Montag, 19. Mai 2014

Der Feind in den eigenen Reihen?

Ich bin frustriert, seitdem ich kürzlich auf eine Interessengemeinschaft stieß, die (angeblich) gegen ein Verbot der Haltung exotischer Haustiere kämpft. Bei diesem „Kampf“ nutzt diese Interessengemeinschaft jedoch Dokumente des Robert Koch-Instituts, in denen Studien und Zahlen genannt sind, die eher den radikalen Tierrechtsorganisationen in die Hände spielen. Beispielsweise eine Präsentation des Robert Koch-Instituts zur Fortbildung für den Öffentlichen Gesundheitsdienst mit dem Titel „Salmonellen bei Reptilien und Infektionen bei Kleinkindern“. In diesem zum Teil sehr lückenhaften Dokument taucht beispielsweise folgende Aussage auf: „2008 waren 35 von 40 Proben positiv = 87,5 %“ Diese Ergebnisse stammen aus einer veterinärdiagnostischen Untersuchung auf Salmonellen in Thüringen aus dem Jahre 2008. Hierbei wurden lediglich Proben von verdächtigen Tieren untersucht. Das Robert Koch-Institut gibt diese Ergebnisse ohne weitere Anmerkungen an.

Dass Tierrechtsorganisationen solche Zahlen für ihre Propaganda gegen die Exotenhaltung nutzen, ist weitläufig bekannt. Dass jedoch eine angebliche Interessengemeinschaft aus unseren Reihen solche Präsentationen und Zahlen ohne jegliche Kommentierung verbreitet, lässt mein Vertrauen in diese Gruppe stark schwinden. Auf meine Nachfrage wurde mir mitgeteilt, dass die besagte Interessengemeinschaft die Dokumente lediglich zur Verfügung stellt und der Leser sich selber damit befassen und bei Bedarf beim Robert Koch-Institut nachfragen soll, um die Zahlen zu verstehen und richtig einzuordnen. Ich behaupte nun jedoch, dass die meisten Leute (die nicht wie ich aus dem wissenschaftlichen Bereich kommen) solche Untersuchungen ohne nähere Erklärungen einfach nicht richtig einordnen können. Dass gerade einmal 40 Proben von Verdachtstieren untersucht wurden, lässt sich einfach nicht auf die Exotenhaltung im Allgemeinen übertragen! Derart hohe Ergebnisse stammen immer aus speziellen Einzelfällen wie Untersuchungen auf Zuchtfarmen mit Geflügelschlachtabfällen als Futter, von Untersuchungen auffälliger Tiere oder bei einzelnen Importeuren, bei denen die Tiere auf dem Transportweg ihre eigenen Exkremente gefressen haben und es somit zu einer Reinfektion kam. Doch dies müsste man den Lesern verdeutlichen und nicht stumpf und unreflektiert Dokumente des „heiligen“ Robert Koch-Instituts zur Verfügung stellen, welches bereits in der Vergangenheit mehrfach mit Studien z.B. zur innerfamiliären Gewalt, zu Kinderschutzimpfungen oder in der EHEC-Krise seine „unabhängige Kompetenz“ unter Beweis stellte. Aber ich werde wieder sarkastisch...

Wie sollen wir effektiv gegen weitere Einschränkungen in der Heimtierhaltung kämpfen, wenn wir uns in unseren eigenen Reihen schon mit derartigen Problemen auseinandersetzen müssen? Immerhin verstehe ich nun, warum fanatische Tierrechtsorganisationen so ein leichtes Spiel haben. Ich selbst beobachte das Mediengeschehen und die Machenschaften dieser Organisationen regelmäßig, um direkt darauf zu reagieren. Liegt somit der Verdacht nahe, dass vielleicht gerade diese gut organisierten Clubs Mittel und Wegen nutzen (vielleicht sogar hinter der Maske neu entstandener, angeblicher Interessengemeinschaften), um von innen heraus unseren Kampf gegen ein Haltungsverbot zu unterbinden? Klingt paranoid, aber wenn das Vertrauen regelmäßig erschüttert wird, kommt man leider zwangsläufig zu solchen Gedanken. Insbesondere wenn die hier kritisierte Interessengemeinschaft die Aussage tätigt, dass sie keine Ahnung von den Interessen eines Exotenhalters wie mir hat, solange ich nicht Mitglied dieser Gemeinschaft bin. Wer mit dem Kampf gegen ein Haltungsverbot exotischer Haustiere wirbt, sollte doch wohl das primäre Interesse der Exotenhalter verstanden haben und sich dafür aktiv einsetzen und nicht unreflektiert und unkritisch Dokumente verbreiten, die genau das Gegenteil bewirken.

1 Kommentar:

  1. Die Server der besagten IG sind tot und auch bei Facebook sind ihre Seiten und Gruppen verschwunden. Manchmal lösen sich manche Dinge eben ganz von selbst...

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