Montag, 24. März 2014

Untersuchung von Kotproben

Ein verantwortungsvoller Terrarianer lässt in regelmäßigen Abständen Kotproben seiner Pfleglinge untersuchen. Bei Neuanschaffungen in den Bestand und vor der Winterruhe ist die Untersuchung einer Kotprobe in meinen Augen Pflichtprogramm. Abgesehen davon lasse ich den Kot meiner Schützlinge nur bei Auffälligkeiten untersuchen. 

Doch wo lässt man die Proben am besten untersuchen? 
Die erste Anlaufstelle für viele Tierhalter wird wohl der Tierarzt sein. Hierbei muss man jedoch bedenken, dass die meisten Tierärzte den Kot nicht in der eigenen Praxis untersuchen, sondern entsprechende Proben von einem Fremdlabor untersuchen lassen. Der Weg zum Tierarzt ist daher für routinemäßige Kotuntersuchungen meiner Meinung nach ein vermeidbarer Umweg. Man kann die Proben auch direkt einem Untersuchungslabor zuschicken, um Zeit und meist auch Kosten zu sparen. Im Falle von Auffälligkeiten des Gesundheitszustandes eines Tieres sollte man allerdings den Weg zum Tierarzt nicht scheuen. Nicht jeder Erreger findet sich im Kot wieder. Mitunter muss eine Blutprobe genommen werden. Dies ist und bleibt das Fachgebiet des behandelnden Arztes! 

Bei der Auswahl eines solchen Untersuchungslabors für routinemäßige Kotproben hat man verschiedene Möglichkeiten. Im Handel sind vorgefertigte Kotproben-Sets erhältlich. Diese Sets enthalten in der Regel ein Kotprobenröhrchen, eine dichtverschließende Probentüte, das auszufüllende Auftragsformular (für Laien vorteilhaft, da der Untersuchungsauftrag damit schon vorgegeben ist) und sind in einem vorfrankierten Päckchen verpackt. Preislich liegen diese Sets bei ca. 25 Euro. Mit diesem Preis sind sowohl das Probenahmematerial, der Versand als auch die eigentliche Untersuchung abgedeckt. Für ca. 40 Euro gibt es von manchen Anbietern auch ein Set mit zusätzlicher Untersuchung auf Cryptosporidien. Dies sind schwer nachzuweisende* Parasiten, die einen für Reptilien und Amphibien aufgrund fehlender Medikamente tödlichen Krankheitsverlauf in Form von Durchfall, Lethargie und Gewichtsverlust verursachen. *Daher ist diese Zusatzuntersuchung entsprechend teuer. 

Diese käuflich zu erwerbenden Untersuchungskits sind zwar äußerst praktisch, jedoch habe ich (zumindest bei dem von mir getesteten Anbieter, den ich hier namentlich nicht nennen möchte) keine guten Erfahrungen gemacht. Einerseits sind die hauseigenen Labore dieser Anbieter nicht unbedingt unabhängig. Insbesondere wenn der jeweilige Anbieter auch gleich noch die passenden Medikamente für die jeweiligen Befunde im Sortiment hat. Es schwingt immer ein gewisses Misstrauen mit, ob der Befund nicht auch dazu dienen soll, die Umsätze der hauseigenen Medikamente zu steigern. Vertrauen in das Untersuchungslabor hat doch aber wohl oberste Priorität! Als mein Partner und ich bei der Neuanschaffung von drei Leopardgeckos entsprechend drei Einzelproben einschickten, erhielten wir nur Befunde von zwei Tieren zurück. Das Labor bestimmte außerdem lediglich qualitativ und nicht quantitativ. Das bedeutet, dass lediglich die Art des Erregers angegeben wurde, jedoch nicht die Stärke des Befalls. Nach der Untersuchung des Kotes meines Königspythons erhielt ich zwar einen Anruf, in dem man mir mitteilte, dass keine Erreger im Kot gefunden wurden. Auf meine Nachfrage ob ich diesen Befund auch schriftlich bekommen könnte, erhielt ich als Antwort: „Wir möchten Sie bitten davon abzusehen.“
Ich arbeite hauptberuflich selbst als Laborant in einem Untersuchungslabor und ein solches Verhalten ist ein Unding! Man zahlt schließlich gutes Geld für die Untersuchungsergebnisse. 


Zum Glück hat man noch weitere Alternativen. Wenn man sich ein wenig schlau macht, findet man unabhängige Prüflabore. Ich habe bisher nur gute Erfahrungen mit Exomed (http://www.exomed.de) gemacht – und nein, dies ist nicht das Labor in dem ich selber tätig bin. Der Laie ist bei diesen Laboren jedoch meist unsicher, wie das Einsendungsformular ausgefüllt werden muss und wie man mit der Probe verfahren sollte. Daher gebe ich hier einmal einen Leitfaden, wie ich es handhabe:

Zuerst einmal ist die Qualität der zu untersuchenden Kotprobe entscheidend. Eine verunreinigte Probe erschwert die Untersuchung und somit den Nachweis von Erregern. Mitunter wird eine Probe sogar unbrauchbar, wenn sie zu stark verunreinigt ist. Aus diesem Grund sollte die Einsendungsprobe tatsächlich nur das zu untersuchende Material (also in diesem Falle Kot) enthalten und keine Verunreinigungen in Form von Bodengrund oder den weißen Harnsäurekristallen, die Reptilien oftmals zusammen mit der Kotabgabe ausscheiden. Es sollte sich logischerweise um eine möglichst frische Probe handeln. Getrockneter Kot oder Kot, der lange „herumlag“ und vor sich hin reifen konnte, enthält meist eine verfälschte Zahl an Erregern, da diese mit der Zeit absterben oder sich rasant vermehren können. Dies würde zu quantitativ falschen Befunden führen (also die Stärke des Befalls in dem Kot wäre nicht mehr vergleichbar mit dem tatsächlichen Befall des Tieres).

Hat man eine frische Kotprobe, sollte man diese in ein dichtschließendes Gefäß überführen. In der Apotheke kann man für wenig Geld Stuhlprobenröhrchen kaufen. In der Apotheke meines Vertrauens bekomme ich solche Probenröhrchen für gerade einmal 0,30 Euro. Es ist ratsam sich gleich mehrere dieser Röhrchen anzuschaffen, damit man jederzeit welche zur Verfügung hat. Hat man die zu untersuchende Kotprobe in das Röhrchen überführt, sollte man sie noch ein wenig befeuchten. Ein paar Tropfen Wasser reichen aus. Die Probe soll nicht im Wasser schwimmen, sondern lediglich vor dem Austrocknen bewahrt werden. Die Befeuchtung mit Leitungswasser ist theoretisch ausreichend. Ich bevorzuge jedoch die Verwendung von „destilliertem Wasser“, welches man in der Drogerie kaufen kann. Man will schließlich nicht das womöglich verunreinigte Leitungswasser auf irgendwelche Erreger untersuchen lassen oder durch gechlortes Leitungswasser potentielle Erreger im Tierkot abtöten. Letzteres wäre zwar im Grunde nicht so tragisch, da auch die toten Erreger vom Labor festgestellt werden können. Dennoch plädiere ich als Laborant auf die Verwendung von destilliertem (bzw. demineralisiertem) Wasser. Es spricht nach der Befeuchtung an sich nichts dagegen, wenn man die Probe noch nicht direkt abschickt, sondern eine Sammelprobe erzeugt und dafür das Material noch 2-3 Tage bei sich belässt. In diesem Falle ist darauf zu achten, dass man das Probenröhrchen nicht zu warm lagert, um eine Vermehrung der Erreger im Probenmaterial zu vermeiden. Als Sammelprobe bezeichnet man einerseits eine Mischprobe aus mehreren Kotabgaben eines Tieres (da manche Erreger nicht bei jeder Darmentleerung ausgeschieden werden, bieten sich Sammelproben an) und andererseits eine Mischprobe aus Kotabgaben mehrerer Tiere. Dies bietet sich bei Tieren an, die ohnehin gemeinsam in einer Gruppe gehalten werden. Anstatt also den Kot jedes Tieres einzeln untersuchen zu lassen, bietet sich eine Sammelprobe der gesamten Gruppe an. Denn wenn ein Tier an einem Erreger leidet, sind meistens auch die anderen Tiere im Terrarium betroffen oder sollten prophylaktisch behandelt werden. 


Das Stuhlprobenröhrchen mit der befeuchteten Kotprobe wird anschließend für den Versand in einen möglichst dichtschließenden Plastikbeutel (liegt meist dem Probenröhrchen bereits bei) gesteckt, um ein Auslaufen des Materials auf dem Transportweg zu vermeiden. Dies ist schon seitens der Post so vorgeschrieben! Um eine Beschädigung zu vermeiden sollte dieser Plastikbeutel zudem in einen Luftpolsterumschlag (Briefversand an das Postfach von Exomed) oder in ein Päckchen (Versand an die Direktanschrift) gesteckt werden. Ich versende die Proben normalerweise als Brief, welchen ich als Warensendung frankiere. Nähere Informationen findet man dazu auf der Website der Deutschen Post.  
Bevor man jedoch die Proben abschickt, füllt man das Einsendungsformular aus, welches man auf der Website von Exomed herunterladen kann: http://www.exomed.de/Download/Einsendeformular.pdf 

Sendet man das Probenmaterial selber ein, lässt man die Daten über den Tierarzt frei, trägt seine Anschrift bei „Besitzer“ ein und kreuzt auch „Besitzer“ bei „Rechnung an“ an. Die erforderlichen Daten über das jeweilige Tier sind deutlich auszufüllen. Der Tag der Probenahme wird eingetragen und „Kotprobe“ angekreuzt. Bei „Art der Konservierung“ gibt man an, dass man die Probe mit Wasser befeuchtet hat. Unter „Anamnese / Therapie“ vermerkt man den Grund der Untersuchung. Also evtl. vorhandene Krankheitssymptome (wobei man in diesem Falle vorher einen Tierarzt konsultieren sollte!), die Vorbereitung auf die Winterruhe oder aber ganz einfach nur „Kontrolle“. 

Auf der zweiten Seite kreuzt man nun die gewünschte Untersuchung an (Preise sind der Website von Exomed zu entnehmen). Die von mir empfohlene Untersuchung zur Kontrolle vor der Winterruhe oder bei Neuaufnahme in den Bestand findet sich bei den Einzeluntersuchungen und nennt sich „parasitologische Untersuchung“. Diese Untersuchung hat im Prinzip den gleichen Umfang, wie die käuflich zu erwerbenden Kotuntersuchungs-Sets (Untersuchung auf Endoparasiten wie Würmer, Flagellaten etc.). Kreuzt man unter Erregernachweis zusätzlich „ELISA Cryptosporidien“ an, erhält man die ebenfalls von den teureren Kotproben-Sets bekannte Untersuchung auf Cryptosporidien. Dafür sollten aber mindestens drei Proben zu unterschiedlichen Zeitpunkten genommen werden, da Cryptosporidien nicht unbedingt in jeder Kotprobe nachweisbar sind. Eine solche Untersuchung ist meiner Meinung nach auch nur dann nötig, wenn ein ernster Verdacht auf einen Befall mit Cryptosporidien vorliegt. Im Grunde dient der Befund dann nur noch der Rettung des nicht infizierten Bestandes. Die infizierten Tiere sind nämlich leider nicht mehr zu retten.

Exomed ist meiner bisherigen Erfahrung nach recht schnell und schon wenige Tage nach dem Abschicken der Probe erhält man schriftlich den Befund, dem zudem auch Informationen über weitere Schritte der Behandlung beigefügt sind, sowie die Rechnung. Weitere Informationen sind der Website von Exomed zu entnehmen.

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