übersteigt, mit Vorsicht zu genießen. Leider kommt es dadurch leider sehr häufig vor, dass die Nachzuchten von Bartagamen zu Spottpreisen im Internet oder auf Tierbörsen verramscht werden. Da die Bartagame zudem als Anfängertier betrachtet und gehandelt wird, landen diese Tiere häufig in nicht gerade artgerechten Haltungsbedingungen. Aufgrund des niedrigen Preises ist das Interesse an einer wirklich artgerechten Haltung bei manchen Haltern leider nicht sonderlich hoch. Denn wenn ein Reptil, welches man für unter 5 Euro anonym auf einer Börse gekauft hat, eingeht, dann ist das eben auch kein allzu großer Verlust. Das klingt krass, kommt aber leider immer wieder vor. Meine Bartagamen stammen selbst aus sehr schlechter Haltung, daher gebe ich meine Nachzuchten nur an Leute ab, von deren Sachkunde ich mich überzeugt habe.

Ein weiterer Aspekt den man vor der Nachzucht beachten sollte, ist der Platzbedarf der Tiere. Spätestens nach der Geschlechtsreife (die etwa nach 1 Jahr eintritt) müssen die Männchen voneinander getrennt werden, weil es sonst zu gefährlichen Revierstreitigkeiten kommen kann. Da das Geschlecht bei Bartagamen genetisch festgelegt wird und nicht (wie z.B. bei diversen Geckos) durch die Inkubationstemperatur beeinflusst werden kann, hat man evtl. einen großen Anteil an männlichen Tieren, von denen jedes ein eigenes Terrarium benötigt.

Trotz dieser Umstände möchte ich einmal von der Nachzucht von Pogona vitticeps berichten:

Nach der Winterruhe beginnt in der Regel die Paarungszeit bei den Bartagamen. In dieser Zeit zeigt das Männchen reges Interesse am Weibchen und äußert durch massives Kopfnicken und einen schwarzgefärbten Bart ein interessantes Balzverhalten. Winkt das Weibchen mit seinem Arm, soll dies der Beschwichtigung des Männchens dienen (meiner Erfahrung nach jedoch oftmals ohne Erfolg). Ist das Weibchen selbst für eine Paarung bereit, nickt es zuerst langsam mit dem Kopf, belässt den Kopf schließlich am Boden und hebt den Schwanz an. Das Männchen beißt anschließend dem Weibchen in den Nacken und hält es fest, während es einen seiner Hemipenes in die Kloake des Weibchens führt.

Nach der Paarung dauert es etwa 4-5 Wochen, bis das trächtige Weibchen nach einem geeigneten Eiablageplatz sucht. In dieser Zeit sollte man eine calciumreiche Ernährung (gelegentlich z.B. auch mal eine Babymaus) anbieten, damit das Weibchen keine Probleme bei der Bildung der Eierschalen bekommt. In dieser Zeit der Trächtigkeit liegt es besonders häufig unter dem Sonnenplatz. Da Bartagamenweibchen das Sperma nach der Begattung speichern können, kann es gelegentlich auch etwas länger dauern, ehe es zur Eiablage kommt. Irgendwann beginnt das Weibchen schließlich mit den ersten Probegrabungen an den verschiedenen Stellen im Terrarium. Es zeigt in dieser Zeit oftmals ein nervöseres Verhalten. Spätestens zu diesem Zeitpunkt muss man ihm eine geeignete Eiablagestelle bieten. Zur Sicherheit sollte man auch das Männchen aus dem Terrarium nehmen, damit das Weibchen bei der Eiablage nicht gestört wird. Da mein Weibchen aufgrund der oben erwähnten vormaligen schlechten Haltung an den vorderen Gliedmaßen keine Krallen mehr besitzt, biete ich ihm in einer Ecke des Terrariums anstatt eines Sand-Lehm-Gemisches lediglich hoch aufgeschütteten Spielsand, welchen ich regelmäßig befeuchte, damit das Weibchen an dieser Stelle problemlos graben kann. Bisher wurde dieser Platz jedes Mal erfolgreich für die Eiablage angenommen. 

Zur Eiablage gräbt das Weibchen am ausgewählten Ablageplatz zuerst eine Grube. Anschließend lässt es die Eier in diese Grube fallen. Danach gräbt es die Grube wieder zu und drückt den Sand mit seinem Kopf fest. Weitere Brutpflege betreibt es nicht. Zur Inkubation sollte man die Eier schnellstmöglich aus dem Terrarium nehmen und in einen Inkubator (gekauft oder selbstgebaut) überführen. Tut man dies nicht, kann das Gelege im Terrarium verderben. Oder aber es kommt direkt im Terrarium zum Schlupf der Jungtiere, welche dann jedoch von den adulten Bartagamen als Beute betrachtet werden und daher in der Regel nicht lange überleben. Die Eier sollte man bei der Überführung in einen Inkubator nicht drehen, da dies in manchen Stadien der Entwicklung zum Absterben des Embryos führen kann. Da man die heiklen Momente von außen nicht erkennen kann, sollte man die Eier grundsätzlich so wenig wie möglich bewegen. Gleiches gilt jedoch auch im Umkehrschloss: Fällt einem während der Inkubation einmal versehentlich ein Eierbehälter herunter, muss man nicht gleich aufgeben. Es kann immer noch zum Schlupf kommen. Hat man keinen Abnehmer für die Nachzucht, sollte man die Eier entsorgen. 


Ich inkubiere die Eier in kleinen Plastikbehältern (z.B. Heimchendosen oder Eisverpackungen) auf feuchtem Vermiculit. Dazu drücke ich leichte Kuhlen in das feuchte Inkubationssubstrat, in die die Eier etwa zur Hälfte eingebettet werden. Das Vermiculit mische ich inzwischen nicht mehr penibel nach Gewichtsanteilen mit Wasser, sondern nach Gefühl und wringe es anschließend aus, bis kein Wasser mehr abtropft. Als Inkubationstemperatur bevorzuge ich bei Bartagamen 28°C. Gelegentlich muss das Vermiculit nachgefeuchtet werden, um verdunstetes bzw. von den Eiern aufgenommenes Wasser auszugleichen. Manche Züchter überprüfen den Anteil an Wasserverlust durch regelmäßiges Wiegen der Behälter. Ich mache das eher nach Gefühl und Fingerprobe. Gibt man eine Schale mit Wasser in den Inkubator, erübrigt sich das regelmäßige Nachfeuchten sogar evtl. ganz. Von Schimmel befallene Eier werden umgehend entfernt, um ein Übergreifen des Pilzes auf gesunde Eier zu vermeiden. Wobei ich auch hierbei sagen muss, dass Eier, die von abgestorbenen Eiern mit Schimmelpilz angesteckt wurden, nicht unbedingt immer für tot erklärt werden sollten. Entwickelt sich das Ei trotzdem weiter, besteht die Chance, dass trotzdem ein gesunder Schlüpfling daraus schlüpft.

Kurz vor dem Schlupf fällt die Schale der Eier ein (es bilden sich Dellen an den Eiern). Zu diesem Zeitpunkt dauert es meist nicht mehr als 2 Tage, bis die Jungtiere schlüpfen. Es schlüpfen üblicherweise nicht alle Jungtiere gleichzeitig, sondern der Schlupf eines Geleges kann sich über mehrere Tage hinziehen. Mithilfe eines Eizahns (der anschließend abfällt) durchstößt das schlüpfende Reptil die Eischale. Das Schlüpfen selber kann sich über mehrere Stunden hinziehen. Als Halter muss man eine gewisse Geduld bewahren und das Tier am besten gar nicht stören. Dann gibt es auch keine Probleme beim Schlüpfvorgang.


Sobald der Schlüpfling das Ei verlassen hat, überführe ich ihn für 1-2 Tage in eine sterile Box mit feuchtem Küchenpapier. Dies sollte man unbedingt dann machen, wenn der Dottersack noch nicht ganz durch die Bauchdecke resorbiert wurde! Routinemäßig mache ich dies zur Sicherheit bei allen Schlüpflingen, um sie in den ersten Stunden besser beobachten zu können. 


Danach kann man die Tiere in ein Aufzuchtterrarium setzen, welches artgerecht eingerichtet ist (Bodengrund, Versteckplätze, Sonnenplätze, flache Wasserschale) und die erforderlichen Haltungsparameter wie das der Elterntiere aufweist. Gefüttert wird in den ersten Wochen täglich, ab dem ca. 3. Monat alle 2-3 Tage mit Lebendfutter. An Grünfutter gehen die Tiere meist erst nach einigen Wochen. Anbieten sollte man ihnen dieses jedoch schon etwa ab der 3. Woche, damit sie sich daran gewöhnen. Um Rachitis vorzubeugen ist eine UV-Bestrahlung bei den im Wachstum befindlichen Jungtieren von größter Wichtigkeit! Auch eine Zufütterung von Calcium bei jeder und eines VitaminD3-Präparates bei jeder 2. bis 3. Fütterung sind angebracht. Hierbei sollte man auch die Dosieranweisung des jeweiligen Herstellers beachten. Während der Aufzucht sollte man das Verhalten der Tiere genau beobachten und bei Bedarf unterdrückte Exemplare (die kümmern, Sonnenplätze meiden und sich meist am Rande des Terrariums aufhalten) aus der Gruppe entfernen. Aufgrund des schnellen Wachstums ist vom Halter ein besonderes Augenmerk auf die erfolgreiche Häutung der Jungtiere zu legen.

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