Montag, 12. Februar 2018

Umfrage zu Schlangenparasiten und deren Behandlung

Derzeit läuft eine Umfrage einer Schülergruppe eines slowenischen Biotechnischen Gymnasiums mit dem Titel „A survey of internal parasites in snakes and treatments ensuring their elimination“ (übersetzt: „Eine Übersicht über innere Parasiten bei Schlangen und Behandlungen, die deren Beseitigung sicherstellen“). Die jungen Forscher nehmen damit an einem Forscherwettbewerb (KRKA) teil.

Schlangenhalter, die der englischen Sprache mächtig sind, können den Fragebogen >>>hier<<< ausfüllen und so an der Umfrage teilnehmen.


Donnerstag, 8. Februar 2018

„Exotenhaltung“ im Koalitionsvertrag 2018

Nach Wochen des Sondierens und zähen Koalitionsverhandlungen wurde gestern der Koalitionsvertrag der Großen Koalition (CDU, CSU und SPD) veröffentlicht. Mit Spannung erwarten wir zukünftige Regulierungen der Terraristik und anderer vivaristischer Sektoren der Heimtierhaltung, welche sich mit sogenannten „exotischen Wildtieren“ befassen.

Mit Sorge erinnern wir uns an die Formulierungen der GroKo in ihrem Koalitionsvertrag 2013. Verbote u.a. von „gewerblichen Tierbörsen“ und eine „bundeseinheitliche Regelung“ in Form einer „Positivliste“ standen immer wieder zur Debatte. Letztlich kam es dazu (nicht zuletzt dank des Engagements von einzelnen Tierhaltern und Halterverbänden) nicht.

Im gestern veröffentlichten Koalitionsvertrag mit dem sperrigen Titel „Ein neuer Aufbruch für Europa - Eine neue Dynamik für Deutschland - Ein neuer Zusammenhalt für unser Land“ finden sich an lediglich zwei Stellen Formulierungen, welche sich auf unser Hobby beziehen. So steht im Artenschutz-Kapitel folgender Passus:
„Unser Engagement im internationalen Artenschutz und gegen die Wilderei sowie den illegalen Wildtierhandel werden wir ausweiten.“
Normalerweise haben wir seriösen Vivarianer mit illegalem Wildtierhandel nichts zu tun. Da jedoch in der Vergangenheit immer wieder legale (wenn auch leider nicht in jedem Fall nachhaltige) Naturentnahmen mit Artenschmuggel vermischt wurden, könnten uns gewisse (Über-)Regulierungen in diesem Sektor durchaus auch betreffen.

Etwas konkreter wird es im Tierschutz-Kapitel, wo die Koalitionspartner ankündigen, für die sog. „Exotenhaltung“ bis Mitte der Legislaturperiode (also bis Herbst 2019) Pläne zur Beseitigung bestehender Missstände zu entwickeln:
„Wir haben in verschiedenen Bereichen Herausforderungen im Tierschutz (Wildtier- und Exotenhaltung, Qualzuchten, Tierbörsen, Internet und Versandhandel von lebenden Heimtieren, illegaler Welpenhandel, Situation der Tierheime und Heimtierzubehör). Das für Tierschutzfragen zuständige Ministerium wird bis zur Mitte der Legislaturperiode Vorschläge für konkrete Maßnahmen bis hin zu Verboten zur Verbesserung des Tierschutzes in diesen Bereichen vorlegen.“
Verbote bleiben also weiterhin eine Option für die Bundesregierung. Wichtiger Bestandteil bei der Entscheidungsfindung wird sicherlich die EXOPET-Studie sein, welche bekanntlich verlängert wurde, um weitere Erkenntnisse zu sammeln.

Interessant ist in diesem Zusammenhang auch die Frage, wer das zuständige Ministerium – also das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) – zukünftig leiten wird. Zumindest eines ist bereits bekannt: das Tierschutz-Ressort bleibt bei der Union. Als Favoritin zur Ablösung des geschäftsführenden Landwirtschaftsministers Christian Schmidt (CSU) gilt Medienberichten zufolge derzeit Julia Klöckner, CDU-Vorsitzende in Rheinland-Pfalz.

Die CSU hat dem Koalitionsvertrag bereits zugestimmt und auch die CDU wird ihn auf einem eigenen Parteitag wohl absegnen. Ob die SPD-Mitgliederbefragung ebenfalls zu einem positiven Ergebnis kommt, bleibt fraglich. Da der Koalitionsvertrag jedoch in vielen Bereichen deutliche SPD-Handschrift zeigt, wird er meiner Einschätzung nach wohl auch von der sozialdemokratischen Basis akzeptiert.


Samstag, 6. Januar 2018

EU-Liste invasiver Arten: 2018 keine Neulistungen

EU-Kommission und EU-Mitgliedsstaaten haben diese Woche beschlossen, dass es im Jahr 2018 keine Neulistungen von invasiven gebietsfremden Arten von unionsweiter Bedeutung auf der derzeit 49 Tier- und Pflanzenarten umfassenden Unionsliste geben wird.

Noch zum Beschluss der ersten Erweiterungsliste im August 2017 war geplant, in diesem Jahr eine 2. Ergänzungsliste mit 11 Neuzugängen zu erlassen, welche zwar keine für die Terraristik relevanten Arten enthalten sollte, dafür jedoch erstmalig ganze Gattungen – darunter (sehr zum Leidwesen unserer Hobbykollegen aus der Aquaristik) die gesamte Schlangenkopffisch-Gattung Channa spp.!

Doch statt neue Arten und Gattungen neu zu listen, soll sich in diesem Jahr zunächst erst auf das Management der bereits gelisteten „Alien Species“ konzentriert werden, wobei auch betroffene Interessenverbände stärker mit einbezogen werden sollen.

Die wissenschaftliche Prüfgruppe der EU wird aber auch in diesem Jahr die Risikobewertung von weiteren Arten vorantreiben, um Neulistungen im Jahr 2019 in die Wege zu leiten. Wünschenswert wäre, wenn bei diesen Bewertungverfahren die ökologisch unterschiedlichen Anforderungen von Tier- und Pflanzenarten strenger geprüft würden, um die Grundvoraussetzung einer sog. „unionsweiten Bedeutung“ zu erfüllen. Denn nur so kann sichergestellt werden, dass keine in südlichen EU-Mitgliedsstaaten als potentiell invasiv anzusehenden Spezies direkt im gesamten EU-Gebiet (also auch in nördlichen EU-Staaten mit einem für eine Ausbreitung ggf. nicht geeigneten Klima) reglementiert würden, sondern alternativ nationale Verbotslisten zur Verhinderung der Ausbreitung Anwendung fänden.

Am 10. Februar endet darüber hinaus die Frist für die Einreichung von Risikobewertungen für eine bereits vorgesehene dritte Aktualisierung der Unionsliste. Welchen Umfang die nächste Erweiterung im kommenden Jahr also tatsächlich haben wird, bleibt abzuwarten.
 
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Donnerstag, 7. Dezember 2017

Invasive Arten: Bürgerbeteiligung beendet

Die im Rahmen einer Online-Anhörung durchgeführte Bürgerbeteiligung zum Management von invasiven, gebietsfremden Arten, welche im Rahmen der Verordnung (EU) Nr. 1143/2014 reglementiert wurden (ich berichtete), ist inzwischen beendet.

Unter Federführung des hessischen Umweltministeriums werden die eingegangenen Stellungnahmen (laut Angaben des Ministeriums ca. 900 Stück!) zu insgesamt 13 von mittlerweile 49 betroffenen IAS
nun geprüft und zu Änderungsvorschlägen an die zuständige Arbeitsgruppe von Bund und Ländern zusammengefasst. Anhand dieser Einwände seitens der Bevölkerung sollen die vom Bundesamt für Naturschutz (BfN) erstellten „Management- und Maßnahmenblätter“ überarbeitet und voraussichtlich schon im Frühjahr 2018 veröffentlicht werden.

Ob z.B. die Forderung nach einer Haltungs-, Zucht- und Abgabebewilligung für verantwortungsbewusste Privatpersonen insbesondere bei der für unser Hobby relevanten Buchstaben-Schmuckschildkröte (Trachemys scripta) in den aktualisierten Managementplänen Beachtung finden wird, bleibt abzuwarten. Grundsätzlich sollte nicht nur die Haltung von Restbeständen im Rahmen der Übergangsregelungen, sondern auch die perspektivische Haltung zum Zwecke der Nachzucht unter Ausschluss des Entweichens erlaubt sein, zumal sogar von einigen Experten infrage gestellt wird, ob Trachemys scripta für Populationen der heimischen Europäischen Sumpfschildkröte (Emys orbicularis) überhaupt eine Bedrohung darstellt (siehe u.a. die Stellungnahme der DGHT zum nationalen Durchführungsgesetz).

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Samstag, 2. Dezember 2017

Landestierärztekammer Ba-Wü fordert Sachkundenachweis

Der in Baden-Württemberg vom amtierenden Minister für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Peter Hauk (CDU) geplante Sachkundenachweis für Reptilienhalter nimmt allmählich Form an. Am 28. November fand im Landtag von Baden-Württemberg eine Anhörung zur „Privaten Haltung von exotischen Tieren“ statt. 15 Organisationen, darunter u.a. auch die Deutsche Gesellschaft für Herpetologie und Terrarienkunde e.V. (DGHT) bezogen Stellung gegen ideologisch motivierte Haltungsverbote. Auch die Landestierärztkammer Baden-Württemberg (LTK BW) sprach sich gegen Verbote und Einschränkungen der sog. „Exotenhaltung“ aus. Positiv- und Negativlisten wurden ebenfalls deutlich abgelehnt. Dies geht aus einer Pressemitteilung der LTK BW hervor: Tierärzte fordern Sachkundenachweis bei der Exotenhaltung
 
Stattdessen unterstützt das Selbstverwaltungsorgan der Tierärzte zur Gewährleistung des Tierschutzes den vom Agrarminister geforderten Sachkundenachweis, da eine Kriminalisierung der Tierhalter dem Tierschutz mehr schaden als nützen würde, wenn betroffene Halter aus Angst vor Repressalien z.B. nicht mehr zum Tierarzt gehen würden.

Da in meinem eigenen Bundesland Niedersachsen der geplante Sachkundenachweis nach dem Regierungswechsel wieder ein Stück weit in die Ferne gerückt ist und auch im Koalitionsvertrag der niedersächsischen GroKo keine Pläne zur Regelungen der sog. „Exotenhaltung“ zu finden sind, scheint sich in Baden-Württemberg nun endlich ein sinnvolles Konzept zur Bekämpfung von Tierschutzproblemen und zur Stärkung der verantwortungsvollen Terraristik zu bilden. Der von Fachverbänden und Tierärzten geforderte mehrstufige Sachkundenachweis sehe vor, dass Halter von anspruchsvollen Tierarten wie z.B. Nahrungsspezialisten oder potentiell gefährlichen Tieren eine höhere Qualifikation vorweisen müssten als Halter von weniger anspruchsvollen Arten.

Auch Tierbörsen wurden bei der Anhörung thematisiert. Die Deutsche Veterinärmedizinische Gesellschaft (DVG) forderte die Anwesenheit von qualifizierten Fachtierärzten als Verpflichtung für solche Veranstaltungen. 
 
Dass die politischen Entscheidungsträger in Baden-Württemberg offenbar mehr Wert auf eine lösungsorientierte und fachkundige Debatte statt auf populistischen Tierschutz legen, lässt grundsätzlich auf eine positive Entwicklung hoffen.
 

Dienstag, 21. November 2017

Crowdfunding: Rechtsgutachten zur Heimtierhaltung

Seit gestern läuft auf der Crowdfunding-Plattform startnext.com eine Kampagne zur Finanzierung eines Rechtsgutachtens zur Heimtierhaltung. Das Gutachten wird u.a. von der Deutschen Gesellschaft für Herpetologie und Terrarienkunde e.V. (DGHT) und dem Verband Deutscher Vereine für Aquarien- und Terrarienkunde e.V. (VDA) sowie von Firmen wie beispielsweise HAGEN Deutschland und JBL unterstützt.

Das Rechtsgutachten soll prüfen, ob und in welcher Weise Verbote und Einschränkungen der Heimtierhaltung nach aktueller Rechtslage möglich sind und den Tierhalterfachverbänden bei ihrer politischen Arbeit helfen, um ideologisch motivierte Haltungsverbote abzuwenden. Auch für von Einschränkungen direkt betroffene Tierhalter kann ein solches Gutachten ein hilfreiches Werkzeug bei der Beschreitung des Rechtswegs sein. Es wird u.a. in Anbetracht einer von einigen Vereinen und politischen Parteien geforderten Positivliste in Auftrag gegeben und dies sogar unabhängig vom Erfolg der Crowdfunding-Kampagne, welche eine Restsumme in Höhe von 6.000 Euro für ein vollumfängliches Gutachten einbringen soll. Sollte das Fundingziel nicht erreicht werden, wird das Gutachten trotzdem, jedoch in einem geringeren Umfang in Auftrag gegeben (in diesem Fall erhalten die Unterstützer ihre Spenden zurück).

Als typisches Startnext-Goodie bekommen Unterstützer, die eine Summe in Höhe von 150 Euro spenden, das fertige Gutachten als gebundenes Buch, welches 2018 in einem juristischen Fachverlag veröffentlicht werden soll.

Die Kampagne läuft noch bis Neujahr 2018.

Nachtrag vom 28.12.2017: Heute wurde das Fundingziel in Höhe von 6.000 Euro für das geplante Rechtsgutachten zur Heimtierhaltung erreicht!
 

Samstag, 4. November 2017

Krokodilzoo Friedberg: Gericht untersagt Mensch-Tier-Kontakt

Das Verwaltungsgericht Gießen hat in einem Beschluss vom 27.10.2017 (1 L 6907/17.GI) die Auflagen der für den Krokodilzoo Friedberg zuständigen Naturschutzbehörde, dass der direkte Kontakt von Besuchern mit den im Krokodilzoo gehaltenen Panzerechsen mittels Trennbarrieren verhindert werden muss, bestätigt.

Das Regierungspräsidium Darmstadt erteilte im August dieses Jahres dem Betreiber der Einrichtung die Auflage, dass nur noch volljährige Besucher nach vorheriger schriftlicher Belehrung über die Risiken in Bereiche ohne Absperrgitter und somit in direkten Kontakt zu den potentiell gefährlichen Tieren gelangen dürfen, die entsprechenden Bereiche ansonsten jedoch für den Zutritt gesperrt werden müssen. Die Behörde bezog sich dabei auf die Auflagen des Bundesnaturschutzgesetzes. Bislang war es im Krokodilzoo Friedberg nicht nur möglich, Alligatoren hautnah an Land zu erleben und sich mit ihnen fotografieren zu lassen (auch im Rahmen von Kindergeburtstagen), sondern sogar mit ihnen zu schwimmen. Auf seiner Website wirbt der Krokodilzoo mit einem entsprechend bebilderten Slogan „Alligatorküssen leicht gemacht
.

Der Betreiber der Krokodilzoos stellte beim Verwaltungsgericht Gießen einen Eilantrag gegen die Auflagen. Schließlich betreibe er die Alligator-Farm seit vielen Jahren, ohne dass es bislang zu Unfällen gekommen sei. Neben seiner vorhandenen Fachkunde habe er auch einen Wesenstest vorgeschlagen, um die Ungefährlichkeit seiner handaufgezogenen Tiere zu bestätigen.

Das Verwaltungsgericht Gießen lehnte den Antrag jedoch ab und bestätigte die Auflagen der Naturschutzbehörde. Nach § 121 Ordnungswidrigkeitengesetz (OWiG) stelle das freie Umherbewegen von gefährlichen Tieren wildlebender Arten, zu denen Krokodile und Alligatoren zu zählen sind, sowie das Unterlassen von Vorsichtsmaßnahmen Ordnungswidrigkeitstatbestände dar. Die mutmaßliche
Zahmheit einzelner Tiere ändere nichts am grundsätzlich vorhandenen Gefahrenpotential von Panzerechsen.

Der Betreiber hat gegen den Beschluss Berufung eingelegt, wie auf der Facebookseite des Krokodilzoos gestern in einer ausführlichen Stellungnahme bekanntgegeben wurde.


Nachtrag vom 01.02.2018: Es gibt Neuigkeiten zu diesem Fall. Der Hessische Verwaltungsgerichtshof in Kassel hat die Beschwerde des Krokodilzoo-Betreibers gegen den Beschluss des VG Gießen zurückgewiesen (Beschluss vom 24.1.2018, Az. 4 B 2217/17), weil die Besucherführungen das Vorliegen einer Gefahr für Leib und Leben von Menschen begründeten und somit ein Verstoß gegen geltendes Polizeirecht zu erblicken sei. Die Begründungen der Behörde seien ausführlich und nachvollziehbar, weshalb der Beschluss zu Recht darauf gestützt wurde und somit Gültigkeit behält (siehe Pressemitteilung des VGH).

Mensch-Tier-Kontakt fördert Naturbildung (Symbolbild)