Samstag, 15. März 2014

Meldepflicht von Tieren in der Terraristik

Immer wieder stellt sich die Frage, ob das gewünschte Terrarientier meldepflichtig ist oder nicht. Bei der Beantwortung dieser Frage muss man verschiedene Dinge beachten. Einerseits die unterschiedlichen Einstufungen der jeweiligen Tiere im Rahmen der Meldepflicht, den Unterschied zwischen Meldepflicht und Nachweispflicht, die unterschiedlichen Regelungen der einzelnen Bundesländer sowie die Veränderungen der wissenschaftlichen Artnamen. Ich versuche hiermit dieses komplexe Thema ein wenig zu erläutern. 

Im ersten Schritt wird unterschieden zwischen der Meldepflicht von gefährlichen Tieren und der Meldepflicht von gefährdeten Tieren: 

Meldepflicht von gefährlichen Tieren:

Kaiserboa
(Boa imperator syn. 
Boa constrictor imperator)
Hier hat jedes Bundesland und teilweise sogar jeder Landkreis noch seine eigenen Regelungen*. Ein und dasselbe Tier kann in einem Bundesland als gefährliches Tier eingestuft sein und somit einer Meldepflicht oder sogar einem Haltungsverbot unterliegen, während es in einem anderen Bundesland ohne irgendwelche gesetzlichen Bestimmungen gehalten werden darf. Als gefährlich eingestufte
Tiere sind normalerweise nicht nur meldeflichtig, sondern unterliegen einer Genehmigungspflicht. Dies setzt gewisse Dinge in Bezug auf das Terrarium vorraus und meist ist der Besuch eines Amtstierarztes nötig, der dann seine Zusage für eine meist zeitlich befristete Genehmigung für die Haltung ausspricht. Ein jeder Halter sollte sich also, was die Frage der Meldepflicht in Bezug auf die Definition als „gefährliches Tier“ betrifft, vor der Anschaffung direkt bei der zuständigen Behörde informieren. Ich kann jedoch versprechen, dass die Behörden teilweise selbst überfragt sind und die Zuständigkeiten weiterreichen, ehe man endlich eine Antwort bekommt. Einen Überblick über die Gefahrtierregelungen der einzelnen Bundesländer findet ihr hier: Gefahrtierhaltung

*Daher bin ich eigentlich auch für eine bundeseinheitliche Anpassung der Regelungen. Die verschiedenen Gesetze und Verordnungen stiften Verwirrung. Mir ist jedoch wichtig, dass diese bundeseinheitliche Regelung nicht am runden Tisch entschieden wird, sondern die Meinung von Experten (damit meine ich sachkundige Terrarianer und keine Tierschutz-Aktivisten!) eingeholt wird. Von Python regius geht aufgrund seines Verhaltens und der zu erwartenden Größe beispielsweise nicht dieselbe Gefahr aus, wie von Python sebae, bei dem die stattliche Größe und der dünne Geduldsfaden schon ein gewisses Gefahrenpotential bergen. Diese Tiere bei bundeseinheitlichen Regelungen pauschal in einen Topf zu werfen (wie es manche Bundesländer bereits tun), wäre der falsche Weg.

Meldepflicht von gefährdeten Tieren:

Wenn der Leser denkt, die Sache mit den gefährlichen Tieren war schon verwirrend, wird es nun noch eine Nummer komplizierter. Die Grundlage ist an sich erst einmal nicht so schwer zu verstehen, da es hier immerhin eine bundeseinheitliche und sogar eine internationale Regelung gibt. Die eigentliche Grundlage bildet das „Übereinkommen über den internationalen Handel mit gefährdeten Arten freilebender Tiere und Pflanzen“ (Convention on International Trade in Endangered Species of Wild Fauna and Flora = CITES), welches auch kurz als „Washingtoner Artenschutzübereinkommen“ (WA) bezeichnet wird. Dieses findet sich wiederum in der EU-Artenschutzverordnung wieder. Die deutsche Bundesartenschutzverordnung (BArtSchV) bezieht sich im Endeffekt auf das internationale Washingtoner Artenschutzübereinkommen bzw. die EU-Artenschutzverordnung und ergänzt bzw. verschärft diese in einigen Punkten.

Das Washingtoner Artenschutzübereinkommen enthält drei Anhänge:

WA Anhang I: Hier sind bedrohte Arten aufgeführt, deren Handel grundsätzlich erst einmal verboten ist. Alle WA Anhang I Tiere sind meldepflichtig. 

WA Anhang II:  Hier sind schutzbedürftige Arten aufgeführt, für die besondere Genehmigungen für den Handel gelten und bei denen ein Nachweis darüber erbracht werden muss, dass der Handel mit ihnen keinen Schaden auf die bestehenden Bestände ausübt. Grundsätzlich sind erst einmal alle WA Anhang II Tiere ebenfalls meldepflichtig. 

WA Anhang III: Hier sind Arten aufgeführt, für die in den einzelnen Ländern des Abkommens besondere Bestimmungen gelten. Im Prinzip also Tiere, die in einem Land geschützt sind, in einem anderen jedoch keinem Schutzstatus unterliegen. 

Für Tiere des WA Anhang I gilt hier in Deutschland neben einer Kennzeichnungspflicht, dass ausschließlich der Handel mit Tieren erlaubt ist, die vor 1987 bereits in Deutschland waren bzw. die hier in Gefangenschaft nachgezüchtet wurden. Für den Hobby-Terrarianer sind in der Regel aber erst einmal nur die Regelungen des WA Anhang II bzw. EU-Artenschutzverordnung Anhang B von Bedeutung, da man die davon betroffenen Tiere regelmäßig in Zoohandlungen und auf Börsen findet. In § 7 Bundesartenschutzverordnung ist festgelegt, dass diese Tiere der zuständigen Landesbehörde gemeldet werden müssen. Die Behörde muss bei Bestandsänderungen (Nachzucht, Todesfälle, Abgaben) darüber ebenfalls informiert werden. In Anlage 1 der Bundesartenschutzverordnung findet man übrigens einheimische Arten, deren Haltung immer einer Meldepflicht unterliegt, um sicherzustellen, dass es sich tatsächlich um Nachzuchten handelt. Die Entnahme von einheimischen Tieren aus der freien Natur ist nämlich grundsätzlich verboten!  

In diesem Zusammenhang ist ein Verweis auf das Bundesnaturschutzgesetz interessant, welches nicht nur den Schutzstatus einheimsicher Arten sowie der Arten des WA festlegt, sondern auch für exotische Arten, die nicht international geschützt sind, die jedoch mit einheimischen Arten verwechselt werden können oder durch Faunenverfälschug eine Gefahr für einheimische Arten darstellen. Ein Beispiel dafür sind Chinesische Rotbauchunken (Bombina orientalis), die als besonders geschützt eingestuft werden.

Leopardgecko (Eublepharis macularius)
Exotische Tiere, die nicht in diesen Verordnungen gelistet sind, haben keinen Schutzstatus und unterliegen somit auch keiner Meldepflicht. Dazu gehören z.B. Terraristik-Evergreens wie Kornnatter, Bartagame und Leopardgecko.  

Rotknie-Vogelspinne
(Brachypelma hamorii (ex smithi))
An dieser Stelle kann man also schon einmal festhalten, dass grundsätzlich alle Tiere, die in WA Anhang II / EU-Artenschutzverordnung Anhang B gelistet sind, einer Meldepflicht als gefährdetes Tier unterliegen. Nun gibt es natürlich auch einige Ausnahmen von der Regel. Beispielsweise gibt die Bundesartenschutzverordnung in § 7 lediglich eine Meldepflicht von Wirbeltieren an. Exotische Wirbellose sind bundesweit somit nicht als gefährdete Tiere meldepflichtig. Hierunter fallen Tiere wie Pandinus imperator oder Brachypelma smithi. Diese sind zwar WA Anhang II geschützt, jedoch in Deutschland laut Bundesartenschutzverordnung wie erläutert nicht meldepflichtig.  

Weitere Ausnahmen aus dem Bereich der Wirbeltiere findet man seit der im Jahre 2005 erfolgten Revision der Bundesartenschutzverordnung in Anlage 5 der Verordnung. Die dort gelisteten Tiere sind ebenfalls von der Meldepflicht laut § 7 Bundesartenschutzverordnung befreit. Dazu gehören z.B. die folgenden für die Terraristik interessanten Tiere:

Reptilien:
Iguana iguana (Grüner Leguan) 
Python regius (Königspython) 
Boa constrictor constrictor (Abgottschlange) 
Boa constrictor imperator (Kaiserboa) 
Phelsuma madagascariensis (Madagaskar-Taggecko) 
Phelsuma laticuada (Goldstaub-Taggecko) 
Trachemys scripta elegans (Rotwangen-Schmuckschildkröte)

Amphibien: 
Ambystoma mexicanum (Axolotl) 
Bombina orientalis (Chinesische Rotbauchunke) 
Dendrobates auratus (Goldbaumsteiger) 
Dendrobates azureus (Blauer Pfeilgiftfrosch) 

Königspython (Python regius)
Hier ist der Einschub nötig, dass diese von der Meldepflicht ausgenommenen Tiere (also sowohl die nach WA Anhang II geschützten Wirbellosen, als auch die in Anlage 5 aufgeführten Wirbeltiere) weiterhin nachweispflichtig sind. Man muss beim Kauf vom Vorbesitzer ein Dokument erhalten, welches die Herkunft des Tieres (deutsche Nachzucht bzw. legaler Wildfang) bescheinigt. Bei importierten Exemplaren (also Wildfängen oder Nachzuchten aus dem EU-Ausland) handelt es sich dabei um offizielle CITES-Papiere. Eine deutsche Nachzucht (genauer gesagt eine EU-Nachzucht) kann auch formlos dokumentiert werden. Dieses Dokument muss Angaben über den Vorbesitzer, den neuen Besitzer und das Tier (wissenschaftlicher Artname, Schlupfdatum, Geschlecht) enthalten. Das Geschlecht kann auch als unbekannt deklariert werden. Unter Umständen ist zusätzlich der Nachweis nötig, dass die Elterntiere ebenfalls aus einer legalen Zucht stammen. Dazu ist die Angabe des Züchters normalerweise ausreichend. Manche Behörden gehen der lückenlosen Dokumentation jedoch auch genauer nach und fordern Zuchtbuchnummern der Elterntiere ein. Eine Rechnung, welche die genannten Angaben enthält, wäre ebenfalls ausreichend. Auf Nachfrage der Behörden muss der Halter diesen Herkunftsnachweis vorlegen können. Diese Nachweisplicht hat jedoch nichts mit der Meldepflicht zutun, bei der ein Halter sein Tier aktiv den Behörden melden muss.

Manche Bundesländer verzichten auch ganz auf die Nachweispflicht:
„Besonders geschützte“ Arten ohne Herkunftsnachweis aufnehmen

Blauer Pfeilgiftfrosch (Dendrobates tinctorius "azureus")
Das Ende vom Lied ist damit aber leider noch nicht erreicht. Wenn es um die Überprüfung der Einhaltung der gesetzlichen Bestimmungen geht, nutzen die (manchmal nicht immer ganz sachkundigen) Beamten die wissenschaftlichen Artnamen aus den jeweils gültigen Gesetzen. Diese wissenschaftlichen Namen sind international gültig und bindend. Danach richten sich die Behörden. Nun wurde die Anlage 5 seit 2005 allerdings nicht mehr aktualisiert. Bei manchen aufgeführten Tieren haben sich in der Zwischenzeit jedoch die Artnamen verändert. Dendrobates azureus wurde z.B. mittlerweile der eigene Artstatus abgesprochen. Er wird nun als Lokalform des Färberfrosches Dendrobates tinctorius eingeordnet. Bei den Taggeckos hat die ehemalige Unterart Phelsuma madagascariensis grandis inzwischen einen eigenen Artstatus erhalten und wird als Phelsuma grandis geführt. Und die Kaiserboa heißt mittlerweile Boa imperator und ist somit keine Unterart mehr von Boa constrictor. Grundsätzlich ändern taxonomische Veränderungen nichts an der Meldepflichtbefreiung. Schließlich ändern taxonomische Änderungen auch nichts an der Einstufung einer Art als Gefahrtier. Rechtlich bindend ist die gültige Taxonomie zum Zeitpunkt des Inkrafttretens einer Verordnung. Leider haben Vollzugsbeamte nicht immer Ahnung von der taxonomischen Historie und richten sich strikt nach der jeweiligen Artbezeichnung im Herkunftsnachweis. Bei den genannten Tieren ist also die Angabe im Herkunftsnachweis entscheidend. Ein Kontrolleur würde sich bei einem Besuch den Herkunftsnachweis zeigen lassen und die Angabe des wissenschaftlichen Artnamens darin mit den Artnamen in der Bundesartenschutzverordnung vergleichen.

Steht also im Herkunftsnachweis Phelsuma madagascariensis grandis bzw. Dendrobates azureus, handelt es sich um Tiere, die definitiv nicht meldepflichtig sind. Steht jedoch (korrekterweise) Phelsuma grandis oder Dendrobates tinctorius „azureus“  im Herkunftsnachweis, unterliegen die Tiere plötzlich theoretisch der Meldepflicht. So können für ein und dasselbe Tier gänzlich unterschiedliche Regelungen greifen, eben abhängig vom wissenschaftlichen Artnamen, den der Händler in die Papiere schreibt, was natürlich absurd ist.

Auf diese Problematik gehe ich hier noch mal näher ein: Phelsuma grandis - meldepflichtig?  

Eine Revision der Anlage 5 wäre jedenfalls dringend nötig, um die Artnamen der aufgeführten Tiere der aktuellen Taxonomie anzupassen und sie somit wieder eindeutig von der Meldepflicht zu befreien.  

Ein weiteres Instrument des Artenschutzvollzugs ist WISIA. In dieser Datenbank sind auch ältere wissenschaftliche Artnamen als Synonyme für die gültigen Artnamen aufgeführt. Solange dies bei den genannten Tieren der Fall ist, kann man sich immer auch darauf beziehen und auf die Meldung prinzipiell verzichten. Dennoch besteht hierbei immer auch eine gewisse Gefahr von Willkür seitens der Behörden.

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