Dienstag, 18. März 2014

Greift das Tierschutzgesetz auch bei Insekten und anderen Wirbellosen?

Spinne im Bad! Darf ich sie töten?
Wenn man sich durch diverse Foren im Internet liest, stößt man auf so einige Missverständnisse in Bezug auf die Frage, ob das Tierschutzgesetz auch bei Wirbellosen greift oder nicht. Der Großteil der Bevölkerung ist offenbar der Meinung, dass mit dem Tierschutzgesetz lediglich Wirbeltiere (also Säugetiere, Reptilien, Amphibien, Vögel und Fische) geschützt werden. Wirbellose Tiere wie Insekten, Hundert- & Tausendfüßler, Spinnen, Krebse, Krabben aber auch Kopffüßer (Oktopus und Co.) oder Schnecken und Würmer seien vom Tierschutzgesetz nicht bedacht. Dies ist jedoch falsch!

Das Tierschutzgesetz greift sehr wohl in allen Paragraphen, die sich nicht eindeutig auf Wirbeltiere beziehen, auch bei Wirbellosen. Sowohl Wirbeltiere als auch Wirbellose werden in manchen Passagen des Gesetzes besonders betont. Ob ein Paragraph des Tierschutzgesetzes also auch für Wirbellose gültig ist, muss man schon genau herauslesen.

Beispielsweise werden Wirbeltiere und Kopffüßer für Betriebe, die mit diesen Tieren Versuche oder wissenschaftliche Forschungen im Rahmen der Medizin betreiben, mehrfach gesondert herausgestellt. In § 8 finden dann auch andere Wirbellose eine genaue Erwähnung:
§ 8 TierSchG
(4) Das Bundesministerium wird ermächtigt, im Einvernehmen mit dem Bundesministerium für Bildung und Forschung durch Rechtsverordnung mit Zustimmung des Bundesrates vorzusehen, dass Versuche an anderen wirbellosen Tieren als Kopffüßern und Zehnfußkrebsen der zuständigen Behörde anzuzeigen sind, soweit diese Tiere über eine den Wirbeltieren entsprechende artspezifische Fähigkeit verfügen, unter den Versuchseinwirkungen zu leiden, und es zu ihrem Schutz erforderlich ist.
Abgesehen von diesen Ausnahmen bzw. Alleinstellungsmerkmalen von Wirbeltieren und bestimmten Wirbellosen, gelten die restlichen Paragraphen auch für andere Wirbellose wie z.B. Gliederfüßer (Insekten, Spinnen usw.). Allen voran natürlich der ersten beiden Paragraphen:
§ 1 TierSchG
Zweck dieses Gesetzes ist es, aus der Verantwortung des Menschen für das Tier als Mitgeschöpf dessen Leben und Wohlbefinden zu schützen. Niemand darf einem Tier ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen.
§ 2 TierSchG
Wer ein Tier hält, betreut oder zu betreuen hat,  
1.     muss das Tier seiner Art und seinen Bedürfnissen entsprechend angemessen ernähren, pflegen und verhaltensgerecht unterbringen, 
2.     darf die Möglichkeit des Tieres zu artgemäßer Bewegung nicht so einschränken, dass ihm Schmerzen oder vermeidbare Leiden oder Schäden zugefügt werden, 
3.     muss über die für eine angemessene Ernährung, Pflege und verhaltensgerechte Unterbringung des Tieres erforderlichen Kenntnisse und Fähigkeiten verfügen.
Wer also beispielsweise eine Ameise nur so aus Spaß an der Freude mit einer Lupe grillt, einer Fliege mutwillig die Flügel ausreißt, eine Vogelspinne dauerhaft in einem viel zu kleinen Terrarium hält oder einen Skorpion absichtlich verhungern lässt, verstößt ebenso gegen das Tierschutzgesetz, als wenn diese Person einen Hund verhungern lassen oder eine Katze in einen engen Käfig sperren würde. Nur reagiert die Öffentlichkeit bei solchen Verstößen meist sehr unterschiedlich. "Hunde und Katzen sind schließlich süß und deswegen besonders schutzbedürftig. Das ganze Krabbelgetier ist ekelig und leidet ja eh keine Schmerzen." Außerdem ist bei "Schädlingen" und "ekelerregenden Tieren" schnell mal der im TierSchG geforderte "vernünftige Grund" zur Tötung vorhanden. Dies ist aber auch bei Wirbeltieren (z.B. Mäusen und Ratten) der Fall, da die Bekämpfung dieser Tiere mit tödlichen Fallen und Giften ansonsten ebenfalls tierschutzwidrig wäre.

Während § 17 TierSchG Freiheitsstrafen zwar nur auf das grundlose Töten oder Quälen von Wirbeltieren verhängt, geht aus § 18 TierSchG hervor, dass das Zufügen von erhebliche Schmerzen, Leiden oder Schäden ohne vernünftigen Grund bei Tieren (also auch Wirbellosen) zumindest eine Ordnungswidrigkeit darstellt.  

Ich bitte also hiermit jeden meiner Leser, das Tierschutzgesetz auch beim Umgang mit Wirbellosen zu beachten. Nicht nur bei der Haltung dieser Tiere, sondern auch beim alltäglichen Umgang mit wildlebenden Arten. Ist es ein vernünftiger Grund eine Spinne oder Wespe zu erschlagen, nur weil sie lästig ist? Oder weil man sich ekelt oder Angst davor hat? Ich habe selbst Angst vor Hunden. Erschlage ich deswegen gleich jeden Hund, der mir unangeleint im öffentlichen Raum zu nahe kommt? Und würde man mir das einfach so durchgehen lassen? Wohl eher nicht... 

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Diese Ausführungen beziehen sich auf das zum Zeitpunkt der Veröffentlichung gültige Tierschutzgesetz.

Kommentare:

  1. Man merkt, das du kein Rechtsanwalt sein kannst, denn dein ganzer Beitrag besteht aus purem persönlichen Wunschdenken und ist inhaltlich meiner Einschätzung nach falsch.

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    1. In welcher Kanzlei arbeiten Sie denn bzw. an welcher Uni haben Sie Jura studiert, liebes "Anonym"?

      Fakt ist, dass das TierSchG primär für Wirbeltiere geschrieben wurde. Fakt ist auch, dass die Leidensfähigkeit von Wirbellosen noch nicht endgültig wissenschaftlich erwiesen ist. Fakt ist ebenfalls, dass bei Wirbellosen diverse Dinge als "wichtiger Grund" zur Tötung gewertet werden. Das sind aber lediglich Gründe dafür, dass Fälle bzgl. Wirbellosen noch vor keinem Gericht entschieden wurden und somit keine Grundsatzurteile vorliegen. Wirbellose bewegen sich daher in einer rechtlichen Grauzone.

      Da das TierSchG jedoch an manchen Stellen eindeutig von "Wirbeltieren" spricht, wenn die besondere Leidensfähigkeit und somit auch die besondere Schutzbedürftigkeit von Wirbeltieren hervorgehoben werden sollen, sind alle §§, die lediglich von "Tieren" sprechen, auch für wirbellose Tiere gültig. Wäre dies nicht der Fall, dürfte es auch keine Richtlinien für die Haltung von Wirbellosen in Zoofachgeschäften geben, die sich auf das TierSchG berufen.

      Zitat aus den "Tierschutzrechtlichen Anforderungen und Hinweise für den Betrieb eines Einzelhandelsgeschäfts im Bereich Zoofachhandel" welches sich auf das TierSchG als Rechtsgrundlage beruft: "Wirbellose Tiere: Die Unterbringung von Vogelspinnen, Skorpionen u.ä. in Plastikkleingefäßen ist nicht zulässig [...] Wirbellose Tiere sind grundsätzlich ihren Ansprüchen entsprechend zu pflegen."

      Mit welchen Dokumenten / Urteilen belegen Sie Ihre Einschätzung, dass das TierSchG nicht bei Wirbellosen greift?

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  2. Lesenswert ist in diesem Zusammenhang auch ein Artikel in Ausgabe 3/2016 des Magazins "caridina" (Dähne-Verlag) mit dem Titel "Geschützte Tiere - Wirbellose und das Tierschutzgesetz, denn nicht nur Wirbeltiere genießen Schutz" von Harro Hieronimus. Darin werden die hier genannten Dinge noch einmal im vollen Umfang bestätigt. Außerdem heißt es darin, dass es Bestrebungen gibt, Wirbellose auch in den § 11 TierSchG einzubeziehen.

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  3. Ich finde Tier ist Tier, ob groß oder klein. Viele Menschen machen sich keine Gedanken und gehen respektlos mit Insekten um,
    nur weil man sie nicht streicheln kann oder an der Leine führt.

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  4. Der anonyme Kommentar ist einfach unsachlich.
    Ic möchte Herrn Bergmann zustimmen, wenn er fragt,ob man denn eine Spinne oder Wespe erschlagen dürfe, "nur weil sie lästig ist? Oder weil man sich ekelt oder Angst davor hat?" Dann fängt man ds Tier und bringt es aus dem Haus o.ä.
    Muss man eine Ameise tottreten, nur weil sie einem über den Weg läuft?

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